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zuré , brachte aber auch ein Schreiben Willem Huberts und einen Abgeordneten der Schiffergilde mit sich. Von nun an gingen die Boten jede Nacht hin und her. Aber auch eine telegraphische Korrespondenz wurde sinnreich genug eingeleitet. Auf dem Stadtwalle stand die Vormühle, und der Müller wurde einer der Ersten in das Einverständniß gezogen. Nun erhielt jedes Fenster derselben für die sie beobachtenden Offiziere seine eigene Bedeutung. Die Zeichen wurden bei Tage durch Öffnung, bei der Nacht durch Beleuchtung der Fenster gegeben. Sie verkündigten dem Piket, ob die einverstandenen Schiffer von den Alliirten einen Boten erwarteten; oder ob sie welche heraussenden würden; ob die Besatzung einen Ausfall, – und nach welcher Seite, mit wieviel Truppen sie denselben unternehmen würde. Jede Nacht war der Lieutenant Kretschmer in Bewegung, um Boten bis in die Nähe der Stadt zu geleiten, oder die aus derselben kommenden zu übernehmen. Er lernte dadurch jene in die Stadt führenden Schleichwege, die Punkte, wo man die Wälle übersteigen, die Poternen, die man durchkriechen konnte, auf das genaueste kennen. Auf seinen Wanderungen um die Wälle wurde er einige Male von den französischen Patrullen entdeckt, angegriffen und zurückgejagt. Einmal hatte er selbst bei der Vormühle den Wall erstiegen, den Willem Hubert besucht, von ihm einen Plan der Stadt empfangen, und mündlich ausführliche Nachrichten über alle die innere Lage der Stadt und die Besatzung betreffenden Fragen eingeholt. Nach dieser erworbenen genauen Kenntniß des Platzes überreichte er dem Oberst Hobe einen Entwurf zur überrumpelung der Stadt, der auch

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wirklich, mit geringen Abänderungen, bei der Ausführung zum Grunde gelegt wurde. – Die Franzosen machten bald darauf einen kleinen Ausfall gegen Vugt. Doch der Müller auf der Vormühle hatte noch früh genug durch den Fenstertelegraphen hiervon die nöthige Kunde gegeben. Das Piket war in Bereitschaft. Im Fort Saint Antoine empfing es die Feinde mit lebhaftem Feuer, und vertheidigte sich lange genug, damit die Husaren aus St. Michiel Gestel die Zeit gewannen, herbeizueilen. Die Franzosen schienen, auf das Gelingen einer überrumpelung gerechnet zu haben. Die kräftige Vertheidigung hatte sie überrascht. Nach Ankunft der Husaren wurden sie auf den langen Steindamm bis nahe an die Festung zurückgeworfen, Dann aber zwang das Kartätschenfeuer aus dem Ravelin die Alliirten zum Rückzuge nach Vugt. – d Von jetzt an wurde die Verbindung mit der Stadt sehr gefährlich. Es schien, als ob die Franzosen die Absichten der Alliirten, und den Zweck des in Vugt stehenden Pikets, errathen hätten. Denn zahlreiche Patrullen bewachten nunmehr diese Seite des Platzes, und alle jene geheimen Eingänge fanden sich vom Feinde wohl besetzt. Schon glaubten die Alliirten, ihre Verbindung mit dem Innern des Platzes sey für immer abgeschnitten. Schon drei Tage gab die Vormühle wiederholt das Zeichen, daß man in der Stadt sehnlichst auf Boten von Außen harre. Jan von Bowlen willigte ein, noch einmal den nunmehr doppelt gefährlichen Gang zu wagen. Der Lieutenant begleitete ihn mit seinem ganzen Piket. Die Nacht war dunkel. Ein Lämpchen an dem obersten Fenster der Vormühle diente zum

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