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Zur Aufstellung eines Freiwilligen-Corps benülzte die italienische Regierung die ausserordentliche Popularität Garibaldis, welchem auch der Oberbefehl über dieses Corps gegeben ward. Schon Ende März waren für dasselbe Werbebureaus in den grössten Städten des Landes organisirt worden, und die Werbung nahm schon zu dieser Zeil einen raschen Fortgang, wenngleich das Decret für die Errichtung eines Freiwilligen-Corps erst am 6. Mai, gleichzeitig mit jenem zur Versetzung der ganzen Armee auf Kriegsfuss, veröffentlicht ward.

Das Freiwilligen-Corps sollte aus 10 Regimentern ä 2 Bataillons (zu 723 Mann) bestehen. Bei dem ausserordentlichen Zudrange der italienischen Jugend zu diesem Corps ward jedoch später jedes Regiment mit 4 Bataillons aufgestellt; ferner wurden noch errichtet:

2 Freiwilligen-Bersaglieri-Bataillons ä 780 Mann,

2 Escadrons Guiden ä 205 Mann, 160 Pferde,

1 Compagnie Genie-Truppen,

1 Compagnie Saniläls-Truppen.

Der Gesammtstand betrug gegen Mitte Juni 35.636 Mann, 665 Pferde ').

Die Ausrüstung derselben war theilweise mangelhaft, da die Regierung alle Ausrüstungsgegenstände nur für die ursprünglich angenommenen 15.000 Freiwilligen sicher gestellt hatte, und bei der bedeutenden Überschreitung dieser Zahl und der verhältnissmässig kurzen Zeit nicht rechtzeitig alle nöthigen Gegenstände beigeschafft werden konnten.

Durch all' diese Aufstellungen hatte Italien Ende Juni 483.087 Mann mit 42.552 Pferden unter den Waffen.

Bei Beginn der Concentrirung der Armee, — welche weiter unten besprochen werden wird, — schritt die Regierung auch zur Mobilisirung von Nationalgarde-Balaillons für den Dienst im Lande. Mitte April wurden 50 Bataillons, später successive noch weitere 20, im Ganzen also 70 Bataillons mit circa 40.000 Mann mobilisirt, von denen ein, wenn auch unbedeutender Theil, als Legion Guicciardi selbst im freien Felde (Tirol) verwendet ward.

Was die Bereitstellung der festen Plätze für den Krieg anbelangt, heben wir hier nur hervor, dass Piacenza, Cremona, Casalmaggiore und Pizzighettone im mittleren Po-Gebiete und Bologna, Ferrara, Guastalla im unteren Po-Gebiete in der ersten Hälfte des Monats April vollkommen im Verteidigungszustand, armirt und mit Proviant versehen waren, nachdem Ende März zur Vervollständigung der Armirung aller erwähnten Plätze 150 Geschütze

') Beigegeben wurden dem Freiwilligen-Corps:

Das 41. Bersaglieri-Bataillon, 3 Feld-, 2 Gebirgs-Batterien und 1 Genie-Compagnie der regulären Armee.

aus der Giesserei Parma's, weiters gegen 400 aus dem Depot von Alessandria abgesendet worden waren.

Neue, grössere Herstellungen wurden nur bei Cremona (am 11. April) angeordnet und durchgeführt

"Wie mit den Rüstungen, so beeilte sich die italienische Regierung auch mit den Vorbereitungen zur möglichst raschen Concentrirung ihrer Streitkräfte in der Nähe der Grenze. Schon in den letzten Tagen des Monates März erhielten alle nach Neapel bestimmt gewesenen Truppen Haltbefehl; am 30. März wurden das 1. und 2. Grenadier-Regiment in Florenz, das 53. und 54. Infanterie-Regiment in der Maremma, das 25. und 26. Bersaglieri-Bataillon, dann die beiden in Caserta und Foggia liegenden LancieriRegimenter in Marschbereitschaft gesetzt.

Anfangs April war im italienischen Kriegsministerium der Mobilisirungsund Concenlrirungs-Entwurf in allen Details ausgearbeitet, und Mitte April, als die österreichische Armee in Italien noch ganz auf dem Friedensfusse stand, nahm die italienische Regierung alle Lastenzüge der Eisenbahnen für Truppenbeförderungen in Anspruch, und stellte auf einzelnen Bahnen sogar den Verkehr zu Gunsten von Militär-Transporten gänzlich ein. Die hiedurch erhaltenen Transportmittel wurden auch derart ausgenützt, dass am 20. April statt der gewöhnlichen 100.000 Mann nur mehr 50.000 in Neapel standen, dafür aber am selben Tage zwischen Bologna und Ferrara 40.000 Mann, in der Lombardie 96, in den Legalionen und in Toscana 104 Bataillons Concentrin waren

Hiemit war auch der Aufmarsch der italienischen Armee mehr als vorbereitet; die noch fehlenden Ergänzungen, Bespannungen etc. wurden den Truppen rasch zugeschoben, so dass binnen Kurzem auch der volle Kriegsstand erreicht sein konnte.

Gegen die Milte des Monates Mai wurden die in den Legationen und Toscana befindlichen Streitkräfte nach der Lombardie in Bewegung gesetzt.

Die italienische Armee theilte sich in 2 grosse Massen, von welchen die stärkere in der Lombardie, die andere am unteren Po zwischen Bologna und Ferrara sich sammelte.

Gleichzeitig mit der Concentrirung der Armee ward auch jene der Freiwilligen am linken Flügel des Hauptheeres zwischen Brescia und Rocca d'Anfo durchgeführt, welche in der Stärke von 36- bis 37.000 Mann mit 40

') Von den in Neapel stehenden 50.000 Mann waren 28 Bataillons, 3 CavallerieRegimenter nnd 6 Batterien zwischen Capna und Neapel concentrirt und zur Einschiffung bereit.

Geschützen unter dem Befehle des Generals Garibaldi gegen Tirol zu wirken bestimmt waren.

Der Sollstand der italienischen Operations-Armee war der folgende:

Armee in der Lombardie unter persönlichem Befehl

des Königs:

Effectiv Streitbar

[table]

Armee am Po unter G. d. A. Cialdini:

IV. Corps 123.548 11.573 168 108.272 3.360 168

Totale. . 314,331 33.103 450 270.680 10.080 450 Hiezu die Freiwilligen j unter General Garibaldi J 36.000 665 40 mit circa 1 Dieser organisationsmässige Stand ward aber nicht erreicht. Nach den bisher veröffentlichten, theilweise officiellen italienischen Werken hätte die wirkliche Aufmarschstärke der italienischen Armee circa 270.000 Mann betragen

') Das I., II. und III. Armee-Corps wären in dieBem Falle zu circa 45.000 bis 48.000 Mann (wovon circa 40.000 Mann streitbar), die in der Lombardie concentrirte Armee zu beiläufig 160.000 bis 170.000 Mann (wovon 120.000 bis 130.000 Mann streitbar) zu rechnen. Die Armee Cialdini's hätte dann beiläufig 100.009 Mann (wovon 88.000 bis 90.000 Mann streitbar) betragen. Dagegen dürfte der Pferdestand bei der Cavallerie sich etwas höher beziffern.

Die Geschütz-Reserve und der Belagerungs - Train des IV. Corps waren mit Ochsen bespannt.

Ausserdem waren im Lande noch:
Ersatztruppen: Depots 8800 Mann j

1. Kategorie 1846 . . 45.000 Mann J 83.800 Mann,

2. „ 1844 . . 30.000 „ ) Besatzungs-Truppen der Artillerie, Arbeiter-Compagnien etc. 12.662 Mann, Besatzungen am Operationsfelde, u. z.: Piacenza, Cremona,

Casalmaggiore, Pizzighettone, Bologna, Ferrara, Guastalla 25.000 Mann,

Aucona 5000 Mann,

Neapel 30.000 Mann.

Summe 156.462 Mann.

Die Armee in der Lombardie zählte 216 Bataillons, 41 Compagnien, 60 Escadrons, 4V Batterien; die Armee am unteren Po 144 Bataillons, 22 Compagnien, 30 Escadrons, 28 Batterien.')

Den Oberbefehl über das gesammte Heer führte Se. Majestät der König Victor Emanuel.

Generalstabs-Chef der Armee war G. d. A. La Marmor a; GeneralAdjutant GL. P e t i 11 i; Sous-Chef des Stabes Oberst Bariola; ArtillerieChef GL. Valfre; Genie-Chef GL. Menabrea; Intendant GM. BertoleViale.

Die italienische Flotte halte sich im Laufe des Monats Mai im Golfe von Tarent unter dem Oberbefehl des Admirals Persano gesammelt.

Sie begab sich gegen Mitte Juni nach Ancona, um dort die noch sehr mangelhafte Ausrüstung zu ergänzen, und kam erst zur Action, als die KampfEntscheidung zu Lande schon gefallen war.

In welcher Weise die kaiserlich österreichische Süd-Armee zur Kriegs-Aufstellung kam, ist schon im I. Bande dieses Werkes näher erörtert worden; die Armee ward erst am 21. April auf Kriegsfuss gesetzt; am 10. Juni war dieselbe in allen Theilen completirt und operationsfähig.

Se. k. Hoheit FM. Erzherzog A1 b r e c h t hatte am 9. Mai das Commando der Armee übernommen und aus diesem Anlasse den folgenden Armeebefehl erlassen:

„Mit dem Armee-Befehle Nr. 17 vom 8. d. M. hat der Feldzeugmeister „von Benedek den Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Kaisers ver„lautbarl, kraft dessen er für eine andere Bestimmung berufen und das „Commando der k. k. Armee in Italien Meinen Händen anvertraut wird.

„In erhebenden Worten hat der Feldzeugmeister von dieser Armee „Abschied genommen, und indem Ich das Commando hiemit antrete, fühle „Ich Mich verpflichtet, es aus dem Grunde Meines Herzens auszusprechen, „dass Ich es vollkommen zu ermessen weiss, wie schmerzlich Alle: Generale, „Offlciere und Mannschaft einen mit Recht so verehrten Führer scheiden „sehen, der stets Vater seiner Soldaten, zu jeder Zeit den allösterreichischen „edlen Geist in der Armee zu nähren und, auf jedem Schlachtfelde ein Feld„herrnvorbild, das Glück an unsere Waffen zu fesseln gewusst hat.

„Im Namen Euer Aller, Soldaten der k. k. Armee in Italien! rufe Ich „somit dem geliebten Führer ein warmes, dankbares Lebewohl zu; in

') Siehe die Ordre de bataille des italienischen Heeres, wie sie nun bekannt ist, in der Beilage l zum I. Abschnitte (2. Band).

Die Ordre de bataille der Freiwilligen folgt seinerzeit bei der Schilderung der Kämpfe in Tirol.

„Meinem eigenen Namen aber dem treuen Freunde und Waffengefährten „ein herzliches „Glückauf" zu seiner neuen grossen Aufgabe.

„Dasselbe Gefühl treuer Waffenbrüderschaft ist es ferner auch, mit „dem Ich die k. k. Armee in Italien herzlich und mit Freuden begrüsse. Fast „Alle, Führer und Truppen, sind Mir bekannt; mit den Meisten verbinden „Mich überdies die ruhmreichen Erinnerungen an unsere Kämpfe von 1848 „und 1849 auf diesem blutgetränkten Boden.

„Die Kenntniss des vollen Werlhes derselben erhöht Meine Zuversicht, dass wir den Erwartungen unseres Allergnädigsten Kaisers und „Kriegsherrn unter allen, auch den schwierigsten Umständen entsprechen „werden.

„Soldaten! Seine Majestät haben Mich beauftragt, Euch Seinen kaiserlichen Gruss zu bringen! Mit Stolz werdet Ihr fühlen, dass des Kaisers Auge auf uns ruht und Sein edles Herz mit uns ist; wir werden daher „freudig in Tapferkeit und Hingebung eintreten für Sein heiliges Recht, für „die ungeschmälerte Erhaltung unseres Gesammt-Vaterlandes; wir werden „beweisen, dass wir gleich unseren Vätern die würdigen Söhne sind von „Österreich an Ehren und an Siegen reich."

„Mit festem Vertrauen auf Gott, mit der vollsten Zuversicht auf Euch, „trete Ich an Eure Spitze — wiederhole Euch, als den wahren Ausdruck „Meiner eigenen Überzeugung, des Feldzeugmeislers Benedek erhebende „Abschiedsworte; „Des Kaisers Soldaten Alle, im Süden wie im Norden, bil„den doch nur Eine Armee, stets bereit in gleicher Treue, in gleicher „Hingebung, in gleicher Ehre für ihren geliebten Kriegsherrn zu leben und „zu sterben." — Und so hoffe Ich zu Gott, Ich werde als das höchste Ziel, „den schönsten Lohn Euerer Treue und Tapferkeit, Euerer Ausdauer und „Standhaftigkeit Euch stets verkünden können: Der Kaiser ist mit Euch „zufri eden.

Eh. Alb recht m./p.

Generalstabs-Chefder Armee war GM. Baron John; Chef der Operations-Kanzlei Oberst v. Pürcker; Chef der Detail-Kanzlei Oberst v. Stubenrauch; Artillerie-Chef GM. von Hutschenreiter; Genie-Chef GM. v. Rad6; Armee-Intendant GM. v. Arbter.

Die kaiserliche Süd-Armee zählte 147% Bataillons, 104% Compagnien, 36 Escadrons, 33 Batterien.

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