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Die an der Tete marschirende Brigade Möring, welcher noch die 1. Compagnie des 2. Genie-Regiments und die 8pfündige Reserve-Fussbatlerie 10/V beigegeben wurden, bog bei Presa nach Sona ab, wo deren Tete etwa 6'/, Uhr Abends eintraf; die Brigade Piret ruckte nach Caslelnovo, die Brigade Bauer an die Wegabzweigung nächst Alberello und besetzte mit dem 1. Bataillon Benedek S. Giorgio in Salici.

Die Aufstellung der nun bei und vor Verona versammelten kaiserlichen Armee war in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni die folgende:

Armee-Hauptquartier inS. Massimo.

Infanterie-Reserve-Division: der Stab und die Brigade Prinz Weimar in Sandra, die Brigade Benko bei Paslrengo.

5. Armee-Corps:

Corps-Quartier, Genie-Compagnie und 1 Zug Uhlanen, Osteria del

Bosco.

Brigade Möring in Sona;

Ein Bataillon Erzherzog Leopold und ein Bataillon Grueber waren zur Besetzung der südwestlich und südlich von Sona liegenden Höhen vorgeschoben.

Brigade Piret in Castelnovo (6 Züge Uhlanen auf Vorposten südlich von Caslelnovo).

Brigade Bauer und Sanitäts-Compagnie bei Alberello, das 1. Bataillon Benedek in S. Giorgio in Salici auf Vorposten.

Geschütz-Reserve (5/V und 7/V) zwischen Osteria del Bosco und S. Giustina.

Munilionspark beiS. Giustina.

Kleine Bagage und Ambulancein Chievo. (Die Letztere hatte Befehl, am 24. um 6 Uhr Früh bei Osteria del Bosco einzutreffen.) Das 7. Armee-Corps war im Biwak bei S. Massimo; das 9. Corps bei S. Lucia,

die Brigade Pulz bei Fort Gisella; die im Laufe des Nachmittags neu formirte und dem Obersten Pulz unterstehende Brigade Bujanovics, bestehend aus:

Der 1., 3. und 4. Escadron des 3. Huszaren-Regiments, „ 2., 5. „ 6. „ „11. „ „ „ 1. und 3. „ „12. Uhlanen- „ lagerte mit den 3 Escadrons des 3. Huszaren-Regiments gleichfalls bei Fort Gisella.

Zwischen 7 und 8 Uhr Abends bezog die 1. Escadron des 12. Uhlanen-Regiments in der Linie Mancalacqua, Zivollara, Caselle d'Erbe. mit der 3. Escadron als Unterstützung in Lugagnano, Vorposten. Die 2., 5. und 6. Escadron des 11. Huszaren-Regiments übernahmen den Vorpostendienst von Caselle d'Erbe südlich und standen in der Linie Calzoni-Camotto.

Die Palrullen der Cavalbrie gingen in der Nacht bis Cusloza, Villafranca und Povegliano und fanden in keinem Orte den Feind. An der grossen Chaussee gegen Goito, etwa 1 Miglie hinler Villafranca, standen die ersten Vorposten der feindlichen Cavallerie.

Das in's Hügelland gerückte 5. Armee-Corps war nirgends auf den Feind gestossen, dagegen bemerkte man von Peschiera aus in der Richtung gegen den Monte Vento grössere feindliche Truppenlager, was auch vom Feslungs-Commando dem Armee-Commandoum 10 Uhr Abends telegraphisch gemeldet wurde ').

Über die Armee des'Generals Cialdini fehlten seit einigen Tagen genauere Nachrichten; man wusste nicht, ob derselbe noch am untern Po stand oder ob er sich mit der Armee des Königs vereinigt habe.

Die Vorbereitungen zum Überschreiten des Po konnten recht wohl blosse Demonstrationen sein; doch sollte hierüber bald befriedigende Gewissheit werden.

Oberst Graf S z a p ä r y, welcher am untern Po den Feind beobachtete, telegraphirte um 81/, Uhr Abends aus Rovigo:

„Freiwillige und Lancieri haben 6 Uhr Abends die Insel Ariano besetzt. „Bei Mesola hat der Feind Brücken-Materiale angehäuft und hat dort auch Artillerie."

Um 12»/, Uhr Nachts:

„Feind von Polesella Po abwärts auf allen Punkten um 8 Uhr Abends „übergegangen. Von Polesella aufwärts keine Meldung eingelaufen."

„Ich verlasse den Po, beobachte die Etsch. Bin vorläufig in Boara."

Diese Nachrichten, insbesondere aber die letzte Meldung Szapary's wurden im Hauptquartiere mit grosser Befriedigung aufgenommen, da sie die Besorgniss über die Vereinigung der beiden feindlichen ]Armeen gänzlich zerstreuten.

Oberst Szapäry nahm seine Posten vom Po hinter den Canal bianco noch im Laufe der Nacht zurück und Hess durch Zerstörung der grösseren Brücken die Comnlunicationen hinter sich unbrauchbar machen.

Die bei Mesola am 23. Abends über den Po gegangene feindliche Abtheilung gehörte zur Division F r a n z i n i.

*) Es war die am Monte Sabbionc bis Torrione lagernde Brigade Pisa.

Es war dieser Übergang, sowie der begonnene Brückenschlag bei Guarda (Ferrarese) eine Demonstration, durch welche Cialdini die Aufmerksamkeit der Österreicher von der Po-Strecke zunächst der Panaro-Mündung abwenden wollte, an welcher in der Nacht vom 25. auf den 26. bei der Insel Rava und bei Casette der Übergang seines Corps stattfinden sollte ').

Fassen wir nun die Lage, wie sie am 23. war, kurz zusammen, so hatte die 71.824 Mann, 3536 Reiter und 168 Geschütze starke kaiserliche Armee, welche im Begriffe war, am nächsten Tage von Verona gegen den Mincio vorzubrechen, das feindliche gegen 90.000 Mann starke Corps Cialdini, in einen schwierigen Strom-Übergang verwickelt, hinter sich im Rücken, — und dieArmee des Königs im Ganzen ungefähr 120.100 Mann, 7200 Reiter, 282 Geschütze stark, vor sich in folgender Vertheilung:

Das I. Corps (40.000 Mann, 1800 Reiler, 72 Geschütze) hatte ungefähr die grössere Hälfte am linken Mincio-Ufer bei Monzambano, Valeggio und Pozzolo; der noch am rechten Ufer befindliche kleinere Theil des Corps war nahe genug an den beiden oberen Übergangspunkten, um bald in den Kampf treten zu können.

In der Ebene bei Mozzecane stand die Cavallerie-Division Sonnaz mit 2400 Reilern und 12 Geschützen;

dahinter zwischen Roverbella, Pozzolo und Villa Buona das III. Corps mit 40.000 Mann, 1800 Reitern und 72 Geschützen;

das II. Corps, 40.000 Mann, 1200 Reiter und 72 Geschütze stand mit 2 Divisionen bei Mantua und Borgoforte, mit der anderen Hälfte_bei Castellucchio; letztere halle am 24. der Armee über den Mincio zu folgen.

Der kaiserlichen Armee konnten also — wenn auch nicht gleich in den ersten Stunden des Kampfes vollzählig — 2'/, Armee-Corps und die ReserveCavallerie-Division, im Ganzen bei 100.000 Mann, 7000 Reiter und 192 Geschütze entgegentreten.

Noch immer war die Übermacht des Gegners gross; doch ist Übermacht allein nicht das entscheidende Element im Kriege, und der Schwächere hat das Recht, auch noch mit dem Glücke zu rechnen, vorausgesetzt, dass er es zu verdienen und zu benützen wisse.

J) Nach Corvctto's „La Campagna del 1866 in Italia."

II. Abschnitt.

Schlacht von Custoza.

24. Juni 1866.

Den 23. Juni um 6V4Uhr Abends ward folgende Disposition für den 24. an die Corps-Commanden, das Infanlerie-Reserve-Divisions-Commando, die Brigaden Pulz und Bujanovics und das Festungs-Commando Verona expedirt:

„Wie bereits mit der für heute Nachmittag hinausgegebenen Disposition erwähnt, haben alle Abiheilungen um 3 Uhr Früh zur Vorrückung ^bereit zu sein, und es wird das Reserve-Truppen-Divisions-Commando mit rder in Pastrengo stehenden Brigade GM. Benko nach Sandra vorrücken „und sich allda mit der Brigade Oberst Prinz Sachsen - Weimar vereinigen.

„Die weitere Vorrückung der Division erfolgt nunmehr nach Castelnovo.

„Das in S. Giustina und Sona stehende 5. Armee-Corps rückt mit den rbeiden in S. Giustina stehenden Brigaden gegen S. Giorgio in Salici, die in rSona stehende Brigade gegen die Eisenbahn in der Richtung nach rCasazze ').

„Das bei S. Lucia stehende 9. Armee-Cor[5s rückt, möglichst geTdeckt, nördlich des Eisenbahndammes über Mancalacqua und schlägt „von da die Richtung auf Sommacampagna ein, greift diesen Ort an falls rer besetzt ist, und setzt sich dort fest.

„Diesem Corps folgt das 7. aus S. Massimo, und sobald das erstgenannte gegen Sommacampagna vorgerückt ist, schiebt das 7. Armeekorps eine Brigade längs der Eisenbahn durch das Defile zur Ablösung der rBrigade des 5. Corps nach Casazze vor, wonach die Brigade des 5. Corps „zu diesem letzteren einrückt.

„Die beiden anderen Brigaden des 7. Corps bleiben in Reserve.

„Ist dieser Aufmarsch erfolgt, so rückt die Infanterie-Reserve-Division von Castelnovo nach Oliosi; das 5. Corps gegen S. Rocco di Palazzolo,

') Das 5. Corps war, wie schon früher erwähnt, im Marsche nach Sona und 8. Giustina, hatte Castelnovo besetzt und in dem Räume zwischen diesem Orte und Sona, Front gegen Süden, Aufstellung genommen, wovon das Armee-Commando zur Zeit der Absendung der Disposition noch keine Kenntniss hatte.

„die Brigade des 7. Corps gegen Zerbare, während das 9. Corps Somma„campagna als Pivot feslhält und sich gegen Berettara ausdehnt.

„Die als Reserve bestimmten zwei Brigaden des V Corps halten an der „Eisenbahn in der Höhe von Sona.

„Die unter Commando des Obersten Pulz befindlichen Cavallerie„Abtheilungen, respective die Brigaden Pulz und Bujanovics, rücken aus „dem Lager in gleicher Höhe mit dem" 9. Armee-Corps, dessen linke Flanke „deckend, in der Hauptrichtung gegen Sommacampagna, und es wird deren „besondere Aufgabe sein, die Armee überhaupt in der linken Flanke zu „schützen.

„Im Falle ungünstige Verhältnisse zum Rückzüge zwingen, sind, wie „in der für heute hinausgegebenen Disposition erwähnt, in Pescantina, Pa„slrengo und Ponton Brücken, nach welchen von den Corps der Rückzug, und „zwar von der Infanterie-Reserve-Division nach Ponton, vom 5. und 7. „Corps nach Pastrengo, vom 9. Corps nach Pescantina zu nehmen sein wird.

„Die Cavallerie-Brigade Pulz gehl eventuell über S. Massimo nach „Verona zurück.

„Das Hauptquartier marschirt mit dem 7. Corps nach Sona, „wohin alle Meldungen zu richten sind.

„Hauptquartier Verona, 23/6. 1866. 63/4 Uhr Abends."

Um den Raum gegen die mittlere Etsch aufzuklären, erliess S. k. H. der Armee-Commandant noch um 9% Uhr Abends des 23. an die Brigade Oberst Bujanovics den Befehl: „Am nächsten Tage zeitlich Früh eine der „ausgeruhten Escadrons unter Commando eines besonders findigen Rittmeisters gegen Isola dclla Scala, Bovolone, kurz in die mittlere Strecke zwischen Mincio und Etsch zu entsenden, um zu erfahren, ob der Feind nicht „in der Richtung von Legnago^gegen Verona vorrücke."

Alle Meldungen von dieser Seite waren durch das Festungs-Commando zu Verona dem Armee-Commando telegraphisch bekannt zu geben.

Aufmareoh zur Sohlaoht von 3 bis 8 Uhr Früh.

In der Nacht zum 24. Juni zwischen 11 und 2 Uhr ging ein heftiger Regen nieder, der zwar die herrschende ausserordentliche Hitze milderte und den Staub der Strassen einigermassen niederschlug, aber auch die durchgehends biwakirenden Truppen um die ihnen nolhwendige nächtliche Ruhe brachte.

Am 24. zeitlich Morgens setzten sich, wie es die Disposition bestimmte, sämmtliche Abtheilungen der Armee in Bewegung.

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