Abbildungen der Seite
PDF

Die Linien-Cavallerie-Division (Sonnaz) war nach Mozzeoane und Quaderni vorgeschoben und hatle Vortruppen bis auf eine Miglie von Villa1'ranca enlfernl ausgestellt.

Das II. Corps (Cucchiari) überschritt den Mincio am 23. nicht. Zwei Divisionen desselben, die 19. Division (Longoni) und die 10. Division (Angioletti) blieben als Reserve des I. und III. Corps bei Castellocehio, die 6. Division (Gosenz) und die Brigade Ravenna der 4. Division (Mig n a n o) rückten bei Mantua auf das österreichische Gebiet und besetzten die Curtatone-Linie; die andere Brigade der 4. Division blieb auf dem rechten PoUl'er und rüokte vor Borgoforte zur Beobachtung dieses Brückenkopfes.

Der Vormarsch des italienischen Heeres war nicht nur (iberall ohne Widerstand, sondern sogar— wenn man von den schwachen Cavallerie-Ablheilnngen, die am Mincio gestanden hatten, absieht — ohne Begegnung mit k. k. Truppen vor sich gegangen.

Die beinahe gänzliche Abwesenheit österreichischer Streitkräfte am Mincio bestärkte das italienische Hauptquartier in der durch alle ihm bisher zugekommenen Nachrichten erzeugten Meinung, dass die kaiserliche Armee hinter der Etsch stände und auf die Verteidigung des Landes zwischen diesem Flusse und dem Mincio gänzlich verzichtet hätte.

Es ward daher beschlossen, am folgenden Tage den 24. Juni, den Haapllheil des Heeres vollends über den Mincio gehen und denselben theils in der Ebene von Villafranca, theils auf dem Hügellande von Sommacampagna, S. Giustina und Caslelnovo Stellung nehmen zu lassen, dadurch die Aufmerksamkeit der österreichischen Armee auf sich zu ziehen und den Übergang über den unteren Po, welcher erst am 26. vom IV. Corps (Cialdini) durchgeführt werden sollte, zu begünstigen ').

Das kaiserliche Armee-Commando hatte auf die Meldung des Obersten Pulz über den Einmarsch des Feindes, Mittags den Oberst Baron Rueber des Generalstabes zur Recognoscirung der feindlichen Bewegungen gegen den Mincio entsendet.

Dieser Stabsofficier, welcher die Brigade Pulz um 1'/, Uhr in der Nähe von Dossobuono traf, konnte später von der Höhe bei La Berellara in der Richtung von Salionze keinen Feind entdecken, und Nichts deutete darauf hin, dass hier grössere feindliche Massen übergegangen wären.

Dagegen beobachtete Oberst Rueber zwischen Valeggio-Villafranca und südlich von Villafranca grosse Staubwolken.

') Nach einer sehr verlässlichen Quelle sollen am 24. bereits alle Divisionen diese» Corps, oder vielmehr dieser Armee, in der Nähe des Po gestanden sein.

Allem Anscheine nach war Villafranca bereits besetzt, und grössere Heeresmassen zogen in der Ebene heran.

Aus diesen Beobachtungen schloss das Armee-Commando, dass der Feind in mehreren Colonnen im Vorrücken gegen die mittlere Etsch begriffen sei.

War auch diese Annahme bezüglich der Hauptrichtung der feindlichen Armee, wie wir aus dem Vorigen wissen, nicht richtig, — der Feind dachte sich in aller Gemächlichkeit und ohne angefochten zu werden, vor Verona für einige Zeit zu elablircn und wie es scheint, dem General Cialdini das Wichtigste der Operationen zuzumuthen, — so schadete sie doch den Entwürfen des österreichischen Hauptquartiers nicht, sondern war vielmehr geeignet, die Ausführung des schon einmal gefassten kühnen Planes zu beschleunigen.

Auch lauteten die Nachrichten von Mantua und Rovigo diesem Plane günstig.

Nach den Rapporten aus Mantua schien sich an der Curtatone-Linie eine starke feindliche Armee-Abtheilung festzusetzen, die allem Anscheine nach für den Enlscheidungskampf, der wahrscheinlich am nächsten Tage bevorstand, verloren war1).

Auf der ganzen Strecke des Po bis in die Gegend von Ferrara war kein Feind sichtbar, und es schien noch die weite Trennung zwischen der Armee des Königs und jener Cialdini's fortzubestehen, da nach einer Meldung des Obersten Szapary bei Guarda Ferrarese Vorbereitungen zum Brückenschlage über den Po gemacht wurden; es waren dort Ponloniere und Pontonlrains angekommen, und ward eine Rührigkeit entwickelt, als wenn der Übergang an diesem oder längstens am nächsten Tage stattfinden sollte.

Doch, wir haben es schon früher angedeutet, die Armee Cialdini's hatte nicht nur den Po, sie hatte nebstbei zwei Canäle und endlich die Etsch auf Übergängen, die überall erst hergestellt werden mussten, zu überschreiten. Die Vorrückung der grossen feindlichen Heeresmasse konnte nur langsam vor sich gehen, und der kaiserlichen Armee blieb daher immer einige Zeil, bevor ihr die Erstere gefährlich werden konnte.

Diese Zeil musste benutzt werden zu dem einzigen Schlage, von dem sich die kaiserliche Armee einen Erfolg versprechen konnte, und dieselbe ward auch, ohne weiter eine Stunde zu verlieren, wirklich benützt.

Die kaiserliche Armee war in dieser Absicht am 23. Juni auf das rechte Etsch-Ufer gerückt.

') Wie schon Angegeben, standen bei Curtatone drei, vor Borgoforte eine feindliche Brigade.

In den ersten Nachmittagsstunden standen:

Die Infanterie-Reserve-Division bei Pastrengo, das 5. Corps bei Chievo, das 7. bei S. Massimo, das 9. bei S. Lucia, die Brigade P u 1 z vom Mincio zurückgezogen bei Fort Gisela.

Der Tag war sehr heiss, und die marschirenden Corps litten durch die Hitze und den grossen Staub, den sie auf den Strassen aufwarfen.

Indessen waren dieselben alle vom besten Geiste beseelt, und der Erzherzog beschloss noch an diesem Tage einige Punkte des Hügellandes zu gewinnen, deren Besitz für den Plan den er gefasst, von Wichtigkeit war.

Um 11 Uhr wurden die Corps-Commandanten und der Commandant der Reserve-Division mit ihren Generalstabs-Chefs ins Armee-Hauptquartier berufen, wo ihnen der Erzherzog seinen Entschluss mitlheilte. dem über den Mincio gegangenen Feinde in die Flanke zu rücken. Er befahl die sofortige Vorrückung eines Theiles der Armee auf die Höhen vor Verona, ordnete die Formation einer zweiten Cavallerie-Brigade aus der bei den Corps eingeteilten Cavallerie an, und betonte, nach Erklärung der beabsichligten Operationen, dass in den bevorstehenden Kämpfen sich wo möglich immer die Initiative zu wahren, und jeder Angriff rasch und entschieden auszuführen sei.

Die mündlich getroffenen Verfügungen sind in dem folgenden schriftlichen Befehle, der gegen Abend expedirt ward, wiederholt:

„Nach den bis heute Mittags 12 Uhr beim Armee-Commando eingelaufenen Nachrichten, ist die feindliche Armee mit Verletzung des von ihr „selbst gesetzten Termines von drei Tagen, heute mit Tagesanbruch bei „Goito, Valeggio und Monzambano übergegangen und in der Hauptrichtung „bis Villafranca vorgerückt.

„In Folge dessen bestimme Ich Nachfolgendes:

„Die Infanterie-Reserve-Truppen-Division. Von dieser „hat heule Nachmittags 5 Uhr die Brigade Oberst Prinz Sachsen-Wei„mar von Pastrengo nach Sandra vorzurücken und nach Castelnovo zu „detachiren.

„Das 5. Infanterie-Armee-Corps rückt ebenfalls um 5 Uhr „aus dem Freilager bei Chievo nach S. Giustina und schiebt, allda angelangt, „wenn Sona noch nicht oder nur schwach vom Feinde besetzt ist, eine Bringade dahin vor.

„Gleich nach der Besetzung dieser drei genannten Orte ist sich in denselben für eine hartnäckige Vertheidigung einzurichten und die vorliegende „Gegend gegen Salionze, Oliosi und Sommacampagna scharf im Auge zu „behalten.

„Zu dem letzterwähnten Zwecke wird die 2. Compagnie des 2. Genie„Regiments dem 5. Armee-Corps zur Verfügung gestellt, und hat dieselbe „allsogleich in das Lager nach Chievo abzurücken.

„Die Brigade GM. Benko, so wie das 7. und 9. Armeekorps, dann die Reserve-Anstalten bleiben in der für heute bestimmten „Aufstellung.

„Um für die morgen beabsichtigte Vorrückung einen grösseren Caval„lerie-Körper zur Verlügung zu haben, bestimme Ich, dass vom Huszaren„Regimenle Nr. 3 drei Escadrons, vom Huszaren-Regimente Nr. 11, ebenfalls „drei Escadrons, vom Uhlanen-Regimente Nr. 12, zwei Escadrons, zusammen „8 Escadrons, vereint unter Commando des Herrn Obersten Bujanovics, „eine Brigade zu bilden haben.

„Diese Brigade hat heute Abends das Lager bei S. Lucia gegen Villa„franca zu beziehen und für die morgigen Operationen mit der Brigade Oberst „Pulz vereint zu werden.

„Die zwei Uhlanen-Escadrons aber rücken um 5 Uhr gegen Luga„gnano vor, um den Marsch des 5. Corps zu decken, und palrulliren gegen „Sona und weiters in Verbindung mit den Vorposten, gegen Villalranca.

„Die Oberleitung über diese beiden Brigaden behält Oberst Pulz.

„Um für alle Fälle hinreichende Übergänge über die Etsch zu haben, „werden im Laule des heutigen Tages bei Ponton und Pescantina Kriegs„brücken geschlagen, welche bis morgen Früh 6 Uhr fertig sein werden, „und mache Ich hiebei auf die bei Pastrengo bereits bestehende halb permanente Brücke aufmerksam ').

„Die Brücke bei Casa-Burri wird heute Abends abgebrochen

„Von dem bei dem Brückenschlage nicht in Verwendung stehenden „4. Pionniei - Bataillon haben morgen 3 Uhr Früh zwei Compagnien ohne „Brückenequipage bei S. Massimo gestellt zu sein 3).

„ich befehle, dass die zuden morgigen Operationen bestimmten Truppen „heute Abends nochmals abkochen, die Suppe und den Wein verzehren, das „Fleisch jedoch morgen im gekochten Zustande mit sich nehmen, daher Ich „für den heutigen Tag die doppelte Fassung der hiezu nöthigen Verpflegsar„likel bewillige.

„Morgen muss Alles lür 3 Uhr Früh zum Vormarsche bereit sein, und

') Zum Brückenschläge wurden im Laufe des Tages vom 3. I'ionnier- Bataillon eine und eine halbe Compagnie und zwei bespannte Kriegsbrücken-Equipagen nach Pescantina und Ponton disponirt.

J) Diese Brücke ward vom 4. Pionnier-Bataillon abgetragen, sobald am Nachmittag die Proviantwagen des 9. Corps dieselbe passirt hatten. Das Brückenmaterial ward nach Verona geschafft.

*) Daselbst ward am 23. Nachmittags eine Feldtelographen-Station errichtet.

„ist der schwarze Cafe demgemäss zeitgerecht von der Mannschaft zu sich „zu nehmen.

„Endlich haben die Herren Corps- und Truppen-Commandanten dafür „Sorge zu tragen, dass die Truppen von morgen Früh an gerechnet, einen „4tägigen Proviantvorralh, nämlich zwei Portionen beim Mann und zwei auf „den Proviantwagen mit sich führen.

„Die grossen Bagagen bleiben vorläufig auf jenen Plätzen, auf welchen „sie heute stehen ')."

In Folge dieser Disposition rückte von der Infanterie-Reserve-Division, welche jetzt GM. R u p p r e c h t commandirte, der Divisionsstab und die Brigade P rinz S achsen-Weimar von Pastrengo nach Sandra, besetzte um 6V, Uhr Abends den Ort und stellte Vorposten gegen Castelnovo aus, ohne jedoch diesen Ort zu besetzen.

Das 5. Armee-Corps, welches GM. Baron Rod ich commandirte, da General der Cavallerie Fürst Friedrich Liechtenstein seit einigen Tagen schwer erkrankt war, brach aus seinem Lager bei Chievo, ohne abzukochen, gegen 4 Uhr auf und rückte ohne alle Bagage, nur die Munitionswagen mitführend, über Croce bianca und dann auf der grossen Strasse gegen Peschiera vor.

Zwei EscadronsSicilien-Uhlanen bildeten die Vorhut mit dem Auftrage S. Giustina, Sona und Castelnovo zu recognosciren.

Dann folgten die Brigaden M öring, Eugen Baron Piret und Bauer; endlich die Genie-Compagnien, die Corps-Geschütz - Reserve, die SanilätsCompagnie und der Corps-Munitions-Park mit einer Division Baron Nagy Infanterie als Arrieregarde.

Die Ambulance und die restringirte kleine Bagage des Corps blieb in Chievo.

Bei Presa erhielt der Corps-Commandant GM. Baron R o d i c h von der vorausgesandten Cavallerie die Meldung, dass Sona, S. Giustina, Castelnovo und selbst S. Giorgio in Salici vom Feinde nicht besetzt seien; derselbe beschloss nun, dar die Truppen vom kurzen Marsche nicht ermüdet waren und die Armee am folgenden Tage ohnehin eine Linksschwenkung gegen Süden zu machen halte, die Frontveränderung, insoferne dieselbe das eigene Corps betraf, noch am 23. Abends zu bewirken, S. Giustina gar nicht, dagegen aber die zu einer nachhaltigen Vertheidigung geeigneten drei Punkte Sona, S. Giorgio in Salici und Castelnovo stark zu besetzen und selbe zur Vertheidigung herzurichten.

i) Von der Reserve-Division bei Carubbio, vom 5. Armee-Corps bei Montorio, vom 7. Corps bei S. Michele, vom 9. Corps bei Campalto. Üaterrelchs Kampfe 1866. IL Bind. 4

« ZurückWeiter »