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I. Abschnitt.

Die gegenseitigen Vorbereitungen zum Kriege bis zur

Schlacht von Custoza.

Die italienische Armee zählte bei Beginn des Jahres ungefähr 180.000 Mann unter den Fahnen.

Die missliche finanzielle Lage des Landes hatte die Regierung bewogen, am 2. Jänner die Aushebung des Contingents für das laufende Jahr (Altersclasse 1845) zu sistiren und wurden später auch sonst noch einige unbedeutende Reducirungen vorgenommen, um das Militär-Budget möglichst zu erleichtern. Doch schon am 11. März ward durch königliches Decret die Einberufung der 2. Kategorie 1844, gleich darauf, am 25. März, vom Kriegs-Ministerium die Durchführung der im Jänner sistirten Recrutirung mit dem Beisatze angeordnet, dass dieselbe binnen 20 Tagen vollendet sein müsse.

Grössere Truppenübungen wurden als Motiv dieser Massregeln angegeben. Die hiedurch erreichte Verstärkung der Armee betrug jedoch 110—120.000 Mann, eine Zahl, welche bei der finanziellen Bedrängniss des Landes mit dem angegebenen Zwecke offenbar in keinem Verhältnisse stand.

Die Verhältnisse zwischen Österreich und Preussen hatten bereits ganz Italien in kriegerische Aufregung versetzt; die Theilnahme am Kampfe bei einem im Norden ausbrechenden Kriege ward laut gefordert, und die Regierung zu Entschlüssen und Thaten gedrängt. In Folge des günstigen Fortganges der Allianz-Verhandlungen mit Preussen, wurden die Vorbereitungen zum Kriege offen und so eifrig betrieben, dass die Einberufung der beurlaubten Soldaten der Classen 1834, 35, 36, 37, 38, 39 und 40, die Errichlung der Depôt-Körper, die Mobilisirung der Truppen und eines Theiles der Nationalgarde, die Verselzung der Armee auf Kriegsfuss, die Einberufung der zweilen Kategorie der Classen 1842, 43 und 45, die Vermehrung der Artillerie etc. nach erflossener Anordnung in raschester Weise durchgeführt werden konnten.

Die reichlichen Land- und See-Transportmittel gestatteten die schnelle Verschiebung grosser Truppen- und Material-Massen, und wurden in geschickter Weise ausgenülzt.

Die italienische Armee war, wenigstens was den Mannschaftssland betriff, schon in der ersten Hälfte April nahezu auf den organisationsmässigen Kriegsstand gebracht.

Nicht so günstigen Erfolg hatten die Anstrengungen zur Completirung des Pferdestandes der Armee. Nachdem die Regierung durch freien Einkauf den Pferdebedarf nicht zu decken vermocht hatte, griff sie zu Requisitionen, und sah sich dennoch Anfangs genöthigt, von jedem Cavallerie-Regimente statt 6 nur 5 Escadrons zu mobilisiren und die sechste zum Depôt zu bestimmen ').

Der Pferdemangel war ferner Ursache, dass die Batterien nach anfängJicher Bestimmung nur mit 4 bespannten Geschützen in's Feld rücken sollten.

Gewaltsame Requisitionen, verbunden mit der Massregel, dass beinahe ein Drittheil der Artillerie-Reserven der Armee mit Ochsen bespannt wurden, ermöglichten es später, die Batterien mit 6 Geschützen in's Feld rücken zu lassen.

Der Train konnte ebenfalls nicht auf die volle kriegsmässige Höhe gebracht werden.

Die italienische Regierung war nicht zufrieden, die Armee nach dem Organisationsstatute vollständig aufzustellen, sondern ging über diesen Rahmen noch hinaus durch Neuformirung von Abtheilungen und durch Bildung von Freiwilligen-Körpern. In ersterer Beziehung errichtete jedes InfanterieRegiment statt 2 jetzt 4 Depôl-Compagnien, welche am 26. Mai zur Bildung von 40 fünften Infanterie-Balaillons, und am 10. Juni zur Aufstellung weiterer 40 Bataillons dienten. In jedem Bersaglieri-Regimente ward ein 9. Bataillon errichtet. Die der Armee hiedurch erwachsene Verstärkung betrug, des anfänglich niederen Standes dieser neuformirten Abtheilungen. wegen, nur 35- bis 40.000 Mann ).

4) Es scheint, dass dagegen jede der in's Feld gerückten Escadrons einen etwas (vielleicht um 10-15 Pferde) höheren Stand erhielt.

Jedes Regiment, mit 5 Escadrons normalmässiger Stärke angenommen, gäbe für die ganze Cavallerie 10.640 Pferde.

2) Zu den ersten 40 Bataillons gab jedes Regiments - Depôt zwei Compagnien. Diese stiessen brigadeweise zusammen and formirten das 5. Bataillon der Regimenter mit ungeraden Nummern; ebenso formirten sich am 10. Juni die 5. Bataillons für die Regimenter mit geraden Nummern. Die Compagnien hatten anfänglich nur 80 Mann und nahmen die volle Kriegsstärke erst später an, als die 5. Bataillons, in temporäre Regimenter und Brigaden formirt, zur Bildung eines allgemeinen ReserveCorps verwendet wurden.

. Eben für dieses Corps wurden im Juni auch noch eine Compagnie Pontoniers, 12 Festungs-Compagnien, 20 Batterien bei der Artillerie, 8 Compagnien GénieTruppen, 1 Lancieri- und 1 Cavalleggieri-Regiment neu aufgestellt.

Endlich decretirte die italienische Regierung Anfangs August noch die Aufstellung weiterer 80 Infanterie- und 5 Bersaglieri-Bataillons, die des Friedensschlusses wegen nicht mehr zur Errichtung gelangten.

Zur Aufstellung eines Freiwilligen-Corps benützte die italienische Regierung die ausserordentliche Popularität Garibaldi's, welchem auch der Oberbefehl über dieses Corps gegeben ward. Schon Ende März waren für dasselbe Werbebureaus in den grössten Städten des Landes organisirt worden, und die Werbung nahm schon zu dieser Zeit einen raschen Fortgang, wenngleich das Decret für die Errichtung eines Freiwilligen-Corps erst am 6. Mai, gleichzeitig mit jenem zur Versetzung der ganzen Armee auf Kriegsfuss, veröffentlicht ward.

Das Freiwilligen-Corps sollte aus 10 Regimentern à 2 Balaillons (zu 723 Mann) bestehen. Bei dem ausserordentlichen Zudrange der italienischen Jugend zu diesem Corps ward jedoch später jedes Regiment mit 4 Bataillons aufgestellt; ferner wurden noch errichtet:

2 Freiwilligen-Bersaglieri-Bataillons à 780 Mann,
2 Escadrons Guiden à 205 Mann, 160 Pferde,
1 Compagnie Génie-Truppen,
1 Compagnie Sanitäls-Truppen.
Der Gesammtstand betrug gegen Mitte Juni 35.636 Mann, 665 Pferde ').

Die Ausrüstung derselben war theilweise mangelhaft, da die Regierung alle Ausrüstungsgegenstände nur für die ursprünglich angenommenen 15.000 Freiwilligen sicher gestellt hatte, und bei der bedeutenden Überschreitung dieser Zahl und der verhältnissmässig kurzen Zeit nicht rechtzeitig alle nöthigen Gegenstände beigeschafft werden konnten.

Durch all diese Aufstellungen hatte Italien Ende Juni 483.087 Mann mit 42.552 Pferden unter den Waffen.

Bei Beginn der Concentrirung der Armee, – welche weiter unten besprochen werden wird, – schritt die Regierung auch zur Mobilisirung von Nationalgarde-Bataillons für den Dienst im Lande. Mitte April wurden 50 Bataillons, später successive noch weitere 20, im Ganzen also 70 Bataillons mit circa 40.000 Mann mobilisirt, von denen ein, wenn auch unbedeutender Theil, als Legion Guicciardi selbst im freien Felde (Tirol) verwendet ward.

Was die Bereitstellung der festen Plätze für den Krieg anbelangt, heben wir hier nur hervor, dass Piacenza, Cremona, Casalmaggiore und Pizzighettone im mittleren Po-Gebiete und Bologna, Ferrara, Guastalla im unteren Po-Gebiete in der ersten Hälfte des Monats April vollkommen im Vertheidigungszustand, armirt und mit Proviant versehen waren, nachdem Ende März zur Vervollständigung der Armirung aller erwähnten Plätze 150 Geschütze

1) Beigegeben wurden dem Freiwilligen-Corps:

Das 41. Bersaglieri-Bataillon, 3 Feld-, 2 Gebirgs-Batterien und 1 Génie-Compagnie der regulären Armee.

aus der Giesserei Parma's, weiters gegen 400 aus dem Depôt von Alessandria abgesendet worden waren.

Neue, grössere Herstellungen wurden nur bei Cremona (am 11. April) angeordnet und durchgeführt.

Wie mit den Rüstungen, so beeilte sich die italienische Regierung auch mit den Vorbereitungen zur möglichst raschen Concentrirung ihrer Streitkräfte in der Nähe der Grenze. Schon in den letzten Tagen des Monates März erhielten alle nach Neapel bestimmt gewesenen Truppen Hallbefehl; am 30. März wurden das 1. und 2. Grenadier-Regiment in Florenz, das 53. und 54. Infanterie-Regiment in der Maremma, das 25. und 26. Bersaglieri-Bataillon, dann die beiden in Caserta und Foggia liegenden LancieriRegimenter in Marschbereitschaft gesetzt.

Anfangs April war im italienischen Kriegsministerium der Mobilisirungsund Concentrirungs-Entwurf in allen Details ausgearbeitet, und Mitte April, als die österreichische Armee in Italien noch ganz auf dem Friedensfusse stand, nahm die italienische Regierung alle Lastenzüge der Eisenbahnen für Truppenbeförderungen in Anspruch, und stellte auf einzelnen Bahnen sogar den Verkehr zu Gunsten von Militär-Transporten gänzlich ein. Die hiedurch erhaltenen Transportmittel wurden auch derart ausgenützt, dass am 20. April statt der gewöhnlichen 100.000 Mann nur mehr 50.000 in Neapel standen, dafür aber am selben Tage zwischen Bologna und Ferrara 40.000 Mann, in der Lombardie 96, in den Legationen und in Toscana 104 Bataillons concentrirt waren ').

Hiemit war auch der Aufmarsch der italienischen Armee mehr als vorbereitet; die noch fehlenden Ergänzungen, Bespannungen etc. wurden den Truppen rasch zugeschoben, so dass binnen Kurzem auch der volle Kriegsstand erreicht sein konnte.

Gegen die Mitte des Monates Mai wurden die in den Legationen und Toscana befindlichen Streitkräfte nach der Lombardie in Bewegung gesetzt.

Die italienische Armee theilte sich in 2 grosse Massen, von welchen die stärkere in der Lombardie, die andere am unteren Po zwischen Bologna und Ferrara sich sammelte.

Gleichzeitig mit der Concentrirung der Armee ward auch jene der Freiwilligen am linken Flügel des Hauptheeres zwischen Brescia und Rocca d'Anfo durchgeführt, welche in der Stärke von 36- bis 37.000 Mann mit 40

1) Von den in Neapel stehenden 50.000 Mann waren 28 Bataillons, 3 CavallerieRegimenter und 5 Batterien zwischen Capua und Neapel concentrirt und zur Einschiffung bereit.

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