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klaren Schiffe lagen auf der Rhede von Fasana vor Anker.

Im österreichischen Hauptquartiere war man den Bewegungen des Gegners mit Aufmerksamkeit gefolgt. Anfangs schien es, als wollte sich die italienische Armee grösstentheils am unteren Po sammeln, bis in der zweiten Hälfte des Monats Mai die schon früher angeführte Theilung des feindlichen Heeres in zwei die Süd - und Westgrenze des Venezianischen bedrohende Massen eintrat, von denen die (in der Lombardie am Oglio versammelte) gegen die Westgrenze gerichtete die bedeutend stärkere war.

Se. k. H. der Erzherzog Albrecht brachte diese gegen die Westgrenze Venetiens gerichtete Verschiebung des grösseren Theiles des italienischen Heeres, welche nach allen im Armee-Hauptquartiere eingelangten Nachrichten nicht bezweifelt werden konnte, Seiner Majestät dem Kaiser am 29. Mai telegraphisch zurKenntniss und erwog ernstlich die Lage, welche sich durch die letzten strategischen Bewegungen der feindlichen Macht neu bildete.

') Siehe die Ordre de bataille in der Beilage 2 zum I. Abschnitt (2. Band). *) Darunter 483 Tragthiere.

Die dem kleinen kaiserlichen Heere dreimal überlegene feindliche Armee, welche vereint die erstere nothwendig hätte erdrücken müssen — auf welchem Punkte auch immer die Begegnung stattfand — hatte sich in zwei grosse Massen getheilt, um weit von einander getrennt in das österreichische Gebiet einzufallen: die eine von Süd über den unteren Po, die andere von West über den Mincio.

Der Erzherzog erkannte nun nicht nur den Vortheil, den ihm die Operationsweise des Gegners gab, sondern halte auch den unter schwierigen Verhältnissen so seltenen Muth, ihn zu benützen, und zwar mit aller Energie und mit dem einzigen Ziele, seinem kleinen Heere, wenn überhaupt möglich, den Sieg zu geben.

Die Aufgabe, die er sich hiemit stellte, war aber keine geringe. Die feindlichen Massen, die mit dem Einbrüche von Süden her drohten, waren dem kaiserlichen Heere allein schon an Zahl gewachsen. Jene, die sich anschickten, von Westen direct in das Festungsviereck einzudringen, sich dann über die Etsch mit den andern zu verbinden und mit diesen das ganze Venezianische zu überschwemmen, die kaiserliche Armee in ihre Festungen und verschanzten Lager zu bannen, ihr alle Verbindungen mit dem Innern des Reiches zu nehmen und sie endlich zur Capilulation zu zwingen, waren dem kaiserlichen Heere beinahe um das Doppelte überlegen.

Unter solchen Verhältnissen kämpfen zu wollen, — nicht nur der Waffenehre wegen, sondern mit dem Willen und Streben zu siegen, — war gewiss ein Entschlusss heroischer Thatkraft, der an die schönsten Beispiele der Kriegsgeschichte von Feldherrnmuth erinnert.

Ohne in die Schwierigkeiten dieser Lage weiter einzugehen, geben wir im Folgenden wörtlich ein Actenstück, welches der Erzherzog am 3. Juni S. M. dem Kaiser unterlegte, und welches zeigt, mit welcher Ruhe, Klarheit und Entschlossenheit das Hauptquartier der Süd-Armee damals seine Lage, seine Schwierigkeiten und auch seine Hoffnungen überschaute.

rSeit dem — schrieb der Erzherzog — an die General-Adjutantur „Euer Majestät gerichteten Telegramme vom 29. Mai über die Stellung „der königlich sardinischen Armee hat sich im Wesentlichen darin nur das „verändert, dass die damals in Ausführung begriffene Frontveränderung „nunmehr zur vollendeten Thatsache geworden zu sein scheint.

„Lag früher die Vermuthung nahe: dass unsere Gegner durch die „Concentrirung dreier Armee-Corps in den Herzogthümern und am unteren „Po, bei fast völliger Räumung der Lombardie von regulären Truppen, es „vorzugsweise auf einen Angriff des Venezianischen mit Umgehung unseres „Festungssyslems abgesehen hätten, so lässt ihre nunmehrige Aufstellung mit „positiver Sicherheit annehmen, dass der ursprüngliche Plan dahin modificirt „worden sei: milder slärkeren Heereshälfte unsere Kräfte am Mincio festzuhalten, „mit der minderen aber die Forcirung der Po-Linie in der Richtung Ferrara„Padua zu bewirken, um, je nach Umständen und in Voraussetzung glücklicher Erfolge, sich vor Verona die Hände zu reichen. Mit diesen, wahrscheinlich gleichzeitig beabsichtigten Bewegungen dürfte dieFlotte, auf welcher „Nachrichten zu Folge nebst 5 Freiwilligen-Regimentern auch reguläre „Truppen eingeschifft worden sein sollen, an irgend einem Küstenpunkte eine „Landung versuchen, so wie die übrigen Frei-Corps ihre hauptsächliche „Verwendung in einem Angriffe der Pässe von Tirol fänden.

„Nur diese Combination scheint unsere Gegner zu der in den letzten ..vierzehn Tagen bewirkten neuen Aufstellung bewogen zu haben, welche, „nach allen in der Lelztzeil eingegangenen Nachrichten und Notizen, sich in „Kurzem wie folgt darstellt:

„Das Hauptquartier des Königs befindet sich in Piacenza.

„Das I. Corps (Durando, Stab dermalen noch in Lodi) mit 3 Divisionen ä 8.000 Mann und 12 Geschützen =24.000 Mann und 36 Geschützen „auf dem Marsche an den oberen Mincio.

„Das II. Corps (Cuc chiari) in gleicher Formation wie das obige, „mit 2 Divisionen in Cremona, die 3. Division auf dem Marsche in der „Richtung gegen Mantua.

„DasIII. Corps (Deila Rocca) mit 4 Divisionen in und nördlich von „Piacenza in der beiläufigen Stärke von 32.000 Mann und 48 Geschützen ').

„Das IV. Corps (Cialdini) mit 6 Divisionen auf der Linie Parma„ Bologna in der Stärke von circa 48.000 Mann und 72 Geschützen').

„Die Cavalle rie-Reserve-Di vision (Sonnaz) mit circa 2.500 „Reitern und 8 Geschützen in Cantonnements zu Crema s).

„Die Aufstellungsorte der bereits zur Hälfte organisirten Freiwilligen„Bataillons sind im Norden Como, Varese, Gallarate mit 20 Infanterie- und „2 Bersaglieri-Bataillons;— im Süden Bari und Barletta, so wie oben, jedoch „ohne Bersaglieri.

„Nach ziemlich übereinstimmenden Nachrichten ist ein V. Armee-Corps „in Toscana in der Errichtung begriffen. Zur Formation dieses Reserve-Corps

') Alle 3 feindlichen Corps hatten in Wirklichkeit vier Divisionen zu je 18 Bataillons und 3 Batterien, daher die Division ungefähr 11.000 Mann und 18 Geschütze, und jedes Corps bei 44.000 Mann und 72 Geschütze zählte.

*) Das IV. Corps hatte 8 Infanterie - Divisionen, 2 reitende und 4 ReserveBatterien, also etwa 88.000 Mann und bei 200 Geschütze.

3) Die Division Sonnaz hatte 2 Batterien — im Ganzen 12 Geschütze.

„wären annoch disponibel: 2 dermalen noch uneingetheilte Grenadier- und „6 Infanterie-Brigaden, 8 Bersaglieri-Bataillons und circa 20 Batterien ').

„Als Besatzungstruppen für die festen Plätze am Kriegsschauplatze und „in Süd-Italien dürften nebst den neu creirlen 5. Bataillons auch noch 1 Bataillon von jedem der 80 Infanterie-Regimenter verwendet werden, da dieselben nur mit 3 Bataillons in der Ordre de bataille erscheinen *).

„Die sardo-italienische Flotte ist in der Concentrirung bei Ancona „begriffen.

„Der oben angeführte Corpsverband beruht lediglich auf Combinalionen, „indem nur die Anzahl der Divisionen sichergestellt, ihre Nummer und Dis„location aber nur annäherungsweise bekannt sind.

„Die äusserslen Vortruppen längs der Mincio- und Po-Linie, hart an „unsere Grenze vorpoussirt, bestehen grösstenteils aus Cavalleiie. Als Verbindungsglied der beiden grossen Heerestheile stehen zu Modena ungefähr „4—5000 Mann, während diese Stadt passagere befestigt und, so wie Cre„mona als Brückenkopf, nun ebenfalls nahezu vollendet sein soll.

„Was den Geist dieser Truppen anbelangt, so wird derselbe mitunter „in der widersprechendsten Weise geschildert; dessenungeachtet möchte ich „annehmen, dass nach dem allerorten starken Zulaufe der Jugend während der „Bildung der Frei-Corps die Gemüther im Allgemeinen sehr aufgeregt sind, und „dass diese Theilnahme nicht ohne Einfluss aul das Heer bleiben könne.

„Die Verpflegung hingegen scheint, nach manchen Notizen zuschliessen, „dermalen noch ziemlich mangelhalt und ungeregelt geleitet zu werden, so „wie auch bezüglich der Transportmittel und namentlich auch der Bespannung der Artillerie Vieles zu wünschen erübrigt, was schon daraus zu entnehmen, dass vorerst die Batterie nur mit 4 Geschützen in s Feld rücken und „der reglementsmässig bei jeder Armee-Division vorgeschriebene Park unbe„spannt zurückgelassen werden soll3).

„Es geht übrigens das Gerücht, dass die kaiserlich französische Regierung, um dem fühlbaren Mangel an Pferden bei dem sardinischen Heere abzuhelfen, in freundlichster Weise sich zur Abgabe der Pferde von zwei „Cavallerie-Regimentern verstand.

„Was nun die unter meinem Befehle stehenden k. k. Truppen betrifft, „so habe ich selbe, mit Ausnahme der in Tirol befindlichen, theilweise per

') Die Errichtung des V. Corps unterblieb; die für dasselbe desiguirten Truppen wurden grösstentheils in das IV. Corps eingetheilt.

J) Die Infanterie-Regimenter rückten mit 4 Bataillons in's Feld.

') Die italienische Regierung Hess sich die Completirung der Artillerie-Bespannungen sehr angelegen sein, so dass die Batterien bei Ausbruch des Krieges mit 6 Geschützen in's Feld rückten.

„sönlich inspicirt, sie allenthalben vom besten Geiste beseelt, in ihrer kriegs„mässigen Ausrüstung schlagfertig und, bis auf den Mangel an Schuhen und „Feldflaschen bei der Infanterie, mit Allem versehen gefunden

„Die Vertheidigungsinstandsetzung der Festungen und festen Plätze ist „allenthalben nahezu beendet, — ebenso die Armirung; die Verproviantirung „seit 25. v. M. bewirkt.

„Bis zum 7. d. M. werden auch einige zur Vervollständigung der Heeres„ausrüstung noch mangelnde Bespannungskörper hierlands eingetroffen sein.

„Die Standorte der 3 zur mobilen Hauptarmee gehörigen Armee-Corps „befinden sich wie seither, und zwar: das 5. z u Verona, cantonnirt mit seilen 3 Brigaden zu Villafranca, S. Bonifacio und in der nächsten Umgebung „Verona's.

„Das 7. Armee-Corps zu Padua, dessen Brigaden in dem Dislo

„cations-Rayon von Padua, Rovigo, Este und Montagnana.

„Das 9. Armee-Corps zu Vicenza mit den Cantonnements Bas

„sano, Tiene, Lonigo, Cologna und Camposampiero.

„Die Cavallerie-Brigade Oberst Pulz habe ich als solche

„noch nicht zu vereinigen befunden und die Regimenter einstweilen, u. z.: „das 1. Huszaren-Regiment und das 13. Uhlanen-Regiment in Verona, „das 3. und 13. Huszaren-Regiment in Padua und Rovigo, „das 11. Huszaren- und 12. Uhlanen-Regiment in Vicenza und Citta„della belassen."

„Die mobile Brigade Oberst Zaslavnikovid mit dem „Stabsorle Conegliano hat in der Hauptsache die Beobachtung der Bellune„sischen und Friauler Gebirge und der Meeresküste zwischen der Piave und „dem Tagliamento zur Aufgabe, besetzt die entsprechenden Punkte und hat „1 Bataillon in Treviso detachirt.

„Das Küsten-Corps deckt Friaul bis zum Tagliamento und Istrien „mit Hilfe der Gemeindewachen bis Pola.

„Die Truppen in Tirol endlich sind nach ihren natürlichen Ver„theidigungs-Abschnitten in Halb-Brigaden unter eigenen Commandanten in „die verschiedenen Thäler vorgeschoben, — eine kräftige Reserve, über die „Hälfte der ganzen Streitmacht, ist im Etsch-Thale zwischen Bötzen und „Trient für jeden bedrohten Punkt verfügbar.

„Gibt mir die in ihren Hauptumrissen skizzirte Aufstellung die Möglich„keit, die Vereinigung der drei mobilen Armee-Corps und der Cavallerie-Bri„gade Oberst Pulz in längstens zwei Märschen zu bewerkstelligen, so mussten

') Es waren einzelne Truppenkörper noch nicht ▼ollkommen mit der vorgeschriebenen Reservebeschuhung versehen.

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