Abbildungen der Seite
PDF

24. Mai dieses Armee-Corps der Nord-Armee zugewiesen wurde, so dass diese

nun aus 7 Corps bestand.

Wir geben in der Beilage die ausführliche Ordre de bataille der

Armeen, wie sie zu dieser Zeit entworfen ward und auch, mit nur geringen

Veränderungen, thatsächlich in's Leben trat. ')

Nach dieser Ordre de bataille halte die Nord-Armee zu zählen:
196 Bataillons, 62 technische, Park-, Sanitäts- und Stabsinfanterie-

Compagnien, 157 Escadrons (wovon 4 Escadrons Stabs - Cavallerie) und

93 Batterien.

Für die festen Plätze des nördlichen Kriegsschauplatzes (inclusive der Besatzungen am Rhein) waren bestimmt: 39 Bataillons, 39 technische und Festungs-Artillerie-Compagnien, 11 Escadrons und 6 Batterien, woraus sich eine Gesammtstärke an Truppen für den Norden ergab von: 235 Bataillons, 100 Compagnien, 168 Escadrons und 99 Batterien.

Die Süd-Armee hatte zu bestehen aus:

63 Bataillons, 28 Compagnien, 25 Escadrons (wovon 1 Escadron Stabs-Cavallerie) und 22 Batterien. Die Division in Tirol aus:

11 Bataillons, 6 Compagnien, 1 Escadron und 5 Batterien. Die Division an der Küste und in Friaul (inclusive Palma nuova und Osoppo) aus:

14 Bataillons, 10 Compagnien, 2 Escadrons und 2 Batterien.
Für feste Plätze, grössere Städte etc. im Venetianischen:
42 Bataillons, 42 Compagnien, 3 Escadrons, 1 Batterie.
Für Dalmatien:

9 Bataillons, 11 Compagnien, 4 Batterien, so dass im Süden zur Verwendung kamen:

139 Bataillons, 97 Compagnien, 31 Escadrons, 35 Batterien, was im Ganzen, in Nord und Süd,

374 Bataillons, 197 Compagnien, 199 Escadrons und 134 Batterien ergibt.

Zur Besatzung im Innern verblieben:

30 Bataillons, 9 Compagnien (darunter 4 zehnte Grenz-Divisionen) und 3 Batterien, zu welchen weilers vorläufig noch alle Depöt-Divisionen der Linien-Infanterie-Regimenter und alle Depot-Körper der Jäger zu rechnen waren.

Vergleicht man die Ziffern der auf beiden Kriegsschauplätzen für das Feld bestimmten Truppen Österreichs mit jenen seiner Gegner, so wird die

') III. Abschnitt Nr. 1.

Unzulänglichkeit der ersteren, welclie in der bestehenden Heeres-Organisation des Kaiserstaates begründet war, auf den ersten Blick klar.

Die Operations-Armee im Süden erscheint so karg bemessen, dass sie als einer „beinahe dreifachen Übermacht" gegenüberstehend angesehen werden kann.

Die Nord-Armee war dem preussischen mobilisirbaren Heere gleichfalls nicht gewachsen und also weit entfernt von einem Verhältnisse, das den Erfolg im Kriege einigermassen hätte gewährleisten können.

Ein Doppelkrieg gegen 2 Mächte, wie sie hier Österreich gegenüberstanden, war bei des letzteren militärischer Organisation kaum mit Erfolg auf beiden Seiten zugleich zu führen.

Da derselbe aber unvermeidlich war, so mussten militärischerseits alle Anstrengungen gemacht werden, um wenigstens auf dem für die Machtstellung Österreichs entscheidenden Kriegsschauplatze, und dies war hier der nördliche, den Kampf so energisch als nur immer möglich führen zu können.

Die Armee im Süden mussle so vernachlässigt werden, dass sie voraussichtlich nur wenig Lorbeern ernten konnte. Sich so gut als möglich zu halten, bis vielleicht nach einem Erfolge im Norden ihr eine weitere Unterstützung werden konnte, vielleicht ruhmvoll kämpfend unterzugehen, — dies war das Los, welches dieser Armee beschieden schien.

Das Verhältniss bei der Nord-Armee war günstiger, doch nicht allzugünstig. Ward dieselbe geschlagen, so war keine Reserve-Armee vorhanden, um deren Lücken zu füllen oder sie schützend aufzunehmen.

Mit einem unglücklichen Schlage, der diese Armee traf, konnte das Schicksal des Krieges entschieden sein. Diese Betrachtung war zu ernst; es stand bei diesem Kriege zu viel für das ganze Reich und für dessen Zukunft auf dem Spiele, als dass Alles auf die ohnehin nicht zu sichere Karte der Nord-Armee hätte gesetzt werden dürfen.

Feldmarschall-Lieutenant Baron Hennikstein regte daher gegen Ende März beim Kriegsminislerium die Errichtung neuer Truppenkörper an und schlug zu diesem Zwecke die Aufstellung fünfter Bataillons bei allen Infanterie-Regimentern, sowie die Bildung von Freiwilligen - Corps vor, wornach die vierten Bataillons aus den Feslungen gezogen und der Operations-Armee beigegeben werden konnten. In der Conferenz- Sitzung vom 8. April ward dieser Vorschlag angenommen. Es waren sonach bei jedem InfanterieDepöt noch eine Division, und bei jedem Jäger-Depöt noch 1 Compagnie neu aufzustellen. Aus den beiden Depöt-Divisionen der 80 Infanterie-Regimenter sollten dann ebenso viele fünfte Bataillons zu 4 Compagnien, aus den JägerDepöt-Compagnien aber bei jedem Bataillon eine Reserve-Division, formirt werden. Eine zweite Recrutirung (85.000 Mann) ward gleichfalls beschlossen.

Bei der Bestimmung des Zeitpunktes, wann beide Armeen zu mobilisiren wären, wurden mehr diplomatische und finanzielle, als die eigentlich entscheidenden militärischen Bedingungen der Frage berücksichtigt.

Österreich hatte viele Gründe, den drohenden Krieg möglichst zu vermeiden; abgesehen von seiner innern Lage, welche hiezu rieth, glaubte man auch Rücksichten auf die dem Kaiserstaate befreundeten deutschen Regierungen nehmen zu müssen, deren Allianz im Kriegsfalle allem Anscheine nach nur dann gesichert war, wenn Österreich nicht als der angreifende Theil erschien.

Um der hunderttausend Mann willen, welche diese Regierungen unter obiger Voraussetzung zu Gunsten Österreichs in die Wagschale des Krieges legen konnten, — zumeist aber aus Rücksicht auf die Erhaltung des Friedens überhaupt, sollten die Rüstungen nur in dem Masse geschehen, als dieselben bei den beiden Gegnern fortschritten.

Das Bedenkliche eines solchen Vorganges, der grosse Gefahren in sich barg und wohl schon manchen Feldzug Österreich's im Keime hatte verunglücken lassen, ward zwar nicht verkannt, und namentlich war es FML. Baron Hennikstein, der bei der besseren Organisation und bei weitem rascheren Mobilisirbarkeit der preussischen Armee aul die Beschleunigung der Aufstellung der eigenen Armee wiederholt Nachdruck legte.

Es blieben jedoch die diplomatischen und finanziellen Motive die massgebenderen, und es wurden somit zwar alle nöthigen Anstalten zur seinerzeitigen raschen Mobilisirung der Armee getroffen, diese selbst aber ward, bis auf einige kleine Truppenbewegungen, möglichst lange hinausgeschoben ').

Der Minister des Äussern, FML. Graf Mensdorff, äusserte sich noch am 20. April mit Bezug auf ein ihm von Seiner Majestät dem Kaiser übergebenes militärisches Memoire, welches die Nothwendigkeit der Rüstungsbeschleunigung betonte, „dass er viel zu sehr Militär sei, um das Begründete dieser Anschauung nicht einzusehen, und dass die von dem kaiserlichen Cabinete eingeschlagene Richtung allerdings etwas Gewagtes hätte, dass aber auch die „durch eine Aufstellung der Armee herbeigeführte Situation nicht ohne Gefahren sein würde. Alles, was bisher diplomatisch geschehen, wäre darauf „gerichtet gewesen, Preussen die Handhabe zur Aggression aus der Hand zu

*) Vom k. k. Kriegs-Ministerium wurden alle Entwürfe derart vorbereitet, dass die Mobilisirung und Ausrüstung der ganzen Armee (Einberufung der Urlauber, Ankauf der Pferde, Betheilung der Truppen mit denselben und mit Fuhrwerken etc. etc.) binnen 7 Wochen beendet, und die Truppen und Anstalten innerhalb derselben Zeit an ihren Concentrirungs- oder sonstigen Bestimmungsorten eingetroffen sein konnten.

„winden. — Gelänge dieses, so würde Österreich sich damit politisch und „finanziell besser stellen."

Der Minister war daher dafür, den Eindruck seiner letzten nach Berlin und Paris gerichteten Depeschen noch abzuwarten.

Die Rüstungen Italien's waren indessen so drohend geworden, dass schon am 21. April zur Mobilisirung der Süd-Armee und bald auch zu jener der Nord-Armee geschritten werden musste.

Was die Frage anbelangt, wo die Nord-Armee ihren ersten Aufmarsch zu vollziehen hätte, so äusserte sich der Generalstabs-Chef der Armee schon in der Conferenz-Sitzung am 14. März dahin, dass der günstigste Sammelpunkt für diese Armee die Gegend bei Olmütz wäre, — entgegen allen sonstigen für einen ähnlichen Kriegsfall verfassten Entwürfen, welche den strategischen Aufmarsch der Armee in Böhmen wollten.

Wir werden auf diesen Gedanken später noch, wenn wir auf den Kriegsplan näher einzugehen Gelegenheit finden, zurückkommen.

Vorläufig sei nur erwähnt, dassFML. BaronHennikstein bei seinem Vorschlage, die Nord-Armee in Mähren statt in Böhmen aufzustellen, zunächst von der Voraussetzung ausging, dass die preussische Armee in überlegener Zahl viel früher ihre Mobilisirung beendet haben würde, als die österreichische dies bei dem ihren Rüstungen zu Grunde liegenden diplomatischen Gedanken erreichen könnte, und dass dann der Aufmarsch der letzteren in Böhmen — sei es, dass die preussische Armee in Böhmen oder in Mähren einbräche — sich nicht mehr würde bewerkstelligen lassen.

Die erste Versammlung der Nord-Armee hatte demnach bei Olmütz zu geschehen, mit Ausnahme des ersten Armee-Corps, das schon in Böhmen stand, und einer leichten Cavallerie-Üivision, die gleichfalls dort zusammengezogen werden sollte. Diese beiden Armee-Abtheilungen sollten beim Ausbruche des Krieges die königlich sächsische Armee in Böhmen aufnehmen und sich dann mit dieser, nach Ermessen des Armee-Commandanten, näher gegen die HauptArmee ziehen.

Was die Armeen der süddeutschen Staaten betrifft, so ward in der Conferenz-Sitzung vom 13. Mai der Gedanke ausgesprochen, dass die bayerische Armee gegen Hof und Erfurt vorzuschieben sein würde, um sich dann im weiteren Verlaufe der Operationen an der mittleren Elbe mit der kaiserlichen Armee zu vereinigen.

Das 8. Bundes-Armee-Corps sollte Mainz als Sammel- und Stützpunkt betrachten und die Linie Frankfurt-Mainz schützen.

Obwohl alle Voreinleitungen des kaiserlichen Kriegsministeriums immer darauf abgezielt hatten, die Mobilisirung der ganzen Armee mit Einem Male in's Werk zu setzen, so erfolgte diese Mobilisirung doch nach der jeweiligen diplomatischen Situation in verschiedenen Zeiträumen.

In der langen sechswöchentlichen I. Periode, vom 2. Mürzbis 12. April, welche preussischerseils als eine Zeit beständiger militärischer Herausforderungen zu Gegenrüstungen bezeichnet ward, ergingen nur unwesentliche Anordnungen, und fanden nur geringfügige Truppenbewegungen Statt. Es wurden unbedeutende Dislocationsveränderungen bei einzelnen Truppenablheilungen vorgenommen, die Ausfassung der Bagagekarren und Munitionswagen bei mehreren Truppenkörpern, dann die Erhöhung des Standes an Mann und Pferden bei einigen Batterien angeordnet.

Die II. Periode (13. bis 25. April) umfasste die Mobilisirung der gesammten Feld-Artillerie, den Befehl zum Beginne des Pferdeankaufes, die Aufstellung der Cadres bei den Fuhrwesen - Abtheilungen, die gänzliche Mobilisirung der Süd-Armee, die Completirung des grössten Theiles der Grenz-Regimenler, dann der Depöt-Divisionen bei den 80 Infanterie-Regimentern und die Einberufung aller Urlauber, Reservisten und Rekruten bei den italienischen Regimentern.

In der III. Periode (25. April bis 7. Mai) erfolgten die Befehle zur vollständigen Mobilisirung der Nord-Armee und zur Absendung der Besatzungen in die Festungen des nördlichen Kriegsschauplatzes.

In die IV. Periode (Anfangs Mai bis Ende Juni) fielen endlich jene Anordnungen, welche die möglichste Verstärkung der beiden operirenden Armeen zum Zwecke hatten: Aufstellung der 5. Infanterie-Bataillons und der Jäger-Depöt-Divisionen, Errichtung von 20 combinirten Infanterieund 5 combinirten Jäger-Bataillons, Formiruns von 3 neuen Brigaden, Vornahme einer zweiten Rekruten-Aushebung.

Am 2. März erging vom Kriegsministerium der Befehl, die HuszarenRegimenter Nr. 2 und 7 (in Galizien), die Uhlanen-Regimenter Nr. 3, 6, 9 und 10 und die Batterien Nr. 3 und 4 des 12. und Nr. 1, 2, 4,8des 10. ArtillerieRegiments (in Siebenbürgen und im Banale) marschfertig zu machen.

Am 14. März wurden die Huszaren-Regimenter Nr. 5 und 8 aus Oberösterreich, das Infanterie-Regiment Nr. 18 von Pest, und die Brigade GeneralMajor Ringelsheim von Krakau nach Böhmen beordert; die 4. Bataillons der Regimenter Nr. 20, 40 und 57, und das Infanterie - Regiment Nr. 37 (von Lemberg) nach Krakau; die Huszaren-Regimenter Nr. 2 und 7 gegen Krakau; die früher genannten 4 Uhlanen-Regimenter gegen Wien, endlich die Batterien aus dem Banate und aus Siebenbürgen, dann die in Croalien

« ZurückWeiter »