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Ausser den vorangeführten Truppengattungen bestanden noch organisationsmässig:

1. Grenz Dienst-Abtheilungen. Im Gebiete der Militärgrenze in jedem Grenz-Regiments-Bezirke eine Abtheilung von 1500, – im Bezirke des Titler Grenz-Bataillons von 750 Mann, — welche bei dem Ausmarsche der ersten drei Bataillons eines GrenzInfanterie-Regiments und des Titler-Grenz-Infanterie-Bataillons aus der dienstespflichtigen und hausdiensttauglichen Grenz-Population für den Grenzdienst aufzustellen war. Die Stärke dieser Abtheilungen betrug in Summa 21.750 Mann.

2. Tiroler Landes- Vertheidigung. In Tirol und Vorarlberg die Landesvertheidigung, welche gleichfalls nur zur Verwendung innerhalb der eigenen Landesgrenzen verpflichtet war. Dieselbe theilte sich in 3 Gruppen, U. Z.

Das 1. Aufgebot : Die organisirten Landesschützen-Compagnien, mit dem systemisirten Gesammtstande von 6200 Mann.

Das 2. Aufgebot: Freiwillige Scharfschützen-Compagnien (in der Regel à 100 Mann).

Das 3. Aufgebot: Der Landsturm, welcher alle nicht in den ersten zwei Aufgeboten dienenden Waffenfähigen umfasste.

3. Triester Territorial-Miliz. Im Gebiete von Triest: 1 Territorial-Miliz-Bataillon zu 6 Compagnien, mit dem systemmässigen Stande von 1035 Mann, 1 Pferd, welchem im Frieden die Erhaltung der Ruhe und öffentlichen Sicherheit in der Stadt und dem Gebiete Triest, — in Kriegszeiten über Verlangen des Militär-Commandos die Vertheidigung des Triester Küstengebietes oblag.

4. Irreguläre Truppen. Weiters konnte die Stärke der Armee noch durch Aufstellung von Freiwilligen - Truppen erhöht werden. – Statutmässig sind die GrenzRegimenter Nr. 5, 6, 7, 8, 9, 12 und 14 zur Errichtung je einer Division leichter Reiterei, die Grenz-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 4, 10, 11 und 13 zur Errichtung je einer berittenen Seressaner-Division verpflichtet.

Jede dieser Divisionen hatte einen Stand von 290 Mann, 257 Pferden anzunehmen, daher

14 Divisionen: 4060 Mann, 3598 Pferde.

Bisher waren gewöhnlich bei einem ausbrechenden grossen Kriege Freiwilligen-Truppen aufgestellt worden, welche nicht selten die reguläre Armee um 30—40.000 Streitbare vermehrten.

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Dieselben kamen auch diesmal zur Errichtung, konnten aber bei der kurzen Dauer des Krieges nur theilweise zur Verwendung kommen:

Diese Freiwilligen-Körper waren: Das Wiener Freiwilligen Jäger-Corps mit 4 Bataillons 4448 Mann, 132 Pide. Das Alpenjäger-Corps mit 5 Bataillons..... 3519 , 165 , 4 Krainerische Landesschützen-Compagnien ... 516 1 Kärntnerische Landesschützen-Compagnie .. . 129 1 Freiwilligen Krakusen-Regiment mit 2 Escds. und

1 Depôt . . . . . . . . . . . . 338 „ 300 , | Freiwilliges Ungarisches Cavallerie-Corps mit 2 Escds. 342 298,

Zusammen Streitbare 9292 Mann, 895 Pfde. Hingegen kam die Landes-Vertheidigung von Tirol und Vorarlberg noch rechtzeitig zur Errichtung, und zum Theil auch in Verwendung.

Dieselbe lieferte im: 1. Aufgebot: 8 Bataillons Landesschützen ...... 4012 Mann 2. 19 Freiwilligen Scharfschützen-Compagnien. . 2696 „

, 187 Compagnien Landsturm . . . . . . . 36.412 ,

nebstdem 2 Wiener Tiroler Scharfschützen-Compagnien . . . . . 320 ,

Zusammen Streitbare 43.440 Mann. Weiters wurden:

Die Landes-Vertheidigung von Dalmatien mit 103 Compagnien in der Stärke von 21.926 Mann, und im Gebiete von Istrien und dem ehemaligen Görzer-Kreise die Gemeindewachen mit 42 Compagnien, in der Stärke von 7748 Mann organisirt.

Das Triester Territorial-Miliz-Bataillon kam gleichfalls zur Verwendung.

Was die taktische Formation des k. k. Heeres anbelangt, war bei der Infanterie die Brigade gewöhnlich aus 2 Linien- oder Grenz-InfanterieRegimentern mit deren ersten 3 Bataillons, einem Jäger-Bataillon und einer 4pfdg. Batterie zusammengesetzt, die erste von einem General oder ausnahmsweise von einem Oberst commandirte höhere Einheit.

Die 4. Bataillons der Infanterie waren im Allgemeinen zum FestungsBesatzungsdienste im Kriege bestimmt, konnten jedoch auch gleich den ersten 3 Feldbataillons verwendet werden.

Die neueste Organisation des Heeres hatte im Gegensatze zu allen Erfahrungen der letzten Kriege die Formation der Armee-Divisionen aus 2 Brigaden als erste strategische Einheit verworfen, und es bildete sich das ArmeeCorps gewöhnlich aus 4 selbständigen Brigaden.

Dem Armee-Corps wurden dann im Felde ein Cavallerie Regiment, Österreichs Kämpfe 1866. I. Band.

technische Truppen, eine Geschütz- und Munitions-Reserve, ein ColonnenVerpflegs-Magazin, ein Schlachtvieh-Vertheilungs-Depôt, eine Ambulance, Fuhrwesen - Feld - Inspectionen und Ergänzungs-Depôts beigegeben.

Es bestanden vor Ausbruch des Krieges 7 Armee-Corps, welche wie folgt dislocirt waren:

Das 1. in Böhmen.
4. „ Mähren, Schlesien, Galizien und Bukowina.

2. „ Wien, Eh. Österreich, Salzburg, Steiermark.
„, 3. , Kärnten, Krain, Istrien, Venelien.
,, 5. und 7. im Venetianischen und in Tirol.
, 6. in Ungarn, Siebenbürgen, Croatien und dem Banat ').

Die Infanterie rangirte seit dem Jahre 1860 in 2 Gliedern und war mit einem von der Mündung zu ladenden Bajonnet-Kapsel-Gewehr (System Lorenz) bewaffnet.

Das Geschoss des österr. Gewehres war das cylindro-ogivale Expansivgeschoss. (System Podewils.)

Die Cavallerie-Regimenter waren nach Bedarf in der Monarchie, zum grossen Theile in Ungarn dislocirt und formirten schon im Frieden Brigaden aus zwei bis drei Regimentern, nebst einer 4pfdg. Cavallerie-Batterie.

Zwei bis drei solcher Brigaden formirten eine Cavallerie-Division, die schwere (Reserve) oder leichte Divisionen hiessen, je nachdem die Mehrzahl aus schweren oder leichten Regimentern bestand.

Die Cavallerie, in 2 Gliedern rangirend, führte den Säbel oder die Lanze und eine Kapsel-Pistole. Bei Ausbruch des Krieges fand man sich veranlasst, einige Cavallerie-Körper mit Extra-Corpsgewehren (kürzeren Infanteriegewehren) zu versehen.

Die k. k. Cavallerie war in jeder Beziehung eine ausgezeichnete.

Die 12 Feld-Artillerie Regimenter hatten die Infanterie- und CavallerieBrigaden mit den Brigade-Batterien zu 8 Geschützen, dann die Armee-Corps und die Armee mit der nöthigen Zahl von Reserve-Batterien und MunitionsReserven, endlich die Festungen und die verschiedenen Armee-ArtillerieParks mit den nöthigen Bedienungsmannschaften aus dem Stande ihrer Festungs- und Park-Compagnien zu versehen.

Die österr. Feld-Artillerie gebot über ein vorzügliches, leicht bewegliches Geschütz-Materiale, mit durchaus nach ihrem eigenen, dem sogenannten Bogenzugsysteme vom Jahre 1863, gezogenen 3pfdgen (für den Gebirgs

1) Siehe die Dislocation der Armee vor Ausbruch des Krieges in der Beilage Nr. 6 und 7, II. Abschnitt.

krieg), 4- und 8pfdgen, von der Mündung zu ladenden Rohren von ausserordentlicher Trefffähigkeit.

Die Geschosse der Artillerie waren Hohlgeschosse, Shrapnels, Brandgeschosse und Büchsenkartätschen, und wurden die Hohlgeschosse

beim 3Pfder bis 3000

, 4 .4000

» 8 , „ 5000 Schritte geschossen, — beim 3Píder bis 1800, 4 und 8 „ „ 2000 , geworfen.

Das Brandgeschoss war in den Schuss- und Wurfweiten jenen der Hohlgeschosse gleich, — die Shrapnels fanden ihre Anwendung beim 3Pfder bis 1500, 4 und 8Pfder bis 2000 Schritte.

Die Anwendung der Büchsenkartätschen beschränkte sich auf die Entfernung von 300—500 Schritte.

Weilers waren 9 Artillerie-Regimenter je mit einer Raketen-Batterie versehen, — deren 4pfdge Schussraketen bis auf 2000, – 6pfdge Wurfraketen bis 1500, Büchsenkartätschen bis 300, Brand- und Feuerballen bis 1000 Schritte angewendet wurden.

Die ganze Armee war seit Jahren mit einfachen und vorzüglichen Exercir- und Manövrir - Vorschriften versehen und liess in der Leichtigkeit ihrer Evolutionen Nichts zu wünschen übrig. Nur fehlte es ihr an gründlichen, den Forderungen des Krieges entsprechenden Übungen im grossen Style.

Die Überzeugung, dass die aus früheren Zeiten überkommene, mehr defensive Kampfweise selten zu günstigen Resultaten führe, hatte sich in der Armee seit dem Feldzuge 1859 gegen das französische Heer vollkommen Bahn gebrochen; — im Kampfe so rasch als möglich zum Angriffe zu schreiten, hierin den Gegner zu überbieten und ihm zuvorzukommen, war ein Axiom der Kampfweise geworden; doch waren selten die Übungen der Truppen darnach, dieser Tactik auch die nöthige Ruhe und Überlegung zu geben.

Die Dienstzeit war mit 8 Jahren in der Linie und 2 Jahren in der Reserve festgesetzt; doch blieb die Mannschaft in der Regel nur 3 Jahre im Präsenzstande.

Fügen wir hinzu, dass das Heer an seinen Génie- und Pionnier-Truppen, welch' letztere mit den Birago'schen Brücken-Equipagen, zu je 42 Klafter Brückenlänge, ausgerüstet waren, hinlänglich gewählte und vorzüglich gebildete Kräfte besass, die allen Anforderungen des technischen Dienstes entsprachen.

Wie der Feld-Verpflegsdienst im Grossen bei dem kais. Heere geregelt war, wird sich aus der späteren Darstellung ergeben; die Truppen hatten in der

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Regel einen 2 bis 4tägigen Verpflegsbedarf bei sich, einen 2tägigen auf ihren eigenen in Brigade - Proviant-Colonnen zusammengestellten Proviantwagen, und einen 4tägigen Verpflegs-Vorrath aller Art im Corps-ColonnenMagazin, das aus für je 2 Armee-Corps und 1 Cavallerie-Division zusammengestellten und mit einem Stägigen Vorrathe versehenen Nachschubs-Magazinen ergänzt ward, welch' letztere wieder ihren Bedarf aus rückwärts angelegten und stets ergänzlen Feld-Verpflegs-Haupt-Magazinen zu decken hatten).

Die Marine.
Die Floite zählte 108 Kriegsfahrzeuge, u. z. :

Seeschiffe:
7 Panzerschiffe,
21 Schraubenschiffe verschiedener Grösse,
· 11 Rad-Dampfer,
· 14 Segelschiffe,
53 Kriegsschiffe. *)

Binnen-Gewässer-Schiffe *): 21 Schrauben- und Rad-Dampfschiffe, 34 Segel- und Positions-Schiffe. · Zur Bemannung der gesammten Flotte waren mit Einschluss der Officiere etc. über 12.000 Mann erforderlich.

Die Hauptgeschütze der schweren Schiffe waren glatte 48- und 30pfün· dige Kanonen, in verschiedenen Längen. Gezogene Kanonen von 24pfündigem und geringerem Kaliber waren nur in kleiner Zahl vorhanden.

Das Marine-Personale bestand aus: 5 Admiralen, 11 Linien-Schiff-Capitains 21 Fregatten-Capitains,

. . . . . . . . 420 Mann 4 Corvetten-Capitains, 208 See-Officieren, 171 See-Cadeten, der Marine-Geistlichkeit .......... 10 » dem , Auditoriat . . . . . . . . . . . 9

Zusammen 439 Mann

1) Wir verweisen im Übrigen bezüglich näherer Details über die österr. ArmeeOrganisation auf die hierüber bestehenden zahlreichen Vorschriften und Werke, darunter namentlich auf das Werk des Generalstabshauptmannes Petrossi: „Das Heereswegen der k. k. Österr. Armee“.

*) Die detaillirte Übersicht ist in der Beilage zum II. Abschnitte Nr. 8 enthalten. 6) Auf den Lagunen Venedig's und auf dem Garda-See.

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