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Die Schwierigkeiten der Mobilisirung des österr. Heeres konnten indessen immerhin noch durch ausserordentliche Thätigkeil der Militärbehörden mehr oder minder rasch bezwungen werden, — gegen die unverhältnissmässige Übermacht der beiden feindlichen Staaten aber bot die Organisation kein Mittel. - Es wäre offenbar Sache der äussern Politik des Staates gewesen, den letztern vor Lagen zu bewahren, in denen sich derselbe kaum mit Erfolg zu behaupten vermochte. Zwar konnte Österreich auf die Allianz mehrerer deutschen Staaten mit einiger Berechtigung hoffen; doch war diese Hilfe, nach allen Erfahrungen über derartige Allianzen, eine sehr zweifelhafte und unsichere.

Österreich war also in dem Doppelkriege, dem es entgegen ging, und von welchem sein Bestand für die Gegenwart und Zukunft abhing, vor Allem auf die eigene Kraft angewiesen.

Die folgende Übersicht lässt die organisationsmässige Stärke der k. k. Armee ersehen, mit welcher dieselbe in den bevorstehenden Kampf eintreten konnte.

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Ausser den vorangeführten Truppengattungen bestanden noch organisationsmässig:

1. Grenz Dienst-Abtheilungen.

Im Gebiete der Militärgrenze in jedem Grenz-Regiments-Bezirke eine Abtheilung von 1500, — im Bezirke des Titler Grenz-Bataillons von 750 Mann, — welche bei dem Ausmarsche der ersten drei Bataillons eines GrenzInfanterie-Regiments und des Titler-Grenz-Infanterie-Bataillons aus der dienstespflichtigen und hausdiensttauglichen Grenz-Population für den Grenzdienst aufzustellen war.

Die Stärke dieser Abtheilungen betrug in Summa 21.750 Mann.

2. Tiroler Landcs-Vertheidigung.

In Tirol und Vorarlberg die Landesverteidigung, welche gleichfalls nur zur Verwendung innerhalb der eigenen Landesgrenzen verpflichtet war. Dieselbe theilte sich in 3 Gruppen, u. z.

Das 1. Aufgebot: Die organisirten Landesschützen-Compagnien, mit dem systemisirten Gesammtstande von 6200 Mann.

Das 2. Aufgebot: Freiwillige Scharfschülzen-Compagnien (in der Regel a 100 Mann).

Das 3. Aufgebot: Der Landsturm, welcher alle nicht in den ersten zwei Aufgeboten dienenden Waffenfähigen umfassle.

3. Triester Territorial-Miliz. Im Gebiete von Triest: 1 Territorial-Miliz-Bataillon zu 6 Compagnien, mit dem systemmässigen Stande von 1035 Mann, 1 Pferd, welchem im Frieden die Erhallung der Ruhe und öffentlichen Sicherheit in der Stadt und dem Gebiete Triest, — in Kriegszeiten über Verlangen des Militär-Commandos die Vertheidigung des Triester Küstengebietes oblag.

4. Irreguläre Truppen.

Weiters konnte die Stärke der Armee noch durch Aufstellung von Freiwilligen - Truppen erhöht werden. — Statutmässig sind die GrenzRegimenter Nr. 5, 6, 7, 8, 9, 12 und 14 zur Errichtung je einer Division leichter Reiterei, die Grenz-Regimenter Nr. 1, 2, 3, 4, 10, 11 und 13 zur Errichtung je einer berittenen Seressaner-Division verpflichtet.

Jede dieser Divisionen hatte einen Stand von 290 Mann, 257 Pferden anzunehmen, daher

14 Divisionen: 4060 Mann, 3598 Pferde.

Bisher waren gewöhnlich bei einem ausbrechenden grossen Kriege Freiwilligen-Truppen aufgestellt worden, welche nicht seilen die reguläre Armee um 30—40.000 Streitbare vermehrten.

Dieselben kamen auch diesmal zur Errichtung, konnten aber bei der kurzen Dauer des Krieges nur theilweise zur Verwendung kommen:

Diese Freiwilligen-Körper waren: Das Wiener Freiwilligen Jäger-Corps mit 4 Bataillons 4448 Mann, 132 Pldc.

Das Alpenjäger-Corps mit 5 Bataillons 3519 „ 165 ,,

4 Krainerische Landesschützen-Compagnien . . . 516 „

1 Kärntnerische Landesschützen-Compagnie ... 129 „ 1 Freiwilligen Krakusen-Regiment mit 2 Escds. und

1 Depot 338 „ 300 „

1 Freiwilliges Ungarisches Cavallerie-Corps mit 2 Escds. 342 „ 298 „

Zusammen Streitbare 9292 Mann, 895 Pfde. Hingegen kam die Landes-Vertheidigung von Tirol und Vorarlberg noch rechtzeitig zur Errichtung, und zum Theil auch in Verwendung.

Dieselbe lielerte im:

1. Autgebot: 8 Bataillons Landesschützen 4012 Mann

2. „ 19 Freiwilligen Scharfschützen-Compagnien . . 2696 „

3. „ 187 Compagnien Landsturm 36.412 „

nebsldem

2 Wiener Tiroler Scharfschützen-Compagnien 320 „

Zusammen Streitbare 43.440 Mann.

Weiters wurden:

Die Landes-Vertheidigung von Dalmatien mit 103 Compagnien in der Stärke von 21.926 Mann, und im Gebiete von Istrien und dem ehemaligen Görzer-Kreise die Gemeindewachen mit 42 Compagnien, in der Stärke von 7748 Mann organisirt

Das Triester Territorial-Miliz-Bataillon kam gleichfalls zur Verwendung.

Was die faktische Formation des k. k. Heeres anbelangt, war bei der Infanterie die Brigade gewöhnlich aus 2 Linien- oder Grenz-InfanterieRegimentern mit deren ersten 3 Bataillons, einem Jäger-Bataillon und einer 4pfdg. Batterie zusammengesetzt, die erste von einem General oder ausnahmsweise von einem Oberst commandirte höhere Einheit.

Die 4. Bataillons der Infanterie waren im Allgemeinen zum FestungsBesatzungsdienste im Kriege bestimmt, konnten jedoch auch gleich den ersten 3 Feldbataillons verwendet werden.

Die neueste Organisation des Heeres hatte im Gegensatze zu allen Erfahrungen der letzten Kriege die Formation der Armee-Divisionen aus 2 Brigaden als erste strategische Einheit verworfen, und es bildete sich das ArmeeCorps gewöhnlich aus 4 selbständigen Brigaden.

Dem Armee-Corps wurden dann im Felde ein Cavallerie Regiment,

Österreichs KImpfe 1866. I. Band. 5

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