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Im Kriege wird das Heer in Brigaden, Divisinnen und Armee-Corps f'ormirt, aus letzteren endlich die Armeen gebildet. Die Brigade besieht:

a) bei der Infanterie: aus dem Brigadeslabe,

aus 2 Infanterie-Regimentern ä 4 Bataillons, aus 1 Bersaglieri-Balaillon, zusammen 9 Bataillons mit 6767 Mann (42 einspännige Fuhrwerke).

b) bei der Cavallerie: aus dem Brigadestabe, 2 Cavallerie-Regimentern ä 6 Escadrons,

zusammen 12 Escadrons mit 1984 Mann, 1364 Pferden.
1 Infanterie-Division besteht aus:
dem Divisionsstabe, 2 Infanterie-Brigaden,

3 Batterien, 1 Artillerie - Divisions - Park unter einem Arlillerie-Commando,

1 Compagnie Sappeurs, 1 Genie-Divisions-Park unter dem Genie-Divisions-Commando,

1 Divisions-Ambulance, 1 Divisions-Proviant-Colonne, 1 Train-Detachement, 1 Detachement Administrations-Truppen, zusammen etwa 14.500Mann, 623 Pferde, 150 Fuhrwerke;

wovon auf die Combaltanten-Abtheilungen in 18 Bataillons, 3 Batterien, 13.534 Mann, 18 Geschütze Sollstärke entfallen ').

Die Cavallerie formirt nur Eine Division, und zwar aus den 4 LinienRegimentern mit den beiden reitenden Batterien des 5. Artillerie-Regiments.

Beigegeben wird der Division noch: 1 Artillerie-Park, 1 DivisionsAmbulance, 1 Divisions-Proviant-Colonne.

Sie zählt an Combattanten-Abtheilungen 4 Regimenter, 2 Batterien, mit 3968 Mann, 2728 Pferden, 12 Geschützen Sollstärke.

Das Armee-Corps ist der erste taktische Körper, welcher organisationsmässig aus allen Waffen zusammengesetzt wird.

Die Stärke des Armee-Corps ist verschieden und richtet sich nach den jeweiligen Verhältnissen.

2 bis 4 Infanterie-Divisionen, 1 Cavallerie-Regiment oder 1 derlei Brigade, sammtden nöthigen technischen Truppen, Parks etc. ist die gewöhnliche Zusammensetzung.

Auffällig an dieser Organisation, im Gegensatze zu der sonst in allen Armeen üblichen, ist der Mangel einer eigenen Corps-Geschütz-Reserve.

Diesem wird meist dadurch begegnet, dass von jeder Division des Corps 1 Batterie entnommen, dann alle im Corps eingetheillen Bersaglieri-Bataillons mit dieser Batterie vereint zu einer Corps-Reserve formirt werden.

') Der Infanterie-Division wird nur in dem Falle, als sie selbstständig auftritt, eine Cavallerie-Abtheilnng (1 bis 3 Escadrons) zagetheilt.

Die Annahme der Kriegsformal ion, soweil es die Auf bringung des Mannschaftsstandes der Armee betrifft, geschieht ohne Schwierigkeiten.

Anders stellt es sich jedoch mit der Ergänzung des Pferdestandes. Italien hat keine Pferdezucht, um den Bedarf des Heeres zu decken, und war sonach in dieser Beziehung stets auf das Ausland angewiesen, ein Umstand, der bisher noch immer die Quelle vieler Verlegenheiten war.

Zwongsrequisitionen im Lande mussten nachhelfen, und selbst mit Hilfe dieses Mittels konnte weder bei der Cavallerie, noch weniger aber beim Train die volle Sollstärke erreicht werden.

Die sardinische Armee halte auch nie ein vollkommen organisirtes Trainwesen, wie selbes im Statut vorgeschrieben; — requirirte Landesfuhrwerke mussten beinahe ausschliesslich zum Fortschaffen der Vorräthc verwendet werden.

Die Formation der taktischen Einheiten unterliegt an sich keinen Schwierigkeiten, da das Personale zur Bildung der Stäbe etc. reichlich vorhanden ist.

Ebenso ist für die rasche Concentrirung der Armee in jedem beliebigen Landestheile — besonders aber im Po-Thale — bestens vorgearbeitet

Ein reich verzweigtes, den militärischen Anforderungen Rechnung tragendes Eisenbahnnetz, die bedeutende Kostenentwicklung mit einer ansehnlichen Transports- und Handelsflotte begünstigen die Bewegung derart, dass etwa 25 bis 30 Tage nach hinausgegebener Mobilisirungs-Ordre der strategische Aufmarsch auf dem gewählten Punkte bewirkt sein kann.

Wie sich der ganze Heeres-Organismus hiebei bewähren würde, musste eben erprobt werden.

Die Organisation war, wie das Heer selbst, jung und neu und musste erst die Feuerprobe des Krieges bestehen.

Einen entschiedenen Nachtheil hat die Organisation darin, dass die grösseren taktischen Einheiten erst im Momente der Mobilisirung sich bilden, Truppen und Führer also erst in diesem Augenblick beginnen, sich kennen zu lernen.

Die Nationalgarde.

Ausser der Dienstesverpflichtung im stehenden Heere obliegt auch jedem Eingebornen noch jene in der Nationalgarde bis zum vollendeten 55. Lebensjahre.

Die diensttauglichen Männer derselben bis zum 35. Lebensjahre sind verpflichtet, auch ausserhalb ihres Aufenthallsbezirkes Dienste zu leisten, und bilden die sogenannte „Mobile Nationalgarde", welche 220 Bataillons (ä 500 bis 600 Mann) mit circa 125.000 Mann formirt.

Die Einberufung erfolgt jedesmal durch ein besonderes königl. Decret.

In der Regel soll der Dienst auswärts nicht über 3 Monate dauern.

Der Rest, nämlich die Männer vom 35. bis 55. Lebensjahre, bilden die immobile Nalionalgarde, welche nur im Heimatsbezirke verwendet werden soll

Diese ist in 80 Legionen mit 570 Bataillons formirt, welche auf dem Papiere 1,200.000 Mann ausweisen.

Die Marine.

War die italienische Regierung schon bei der Bildung des Heeres bestrebt gewesen, dasselbe nach Zahl, Ausrüstung und Bewaffnung auf einen Achtung gebietenden Fuss zu bringen, so galt dies in noch bedeutend erhöhtem Masse von der Marine.

Hier schien zuerst die Möglichkeit geboten, den Mitbesitzer der Adria zu überflügeln.

Die italienische Regierung sparte denn auch weder Geld noch sonstige Mittel, um dies Ziel zu erreichen.

Die Werften des Landes waren in unausgesetzter Thätigkeit, jene der ersten Seemächte — England, Nordamerika, Frankreich — arbeiteten ebenfalls für die Marine Italiens, welcher die besten Erfindungen im Schiffbau, Maschinenwesen und in der Armirung zugewendet wurden.

Die Resultate waren auch — wenigstens was das Materiale betrifft — dem entsprechend.

Das Schiffsmateriale bestand aus:

18 Panzerschiffen, 20 Schrauben-Dampfern, 25 Rad-Dampfern, 10 Segelschiffen, zusammen 73 Kriegsschiffen und 24 Transportschiffen. Das Grundgeschütz der italienischen Marine ist das 40pfündige gezogene Cavalli-Geschütz.

Ausserdem sind noch derlei 80pfünd!ge, — auf den neuesten Schiffen selbst 150- und 300pfündige Armstrong — und llzöllige Dahlgreen-Kanonen in Verwendung.

Das Personale zur Bemannung betrug:
a) Stab: 15 Admirale \
61 Capitäns I

268 Officiere > 490 Mann,

146 Steuerleute I
Capläne etc. /

Übertrag 490 Mann

b) das Matrosen Corps 14.176 „

c) die Marine-Infanterie, in 2Regimenter formirl 5.970

d) Maschinisten etc 1.494 „

e) ärztliches Personale . . . 136 „

Summe . 22.266 Mann. Ausserdem noch in den Arsenalen, Magazinen etc. an Arbeits- und Aufsichtspersonale 4.134 „

Totale . 26.000 bis 27.000 Mann ')• Die Ergänzung erfolgt ausser den Freiwilligen durch Einreihung der

Conscribirten in den Seebezirken.

Die Dienstzeil der Marine-Mannschaft beträgt 8 Jahre.

Zur Durchführung der Ergänzung, Administration u. s. w. ist die Küste

Italiens in 3 Departements: Genua, Neapel und Ancona getheilt.

') Siehe den Flotten-Ausweis in der Beilage zum II. Abschnitte Nr. 4.

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Die Organisation der k. k. österr. Armee war eine von jener der übrigen Staaten, und namentlich von jener Preussens und Italiens vielfach und in den wesentlichsten Dingen verschiedene.

Vor Allem hatte sich Österreich mit einer Stärkezahl seines Heeres begnügt, welche von seinen an Volkszalil weit zurückstehenden Nachbarn nahezu erreicht, ja selbst übertroffen wurde.

"Während Österreich organisaüonsmässig, bei einer Bevölkerung von circa 35 Millionen Einwohnern im Ganzen 600.000 Mann (IV,% der Bevölkerung) aufbieten konnte, stellte die Organisation Preussens durch eine höhere Anspannung der Volkskraft für den Kriegsdienst, bei einer Bevölkerung von nur 18 Millionen, 660.000 Mann (3*/lt%) auf, und Italien, bei einer Bevölkerung von circa 22 Millionen, 360.963 Mann (F/tt%).

Die beiden letzteren Staaten zusammen waren also Österreich durch ihre Kriegsorganisalion um circa 420.000 Mann überlegen.

Die militärische Organisation Österreichs konnte genügen für gewöhnliche Kriegsfälle und für solche, in denen es als deutsches Bundesmitglied auf die natürliche Hilfe des deutschen Bundes rechnen durfte; für den Krieg gegen den mit Italien verbündeten preussischen Staat war die Organisation Österreichs nicht berechnet.

Das innere Gehige des österr. Heeres war weilers nicht so fest und unabänderlich gegliedert, wie jenes Preussens.

Während in Preussen die nach Armee-Corps gegliederte Armee im Frieden und Kriege die gleiche Formation behielt, was die Rüstungen zum Kriege sehr vereinfachte, war die Ordre de bataille der kaiserlichen Armee eine wandelbare, wodurch die Mobilisirung des Heeres mit bedeutenden Schwierigkeiten verbunden war.

Das Misslichste an der Organisation des österr. Heeres war aber, dass die kaiserlichen Truppen, der inneren politischen Verhältnisse wegen, selten in jenen Provinzen liegen konnten, aus denen sie sich rekrutirten, was die Mobilisirung derselben nothwendig verzögerte und complicirle,- während in Preussen, und theilweise auch in Italien, die in ihren Heimalsbezirken stehenden Armeekörper sich binnen wenigen Tagen, wenigstens was die Mannschaften betraf, auf den Kriegsfuss setzen konnten.

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