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Tag hatte General von Man teuf fei seinen Einmarsch in Altona angekündigt.

Die österreichische Brigade übersetzte nun in der Nacht zum 12. die Elbe, wobei FML. Freiherr v. Gab lenz dem preussischen Commandanlen durch einen Oiflcier die Erklärung abgeben Hess: „dass er von der in Aussicht gestellten Anwendung der Gewalt Act nehme, mit seinen Truppen ihr „entgegenzutreten nicht die Macht habe, und daher den Boden der Herzogtümer verlasse."

Die kaiserliche Regierung glaubte sich nun im vollsten Masse in der am 11. Juni einberufenen ausserordentlichen Bundestagssitzung zu folgendem Antrage berechtigt:

1. „Die Mobilmachung des 1., 2., 3., 7., 8., 9. und 10. Bundes-Armee„Corps anzuordnen und an die betreffenden Regierungen das Ersuchen zu „stellen, ihre Bundes-Contingente nach der angenommenen Kriegsformation, „in der Stärke des Haupt- und Reserve-Contingents, ungesäumt auf den „Kriegsstand zu setzen und selbes in den innehabenden oder einzunehmenden „Standquartieren binnen 14 Tagen derart marsch- und schlagfertig aufzustellen, dass es auf ergehende Aufforderung innerhalb 24 Stunden mit allem „Kriegsbedarf abmarschiren könne.1)

2. „Dieselben Regierungen ferner zu ersuchen, auf die Bildung der „Ersatz-Contingente Bedacht zu nehmen.

3. „Dieselben Regierungen zu ersuchen, in möglichst kurzer Frist, Jedenfalls innerhalb der nächsten 14 Tage, bei der Bundesversammlung den „Vollzug dieser Anordnung anzuzeigen.

4. „Dieselben Regierungen zu ersuchen, die nöthigen Einleitungen zu „treffen, damit die Bundesversammlung im Sinne des §.46 der Bundeskriegs„ Verfassung baldigst wegen des Oberbefehls Beschluss fassen könne, und „weiter die im VII., VIII., IX. und X. Abschnitte der Bundeskriegsverfassung „vorgesehenen Ernennungen und Aufstellungen zu bewirken, respective zu „vereinbaren.

5. Den Ausschuss für Militär-Angelegenheiten anzuweisen, sich mit der „Militär-Commission wegen Durchführung dieses Beschlusses in's Einverneh„men zu setzen."

Auf diesen Antrag Österreichs antwortete Preussen zunächst, indem es

i) Nach der Bundesverfassung hatten zu stellen:
Das 1., 2., 3. Bundes-Armee-Corps Österreich,
„ 7. Bayern,

„ 8. Württemberg, Baden und das Grossherzogthum Hessen, „ 9. Sachsen, das Kurfttrstenthum Hessen, Nassau, Limburg, Luxemburg, „ 10. Hannover, Braunschweig, Holstein, Lauenburg, Mecklenburg, Oldenburg, Littbeck, Bremen, Hamburg.

den deutschen Regierungen einen Reforinvorschlag vorlegte und dieselben zu dessen unverweilter Annahme einlud.

Der Reformvorschlag enthielt zehn Artikel und gipfelte in der Ausschliessung Österreichs aus dem Bunde und Constituirung eines gesetzgebenden Körpers für den Bund, bestehend aus dem Bundestage und einer periodisch zu berufenden Nationalvertrelung.

Die Abstimmung über den österreichischen Antrag erfolgte am 14. Juni.

Der preussische Gesandte protestirte gegen jede geschäftsmässige Behandlung desselben.

Die Mehrzahl der mit Österreich gehenden Regierungen stimmten zwar den Motiven des Antrages, wie sie in der früher angeführten österreichischen Depesche nach Berlin, vom 9. Juni, Punkt 3, des näheren auseinandergesetzt sind, nicht bei, - der Antrag selbst ward jedoch mit 9 gegen 6 Stimmen zum Beschlüsse erhoben.

Für denselben stimmten:

Österreich, Bayern, Württemberg, Sachsen, Hannover, Kurhessen, Grossherzogthum Hessen;

ferner die 16. Curie, d. i. Liechtenstein, Waldeck, die beiden Reuss, Lippe, Lippe-Schaumburg, Hessen-Homburg; ferner

von der 12. Curie Sachsen-Meiningen,

von der 13. Curie Nassau,

von der 17. Curie Frankfurt.

In der Minorität blieben:

Preussen, Niederlande, die sächsischen Herzogthümer, mit Ausnahme Sachsen-Meiningens, die beiden Mecklenburg, Braunschweig, Oldenburg, Anhalt, die beiden Schwarzburg, endlich die freien Städte mit Ausnahme Frankfurts.

Baden, welches immer eine gewisse zweifelhafte Haltung beobachtet und sich auch auf der Bamberger Conferenz für die Neutralität der Mittelund Kleinstaaten ausgesprochen hatte, enlhie 11 sich der Abstimmung.

Herr v. Savigny, der preussische Bundeslagsgesandte, erklärte nun:

Nachdem die Bundes-Versammlung, ungeachtet des eingelegten Protestes zur Beschlussfassung geschritten sei, — nunmehr die ernste Pflicht erfüllen zu müssen und die EntSchliessungen kund zu geben, zu welchen seine Regierung zur Wahrung ihrer Rechte jetzt zu schreiten gezwungen sei.

Die Einbringung des österreichischen Antrages sei mit der Bundes-Verfassung im offenen Widerspruche — von preussischer Seite als Bundesbruch anzusehen. Das Bundesrecht kenne nur die Bundes-Execution.

Österreichs Stellung in Holstein sei nicht unter dem Schutze der Bundesverträge, und der Kaiser von Österreich sei nicht als Bundesglied für Holstein zu betrachten. Dem königlichen Cabinete habe die Abweisung des Antrages , wegen seines widerrechtlichen Charakters, von vornherein als das allein rechtlich gebotene Verfahren geschienen.

„Durch die nach dem Bundesrechte unmögliche Kriegs-Erklärung „gegen ein Bundesglied, welche durch den Antrag Österreichs und das Votum „derjenigen Regierungen, welche ihm beigetreten sind, ausgesprochen ist, — „sieht das königliche Cabinet den Bundesbruch als vollzogen „an. Im Namen und auf allerhöchsten Befehl Sr. Majestät „des Königs erklärt der Gesandte daher hiemil, dassPreussen „den bisherigen Bundesverlrag als gebrochen und desshalb „nicht mehr verbindlich ansieht.

„Indess will Se. Majestät der König mit dem Erlöschen des bisherigen „Bundes nicht zugleich die nationalen Grundlagen, auf denen der Bund aufgebaut gewesen, als zerstört betrachten.

Der Gesandte legte nun den Reformantrag, den Preussen mit Circulare vom 10. Juni den deutschen Regierungen bereits halte zukommen lassen, neuerdings vor und erklärte die Bereitwilligkeit seiner Regierung, „auf den „alten, durch eine solche Reform modificirten Grundlagen einen neuen Bund „mit denjenigen deutschen Regierungen zu schliessen, welche ihr dazu die ,,Hand reichen wollten."

Hiemit sehe er aber auch seine bisherige Thätigkeit als beendet an.

Hierauf replicirte der österreichische Präsidial-Gesandte Baron Kübek:

„Der deutsche Bund ist nach Artikel I der Bundesacte ein unauflöslicher Verein, auf dessen ungeschmälerten Forlbestand das gesammte „Deutschland, so wie jede einzelne Bundesregierung ein Recht hat, und nach „Artikel V der Wiener Schlussacte kann der Austritt aus diesem Vereine „keinem Mitglicde desselben freistehen.

„Indem das Präsidium sich gegenüber der von dem königlichen preus„sischen Gesandten eben erfolgten beklagenswerthen Erklärung auf den „gefassten, competenzmässigen Beschluss bezieht, Namens der hohen Bundes„Versammlung auf obige Grundsätze hinweist und die Motive der preussi„schen Erklärung als rechtlich und factisch unbegründet erklärt, muss dasselbe in förmlichster und nachdrücklichster Weise alle Rechte und Zuständigkeiten des Bundes wahren, welcher in vollkommen bindender Kraft fortbesteht."

Die Versammlung schloss sich diesem Proteste an.

Österreich zeigte nun an, dass seine drei Armeecorps, die es als Conlingent der deutschen Bundes-Armee zu stellen hatte, marsch- und schlagfertig seien.

Am 16. wurde an die Vertreter der ausserdeutschen Grossmächte am Bunde die oben präcisirte Erklärung des Bundes-Präsidiums mittelst Noten bekannt gegeben und bemerkt, dass die gelassten Entschlüsse auch für Preussen fortwährend gillig wären.

Wir stehen hiemit an der Schwelle des Krieges, der für Österreich und seine Verbündeten einen so unerwartet unglücklichen Ausgang nehmen sollte.

Bevor wir an die Darstellung der Ereignisse desselben gehen, haben wir nur noch zu bemerken, dass zur Zeit, als die Rüstungen Preussens und Österreichs schon ihren vollen Gang nahmen, das Ausland Schritte zu einer Verständigung versuchte. Frankreich, England und Russland hatten sich nämlich damals zu einem Conferenz - Vorschlage geeinigt und zur Theilnahme auch Österreich, Preussen und Italien, so wie den deutschen Bund eingeladen.

Die diesbezüglichen am 27. und 28. Mai in Frankfurt von den Geschäftsträgern der drei neutralen Grossmächte überreichten Einladungsschreiben bezeichneten als Gegenstände der Verhandlung:

1. die Herzogthümerfrage,

2. Die Massregeln zur Beruhigung Italiens;

3. Die Angelegenheiten der Bundesreform, so weit dieselben das europäische Gleichgewicht berührten.

Der Bund hatte diese Einladung angenommen und bestimmte den königlich bayerischen Staalsminister Freiherrn von der Pfordten als seinen Vertreter bei der beabsichtigten Conferenz, — hob jedoch in seiner Antwortsnote hervor, dass die holsteinische Frage, abgesehen von Schleswig, so wie die Reform der Bundes-Verfassung, abgesehen von den internationalen Beziehungen des Bundes, von jeher als innere Fragen des Bundes angesehen worden wären.

Auch Preussen und Italien waren dem Vorschlage beigetreten; — als jedoch Österreich seinen Beitritt zwar nicht ablehnte, wohl aber seine Zusage an die bestimmte Voraussetzung knüpfte, dass das öffentliche europäische Recht und die bestehenden Verträge den Ausgangspunkt dieser Vermittlungsversuche bilden, und die theilnehmenden Mächte kein Sonder-Interesse zum Nachtheile des europäischen Gleichgewichtes und der Rechte Österreichs verfolgen würden, zerfloss das Nebelgebilde des Congresses, und die Bestätigung lag offen vor, wie wenig die neutralen Grossmächte die Absicht gehabt hallen, dem Rechte seine Anerkennung zu verschaffen.

Der Congress wäre nur ein Mittel gewesen, Österreichs Besitzrechle zu Gunsten seiner Gegner zu schmälern; — die österreichische Regierung war sich dessen ebenso bewussl, wie dass die von ihr gestellte Bedingung ihres Beitritts zum Congresse diesen selbst scheitern machen müsste. — Der Congress kam auch nicht zu Stande.')

Wir gehen nun zur Darstellung der Streitmittel über, welche in dem bevorstehenden grossen und für die Geschicke ganz Mittel-Europa's entscheidenden Kample zur Verwendung kommen sollten, und welche Mitte Juni bereit waren, das Glück der Waffen zu versuchen.

') Wie wenig Rücksicht Österreich von diesem Congresse zu erwarten gehabt hätte, lassen die folgenden beiden Schriftstücke deutlich sehen.

In einem der Öffentlichkeit Ubergebenen Schreiben an den Minister der auswärtigen Angelegenheiten Frankreichs — vom 11. Juni — äusserte sich Kaiser Napoleon folgendermassen Uber seine Congressidee:

„Wir hätten, soweit es uns betrifft, für die Mittelstaaten des deutschen Bundes „eine engere Einigung, eine mächtigere Organisation und eine bedeutendere Rolle, .für Preussen grössere Gleichartigkeit und mehr Macht im Norden, und für Österreich „die Erhaltung seiner grossen Stellung in Deutschland gewollt. — Wir hätten äusserndem gewollt, dass Österreich mittelst billiger Compensation Venetien an Italien „abtreten könnte, — denn wenn es im Einverständnisse mit Preussen, und ohne sich „um den Vertrag von 1862 zu kümmern, mit Dänemark im Namen der deutschen „Nationalität einen Krieg geführt hat, so erschiene es nur gerecht, dass es in Italien „dasselbe Princip anerkenne und die Unabhängigkeit der Halbinsel vervollständige."

Der italienische Gesandte am Tuilerienhofe hatte an den Minister Lamarmora am 16. Mai über diesen Gegenstand folgendermassen geschrieben:

„Eine Lösung wird für die in Rede stehenden Fragen nicht vorgeschlagen „werden, — was aber Venetien angeht, so ist es klar, dass das Aufwerfen der Frage „dem Hinweise auf ihre Lösung gleichkömmt, — die keine andere sein kann, als „die Cession derselben seitens Österreich an Italien; — die vom kaiserlich „französischen Minister der auswärtigen Angel eg enheiten bei mir „geführte Sprache stimmt mit dieser Anschauungsweise überein."

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