Abbildungen der Seite
PDF

reichen, der den Rückzug in südwestlicher Richtung über einen von nassen Gräben durchzogenen Wiesengrund bewerkstelligte, und, abgesehen von den durch das Feuer der Batterie erlittenen Verlusten, glücklich entkam.

Die Verfolgung nahm auch hier um 6 Uhr Abends ihr Ende.

Die Hannoveraner halten ihren Sieg mit bedeutenden Verlusten erkautt.

Sie verloren: 2 Officiere todt, 80 verwundet; von der Mannschaft 356 todt, 971 verwundet. Totale: todt und verwundet 1429 Mann. Todte und verwundete Pferde etwa 300.

Die Preussen, inclusive der Coburg-Gothaer, beziffern ihren Verlust auf 170 Todte, darunter 11 Officiere; 643 Verwundete, darunter 30 Officiere; und 33 Vermisste.

Nach officiellen hannoverschen Angaben fielen aber 907 Preussen, darunter 10 Officiere, in Gefangenschaft, und fast eben so viele sollen versprengt worden sein, die aber später zum Corps des Generals von Flies wieder einrückten.

Ueberdies erbeuteten die Hannoveraner an Trophäen 2 Geschütze und gegen 2000 Gewehre.

Die Hannoveraner waren im Grossen intact, die Truppen des Generals von Flies fast aufgelöst, und nur die in unmittelbarer Nähe bereitstehende preussische Übermacht ward Ursache, dass die Hannoveraner diesen schönen Sieg nicht ausnützten.

In der folgenden Nacht beantragte GL. v. Arentsschildt einen mehrtägigen Waffenstillstand zur Beerdigung der Todten; GM. v. Flies lehnte jedoch diesen Antrag ab.

GL. v. Goeben, von dem Zustande der im Gefechte gewesenen Truppen unterrichtet, sandle noch in der Nacht zum 28. Verstärkungen, und zwar 7 Bataillons und 2 Batterien, mittelst Eisenbahn nach Gotha, und GL. von Falckenstein, inzwischen von Cassel nach Eisenach zurückgekehrt, verfügte für den 28. die Vorrückung der bei Gotha und Eisenach sichenden Streitkräfte gegen Langensalza.

GL. v. Manteuffel halte am 26. das Detachement unter General Wrangel aus Cassel an sich gezogen und General v. Korth mit der Avantgarde von Göttingen nach Duderstadt vorgeschoben. Am 27. gelangte General v. Korth bis Worbis, die übrigen Truppen der Division erreichten Dingelstedt und Heiligcnstadt. Auf die Nachricht von der Schlacht bei Langensalza eilte am 28. GL. v. Manteuffel mit den ihm zur Disposition stehenden Truppen nach Mühlhausen. Es waren dies nur ungefähr 8000 Mann, da General Korth auf die irrige Meldung, die Hannoveraner seien im Rückzüge auf Sondershausen begriffen, bisjElende gerückt und daher momentan nicht zur Hand des Divisions-Commandos war.

Österreichs Kimpfe 186«. 1. Band. 14

Auf allen Seiten von überlegenen Kräften umstellt und bedroht, blieb nun der hannoverschen Armee wohl Niehls mehr übrig, als auf eine ehrenvolle Capitulation bedacht zu sein.

Die massgebendsten Persönlichkeiten der Armee einigten sich endlich auch zu folgender Erklärung an den König:

„Wir Unterzeichnete erklären hiedurch auf unsere militärische Ehre „und den unserem Könige und Kriegsherrn geleisteten Eid vor Gott und „unserem Gewissen:

„1. Dass Mannschaften und Pferde der hannoverschen Armee durch „die seit dem 19. d. M., mit ursprünglich mangelhafter Ausrüstung, ununter„brochenen grossen Marschstrapazen, bei meistens mangelhalter Verpflegung, „so wie durch den gestern stattgehabten hartnäckigen Kampf, welcher einen „die Diensttauglichkeit beeinträchtigenden Verlust an Officieren und Unter„officieren herbeigeführt hat, in hohem Grade erschöpft sind, so dass ohne „vorhergegangene Ruhe eine Forlsetzung der Operationen nicht zulässig ist;

„2. dass die Munition bei gänzlichem Ausschluss alles weiteren Ersatzes nur noch zu etwa einem ernstlichen Gelechte ausreicht;

„3. dass es nach den gemachten Erfahrungen und nach den Mitlhcilun„gen der Intendantur unmöglich ist, die nöthigen Lebensmittel in ausreichender Weise herbeizuschaffen;

„4. dass an mehreren Seiten feindliche Truppen in bedeutender Übermacht herangezogen'sind, die hannoversche Armee umzingelt haben, und „auf eine baldige Änderung der militärischen Lage durch Succurs befreundeter Truppen nicht zu rechnen ist.

„Unter diesen Umständen müssen wir jeden Kampf und Widerstand „für ein gänzlich unnützes und erfolgloses Blutvergiessen halten und können „nach pflichtmässiger Überzeugung Seiner Majestät dem Könige nur an„rathen, den Widerstand aufzugeben und eine Capitulation anzunehmen.

„Langensalza, den 28. Juni 1866." v. Arentsschildt, General-Lieutenant, v. Wrede, General-Major, v. d. Knesebeck, General-Major, v. Bothmer, General-Major, v. Bülo w-Stol le, Oberst, de Vaux, Oberst, Dammers, Oberst Grl.-Adj. v. Stoltzenberg, Oberst, v. Geyso, Oberst, Cordemann, Oberst.

In Folge dieser Erklärung wurde GL. v. Arentsschildt vom Könige ermächtigt, eine Capitulation einzugehen, und der Commandant der feindlichen Avantgarde, GM. v. Flies, von dieser Absicht sogleich in Kenntniss gesetzt

Auf die hierüber erhaltene Meldung entsandte GL. v. Falckenstein spät Abends den Major Wiebe mit den Capitulationsbedingungen in das hannoversche Hauptquartier, die hier mit einem einzigen geringfügigen Zusätze angenommen wurden, GL. v. Arentsschildt, welcher mittlerweile die Nachricht erhalten hatte, dass GL. v. Manteuffel zum Abschlüsse der Capitulation von Berlin aus designirt worden war, machte den Vorbehalt, dass, falls dieser General zu günstigeren Bedingungen ermächtigt wäre, die mit Major Wiehe getroffenen Vereinbarungen keine Geltung hätten.

Am 29. Morgens traf GL. Man teuf fei im hannoverschen Hauptquartier ein, begab sich aber sofort, als er die Sendung des Majors Wiehe in Erfahrung gebracht, zu GL. v. Falckenstein nach Gross-Behringen.

Hier scheint es — und zwar nicht das erste Mal — zu Competenz-Erörterungen gekommen zu sein. GL. v. Manteuffel soll schon bei Beginn des Feldzuges, als er den Befehl zum Einrücken in Hannover erhalten, die Meinung geltend gemacht haben, dass es sich für ihn blos um eine Cooperation mit GL. v. Falckenstein, keineswegs aber um seineünterstellung unter die Befehle dieses Generals handle.

Dieses Mal hingegen war ein direcler Befehl des Königs vorhanden, und so verblieb GL. von Manteuffel im Rechte; derselbe verfügte sich Mittags wieder in das hannoversche Hauptquartier und schloss nun die Capitulation definitiv ab.

Die hannoversche Armee, welche am 28. ihre Aufstellung nicht veränderte, ward an diesem Tage von der Absicht des Königs, eine Capitulation abzuschliessen, mittelst Armee-Befehl verständigt').

Am 29. bezogen die Hannoveraner weitläufige Cantonnemenls zwischen Langensalza und Gotha, nachdem sie vorher ihre Waffen und das Kriegsmaterial an die Preussen abgegeben hatten.

Die in der Schlacht bei Langensalza in Gefangenschaft gerathenen Preussen (907 Mann, darunter 10 Officiere) waren schon am 28. Nachmittags wegen drückenden Verpflegsmangels von Seite der Hannoveraner freigegeben worden.

Am 30. Juni begann der Rücktransport der einzelnen Abtheilungen der hannoverschen Armee mittelst Eisenbahn über Magdeburg nach Hildesheim und Celle; am 4. Juli traf GL. von Arentsschildt in Hannover ein und entliess daselbst sein Hauptquartier; am 5. Juli war die Auflösung der hannoverschen Armee definitiv vollendet

Der König und der Kronprinz begaben sich anfänglich auf ein Schloss in der Nähe von Jena, später in das Altenburgische, zuletzt nach Wien. Die Königin blieb mit den Prinzessinen in Hannover.

Niemand wird der kleinen, aber treuen und tapferen hannoverschen Armee die Theilnahme ob des tragischen Geschickes, das ihrer todesmuthigen Haltung vorbehalten war, versagen können.

l) Armee-Befehl und Capitulation in den Beilagen zum VII. Abschnitt Nr. 3 u. 4.

Gleichzeitig mit Kur Ii essen und Hannover ward auch das Königreich Sachsen durch preussische Truppen besetzt.

Dieses letztere Königreich liegt territorial innerhalb der Operationssphäre der beiden deutschen Haupt-Armeen, und'wir werden daher die Besetzung Sachsen's später, wenn wir auf die Kriegsereignisse dieser beiden Armeen zu sprechen kommen, näher abhandeln.

Wir wollen hier nur noch beifügen, dass die königlich sächsische Armee glücklicherweise nicht dasselbe Schicksal erlitt, wie jene Hannovers, — Dank der Entschiedenheit, mit welcher die königliche Regierung schon seit Langem ihre Wahl zu treffen. und ihre Truppen für den Ernst der Ereignisse vorzubereiten gewusst hat.

Mit der Besetzung Sachsen's durch preussische Truppen war auch das Schicksal dieses Staates ebenso wenig entschieden, wie jenes Hannovers, trotz der Capitulation von Langensalza.

Diese preussischen Occupationen waren ephemere Erfolge, so lange nicht bei den hauptsächlichen Verfechtern der künftigen Geschicke Deutschlands, bei der preussischen und österreichischen Haupt-Armee die Entscheidung gefallen war.

Schon standen sich diese gewaltigen Massen im Kampfe gegenüber.

Doch vergessen wir über den ernsten Ereignissen, die im Norden ihrer Erfüllung zueilten, nicht, dass Preussen weit im Süden einen grossen Verbündeten hatte, der bestimmt war, Österreich im Bücken zu fassen, während dieses in seiner deutschen Front kämpfen sollte, um ganz Deutschland vor preussischer' Vergewaltigung zu schützen.

Dieser Verbündele, der einen lockenden Kampfpreis vor sich hatte, löste sein an Preussen gegebenes Bundcsworl pünktlich.

Am selben Tage, an dem der König von Preussen Wilhelm IV., dem Kaiserstaate Österreich den Krieg erklärte, warf auch Victor Emanuel seinen Fehdehandschuh hin.

Lassen wir der grossen Aclion dieser 250.000 Italiener, die Österreich im Süden angriffen, den Vorrang in unserer Darstellung der Ereignisse, denn die Entscheidung fiel hier früher als im Norden.

Beilagen

zu

„Österreichs Käm

1866.

I. Band.

Beilagen zu Österreichs Kampfe 1866. I. Band.

« ZurückWeiter »