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Diese Anfrage erfolgte. — Graf Bismarck antwortete mit „Nein," ohne jedoch in nähere Erörterungen einzugehen.

Es handelte sich für den Leiter der preussischen Politik offenbar nicht mehr um die Verträge bezüglich des kleinen Stückes Erde, das den Streit gebar. — Wer in ganz Deutschland nun für oder gegen ihn im Kampfe mit Österreich gehen wollte, das war jetzt die Frage, um die es sich für ihn handelte.

Er stellte dieselbe an alle Höfe Deutschlands mit der ganzen Ruhe und Entschiedenheit, die ihm das Bewusstsein gab, dass er die Situation möglichst beherrsche und Alles gethan habe, was in seinen Kräften stand, um in dem bevorstehenden grossen und verhängnissvollen Kampfe seinem Lande den Erfolg zu sichern.

Am 24. März richtete Graf Bismarck an sämmtliche Gesandtschaften bei den deutschen Höfen eine Circularnote, in welcher derselbe den Standpunkt Preussens gegenüber den österr. Rüstungen bezeichnete und die daraus hervorgehende Notwendigkeit zu Gegenrüstungen, so wie das Bedürfniss Preussens, die nothwendigen Garantien seiner Sicherheit nunmehr in

Lösung der schleswig-holstein'schen Verwicklung zu finden. Stets werde Se. Majestät als Souverain Österreichs wie als deutscher Bundesfürst die höchste Beruhigung aus dem Bewusstsein schöpfen, kein billiges Zugeständniss versagt und jede mögliche Probe versöhnlicher Gesinnung abgelegt zu haben, um zwischen Osterreich und Preussen jene Eintracht zu erhalten, welche die wesentlichste Bürgschaft für den inneren Frieden, wie für die äussere Sicherheit und Geltung des deutschen Vaterlandes bilde. Zum tiefsten Bedauern des kaiserlichen Hofes seien jedoch die bisherigen Verhandlungen mit Preussen ohne den gewünschten Erfolg geblieben. Die königlich preussische Regierung habe geglaubt, Forderungen aufstellen zu müssen, deren Gewährung mit den Interessen und der Machtstellung der österreichischen Monarchie ebensowenig, wie mit dem deutschen National-Interesse und der Verfassung des deutschen Bundes vereinbar sei. Der Präsidial-Gesandte sei daher beauftragt, der Bundesversammlung die Anzeige zu erstatten, dass die kaiserliche Regierung ihre Bemühungen, eine definitive Lösung der Herzogthümer-Frage im Einvernehmen mit Preussen vorzubereiten, als vereitelt betrachten und sonach alles Weitere den verfassungsmässigen Beschlüssen des Bundes, welchem ihre Anerkennung stets gesichert sei, anheimstellen müsse. Auf diese Erklärung dürfe sich jedoch die kaiserliche Regierung nicht beschränken. Sowohl durch die Sprache des preussischen Cabinets als durch Nachrichten über militärische Vorbereitungen in Preussen sei in weiten Kreisen die Besorgniss einer Gefährdung des Friedens in Deutschland wachgerufen worden. Die kaiserliche Regierung hege zwar die Hoffnung, dass die Kenntniss der wahren Intentionen Preussens hinreichen werde, um diese Besorgniss vollständig zu zerstreuen; allein, da es ihr nicht gelungen sei, vom Berliner - Cabinet befriedigende Aufklärungen zu erhalten, so befinde sie sich in dem Fall, in dem Kreise ihrer Bundesgenossen sich auf die durch Art. XI der Bundesacte und Art. XIX der Wiener Schlussacte feierlich von allen Mitgliedern des Blindes eingegangenen Verpflichtungen zu berufen. Der Gesammtheit des Bundes liege es ob, Sorge dafür zu tragen, dass Streitigkeiten zwischen Bundesgliedern nicht mit Gewalt verfolgt werden, und die kaiserliche Regierung erfülle daher nur eine Pflicht, wenn sie der Bundesversammlung rechtzeitig anheimstelle, auf Wahrung des Bundesfriedens ihr Augenmerk zu richten. Zunächst werde die Bundesversammlung sich Deutschland zu suchen, hervorhob. Auf dem Boden der deutschen Nationalität werde Preussen immer zuerst versuchen, die Sicherheit der nationalen Unabhängigkeit zu finden. Hiebei dränge sich, äusserte Graf Bismarck, auch von Neuem die Erkennlniss auf, dass der Bund in seiner gegenwärtigen Gestalt für jenen Zweck und für eine active Politik nicht geeignet sei.

Preussen sei gegenüber den Rüstungen Österreichs in der Lage, an die Bundesgenossen die Frage zu richten, ob und in welchem Masse es auf ihren guten Willen zählen könne; — aber auch bei vorhandenem guten Willen gebe die Lage des Bundes keine Beruhigung.

Aus diesen Gründen fühle er die Nothwendigkeit, eine den realen Verhältnissen des Bundes Rechnung tragende Reform demgemäss zu beantragen, — einstweilen aber erbitte er sich die Beantwortung der früher angedeuteten Frage. *)

darüber, dass Gefahr der Selbsthilfe nicht vorhanden sei, jene vollständige Beruhigung zu verschaffen haben, welche eine an Recht und Vertrag festhaltende Regierung, wie diejenige Sr. Majestät des Königs von Preussen, ihren Bundesgenossen sicher nicht werde vorenthalten wollen." —

Vorstehendes wird der Inhalt der ersten kaiserlichen Erklärung am Bunde sein, und die kaiserliche Regierung erwartet, dass die Regierung ihren BundestagsGesandten in Frankfurt im voraus mit der Instruction versehen werde, unmittelbar nach der österreichischen Erklärung für eine Aufforderung oder ein Ersuchen an Preussen, sich Uber seine Absichten auszusprechen, zu stimmen. Sollte der Widerspruch einzelner Gesandten eine Berathung und Schlussziehung in derselben Sitzung, wie die Geschäftsordnung dies ermöglicht, verhindern, so wäre wenigstens in einer unmittelbar nachfolgenden Sitzung die sachgemässe Eröffnung an Preussen zu beschliessen. Gleichzeitig oder erst nach Eingang der preussischen Erklärung dürfte dem holstein-lauenburg'schen Augschusse der Gegenstand zuzuweisen, und auch dio dem Art. XI der Bundesacte entsprechende Vermittlungs-Aufgabe demselben Ausschusse zu Ubertragen sein. Würde Übrigens die Gefahr eines Friedensbruches noch dringender, ergäben sich positive Anzeichen für beabsichtigte Gewaltstreiche, oder würde in Preussen die Mobilisirungs-Ordre wirklich erlassen, dann könnte selbstredend dem Drang der Situation nicht durch die blossen Vermittlungs-Bemühungen eines Ausschusses abgeholfen werden, sondern die Nothwendigkeit würde vorhanden sein, rasch und cutschieden die Massregeln zu ergreifen, durch welche, um mit dem Art. XIX der Schlussacte zu reden, jeder Selbsthilfe vorzubeugen und der bereits unternommenen Einhalt zu thun wäre. Einem drohenden Angriff Preussens gegenüber könnten diese Massregeln nur in der Kriegsbereitschaft des 7., 8., 9. und 10. Bundescorps und in der Aufstellung derselben im Verbände mit der österreichischen Armee bestehen, und die kaiserliche Regierung müsse daher hoffen, dass sie im gegebenen Augenblicke die .... Regierung bereitlinden werde, für einen solchen Beschluss in Frankfurt zu stimmen."

Daran schliesst sich dann nur noch die Aufforderung, der betreffenden Regierung hiernach eine ganz vertrauliche Mittheilung zu machen und sich eine Antwort zu erbitten, sowie die übliche Hochachtungsclausel.

l) Der volle Inhalt 'dieser Depesche lautete:

Berlin, 24. März 1866. „Als im August v. J. die Gastciuer Übereinkunft geschlossen worden war, durften wir hoffen, eine Basis gewonnen zu haben, auf welcher die Lösung der schleswigholstein'schen Frage ohne Nachtheil für das freundschaftliche Einvernehmen beidei

Am 28. und 29. März ordneten bereits königl. Decrete die Augmentirung von 75 Bataillons um je 150 Mann, die Versetzung von 41/, ArtillerieRegimenlern auf vollen Kriegsfuss, ferner die Armirung der schlesischen und Elbefestungen an.

Graf Karolyi beantwortete am 31. März die an die deutschen Höfe gerichtete Circularnote vom 24., den' Weisungen seiner Regierung entsprechend, mit der folgenden:

„Es ist zur Kenntniss des kaiserlich österreichischen Cabinets gekommen, dass die Regierung Sr. Majestät des Königs von Preussen, um die VerMächte abgewartet werden könne. Aber schon bis zum Jänner d. J. waren durch das Verhalten Österreichs in Holstein die Dinge so weit gediehen, dass wir uns in Depeschen an den königlichen Gesandten, welche das Datum des 20. und 26. Jänner trugen, mit ernsten Beschwerden an die kaiserlich österreichische Regierung wenden mussten.

Wir hatten uns darüber zu beklagen, dass Osterreich fortfuhr, sich in directen Widerspruch zu setzen mit den Basen, auf weichender Wiener Friede und demnächst die Gasteiner Convention beruhten. Denn während Osterreich in diesem Frieden die Abtretung der Herzogtümer vom Könige Christian IX., welcher auf Grund der im Jahre 1853 eingeführten und von Österreich anerkannten Thronfolge im Besitze derselben war, mit uns gemeinschaftlich angenommen hatte, war jetzt die Thätigkeit der österreichischen Verwaltung in Holstein darauf gerichtet, dieses dem Könige, unserem Allergnädigsten Herrn, in Gemeinschaft mit seiner Majestät dem Kaiser von Österreich gehörige Land ohne Preussens Einwilligung dem Prinzen von Augustenburg thatsächlich zu überantworten, welcher kein Recht auf dasselbe hat, und dessen Ansprüche früher von Österreich selbst entschieden bestritten worden waren. Wir trugen diese Beschwerden der kaiserlichen Regierung in einer eben so freundschaftlichen als klaren Sprache vor und baten sie im Interesse unserer intimen Beziehung um Abstellung derselben und um ungefährdete Erhaltung des in Wien und Galtein stipulirten Status quo. Wir fügten hinzu, dass, wenn unsere Bitte erfolglos bleibe, wir darin mit Bedanern ein Symptom der Gesinnung Österreichs gegen uns sehen mttssten, welches uns das Vertrauen auf die Zuverlässigkeit unserer Allianz nehmen würde. In diesem unerwünschten Falle würden wir die Phase der seit zwei Jahren bestandenen intimen Beziehung als abgeschlossen betrachten und gegen die ferneren Wirkungen des aus diesen und anderen Symptomen sich ergebenden Übelwollens des österreichischen Cabinets gegen Preussen anderweite Sicherheiten zu gewinnen suchen.

Anf diese von den versöhnlichsten Gesinnungen eingegebene und in der Form freundschaftliche Mittheilung erhielten wir von Wien — in einer Depesche vom 7. Februar — eine ablehnende Antwort.

Wir haben es nicht für angemessen gehalten, nach derselben die Correspondenz fortzusetzen. Über die Bedeutung aber, die wir der Antwort Österreichs beilegten, habe ich mich dem Grafen Karolyi gegenüber auf sein Befragen bei der ersten Unterredung nach Empfang der Depesche vom 7. Februar dahin ausgesprochen, dass unsere Beziehungen zu Österreich nunmehr anstatt des intimen Charakters, den sie während der letzten Jahre angenommen, auf denselben Standpunkt zurückgeführt worden seien, auf dem sie vor dem dänischen Kriege gewesen — nicht besser, aber auch nicht schlimmer, als zu jeder fremden Macht. Vom Kriege ist dabei kein Wort gefallen; und jede Drohung mit Krieg lag uns damals eben so fern wie jetzt.

Seit dieser Zeit, seit der Mittheilung der Depesche vom 7. Februar, haben beide Mächte gegen einander geschwiegen. Von unserer Seite ist Nichts geschehen, um die Situation zu verändern, und dennoch sehen wir mit Erstaunen Österreich plötzlich zu „antwortlichkeit für die entstandenen Besorgnisse einer Gefährdung des Friedens von sich abzulehnen, dem kaiserlichen Hofe feindselige Absichten beigemessen, ja sogar auf die Eventualität einer Bedrohung der preussischen „Monarchie durch eine Offensive Österreichs hingewiesen habe.

„Wiewohl die Grundlosigkeit einer solchen Unterstellung in Europa „notorisch ist, muss die kaiserliche Regierung demungeachtet Werth darauf „legen, gegenüber dem königlichen Cabinete sich ausdrücklich gegen eine mit „der Evidenz der Thatsachen so vollkommen unvereinbare Beschuldigung zu „verwahren.

einem grossen Kriege Vorbereitungen treffen und uns gleichzeitig den Vorwurf machen, als ob wir es seien, die den Frieden zu stören beabsichtigten. Zahlreiche Mannschaften nebst Artillerie und anderem Kriegsmaterial werden aus den östlichen und südlichen Provinzen Österreichs nach Norden und Westen gegen unsere Grenze dirigirt, die Regimenter in Kriegsbereitschaft gesetzt, und bald wird eine starke Heeresmacht an unserer vollkommen von allen Gegenmassregeln entblössten Grenze stehen.

In der Anlage finden Eu. . . . nähere Angaben über diese Massregeln. Was bezweckt Österreich mit diesen Rüstungen? Will es uns mit Gewalt zwingen, sein intimer Bundesgenosse zu bleiben, oder unser Schweigen durch entgegenkommende Eröffnungen zu brechen? In beiden Beziehungen werden wir unsere Freiheit zu wahren berechtigt sein, und wir können in der drohenden Haltung, welche Österreich plötzlich gegen uns annimmt, nur einen neuen und überzeugenden Beweis einer Gesinnung gegen uns erblicken, welche nur auf einen günstigen Augenblick wartet, um ihren Ausdruck in Thaten zu finden. Bisher haben wir auch nicht den entferntesten Anfang zu Gegenrüstungen gemacht, keinen Mann eingezogen, keine Truppen dislocirt, keine Vorbereitungen getroffen. Aber wir werden, angesichts der österreichischen Aufstellungen, nun auch unserseits nicht länger zögern dürfen, damit die Situation von 1850 sich nicht wiederhole, wo eine schlagfertige österreichische Armee drohend an unserer Grenze stand, bevor wir gerüstet waren. Die Behauptung, dass Österreichs jetzige Rüstung nur der Defensive gelte, kann uus über ihren drohenden Charakter nicht beruhigen, da von uns keine einzige Massregel ergriffen war, welche Österreich hätte veranlassen können, an seine Vortheidigung zu denken. Wir befürchten, dass die Sprache Österreichs sich ändern würde, sobald ein entscheidender Vorsprung in den Rüstungen ihm eine Überlegenheit gäbe. Wenn wir daher nunmehr auch Rüstungen anordnen müssen, so werden wir mit mehr Recht als Österreich behaupten können, dass sio einen rein defensiven Charakter tragen und nur 'durch Österreichs unerklärte Rüstungen hervorgerufen sind. Wenn durch dieses Gegenüberstehen von Kriegsheeren die Situation gespannter und die Gefahr eines Conflictes grösser wird, so werden nicht wir es sein, welche deshalb ein Vorwurf treffen kann. Denn wir können nicht zugeben, dass Schlesien von Krakau bis zur sächsischen Grenze mit kriegsbereiten Truppen Umstellt werde, ohne dass wir Massregeln zum Schutze des Landes treffen.

Eu. . . . habe ich in dem gegenwärtigen Augenblick nicht unterlassen dürfen diese Erläuterungen zu geben, und ich ersuche Sie ergebenst, Sich in demselben Sinne gegen die Regierung, bei welcher Sie beglaubigt zu sein die Ehre haben, auszusprechen, damit die Vorbereitungen, zu denen nun auch wir zu schreiten genöthigt sein werden, in richtigem Lichte aufgefasst werden.

Aber Massregeln zu unserer augenblicklichen Sicherung sind nicht das Einzige, was die Situation von uns gebieterisch fordert. Die Erfahrung, welche wir wiederum über die Zuverlässigkeit eines österreichischen Bündnisses und über die wahren Gesinnungen des Wiener Cabinets gegen uns gemacht haben, nöthigen uns, auch die

„Der Unterzeichnete hat demgemäss den Auftrag erhalten, Sr. Excellenz „dem Grafen Bismarck in aller Form zu erklären, dass den Absichten Sr. Majestät des Kaisers Nichts ferner liege, als ein offensives Auftreten gegen „Preussen.

„Nicht nur die so vielfach durch Wort und Thal erwiesenen freundschaftlichen Gesinnungen Sr. Majestät des Kaisers für die Person Sr. Majestät des Königs, wie für den preussischen Staat, schkessen jede solche Absicht entschieden aus, — sondern der Kaiser erinnert sich auch der Pflichten, welche Österreich sowohl, als Preussen, feierlich durch den deutschen „Bundesvertrag übernommen haben.

Zukunft in's Auge zu fassen und uns nach Garantien umzusehen, welche uns die Sicherheit gewähren können, die wir in dem Bunde mit der andern deutschen Grossmacht nicht nur vergebens gesucht haben, sondern sogar durch dieselbe bedroht sehen. Preussen ist durch seine Stellung, seinen deutschen Charakter und durch die deutsche Gesinnung seiner Fürsten vor allem zunächst darauf angewiesen, diese Garantien in Deutschland selbst zu suchen. Auf dem Boden der deutschen Nationalität und in einer Kräftigung der Bande, welche uns mit den übrigen deutschen Staaten verbinden, dürfen wir hoffen und werden wir immer zuerst versuchen, die Sicherheit der nationalen Unabhängigkeit zu finden.

Aber so oft wir diesen Gedanken in's Auge fassen, drängt sich auch von neuem die Erkenntniss auf, dass der Bund in seiner gegenwärtigen Gestalt für jenen Zweck und für die active Politik, welche grosse Krisen jeden Augenblick 'fordern können, nicht ausreichend ist. Seine Einrichtungen waren darauf berechnet, dass die beiden deutschen Grossmächte stets einig seien; sie haben bestehen können, so lange dieser Zustand durch eine fortgesetzte Nachgiebigkeit Preussens gegen Österreich erhalten wurde; einen ernsthaften Antagonismus der beiden Mächte können sie nicht ertragen, einen drohenden Bruch und Conflict nicht verhüten oder überwinden. Ja, wir haben die Erfahrung machen müssen, dass selbst da, wo die beiden Mächte einig waren, die Bundesinstitutionen nicht ausreichten, um Deutschland an einer activen, nationalen und erfolgreichen Politik Theil nehmen zu lassen. Dass auch das Bundesmilitärwesen nicht in einer der Sicherheit Deutschlands genügenden Weise geordnet ist, haben wir wiederholt gegen unsere Genossen im Bunde ausgesprochen und uns vergeblich bemüht, es innerhalb der alten Bundesverhältnisse auf neuen, angemesseneren Grundlagen zu verbessern. Wir vermögen in der jetzigen Lage der Dinge uns das Vertrauen auf eine wirksame Hilfe des Bundes, im Falle wir angegriffen würden, nicht zu bewahren. Bei jedemAngriffe, sei es von Österreich, sei es von andern Mächton, werden wir immer zunächst auf unsere eigenen Kräfte angewiesen sein, wenn nicht ein besonders guter Wille einzelner deutscher Regierungen zu unserer Unterstützung Mittel in Bewegung setzte, welche auf dem gewöhnlichen bundesmässigen Wege viel zu spät flüssig werden würden, um noch von Werth für uns zu sein. Wir sind gegenwärtig gegenüber den drohenden Rüstungen Österreichs in der Lage, an unsere Genossen im Bunde die Frage zu richten, ob und in welchem Masse wir auf diesen guten Willen zählen dürfen? Aber auch der vielleicht bei einigen unserer Bundesgenossen augenblicklich vorhandene gute Wille gibt uns für kommende Gefahren keine Beruhigung, weil bei der gegenwärtigen Lage des Bundes und dem Stande der Bundesmilitärverhältnisse die rechtliche oder ^tatsächliche Möglichkeit, ihn zu bethätigen, vielfach mangeln wird.

Diese Erwägung und die abnorme Lage, in welche Preussen durch die feindselige Haltung der anderen im Bunde befindlichen Grossmacht gebracht ist, drängt uns die

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