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machung der Stimme des erbberechtigten Fürsten, der Herzogtümer selbst und des deutschen Bundes stillschweigend zu verhalten, — wohl achten, dass sie aber auch — sofern und solange nicht dem Bunde zu einer von der Grundlage des Rechts ausgehenden Berathung und Beschlussfassung Aussicht geboten werde—ihre Aufgabe und Thätigkeit innerhalb der Versammlung als geschlossen betrachten, und sich auf eine laute und entschiedene Verwahrung gegen jede dieser Grundlage fremde Abmachung beschränken müssten.

Die Erklärung, mittelst welcher der eben gegebene Ausspruch Bayerns, Sachsens und Hessens provocirt worden, war auch der letzte Schritt, den Österreich gemeinsam mit Preussen that.

Nur einmal früher, seit Abschluss des Gasleiner Vertrages, hatte Österreich sich zu einer gemeinschaftlichen Haltung mit Preussen vereinigen können.

Es geschah dies zu einem Schritte gegen den Senat der freien Stadt Frankfurt, in deren Mauern sich am 1. October der deutsche Abgeordnetentag (eine mandatlose Versammlung deutscher Parlaments-Mitglieder aus dem Jahre 1848) versammelt hatte, um gegen die Politik der beiden deutschen Grossmächte zu agitiren.

Die Letzleren hatten damals, am 6. und 8. October, ziemlich gleichlautende Noten an den Senat gerichtet, welche die Missbilligung dieser Vorgänge und die Erwartung aussprachen, dass der Senat in der Folge ähnliche Zusammenkünfte zu verhindern wissen würde. —

. Seitdem war keine Gemeinsamkeit mehr zwischen den beiden Cabineten möglich; — für die österreichische Regierung ward es immer klarer, dass Preussen den offenen Bruch nicht scheute, sondern absichtlich Alles that, um denselben herbeizuführen.

Im Laufe des Monats October veröffentlichte die preussische Regierung das langerwartete, von seinem Kronsyndicat verfasste Rechtsgutachten über die Erbfolgeansprüche in den Elbeherzogthümern.

Dieses lief im Wesentlichen darauf hinaus, dass alles Recht auf die Herzogthümer aus dem Wiener Frieden fliesse, und dass durch diesen Frieden jedes Erbrecht des Prinzen von Augustenburg hinfallig geworden wäre, wenn überhaupt ein solches je bestanden hätte.

Das kaiserliche Cabinet erhielt von diesem Gutachten, auch späterhin, keinerlei officielle Mittheilung.

In den Herzogthümern bemühte sich mittlerweile die augustenburgische Partei mit allen Mitteln der Presse und der Vereine, den Zusammentritt der Landesvertretung zu erwirken.

Gegen diese Versuche, denen doch jede besondere Wichtigkeit abging, verfuhr Generallieulenant von Manteuffel mit der ganzen Strenge seiner Gewalt.

Dem Erbprinzen von Augustenburg waren gelegentlich einer Reise von Seite seiner Anhänger in Eckernförde Huldigungen dargebracht worden. General Manteuffel richtete hierauf unter dem 18. October an den genannten Prinzen ein Schreiben, worin er dessen Verhalten bei diesem Anlasse tadelte und die Ergreifung unliebsamer Massregeln im Wiederholungsfälle in Aussicht stellte.

Freiherr von Gablenz trat zwar der allgemeinen Agitation auch entgegen, doch nicht mit der Schonungslosigkeit des preussischen Gouverneurs, sondern mit der Rücksicht, die das schwergeprüfte Land verdiente. Wiederholl sprach sich Feldmarschalllieutenant Baron Gablenz dahin aus, dass er den Bestrebungen zu einer beschleunigten Einberufung der Stände seine Unterstützung nicht gewähren könne.

Als die Landesregierung Kenntniss erhielt, dass am 23. Jänner 1866 eine Versammlung schleswig-holsteinischer Vereine in Altona statthaben sollte, sprach dieselbe in ihrem Erlasse, ddo. Kiel 21. Jänner 1866, sich auf die Erklärung des Statthalters beziehend, die bestimmte Erwartung aus, dass derlei Agitationen, die nur geeignet wären, neue Gefahren heraufzubeschwören, unterbleiben würden.

Die Versammlung fand aber dennoch am bezeichneten Tage in Altona statt, da der Vorstand derselben das Versprechen gegeben hatte, sich jeder Resolution zu enthalten, und die holsteinische Landesregierung hierauf innerhalb der Grenzen ihrer Competenz sich nicht mehr bemüssigt glaubte, der Versammlung entgegenzutreten.

Dieser geringfügige Vorfall erregte den Unwillen des preussischen Cabinets, welches zur selben Zeit die erneuerten Huldigungen der Partei Scheel-Plessen empfing und wohlgefällig aufnahm.

Schon am 20. Jänner hatte Graf Bismarck, welcher von einer Reise nach Paris und Biarritz, — der man allgemein als Motiv die Verständigung mit dem Tuileriencabinet in der Herzogthümerfrage beilegte, — zurückgekehrt war, sich gedrängt gefühlt, in einer an den königlichen Gesandten in Wien gerichteten Note hervorzuheben, wie sehr das Verhalten der holsteinischen Verwaltung die Beziehungen der beiden Staaten im Allgemeinen trüben müsse.

Nun ward das Allonaer Ereigniss zum Anlass genommen, den eben ausgesprochenen Anklagen einen verschärften Ausdruck zu geben. In der Note vom 26. Jänner erinnerte Graf Bismarck an die Tage von Gastein und Salzburg; er habe sich damals dem Glauben hingegeben,

Österreichs Kämpfe 1866. I. Band. 2

dass Preussen und Österreich nicht blos in der Überzeugung von der Notwendigkeit des Kampfes gegen die Revolution, sondern auch über den Plan des Kampfes gegen dieselbe einig seien. — Dieser schöne Glaube sei zwar schon durch das Verfahren der österreichischen Regierung in Sachen der Noten an den Frankfurter Senat ein wenig erschüttert worden, jetzt aber nähmen die Dinge eine noch viel besorglichere Wendung; das Verhalten der holsteinischen Regierung müsse geradezu als ein aggressives bezeichnet werden. Die kaiserliche Regierung stehe nicht an, genau dieselben Mittel der Agitation gegen Preussen in's Feld zu führen, welche sie mit diesem Staate in Frankfurt bekämpfen wollte. Wenn man auch zu Wien der revolutionären Umwandlung des durch seinen conservativen Sinn ausgezeichneten holsteinischen Volksstammes ruhig glaube zusehen zu dürfen, so sei doch Preussen entschlossen, dies nicht zu thun. Der Gasteiner Vertrag habe zwar provisorisch die Verwaltung der beiden Herzogthümer getheilt, aber Preussen habe das Recht zu fordern, dass Holstein von Österreich während des Provisoriums in statu quo erhalten werde, ebenso wie Preussen verpflichtet sei, diesen Status in Schleswig zu erhalten.

Die königliche Regierung halte es für ein Leichtes, den Umtrieben, Schmähungen und der Schädigung des monarchischen Princips in den Herzogtümern ein Ende zu machen. Die preussische Regierung bitte das Wiener Cabinet, das Verhältniss zu erwägen und darnach zu handeln.

Sollte eine verneinende oder ausweichende Antwort erfolgen, so würde Preussen die Überzeugung gewinnen, dass Österreich, von einem traditionellen Antagonismus beherrscht, nicht auf die Dauer mit ihm gehen wolle. Diese Überzeugung würde schmerzlich sein, aber Preussen müsse endlich klar sehen.

Sei es ihm unmöglich gemacht, mit Österreich zu gehen, so müsse es die volle Freiheit für seine Politik gewinnen, um von derselben den seinen Interessen entsprechenden Gebrauch zu machen.

Auf diese Note erklärte Österreich am 7. Februar, dass es sich sehr wohl bewusst sei, über die Zukunft der Herzogtümer nicht einseitig verfügen zu können. Seien es auch nicht Ansprüche Preussens, sondern Rechte des deutschen Bundes und Rechte der Herzogtümer gewesen, welche das Motiv zum Kriege gegeben, so habe es doch stets die kaiserliche Regierung als der Stellung der beiden deutschen Grossmächte angemessen erachtet, die neuen politischen Gestaltungen, die aus dem Kriege hervorgehen würden, an die Bedingung einer freien Vereinbarung zwischen den beiden Höfen zu knüpfen. Der Wiener Hof habe auch nie verkannt, dass eine solche Vereinbarung dem preussischen Staats-Interesse eine gerechte Befriedigung gewähren müsse. In der Verwaltung von Holstein sei aber die kaiserliche Regierung keiner Controle unterworfen. Die derselben durch den Gasteiner Vertrag auferlegte Pflicht beziehe sich augenscheinlich nur auf die ungeschmälerte Erhaltung der Substanz. — Involvire dieselbe eine Controle der Handlungen, so erscheine ja eben der Gasteiner Vertrag unnütz.

Was die Beschuldigung der Umwandlung des conservaliven Sinnes des holsteinischen Volksstammes betreffe, so könne sich die kaiserliche Regierung ruhig auf das Urtheil des gesammten Europa berufen, „welches wisse „dass die Bestrebungen, die heute in Holstein vorherrschen, dieselben seien, „die zur Zeit der Convention von Gastein und längst vor dieser Epoche bestanden, und aus welchen der Widerstand der Herzogthümer gegen Dänemark „seine Kraft schöpfte." Mit der Beschwerde über die Aitonaer Vorgänge habe sich Preussen der naheliegenden Entgegnung ausgesetzt, dass ja gerade Preussen sich geweigert habe, ein Verbot solcher Versammlungen für das ganze Bundesgebiet zu beantragen. Weiters richtete die Depesche Preussens Blick auf die augenblicklichen Verhältnisse und zeigte, wie Österreich stets als Preussens Bundesgenosse, selbst zum eigenen Nachtheile gegenüber den Mittelstaaten, gehandelt habe, wornach von einer Enttäuschung kaum die Rede sein könne.

Kurze Zeit nach Empfang dieser Depesche erklärte Graf Bismarck dem österreichischen Gesandten, dass nun für Preussen der zu Ende seiner Note vom 26. Jänner in'sAuge gefasste Zustand eingetreten sei.

Mit diesen Worten war die Brücke der Verständigung, die Möglichkeit weiterer freundlicher Beziehungen zwischen Österreich und Preussen abgebrochen.

Obgleich Österreich um jeden Preis vermeiden wollte, als provocirender Theil zu erscheinen, so war doch jetzt die Nothwendigkeit eingetreten, sich ernstlich für den Krieg vorzubereiten, um so mehr, da seine Heeresorganisalion nur eine langsamere Mobilmachung als in Preussen zuliess.

Preussen kannte nun keine Rücksichten mehr: es hatte sich für den vorgesehenen oder vielmehr vorausbestimmten Bruch mit seinen Bundesgenossen die Chancen des Erfolges möglichst zurecht gelegt. Die Neutralität aller übrigen Grossmächte war ihm zugesichert, ein Kriegsbündniss mit Italien war so gut wie abgeschlossen — und es warf somit die Maske ab.

Von nun an war der Verkehr beider Staaten nur jener, wie er dem Kriege vorherzugehen pflegt.

Am 3. März hielt es der kaiserliche Gesandte in Berlin, Graf Karolyi, für seine Pflicht, in einer Conferenz zu erklären, dass Österreich sich keine Änderung des Provisoriums zu seinen Ungunsten gefallen, kein Definitivum, welches seiner Ehre, seinen Interessen und seiner Stellung in Deutschland zuwiderlaufe, abtrotzen lassen werde.

Ähnliche Erklärungen wurden an den Höfen von Frankreich und England abgegeben.

Am 11. März, wie als eine herausfordernde Antwort hierauf, erliess der König von Preussen eine Verordnung, durch welche er alle Unternehmungen in Schleswig-Holstein, die darauf hinzielten, Seine und des Kaisers von Österreich Souveränetätsrechte in den Herzogtümern zu untergraben, mit schweren Zuchthausstrafen belegte.

• Zu dieser Verordnung hatte der König von Preussen in Holstein kein Recht. — Doch, wie gesagt, für Preussen galten die Bestimmungen des Gasteiner Vertrages nicht mehr.

Auf diesen Eingriff in ihi*e Hoheitsrechte erliess die kaiserliche Regierung am 16. März eine Circulardepesche vertraulichen Inhalls*an ihre Vertreter bei den deutschen Regierungen, welche denselben das künftige Verhalten Österreichs für den Fall, als Preussen einen offenen Bruch herbeiführen sollte, auseinandersetzte.

Der Gesandte in Berlin, Gral Kärolyi, halle die directe Antrage an die dortige Regierung zu stellen, ob Preussen sich wirklich mit dem Gedanken trüge, die Gasleiner Convention mit gewaltsamer Hand zu zerreissen ').

l) Wir geben diese Depesche nachfolgend in ihrem Wortlaute:

Wien, den 16. März 1866.

„Die kaiserliche Regierung hegt die Absicht, falls Preussen einen offenen Bruch herbeiführt, das Einschreiten des Bundes auf Grund des Artikels XI der Bundesacte und des Artikels XIX der Wiener Schlussacte in Anspruch zu nehmen, und zugleich dem Bund alle weiteren Entschliessungen zur Regelung der schleswig-holstein'schen Angelegenheit anheimzustellen. Die Regierung Sr. Majestät des Kaisers glaubt unter den von Preussen getroffenen Vorbereitungen zum Kriege ihre Verantwortlichkeit nicht mehr anders als durch eine directe Anfrage in Berlin decken zu können, und sie beauftragt daher den Grafen Kärolyi, den preussischen Minister-Präsidenten um positiven Aufschluss darüber anzugehen , ob der Berliner Hof sich wirklich mit dem Gedanken trage, die Gasteiner Convention mit gewaltsamer Hand zu zerreissen und den gruudgcsctzlich verbürgten Frieden zwischen deutscheu Bundesstaaten zu unterbrechen. Graf Kärolyi wird hinzufügen, dass die kaiserliche Regierung durch diese Anfrage nicht etwa provocirend aufzutreten beabsichtige, sondern nur die hoffentlich irrig gedeuteten Intentionen der königlich preussischen Regierung in's Klare zu ziehen wünsche. Erfolgte auf diese unaufschieblich gewordene Interpellation eine unbefriedigende oder ausweichende Antwort, dann wäre für den kaiserlichen Hof der Augenblick erschienen, wo er seine Bemühungen um ein Eiuverständniss mit Preussen definitiv als gescheitert ansehen, und am deutschen Bunde die Initiative behufs der zur Wahrung des gefährdeten Bundesfriedens und Verhütung oder Zurückweisung jeder Gewaltanwendung erforderlichen Massrcgelu ergreifen müsste. Österreich miisste dann in Frankfurt ohne allen Verzug eine Erklärung folgenden Inhalts abgeben lassen: „Den hohen Bundesgenossen Sr. Majestät des Kaisers sei bekannt, welchen entschiedenen Werth der kaiserliche Hof darauf gelegt habe, in den Verhandlungen über die politische Zukunft der Elbe-Herzogthümer das Eiuverständniss mit Sr. Majestät dem König von Preussen festzuhalten. Mit Beharrlichkeit und im versöhnlichsten Geiste habe der Kaiser sich bestrebt, gemeinschaftlich mit Preussen die Mittel zur endlichen

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