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Zusammen annähernd: 8200 Mann Infanterie, 240 Mann Cavallerie, 200 Mann Artillerie und 22 Geschütze *).

Um 8Vi Uhr Morgens wurde Seitens der hannoverschen Vorposten d is Herannahen preussischer Colonnen auf der Strasse von Gotha bemerkt. Eine Stunde darauf fuhren feindliche Geschütze auf den Höhen südlich von Henningsleben auf und beschossen die sich sammelnden hannoverschen Vortruppen, welche sich in Folge dessen, bei Langensalza vorbei, auf Merxleben zurückzogen. Nur eine Escadron blieb nächst Langensalza stehen, um den Rückzug des daselbst betindlichen Bataillons zu decken.

Oberst Fabeck rückte nun mit der Avantgarde, gefolgt von dem Gros unter Oberst Hanstein, gegen Langensalza vor, während seine Artillerie auf wirksamer Schussweite von der Stadl auffuhr und die Rückzugslinie der Hannoveraner, die nach Merxleben führende Chaussee, beschoss.

Das 1. Bataillon Coburg-Gotha drang gegen 11 Uhr in Langensalza ein Das 2. Bataillon Coburg-Gotha umging die Stadt im Südosten und rückte gegen den Jüdenhügel vor.

Von Übermacht angegriffen und in seinem Rückzüge bedroht, gab nun Oberst von Strube Langensalza auf, in der Absicht, auf dem Jüdenhügel dem Gegner noch ferneren Widerstand zu leisten.

Er musste jedoch hierauf bald verzichten, denn bereits drangen die Coburg-Gothaer aus der Ostseite von Langensalza in seine Flanke vor, während in der Front das feindliche Gros, durch Artilleriefeuer unterstützt, vorrückte. Oberst Strube führte daher sein Bataillon und die bei Langensalza gebliebene Escadron auf Merxleben zurück.

Das 2. Bataillon Coburg-Gotha besetzte hierauf die nördlichen Ausgänge von Langensalza; das 1. Bataillon nahm auf dem Jüdenhügel Stellung, wo auch 3 preussische Batterien, und zwar die 3. 4pfd. des 6. und kurze Zeit darauf die reitenden Batterien Nr. 3 und 4 des 7. Regiments auffuhren und das Feuer eröffneten.

Das Gros der Preussen, mit dem 25. Infanterie-Regimente und dem Landwehr-Bataillon Torgau im 1., dem Grenadier-Regimente Nr. 11 im 2. Treffen, war inzwischen gleichfalls in der.Direction auf den Jüdenhügel vorgerückt; die preussische Reserve, mit der Landwehr-Besalzungs-Escadron an der Spitze, schwenkte atn rothen Hoch rechts ab und nahm im 2. Treffen (die Landwehr-Bataillons Aschersleben und Naumburg im 1., jene von Potsdam und" Treuenbrielzen im 2.), die Artillerie am linken Flügel, die Richtung aur den Siechenhol.

l) Man wird kaum irre gehen, wenn man die Gesammtstärke der Preussen nur auf beiläufig 8600 Mann schätzt. Die Bataillons hatten einen ungleichen Sßind. So «ählten die Linien-Bataillons 900, die Besatzungs-Bataillons beiläung 400 M*nn.

Inzwischen war um 10 Uhr Vormittags im hannoverschen Hauptquartiere die Meldung von dem Vorrücken des Gegners auf der Gothaer Strasse, in der beiläufigen Stärke einer Brigade, eingetroffen. In Verbindung mit der Nachricht, dass die Strassen nach Mühlhausen und Eisenach frei vom Feinde seien, hielt GL. Arentsschildt die Bewegung der Preussen für eine Reccgnoscirung oder Demonstration und beorderte die Brigade Knesebeck gegen Henningsleben, um wo möglich früher als der Gegner die dortigen Höhen zu besetzen, an die Brigade Bothmer erging gleichzeitig der Befehl, im Falle die Preussen Terrain gewännen, von Nägelstedt aus, in deren rechte Flanke zu fallen.

General Knesebeck hatte in Folge dieser Disposition bereits mit einem Theile seiner Brigade, und zwar mit den beiden Bataillons des Leib-Regiments, dem Königin-Huszaren-Regimente und einer Batterie das Defile bei Merxleben passirt, als er, — zur Zeit, wo Oberst S trübe den Jüdenhügel bereits verlassen,—auf die zurückkommenden Abtheilungen von CambridgeDragoner stiess.

Von der Stärke des nachrückenden Feindes nun unterrichtet, nahm er mit den 2 Bataillons des Leib-Regiments zu beiden Seiten der Chaussee vor Kallenberg^ Mühle und nächst der zum Bade führenden Allee eine Aufnahmsstellung, und behauptete dieselbe gegen die inzwischen vorgerückten preussischen Abtheilungen so lange, bis sämmtliche am rechten Unstrut-Ufer gewesenen hannoverschen Truppen das nach Merxleben führende Defile pas- • sirt hatten.

Hierauf zogen sich auch diese beiden Bataillons vollkommen geordnet durch Merxleben zurück, da inzwischen der Brigade Knesebeck die Weisung zugekommen war, die des Morgens innegehabte Reservestellung wieder einzunehmen.

Sämmtliche zurückgegangene Abtheilungen der Hannoveraner hatten nur ganz unerhebliche Verluste erlitten, indem der Zusammenstoss mit dem Feinde sich auf ein blosses Tirailleurgefecht beschränkte, und auch die auf dem Jüdenhügel postirten preussischen Geschütze mittlerweile den Kampf mit den auf dem Kirchberge nach und nach aufgefahrenen 15 hannoverschen Geschützen aufzunehmen gezwungen worden waren1).

Gegen Mittag halte das preussische Gros seinen Aufmarsch auf dem Jüdenhügel) und im Badewäldchen beendet; kein Hannoveraner befand sich mehr auf dem rechten Unstrut-Ufer.

Um diese Zeit soll ein Adjutant des Generals von G o e b e n, der bekannt

l) Batterie der Brigade de Vaux, gezogene Batterie Blumenbach der Reserve nnd Batterie der Brigade Knesebeck, von welcher wegen Mangels an Raum nur 3 Geschütze in das Gefecht eingriffen.

lieh bei Eisenach über bedeutende Kräfte verfügte, auf dem Schlachtfelde eingetroffen sein, um sich im Auftrage seines Chefs von dem Stande der Verhältnisse zu überzeugen; da dieser Adjutant mit günstigen Nachrichten nach Eisenach zurückkehrte, so unterliess GL. Goeben jede weitere Massregel zur Unterstützung des Generals Flies.

GL. Arentsschildt, welcher beiläufig um 12VJ Uhr vom Kirchberge aus über die Streitkräfte des Gegners einen Überblick gewonnen und gesehen hatte, dass nebst den Batterien auf dem Jüdenhügel und den Truppen, welche sich schon auf dem rechten Ufer festgesetzt hatten, noch eine starke Colonne (die Reserve unter GM. von Seckendorff) auf dem Marsche vom Siechenhof in der beiläufigen Richtung gegen das Badewäldchen begriffen sei, beschloss nun vorläufig in der Defensive zu verbleiben und sich auf die Zurückweisung des Angriffes zu beschränken.

Die Brigaden Bothmer und Bülow, welche in ihrer Stellung nicht bedroht wurden, waren schon früher näher an das Centrum, die Reserve-Cavallerie von Sundhausen in die Nähe der von der Brigade Knesebeck eingenommenen Reservestellung gezogen worden.

Der Brigade de Vaux fiel nun die Aufgabe zu, vor Allem Merxleben auf das Hartnäckigste zu vertheidigen und den Übergang des Feindes über die Unstrut an diesem Punkte zu vereiteln. 1 Bataillon der Brigade de Vaux (2. Bataillon des 3. Infanterie-Regiments unter Obstlt. von Rettberg) 'hatte mit 21/, Compagnien die südliche und westliche Lisiere des Ortes und das ihr vorliegende, durch einen Deich geschützte Uler nebst der alten Brücke besetzt; l1/, Compagnien verblieben'im Orte nächst der Kirche als Reserve. Der Rest der Brigade, 4 Bataillons, war im 2. Treffen auf der nächst Merxleben befindlichen Höhe aufgestellt, das Regiment Cambridge-Dragoner hinter dem linken Flügel.

Die beiden Bataillons des Garde-Regiments (Brigade Knesebeck), welche schon nach dem Rückzüge, beim Debouchiren aus dem nordwestlichen Theile Merxlebens von den am jenseitigen Ufer erschienenen Plänklern beschossen worden waren, besetzten das Ufer oberhalb der Brücke und führten in Verbindung mit dem in Merxleben befindlichen'Hataillon (Rettberg) die Vertheidigung der Position mit dem besten Erfolge so lange fort, bis die Hannoveraner zur Offensive übergingen.

Preussischerseits hatte anfänglich das 2. Bataillon des 25. Regiments auf dem Jüdenhügel Stellung genommen, wo auch 2 Compagnien des 1. Bataillons dieses Regiments und 3 Escadrons zur Deckung der Batterien* verblieben; die beiden andern Compagnien des Bataillons wurden gegen Kallenbergs Mühle vorgeschoben.

Die dem Salzabache entlang gelegenen einzelnen Gebäude, nämlich die Ziegelei, das Lazareth, die Rasenmühle und Gräser's Fabrik blieben von den Coburg-Gothaern, — Langensalza selbst mit l/t Bataillon dieses Contingents und 2 Compagnien des 11. Garde-Regiments besetzt. Eine Compagnie letzteren Regiments, der später 2 Compagnien Gothaer nachfolgten, wurden gegen Thamsbrück entsendet, das von den Hannoveranern schon verlassen war.

Die Reserve war kurz nach Mittag vom Siechenhof auf den Erbsberg vorgerückt, nahm Stellung, und brachte in der linken Flanke 2 Geschütze der Ausfall-Batterie in's Feuer.

2 Compagnien des mit Zündnadelgewehren versehenen Ersatz-Bataillons Nr. 71 waren als Tirailleurs vor die Front der Stellung gezogen; die 3. Compagnie bildete die Bedeckung der beiden Geschütze.

Die gesammte übrige preussische Artillerie hatte auf dem Jüdenhügel Posto gefasst.

Um 121/, Uhr hatten alle Truppen die eben beschriebene Stellung eingenommen, und es entwickelte sich nun von beiden Seiten ein heftiges Kleingewehrfeuer, welches von den am Jüdenhügel und Kirchberge postirten Geschützen kräftigst secundirt ward.

Das 2. Bataillon des preussischen 25. Regiments rückte bis zur Brücke vor, und dessen Compagnien dehnten sich nun von Gräser's Fabrik bis zum Badewäldchen aus').

Auch von den beiden Compagnien des 1. Bataillons dieses Regiments, welche Kallenberg^ Mühle besetzt halten, war eine bis an die Unstrut vorgegangen.

Dieselbe sammelte sich hinter dem die Strasse östlich begrenzenden Erddamme, durchwatete den Fluss und eröffnete, am anderen Ufer angelangt, ein heftiges Tirailleurfeuer gegen die am Kirchberge aufgefahrenen hannoverschen Geschütze Während dessen schlössen sich ihr noch 2 Züge anderer Compagnien an. Desgleichen griff das Füsilier-Bataillon des 11. Regiments um diese Zeit in das Gefecht ein. Zwei Compagnien desselben wurden gegen Kallenberg's Mühle dirigirt, während die beiden anderen Compagnien die Feuerlinie rechts und links der Chaussee verstärkten.

Oberst de Vaux zog nun das 2. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments aus dem rückwärtigen Treffen vor, und liess dasselbe mit der Hälfte den Abschnitt vom Kirchhof bis zur Brücke besetzen, und die andere Hallte (2 Compagnien) die im Orte schon stehende Reserve verstärken.

Die über die Unstrut gekommenen preussischen Abtheilungen konnten sich nunmehr nicht länger halten, sondern mussten wieder durch den Fluss * zurück.

') Im Plane erscheint der Deutlichkeit wegen blos die Vorrückungslinie dieses Bataillons bezeichnet.

Indessen kamen auch die Brigaden Bothmer und Bülow näher an das Centrum heran. *

Erstere marschirle nach 11 Uhr, von Nägelstedt beiläufig 1500 Schritte gegen Merxleben, mit 2*/s Escadrons Garde-Huszaren und einer Batterie voran ').

Eine der Batterien (Müller) ward hart am Ufer placirt, eröffnete ihr Feuer sowohl gegen die am Jüdenhügel stehenden, als auch auf die am Erbsberge aufgefahrenen feindlichen Geschütze, brachte die letzteren bald zum Schweigen und setzte dann] mit ganzer Kraft das Feuer gegen die Batterien am Jüdenhügel fort.

Die andere Batterie (Mertens) protzte auf der Höhe ab und beschoss mit Erfolg einige gegen die Kirchhöhe vorrückende feindliche Abiheilungen, wie auch mehrere Colonnen, welche vom Siechenhof aus das Badewäldchen gewinnen wollten.

GM. Bothmer hatte die Absicht gehabt, die Cavallerie an diesem Punkte über die Unstrut zuwerfen, doch war dies der Ulerbeschaffenheit halber nicht ausführbar.

Die Brigade Bülow war gleichfalls gegen 11 Uhr von Thamsbrück aufgebrochen und hielt nun in der Nähe der noch unvollendeten Schanzen.

Die Batterie dieser Brigade griff anfänglich aus einer etwas vorwärts gelegenen vorzüglichen Position in den Kampf gegen die Geschütze am Jüdenhügel ein und beschoss später die gegenüberstehende feindliche Infanterie mit solchem Erlolge, dass es dieser unmöglich gemacht wurde, mit geschlossenen Abtheilungen gegen das Flussufer vorzugehen.

Die Brigade Knesebeck stand zu dieser Zeil mit 3 Bataillons Infanterie und dem Königin-Huszaren-Regimente östlich der Brigade Bülow; die 2 Bataillons des Garde-Regiments, wie früher erwähnt, an der Unstrut.

An den linken Flügel der Brigade Knesebeck schloss sich die gleichfalls schon Vormittags von Sundhausen aufgebrochene Cavallerie-Reserve an.

GL. v. Arentsschildt, welcher sich auf der Höhe bei Merxleben befand, hatte nach und nach die Überzeugung gewonnen, dass er es nur mit einem Theile, keineswegs mit der Hauptmacht der Preussen zu thun habe.

Das rechte Unstrut-Ul'er war von den Hannoveranern freiwillig geräumt worden, die Preussen hatten sich hierauf auch an selbem festgesetzt, aber damit war in ihrer Bewegung ein Stillstand eingetreten; es mangelte ihnen sichtlich die Kraft oder der Wille, das von den Hannoveranern besetzte linke Ufer zu forciren, und GL. Arentsschildt entschloss sich daher, in die

l) Die Brigade hatte 2 Batterien: eine reitende mit 6 gezogenen Geschützen (Mertens) und eine Fuss-Batterie mit 4 gezogenen Geschützen (Müller).

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