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worden; andererseits erhielt der preussische Ober Befehlshaber in der Nacht zum 26. vom Könige aus Berlin als positiv die telegraphirle Nachricht, dass die Hannoveraner am 25. Nachmittags den Marsch in nördlicher Richtung gegen Mühlhausen angetreten hätten, und gleichzeitig den Befehl, denselben ungesäumt nachzurücken, jedoch mit einer entsprechenden Macht bei Eisenach die Bayern zu beobachten.

Ohne Rücksicht auf den Waffenstillstand ward demnach GM. Flies am Morgen des 26. angewiesen, den Hannoveranern zu folgen, während GM. Schachtmayer mit seinem Detachement den Gegner längs der Werra cotoyiren sollte.

GL. v. Manteuffel erhielt Befehl, die Truppen unter GM. Wrangel aus Cassel an sich zu ziehen, und wurde überdies durch die beiden GardeBataillons verstärkt, welche mittelst Eisenbahn von Eisenach nach Göttingen abgingen.

GL. v. Goeben sollte bei Eisenach stehen bleiben und durch ausgesandte Detachements Kühlung mit der bayrischen Armee erlangen.

GL. v. Beyer endlich wurde zu gleichem Zwecke mit den Detachements Glümer und Sei cho w nach Berka und Gerstungen entsendet.

Als nun GM. Flies im Sinne des erhaltenen Befehles am 26. Morgens von Gotha gegen Langensalza vorrückte, stiessen seine Eclaireurs auf Abtheilungen der Brigade de Vaux.

Im Widerspruche aber mit seiner an Oberstlieulenant Rudorff abgegebenen Erklärung, den Vormarsch nur mehr 2 Stunden verzögern zu können, dann aber angreifen zu wollen, blieb GM. Flies, nachdem er das Irrige der Nachricht von dem Abmärsche der Hannoveraner gegen Mühlhausen constatirt hatte, vorläufig bei Hochheim stehen.

Auch GL. v. Falcke nstein begnügte sich, als er die Stellung der Hannoveraner bei Langensalza in Erfahrung gebracht, das Resultat der Mission des Obersten D ö r i n g abzuwarten, und befahl, ohne die übrigen Dispositionen zu ändern, blos dem General Flies von dem Angriffe der Hannoveraner abzulassen, ihnen aber an der Klinge zu bleiben, worauf dieser das Gros seiner Truppen in das Biwak bei Warza zurückführte.

Der König von Hannover wies bekanntlich die durch Oberst Döring überbrachten Propositionen zurück, und eslielen nun im preussischen Hauptquartier die widersprechendsten Nachrichten über die Marschrichtung der hannoverschen Armee ein.

Wie wir gesehen, war bisher der Telegraph zwischen Berlin und dem Hauptquartier des GL. v. Falckenslein in fortwährender Thätigkeit, und es wurde von dort her nicht selten in directesler Weise in die Operationen der diesem General unterstehenden Truppen eingegriffen.

Auch in der Nacht zum 27. erging nun an den preussischen Oberbefehlshaber von Berlin aus der Befehl, alle seine Kräfte zu concentriren und gegen die Hannoveraner zu führen, da diese in der Absicht' über Tennstedt-Sömmerda durchzubrechen, bereits von Langensalza abgerückt seien.

GL. v. Manteuffcl wurde in Folge dessen angewiesen, am 27. bis Heiligensladt, am 28. bis Mühlhausen zu marschiren und die Strasse von Nordhausen bis Harzburg zu occupiren, um den Hannoveranern den Weg nach dem Harze zu verlegen.

General Flies sollte bei Gotha, GL. v. Goeben mit den inzwischen von Berka und Gerstungen wieder herangezogenen Detachements der Division Beyer bei Eisenach stehen bleiben. Die Streitkräfte waren nämlich noch zu zersplittert, um am nächsten Tage zum allgemeinen Angriff schreiten zu können.

Die Hannoveraner nahmen hingegen in der Nacht vom 26. auf den 27. die schon angedeutete Defensi v-Slellung an der Unstrut ein').

Das Hauptquartier kam nach Merxleben, während der König in Thamsbrück verblieb.

Als in den ersten Morgenstunden der erwartete preussische Angriff nicht erfolgte, glaubte man im hannoverschen Hauptquartier, dass auch dieser Tag noch ohne Kampf vergehen würde, ja man hoffte sogar auf eine endliche Erlösung, da es allgemein hiess, die Bayern stünden schon seit 25. in Vacha.

Manche Anzeichen Hessen auch vermulhen, dass die preussischen Streitkräfte durch den Vormarsch des VII. Bundes-Armee-Corps bereits in Schach gehalten wären.

Doch die AnnahmeJ, an diesem oder am nächsten Tage durch bundesgenössische Hilfe degagirt zu werden, war eine eitle.

Um 10 Uhr Vormittags, als die Hannoveraner eben im Abkochen begriffen waren, gelangte an GLt. v. Arenlsschild t die Meldung, dass der Feind in der Bichtung von Gotha auf Langensalza vorrücke.

Der plötzliche Entschluss, die hannoversche Armee an diesem Tage doch anzugreifen, war durch GM. Flies selbstständig gefasst worden, da der früher erwähnte lelegraphische Belehl aus Berlin auch ihm d i r e c l e zugekommen war.

Dieser General ging zum Angriffe vor, während die Nachrichten von dem Anmärsche der Bayern den General v. Goeben bereits bewogen hatten,

l) Der König hatte momentan die Absicht gehabt, am 27. über Gotha durchzubrechen, stand jedoch aus Kucksicht auf die Ermüdung seiner TruppeD von diesem Vorhaben wieder ab.

sich gegen diese, bei Eisenach, mit der Front nach Süden aufzustellen und obgleich GL. Man teuf fei noch viel zu entfernt stand, um sich andern Kampfe betheiligen zu können ')■

Schlacht bei Langensalza.

(27. Juni 1866.)

(Hiezu Plau Nr. 4).

Die Hannoveraner halten in der Nacht vom 26. zum 27. Juni folgende Stellung an der Unstrut bezogen:

Am rechten Flügel: Brigade Bülow mit den Batterien der Reserve-Artillerie bei Thamsbrück; 1 Bataillon und 2 Escadrons hielten Thamsbrück besetzt und beobachteten die Flanke gegen Mühlhausen.

Im Centrum: Brigade de Vauxbei Merxleben, 1 Bataillon im Dorfe selbst; das 1. Bataillon des 3. Regiments unter Oberst von Strube hielt Langensalza besetzt und war beauftragt, sich im Falle eines mit Übermacht drohenden Angriffes auf Merxleben zurückzuziehen.

Das Regiment Cambridge-Dragoner stand auf Vorposten mit dem Gros bei Henningsleben.

Am linken Flügel: Brigade Bothmer bei Nägelstedt, mit 1 Bataillon am Ausgange des Ortes bei der Unstrul-Brücke; 1 •/, Fscadrons beobachteten die linke Flanke bei Tennstedt und Brachstedt.

Als Reserve: Brigade Knesebeck hinter dem Centrum nördlich Merxleben ').

Die Reserve-Cavallerie mit einer Batterie (Rüdiger, der Artillerie-Reserve) bei Sundhausen;

Munitions-Colonne und Artillerie-Depot, Armee-Train und die gesammte Bagage standen bei Kirchheiligen, woselbst auch mit allen vorhandenen Mitteln Hospital-Einrichtungen getroffen wurden.

1) Aus einem vom Herzoge von Sachseu-Coburg-Gotha stammenden Promemoria geht deutlich hervor, dass sowohl GL. von Falckcnstein, als GM. von Flies von Berlin den Befehl erhalten hatten, die Hannoveraner coute qui coute anzugreifen, und zur Capitulatiou zu zwingen, ohne jede Rücksicht auf die Reichs-Armee.

Der Herzog von Coburg verlangte noch in der Nacht persönlich zu Eisenach eine Unterstützung für GM. Flies, die aber GL. von Falckenstein nicht gewähren zu sollen glaubte. Letzterer entfernte sich sogar am nächsten Tage von Eisenach, indem er sich zur Regelung von Verwaltungs-Angelegenheiten nach Cassel begab.

2) Ursprünglich war die Brigade etwa 4000 Schritte weiter nördlich neben der Chaussee nach Kirchheiligen gestanden und erst, als man für diesen Tag keinen Angriff mehr besorgte, des im Biwak herrschenden Wassermangels wegen gegen Merxleben herangezogen worden.

Österreichs Kämpfe 18G6. I. Band. 13

Die Vorposten, mit dem Gros bei Henningsleben, zogen sich von der Eisenacher-Chaussee bis Eckardsleben.

Das Hauptquartier war in Merxleben, der König in Thamsbrück.

Die Front der hannoverschen Stellung war durch die Unstrut gedeckt. Dieser Fluss, von Thamsbrück bis südlich Merxleben 40 Fuss breit und 3—4 Fuss tief, hat auf dieser Strecke schräg abgestochene, von 3 bis 4 Fuss hohen Deichen eingeschlossene Ufer. In seinem weiteren Laufe bis Nägelstedt, wo er von hohen steilen Rändern begleitet ist, variirt sowohl Breite als Tiefe bedeutend, der Fluss ist aber auf der ganzen Linie von Cavallerie und Artillerie nur über Brücken zu passiren, und Infanterie kann ihn nur an einzelnen Stellen unter grossen Schwierigkeiten durchwaten.

Das Dorf Merxleben mit dem südlich davon gelegenen Kirchberge bildet den Schlüssel der Stellung; ihm liegt die Stadl Langensalza, in der sich die Haupt-Communicationen von Gotha, Eisenach und Mühlhausen vereinigen, unmittelbar vor.

Die Flügel der Stellung fanden an den Ortschaften Nägelstedt und Thamsbrück genügende Stützpunkte, und auch der Rückzug in der Richtung über Tennstedt blieb momentan möglich. Der gewählten Stellung aber nachtheilig war ihre etwas zu grosse Ausdehnung für den Fall eines überlegenen Angriffes der Preussen, ferner die dominirende Lage des am rechten Unstrut-Ufer gelegenen Jüdenhügels, von welchem die Stellung und alle Bewegungen der Hannoveraner gesehen und wirksam beeinträchtigt werden konnten.

Der von lauter festen Örtlichkeilen umgebene Jüdenhügel bildete auch den Hauptpunkt der preussischenStellung, als GL. von Arentsschildt im Verlaufe des Kampfes zum Angriffe überging und die Preussen zwang, sich nun ihrerseits auf die Defensive zu beschränken.

Die Arnold'sche Ziegelei, das Lazareth, die Weisz'sche, dann die Gräser'sche Fabrik und Kallenberg^ Mühle, endlich das Bad liegen im gegenseitigen Kleingewehrertrage und gestalteten eine wirksame Feuervertheidigung.

Die ganze Linie war überdies in der rechten Flanke durch den Erbsberg vortheilhaft abgeschlossen.

Vor Merxleben befinden sich zwei Brücken nahe an einander, und zwar näher am Orte eine steinerne Bogenbrücke, und westlich davon eine hölzerne Pfahlbrücke.

Dieses Defile wird noch dadurch verlängert, dass die in südwestlicher Richtung führende Chaussee auf beiläufig 100 Schritte auf der einen Seite durch die Salza, auf der südöstlichen Seile durch einen 10—14 Fuss hohen Erdwall eingeschlossen ist.

Durch diese Verhältnisse wurden auch die Hannoveraner im ferneren Verlaufe der Action verhindert, ihre Übermacht zu verwerthen, da ein Theil ihrer Truppen nicht rechtzeitig über den Fluss gebracht werden konnte, während die ganze Lage für die Defensive der Preussen ausserordentlich günstig war.

Schliesslich sei erwähnt, dass die Hannoveraner zur Sicherung der rechten Flanke, welche am wenigsten geschützt war, am linken Unstrul-Ufer in gleichem Abstände zwischen Thamsbrück und Merxleben am 27. Morgens mit dem Aufwerfen einiger Feldwerke begannen, die mit den 10 beim Artillerie-Depot befindlichen Geschützen armirt werden sollten. Die Arbeiten wurden bis Nachmittags fortgesetzt.

Aul preussischer Seite hatte General-Major von Flies sämmtliche ihm unterstehende disponible Truppen in den ersten Morgenstunden zum Aufbruche in der Richtung auf Langensalza beordert und folgendermassen eingetheilt:

Avantgarde: Oberst von Fabeck:

2 Bataillons des Coburg-Gotha'schen Regiments,

1 Escadron des Land wehr-Huszaren-Regiments Nr. 12,

3 4pfünd. gezogene Batterien vom Feld-Artillerie-Regimente Nr. 6,

2 7pfünd. Haubitzen der Erfurter Ausfall-Batterie (des FestungsArlillerie-Regiments Nr. 4).

Gros: Oberst Freiherr von Hanstein:

2 Bataillons vom 1. rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 25,

3 Bataillons vom 2. schlesischen Grenadier-Regiment Nr. 11,

2. Bataillon (Torgau) vom 2. thüring'schen Landwehr-Regimente Nr. 32

1 Ersatz-Escadron vom Magdeburger Huszaren-Regiment Nr. 10,

4. reitende Batterie vom westphälischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 7.

Reserve: GM. von Seckendorf:

2 Bataillons (Treuenbrietzen und Potsdam) vom 3. Brandenburger Landwehr-Regiment Nr. 20,

3. Bataillon (Naumburg) vom 2. thüring'schen Landwehr-Regimente Nr. 32,

3. Bataillon (Aschersleben) vom 2. Magdeburger Landwehr-Regimente Nr. 27,

1 Ersatz-Bataillon vom 3. thüring'schen Infanterie-Regimente Nr. 71 (3 Comp.),

3 Züge der Landwehr-Besatzungs-Escadron vom westphälischen Dra

goner-Regimente Nr. 7,

3. reitende Batterie vom westphälischen Feld-Artillerie-Regimente Nr. 7,

2 6piündige Geschütze der Erfurter Ausfall-Batterie.

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