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günstigere Gefechts-Chancen zu versprechen schien, so ward schliesslich am 20. Juni Nachmittags der Abmarsch der Armee für den folgenden Tag nach Heiligensladt und von da in 2 Colonnen über Mühlhausen und Wanfried nach Eisenach angeordnet. Die in Nordheim befindliche Avantgarde sollte bis zum Abend des 21. Juni daselbst stehen bleiben und hierauf, die Arrieregarde der Armee bildend, bis Göllingen zurückgehen.

Dessgleichen wurden die in Rotenkirchen, Moringen und Hardegsen aufgestellten Beobachtungsposten befehligt, sich erst am 21. Abends auf die Arrieregarde nach Göttingen zurückzuziehen.

Am 21. Juni marschirte, der erlassenen Disposition gemäss, die Armee nach Heiligensladt ab. Die neu formirle Arrieregarde, unter Commando des Obersten von der Decken, blieb bei Geismar stehen, die Spitze der an der Tete der Armee befindlichen Brigade ßülow wurde an der Strasse nach Mühlhausen bis Helmsdorf vorgeschoben.

Für den 22. war laut Disposition der Marsch der Armee in 2 Colonnen nach Wanfried und Mühlhausen angeordnet.

Auf die Meldung aber, dass sich preussische Abiheilungen auf dem Marsche nach Eschwege befänden, und in der Befürchtung, auch Wanfried nicht mehr frei vom Feinde zu linden, wurde diese Disposition in so weit geändert, dass man eine Colonne, statt über Wanfried, über Eigenrieden, die andere aber, nach der ursprünglichen Bestimmung, über Mühlhausen weiter vorrücken Hess.

In Folge dessen nahm die hannoversche Armee am Abend des 22. Juni folgende Aufstellung ein:

Brigade Bülow mit dem Gros bei Seebach; • die Avantgarde, verstärkt durch die 2. reitende Batterie, bei Heroldshausen, 1 Bataillon und 1 Escadron nach Gross-Gotlern vorgeschoben.

Brigade Bothmer bei Eigenrieden, Vortruppen gegen Wanfried,

Brigade d e V a u x bei Struth,

Brigade Knesebeck in Mühlhausen, mit 1 Bataillon und 1 Escadron bei Felchta;

Reserve-Cavallerie bei Höngeda,

Hauptquartier und Reserve-Artillerie in Mühlhausen,

Arrieregarde in Dingelstädl.

Bisher hatte man mit Ausnahme einer Patrouille des 9. preussischen Huszaren-Regiments bei Hohengandern (am 21.) Nichts vom Feinde zu Gesicht bekommen.

Am 22. Nachmittags meldete die Avantgarde, dass preussische Abtheilungen des Morgens in Langula gewesen wären, sich jedoch wieder zurückgezogen hälfen.

Es erschien nun als möglich, die leicht, zu verteidigenden Defileen des „Hainich" vom Feinde bereits besetzt zu finden: man befürchtete einen dadurch verlängerten Aufenthalt in dem wenig ressourcenreichen Waldgebirge, und der früher gefasste Marschplan ward nun neuerdings geändert, indem man mit der Armee zunächst auf Langensalza zu marschiren beschloss.

Demgemüss rückte am 23. die vorgeschobene Brigade Bülow, welcher die Reserve-Cavallerie folgte, über Mülverstedt, Weberstedt, Reichenliach nach Oster-Behringen, ihre Avantgarde nach Gross-Behringen; die Reserve-Cavallerie nebst einer ihr noch zugetheilten Batterie kam westlich von Tüngeda mit Vorposten gegen Sonneborn und Gotha zu stehen.

Die Brigaden Knesebeck und de V aux marschirlen nach Langensalza, wo sich noch Nichts vom Feinde befand, und schoben hierauf ihre Sicherheitsiruppen in der Richtung gegen Gotha bis Henningsleben und in der linken Flanke bis Merxleben vor;

die Brigade Bothmer rückte nach Gross-Gottern; Hauptquartier und Reserve-Artillerie kamen nach Langensalza, die Arrieregarde nahe an Mühlhausen.

Ein Bataillon und 1 Escadron der Brigade Knesebeck, welche die Aufgabe hatten, über Langula gegen die Deboucheen des „Hainich" zu demonstriren, stiessen in der Nacht vom 23. bis zum 24. wieder zum Gros, ohne mit dem Feinde irgendwo in Berührung gekommen zu sein.

GL. v. Falckenstein war indessen der feindlichen Armee von Hannover aus nachgerückt.

Dem preussischen Ober-Befehlshaber war blos die Concentrirung der Hannoveraner bei Göttingen bekannt. Er musste zu diesem Zeitpunkte noch annehmen, dass dieselben vor Allem die Verbindung mit den Bayern oder dem VIII. Bundes-Corps anstreben, daher mit Beschleunigung nach demSüden abrücken würden. Anderseits war ihm aber kein Geheimniss, dass sich das Corps des Prinzen von Hessen noch in der Formirung befand, sowie dass die Bayern weder Miene machten, in eine Cooperation mit dem österreichischen Hauptheere zu treten, noch bisher selbständig die Offensive ergriffen hätten.

GL. v. Falck enstein war daher bedacht, seine eigenen Kräfte zu concentriren, um dann je nach Umständen vorzugehen.

Das nächste Ziel blieb vorläufig die hannoversche Armee, da die Möglichkeit doch nicht völlig ausgeschlossen war, dieselbe noch isolirt zu erreichen.

Die Division Goeben rückle schon am 19. von Hannover in südlicher Richtung bis Nordslemmen-Hildesheim, am 20. bis Alfeld und am 21. bisEimbeck und Gandersheim vor; ihre Avantgarde kam an diesem Tage bislmmensen-Caleleld.

Österreichs Kämpfe 18(i0. I 1-e.wl.

Am 22. setzte die Division den Marsch fort. Da erhielt man sichere Nachricht, dass Göltingen von den Hannoveranern geräumt worden, in Folge dessen GL. v. Goeben die eben in Nordheim eingetroffene Colonne unter GM. Wrangel, verstärkt durch das 8. Huszaren-Regiment, sogleich gegen Göttingen entsandle, wo sie Mittags, der Rest der Division Nachmittags eintraf.

Inzwischen war die Eisenbahn von Hannover aus wieder in fahrbaren Zustand gesetzt und die Division Man teuffei mittelst derselben bis Seesen vorgeschoben worden.

Am 22. gelangte diese Division bis Nordheim; ihre Verbindung mit der Division Goeben war somit hergestellt.

Der nördliche Theil von Hannover blieb nur mit 3 Bataillons des Landwehr-Regimenls Nr. 17 und dem 10. Landwehr-Huszaren-Regiment besetzt.

Am 22. verlegte GL. v. Falckenstein sein Hauptquartier nach Nordheim und am 23. nach Götlingen.

Die preussischen Truppen sollten hier einen Rasttag halten, doch wurde auf die Nachricht, die Hannoveraner befänden sich in Folge eines unglücklichen Gefechtes bei Mühlhausen auf dem Rückzüge gegen Heiligenstadt, die Brigade Wrangel Abends dahin entsendet, die jedoch den Feind nicht fand und am 24. nach Göttingen zurückkehrte.

General Beyer hatte nach der Besetzung Cassels vom GL. v. Falckenstein den Befehl erhalten, die Bewegung gegen die Werra fortzusetzen und die Übergänge derselben zu beobachten, resp. zu besetzen, um ein Entkommen der Hannoveraner nach dieser Seite zu verhindern.

Die Ausführung dieses Befehls durch die genannte Division führte aber anfänglich nur zur Zersplitterung ihrer Streitkräfte, wodurch gerade das Gelingen eines etwa von den Hannoveranern ernstlich versuchten Durchbruches ermöglicht worden wäre.

Schon am 20. Nachmittags wurde ein Delachement der Brigade Glümer gegen Helsa entsendet, das dort nach Mitternacht eintraf und am 21., ohne die Verbindung mit dem an diesem Tage bis Eschwege nachgerückten Gros der Brigade hergestellt zu haben , bis Allendorf vorging.

GM. v. Schachlmeyer marschirte am 21. von Cassel aus mit 4 Bataillons, 4 Geschützen, 1 Escadron gegen Münden, das er von den Hannoveranern bereits verlassen fand und gegen Abend besetzte. Letztere hatten die Eisenbahn und die Brücke daselbst nachhaltig zerstört.

Der Rest der Division Beyer war an diesem Tage in Cassel verblieben.

Als GL. v. Fa'lckenstein am 22. Morgens die Meldung erhielt, dass Götlingen Seilens der Hannoveraner geräumt worden, erliess er an GM. Beyer den Befehl, mit seiner Division gegen Ottmannshausen vorzugehen. Doch die bezüglichen Weisungen konnten nicht mehr rechtzeitig an die bereits im Marsche begriffenen Colonnen expedirt werden, und so concenlrirte GM. Glflmer, im Sinne eines früher erhaltenen Auftrages, seine Brigade bei Witzenhausen, während die dem GM. Schachtmeyer unterstehenden Abiheilungen gegen Dransfeld rückten. Oberst Selchow, welcher, abgesehen von 2 Bataillons, die als Besatzung zurückblieben, mit dem Reste der Division von Cassel nach Münden abmarschirt war, erhielt auf halbem Wege den Befehl, umzukehren und die Richtung auf Eisenach zu nehmen, —- worauf dessen Truppen bei Beltenhausen (südlich Cassel) die Nacht über biwakirten.

Oberst S elcho w setzte am 23. den Marsch von Bettenhausen auf Eisenach fort und gelangte an diesem Tage bis Eschwege-Reichensachsen. GM. Glümer brach in der Richtung nach Göttingen auf, hoffend, die Hanno: veraner noch daselbst anzutreffen. Bei Friedland jedoch erhielt er bereits Befehl, umzukehren und nach Witzenhausen zu rücken.

Die Truppen unter GM. Schachtmeyer gelangten am 23. nach Hohengandern.

Wie von der Brigade WrängeI, wurde auf die Nachricht von dem Rückzüge der Hannoveraner gegen Heiligenstadl auch von der Division Beyer an diesem Tage ein Detachement unter Oberstlieutenant Henning dahin entsendet, welches die Nacht über im Verein mit den Truppen unter GM. Schachtmeyer bei Hohengandern lagerte und am 24. in seine Cantonnemenls am rechten Werra-Ufer zurückkehrte.

Diese Kreuz- und Quermärsche waren die Folge der verschiedenen Gerüchte, welche über die Operationen der Hannoveraner im preussischen Hauptquartier eintrafen; erst am 23. nahm die ganze Division Beyer die Richtung auf Eisenach.

Die Veranlassung hiezu war ein an diesem Tage von Berlin eingetroffener Befehl, schleunigst Truppen aus Cassel nach Eisenach zu werfen, was aber nicht mit der gewünschten Schnelligkeit effectuirt werden konnte, da an der Herstellung der früher zerstörten Bahn noch gearbeitet wurde.

Doch waren schon am 21. in Folge einer Weisung aus Berlin: 2 Bataillons des 3. Brandenburgischen Landwehr-Regiments Nr. 20 und die ErsatzEscadron des Magdeburger Huszaren-Regiments Nr. 10 unter GM. v. Seckendorf mittelst Eisenbahn von Magdeburg bis Nordhausen befördert und denselben Abend bis Bleicherode vorgeschoben worden.

Aus gleicher Veranlassung gingen noch am selben Tage folgende Abtheilungen von Erfurt nach Eisenach ab:

Das Besatzungs-Bataillon (Aschersleben) des 2. Magdeburgischen Landwehr-Regiments Nr. 27;

das Besatzungs-Bataillon (Torgau) des 2. Thüring. Landwehr-Regiments Nr. 32;

das Besatzungs-Balaillon (Naumburg) desselben Regiments, eine Besatzungs-Escadron des Thüringer Huszaren-Regimenls Nr. 12 und eine Ausfall-Batterie des Magdeburger Festungs-Artillerie-Regiments Nr. 4 (2 6plünd. Kanonen und 2 7pfünd. Haubitzen), denen am 22. die LandwehrbesatzungsEscadron des westphälischen Dragoner-Regiments Nr. 7, und am 23. noch das Ersatz-Bataillon des 3. thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 71, sowie, von Dresden kommend, 2 reilende Batterien des Feld-Arlillerie-Regimenls Nr. 7 nach Gotha folgten.

Alle diese Truppen wurden dem Obersten Fabeck, Commandanlen des Coburg-Golhaschen Regiments — 2 noch in der Formation begriffene Bataillons — unterstellt.

Die letzteren beiden Bataillons waren .in Folge telegraphischen Befehls aus Berlin am 21. Abends nach Eisenach abgerückt, um den Hannoveranern hier den Weg zu verstellen, kehrten aber Morgens des 23., als man den Vormarsch der Letzleren gegen Gotha befürchtete, mit dem Delacbement des Obersten Fabeck auf der Eisenbahn nach dieser Stadt zurück; dafür traf noch am selben Tage Abends das 4. preussische Garde-Regiment (2 Bataillons) mittelst Eisenbahn von Berlin in Eisenach ein.

Doch alle hier angelangten feindlichen Kräfte waren noch nicht stark genug, um der hannoverschen Armee das Durchbrechen nach dem Süden zu verwehren, wenn sich diese nur ohne weiteren Zeilverlust am 24., sei es auf Gotha oder Eisenach, in Bewegung setzte.

Das Hauptquartier halte auch beschlossen, am nächsten Tage gegen Gotha, und als nach einer eingetroffenen Meldung Eisenach nur sehr schwach besetzt schien, nach letzterem Punkte zu marschiren.

Doch verdarb das Eingehen in Pourparlers mit Emissären, die von feindlicher Seile mit eben nicht sehr ehrenvollen Anträgen kamen, neuerdings die Ausführung dieses Beschlusses.

Noch am 23. Vormittag erschien der preussische, dem Gotha'sehen Contingent zugetheilteHauptmann v. Ziclberg als Parlamentär im hannoverschen Hauptquartier, angeblich vom Obersten Fabeck und im Auftrage des preussischen Generalstabs-Chefs, GL. Moltke abgeschickt, um die hannoversche Armee, da dieselbe von allen Seiten umstellt wäre, zur Waffenstreckung aufzulordern ').

Dieser Parlamentär konnte sich nicht gehörig legitimiren, und wurde desshalb im hannoverschen Hauptquartier zurückbehalten. Um jedoch nicht

l) Am 23. stand die Division Goeben bei Güttingen, die Division Manteuffel bei Nordheim, wahrend die Division Beyer sich auf dem Marsche nach Eisenach befandj Eiseuach und Gotha waren nur schwach besetzt. Eine solche Umstellung war wohl noch nicht gefährlich.

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