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vollzählig in Mähren beiOlmiitz und Brünn etc. eingetroffen war, und dieselbe bei wenig veränderten Massnahmen ebensogut in Böhmen — zum Angriffe auf die noch immer in Versammlungsmärschen begriffene preussische Armee bereit — hätte stehen können, war also diese letztere wie folgt gegliedert:

Die Elbe-Armee (1^ Armee-Corps) stand an der Elbe vorwärts Torgau in der Linie Düben-Mühlbcrg-Liebenwerda (8 Meilen ausgedehnt).

Die I. Armee (3 Infanterie-Corps und 1 Cavallerie-Corps) im Centrum der Aufmarschfronl zwischen Ortrand-Hoyerswerda-Görlilz (circa 12 Meilen ausgedehnt).

Die II. Armee (3 Infanterie-Corps und 1 Cavallerie-Division zwischen Hirschberg und Waldenburg (6 Meilen ausgedehnt).

Über den linken Flügel der II. Armee hinaus standen zur Deckung OberSchlesien's die Detachemenls des Generals von Knobelsdorff bei Ratibor und des Generals Grafen Stolberg bei Gleiwitz.

Die Ausdehnung des Gros der preussischen Armee von Düben bis Waldenburg betrug 36 Meilen.

Sei es im Vorrücken, sei es in der Defensive, konnten deren einzelne Theile in dem schwierigen Gebirgslerrain sich kaum unterstützen. Die Armee war überdies, zur Zeit als die österreichischen Armee-Corps bei Olmülz und Brünn beinahe vollzählig eingetroffen waren und, wir wiederholeit.es, ebensogut schon in Böhmen oder im k. k. Schlesien hart an der Grenze zum Einmärsche nach Preussen bereitstehen konnten, — weder schon plangemäss aufmarschirt, noch vollzählig versammelt.

Das Garde-Corps stand noch in Berlin, das 1. Reserve-Armee-Corps vereinigte und formirte sich erst daselbst. Alle operativen Dispositionen liefen nur —und zwar in einer den Grundsätzen der Strategie wenig-entsprechenden Weise — auf eine defensive Deckung des eigenen Staates und durchaus noch auf keinen Angriff hinaus.

Die preussische Armee war also nicht früher als das kaiserliche Heer für den Beginn der Operationen bereit, wie man dies leider leichthin bei Verfassung des österreichischen Operalionsplanes als so sicher angenommen, dass man, auf diese Voraussetzung hin, die kaiserl. Armee nur in einem verschanzten Lager, viele Märsche ferne der Grenze versammeln zu können gemeint halte.

Der erste Aufmarsch der österr. Armee bei Olmütz war ein Missgriff der folgenschwersten Art, der nur mehr verbessert werden konnte, wenn die kaiserl. Armee, sobald sie von dem Stande der Dinge beim Feinde einigermassen unterrichtet war — und sie war dies hinlänglich — gerade über die Grenze auf die Armee des Kronprinzen vorrückte und diese schlug.

Der Kronprinz, welcher dem Gros des kaiserl. Heeres zunächst stand, fühlte die Gefahren für die ihm untergeordnete Provinz Schlesien und seine

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Armee derart, dass er, um der Wucht des ihm drohenden überlegenen österreichischen Angriffes möglichst widerstehen zu können, sich für seine Armee nach einer starken Stellung in Schlesien umsah und hiezu die hinter der Neisse, unmittelbar bei der Festung gleichen Namens gelegene Position wählte und in Berlin um die Erlaubniss bat, dieselbe mit seioer Armee beziehen zu dürfen.

Der König bewilligte diesen Abmarsch der II. Armee nach Neisse am 10. Juni, und es schob sich nun diese noch um 11 Meilen weiter links.

Es marschirten nämlich:

Das VI. Corps über Reichenbach, Frankenstein und Ottmachau nach Steinau.

Das V. Corps über Schweidnitz und Lauterbach nach Grottkau.

Das I. Corps über Kupferberg, Schweidnitz, Nimptsch nach Münsterberg. (Dasselbe Hess nur 1 Detachement von 6 Bataillons, 2 Cavallerie-Regimentern und 4 Batterien bei Waldenburg zurück, um die Gebirgspässe von Lundshul bis Charlottenbrunn zu überwachen.)

Die Cavallerie-Division von Striegau über Metkau und Jordansmühle nach Strehlen.

Die I. Armee concentrirle sich gleichzeitig gegen Görlitz-Löwenberg, und zwar rückten von derselben:

Das III. Corps in die Gegend von Löwenberg, Friedeberg und Wiegandsthal.

Das IV. Corps in den Rayon Lauban-Greiffenberg. Das II. Corps in die Gegend von Niesky, Reichenbach, Görlitz und Seidenberg.

Das Cavallerie-Corps bezog Cantonnirungen bei Löwenberg, zu beiden Seiten des Bober.

Die gegen Löbau, Zittau, Friedland und Reichenberg führenden Strassen wurden besetzt und beobachtet, — ein Detachement von 3 Bataillons, 1 Escadron und 1 Batterie ward nach Warmbrunn vorgeschoben.

Die Elbe-Armee verblieb in ihren frühem Dislocationen um Torgau.

Während diese Bewegungen bei der I. und II. Armee ausgeführt wurden, ward auch die letztere — offenbar in der Voraussetzung, dass der österreichische Angriff auf Ober - Schlesien erfolgen würde — noch durch das Garde-Corps verstärkt, welches gleichfalls am 10. Juni Befehl zur Abfahrt nach Brieg erhielt. Das Corps, das zur Zeit mit 9 Bataillons noch in Berlin und Potsdam, mit dem Reste in der Gegend von Cottbus, Sorau und Sommersfeld stand, begann die Bewegung am 13; die letzten Abtheilungen desselben traten aber erst nach 10 Tagen (am 22. Juni) in Brieg ein1).

') Der Transportstand des Corps betrag 1154 Officiere, 35,523 Mann, 9334 Pferde und 942 Fuhrwerke.

Mittlerweile hatten sich die andern 3 Corps der II. Armee bei der Festung Neisse concentrirt; alle Festungen Ober-Schlesiens: Neisse, Glatz, Cosel undGlogau waren bereits armirt und im vollen Verteidigungszustände; um Schweidnitz waren zudem neue Befestigungen aufgeworfen worden.

Gestützt auf diese Festungen und auf das der Vertheidigung günstige Terrain bei Neisse selbst, glaubte der Kronprinz nun den Widerstand gegen einen Angriff der kaiserl. Nord-Armee versuchen zu können.

Doch dieser Angriff erfolgte nicht, denn die Politik Österreichs hatte, wie wir wissen, ihre Kriegs-Action von dem langsamen und unsicheren Gange der Dinge am deutschen Bundestage abhängig gemacht, und die letzten entscheidenden Worte wurden hier erst am 14. Juni gesprochen.

Es stand weiters, wie gleichfalls aus dem Vorigen bekannt ist, nach der dem Kriege gegen Preussen gegebenen politischen Anlage und nach den falschen militärischen Voraussetzungen, auf die der ganze Kriegsplan basirt war, der Einmarsch in Preussen nicht in der Absicht des österreichischen Hauptquartiers.

So blieb denn der preussischen Armee die Initiative der Operationen, oder vielmehr dieselbe wurde durch den freiwilligen Entschluss auf der anderen Seite, sich passiv zu verhalten, förmlich genölhigt, die Initiative zu ergreifen.

Fassen wir die Lage zusammen, in der sich die Heere Preussens einerseits und Österreichs mit den deutschen Südstaaten anderseits zur Zeit des 15. Juni befanden, so ergibt sich Folgendes:

Die Haupt-Armee Preussens1) stand längs der sächsischen und österreichischen Grenze in einer Front-Ausdehnung von etwa 47 Meilen, und zwar:

Die Elbe-Armee (l1/, Armee-Corps), deren Commando endlich General der Infanterie Herwarth von Bittenfeld übernahm, auf beiden Ufern der Elbe bei Torgau (38 Bataillons, 26 Escadrons und 144 Geschütze).

39.084 Mann Infanterie, 4060 Mann Cavallerie, 5696 Mann Artillerie und Pionniere:

Summa: 48.840 Mann.

Mit dem 1. Reserve-Armee-Corps, das nach Sachsen nachzurücken bestimmt war'), zählte die Elbe-Armee: 62 Bataillons, 50 Escadrons und 198 Geschütze, oder

') Siehe deren vollständige Ordre de bataille in der Beilage zum VI. Abschnitte Nr. 1.

*) Das Corps war noch in der Formation] begriffen und stand in Berlin. Es hatte zu zählen: 24 Bataillons, 24 Escadrons und 54 Geschütze, oder: 19,800 Mann Infanterie, 3680 Mann Cavallerie und 1508 Mann Artillerie und Pionniere: in Summa 24,888 Mann.

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58.884 M;mn Infanterie, 7640 Mann Cavallerie und 7204 Mann Artillerie und Pionniere:

Summa: 73.728 Mann.

Die I. Armee unter dem Prinzen Fried rieh Carl (3 Armee-Corps und 1 Cavallerie-Corps) zwischen Görlitz und Löwenberg: 72 Bataillons, 74 Kscadrons und 300 Geschütze, oder

74.056 Mann Infanterie, 11.560 Mann Cavallerie, 11.404 Mann Artillerie und Pionniere:

Summa: 97.020 Mann.

Die II. Armee unter dem Kronprinzen (4 Armee-Corps und l CavallerierDivision) stand mit 3 Armee-Corps (das Garde-Corps war noch in der bahrt nach Brieg begriffen) bei Neisse und hinter dem gleichnamigen Flusse.

Das Hauptquartier des Kronprinzen war am 10. Juni von Schloss Fürstenstein gleichfalls nach Neisse verlegt worden."

Die II. Arm ee zählte: 95 Bataillons, 86 Escadrons und 348 Geschütze (darunter das Detachement des Generals KnobelsdorfF mit 3 Bataillons, 4 Escadrons und 6 Geschützen) oder

97.710 Mann Infanterie, 13.454 Mann Cavallerie, 13.682 Mann Artillerie und Pionniere:

Summa: 124.846 Mann.

Ausserdem stand bei Gleiwitz das Detachement des Generals Grafen Stnlberg: 6 Bataillons, 8 Escadrons und 4 Geschütze, oder

5194 Mann Infanterie, 1250 Mann Cavallerie, 96 Mann Artillerie und Pionniere (Landwehr-Truppen):

Summa: 6540 Mann.

Die 3 in erster Linie gegen Sachsen und Österreich aufgestellten preussischen Armeen halten somit, einschliesslich des I. Reserve-ArmeeCorps, einen Effectivstand von:

230.650 Mann Infanterie, 32.654 Mann Cavallerie, 32.290 Mann Artillerie und Pionniere:

Zusammen: 295.594 Mann, 846 Geschütze;
und ohne das I. Reserve-Corps:

210.850 Mann Infanterie, 29.074 Mann Cavallerie, 30.782 Mann Artillerie und Pionniere:

Zusammen: 270.706 Mann, 792 Geschütze.

Von derkaiserl. österreichischen Nord-Armee*) standen mit 15. Juni dagegen:

l) Riehe Acren Ordre de bataillo in der Beilage zum VI. Abschnitte Nr. 2.

Die Haupt-Armee unter Feldzeugmeister von Benedck (6 ArmeeCorps und 4 Cavallerie-Divisionen) in Mähren in dem Rayon von Ol mutz, Littau, Landskron und Brünn.

Dieselbe zählte 161 Bataillons, 119 Escadrons und 632 Geschütze, oder

148,414 Mann Infanterie, 17.219 Mann Cavallerie, und 20.983 Mann Artillerie und Pionniere:

Zusammen 186.616 Mann.

Die Truppen in Böhmen unter G. d. C. Graf Clam-Gallas (1 Armee-Corps und 1 Cavallerie-Division) in Prag, Teplilz. Josephstndl und Turnau.

28 Bataillons, 32 Escadrons und 96 Geschütze, oder 26.828 Mann Infanterie,' 4877 Mann Cavallerie und 2284 Mann Artillerie und Pionniere:

Zusammen: 33.989 Mann.
Daher im Ganzen:

189 Bataillons, 151 Escadrons und 728 Geschütze oder: 175.242 Mann Infanterie, 22.096 Mann Cavallerie und 23.267 Mann Artillerie und Pionniere:

Totale: 220.605 Mann.

Hiezu 30.000 Mann sächsischer Truppen.

Im Westen des preussischen Staates halten 3 einzelne bei Altona, Minden und Wetzlar stehende preussische Divisionen — unter dem Oberbefehl des Generals der Infanterie Voge I von Falckenslein, später Main(West-) Armee genannt — die Bestimmung, Hannover und Kurhessen zu occupiren, falls sich diese Staaten nicht an Preussen anschliessen würden.

Diese Armee war zur Zeit etwa 50.000 Mann stark.

Sie hatte eventuell gegenüber:

Das hannoversche Corps: 20.000 Mann. *
Die kurhessische Division 6000 „
Die nassauisch e Brigade 5.000 „

31.000 Mann.')

Dann:

Das VIII, Bundes-Armee-Corps (zu lormiren aus den Grossherzo^lhümern Hessen und Baden und dem Königreiche Württemberg 50.000 Mann1).

Das VII. Bundes-A rmee-Corps (Bayern) . 40.000 , ').'

Zusammen 121.000 Mann.

*) Alle 3 Coutingente waren aber noch gar nicht inobilisirt.
*) Noch nicht inobilisirt.

') Die bayrische Armee erst im Beginne der Mobilisirung bepriffen.

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