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Widerspruche mit dem Hauptzwecke des Krieges steht, insoferne derselbe nur durch möglichste Vereinigung der Streitkräfte zu erreichen ist').

4.

Um die gegenseitigen Beziehungen noch zu vermehren und den Vollzug der Operationen zu erleichtern, wird ein österreichischer General oder Oberst das bayrische Hauptquartier stets begleiten, sowie zu demselben Zwecke ein bayrischer General oder Oberst dem österreichischen Hauptquartier beigegeben wird.

5.

Die königl. bayrische Armee wird bis zum 15. Juni 1. J. in Franken und in der Nähe von Eisenbahnen eine Aufstellung genommen haben, von welcher aus es ihr möglich wird, je nach den Verhältnissen ihre Bewegungen dem verabredeten Kriegsplane entsprechend einzurichten.

6.

Da die militärischen Operationen auf Grund des Bundesrechtes staltlinden, wird auch der Friedensschluss in bundesgemässer Weise erfolgen, und die k. k. österreichische Regierung verpflichtet sich insbesondere, keine einseitigen Friedensverhandlungen mit Preussen zu führen, vielmehr solche Verhandlungen nur unter Theilnahme eines Bevollmächtigten der königl. bayrischen Regierung einzuleiten und im Einverständnisse mit dieser abzuschliessen.

7.

Für den Fall, dass die nicht vorzusehenden Wechselfälle des Krieges es unvermeidlich machen sollten, dass bei dem Friedensschlüsse Territorial-Veränderungen in Frage kämen, verpflichtet sich die k. k. österreichische Regierung, aus allen Kräften dahin zu wirken, dass Bayern vor Verlusten bewahrt werde, jedenfalls aber nur im gleichen Verhältnisse zu allen verbündeten Staaten mit solchen belastet und für etwaige Abtretungen demgemäss entschädigt werde.

8.

Die Ratification gegenwärtiger Punctationen durch die Allerhöchsten Souveräne bleibt vorbehalten. Dieselbe soll binnen 8 Tagen erfolgen, und es sollen dadurch gegenwärtige Punctationen die Natur und Kraft eines förmlichen Slaatsvertrages erhallen.

Olmütz. am 14. Juni 1866.
Freiherr von der Tann m. p., Henikstein m. p.,

GL. und Chef des Generalstabes. KAIL, und Chef des Generalstabes. *)

') Ursprüngliche Fassung: „und dass die Haupt-Aufgabe dieser letzteren nöthigenfalls die Deckung des eigenen Gebietes ihrer Kriegsherren bleibt."

*) Der oben gegebene Entwurf, der nur geringe Modificationen erlitt, war dem

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Die vorstehenden Punclationen wurden von den beiden Allerhöchsten Souveränen zu Wien am 25. und zu München am 24. Juni mit nachstehender Abänderung des Art. 3 raliflcirt.

Artikel 3.

„Der bayrische Ober-Befehlshaber wird die Operationen der unter ihm ..stehenden vereinigten Armee nach einem gemeinschaftlichen und einheitlichen „Operationsplane, sowie nach den hierauf gegründeten Rirectiven anordnen „und leiten, welche ihm hiefür von dem k. k. österreichischen Ober-Commando „mitgetheill werden.

„Bei der Feststellung des Operationsplanes wird in gleicherweise darauf „Rücksicht zu nehmen sein, dass die Operationen stets im Einklänge mit den „Landes-Interessen der Staaten der vereinigten Armeen bleiben, und dass ebenso „auf Deckung der eigenen Gebiete ihrer Kriegsherren Rücksicht genommen „werde, als auf Erreichung der Hauplzwecke des Krieges durch möglichste „Vereinigung der Streitkräfte.

Als Pendant zu den „militärischen Punclationen" wurde durch die erwähnten Generale Baron Henikstein und v. d. Tann noch eine weitere Vereinbarung abgeschlossen, die den unmittelbaren Anschluss der Armee des Prinzen Carl von Bayern an die österreichische Nord-Armee in Böhmen zum Gegenstande halle, und welche lolgendermassen lautete:

FML. Br. Henikstein mit der folgenden Bemerkung des kaiserl. Ministers Grafen Mensdorff eingehändigt worden:

„Hauptsache wäre, unsererseits darauf hinzuwirken, dass sich die bayrischen „Truppen in operativer Hinsicht mehr dem kaiserl. österreichischen Armee-Comrnando „unterordneten, mit der gehörigen Rücksicht auf die in der Correspondenz mit dem „Prinzen Carl von Bayern zu beobachtenden Form und mit weniger Rücksicht „auf die Deckung des eigenen Gebietes der verschiedenen Regierungen. Letztere kön„nen auch nicht besser gedeckt werden als durch ein Auftreten mit Übermacht uivl „eine beschleunigte Herbeiführung der Niederlage des Feindes."

„Auf jeden Fall könnte bei einem Friedensschlüsse Bayern nicht ausgeschlossen „werden und würde in dem Masse seiner Leistungen ein gewichtiges Wort mitzureden haben."

Bei der Verhandlung zu Olraütz war jedoch in dein vom Grafen Mensdorff angeregten Punkte Nichts mehr arg eine wenig bedeutende formelle Änderung zu erreichen, und FML. Br. Henikstein äusserte sich in einer Note an den Minister, dass, falls die ursprüngliche Fassung des Punktes .'!, 2. Absatz beibehalten werden' würde, auf eine erspries.sliche militärische Cooperation noch weniger zu rechnen wäre, als dies schon ohnehin der Fall sei, weil die verschiedenen Regierungen die directe (aber ihren Zweck gewiss verfehlende) Deckung der eigenen Gebiete höchst wahrscheinlich immer für dringend nöthig halten würden.

„Allerdings," schrieb FML. Br. Henikstein, „hilft keine punetativo und „keine verbesserte Fassung einzelner Paragraphe, wenn die betreffenden Regierungen ..überhaupt nicht den ernsten Willen haben, mit allen Kräften zur Erreichung des „Hauptzweckes mitzuwirken."

„Unter Bezugnahme auf die am heuligen Tage von den Gefertigten — vorbehaltlich der Ratification — unterzeichneten „Militärischen Punclationen" sind die Unterzeichneten für den in diesen Punclationen vorhergesehenen Fall der Cooperation der unter dem Oberbefehle des Feldmarschalls Prinzen Carl von Bayern, Königliche Hoheit, stehenden Sireitkräfte mit der k. k. öslerr. Armee weiters über folgende Punkte übereingekommen.

1.

Die k. k. österreichische Nord-Armee wird — unvorhergesehene Ereignisse abgerechnet— mit Ende Juni oder in den ersten Tagendes Juli im nordöstlichen Böhmen zwischen der oberen Elbe und der Iser — das Riesengebirge vor der Front — Concentrin sein.

Nachdem eine Operation mit getheilten Kräften unter Umständen mit Wagnissen verbunden ist, weil der Gegner mit Benützung der centralen Stellung an der Elbe die getrennten Armeen einzeln schlagen kann, während hingegen die erwähnte Aufstellung zwischen Elbe und Iser mit vereinler Kraft, sowohl für eine etwaige anfängliche Defensive, als -aueh für eine energische Offensive alle Bedingungen erfüllt, so erachtet man es von höchster Wichtigkeit, dass die unter dem Oberbefehle des Feldmarschalls Prinzen Carl von Bayern, Königliche Hoheit, stehenden Streitkräfte in möglichster Stärke und möglichst bald mit der k. k. Nord-Armee in mehrgedachter Stellung in unmittelbaren Anschluss treten.

2.

Zu diesem Behufe wird sich "die königl. bayrische Armee, möglichst bald, in der Richtung Bayreulh-Schwandorf, sowie an sonstigen passenden Orten längs der Eisenbahn zusammenziehen, um im geeigneten Zeitpunkte mit den noch beizuziehenden Truppen des VIII. deutschen Bundes-Armee-Corps oder Sonstigen Contingenten den Marsch zur Vereinigung mit der k. k. Nord-Armee anzutreten.

3.

Zur Erleichterung und Förderung dieser Bewegung wird die böhmische Westbahn mit möglichster Ausnützung ihrer Leistungsfähigkeit zur Verfügung gestellt, und werden die betreffenden Fahrdispositionen bis Prag, nach vorhergegangener Vereinbarung, von der k. k. Eisenbahn-Centralleltung getroffen werden.

4.

Bezüglich der Unterkunft und Verpflegung, dann der Anlage von Magazinen, Depöts und Spitälern, werden von Seite der k. k. Militär-Verwaltung alle Erleichterungen geboten werden, und hiebei die Bestimmungen des Bundes-Verpflegs-Reglements als massgebend zu betrachten sein.

Zu diesem Behufe sollen auch schon vor Eintritt der wirklichen Cooperation, auf Verlangen die nöthigen Einleitungen im Wege der Vereinbarung getroffen werden.

5.

Sollte die oben angedeutete Operation zur Vereinigung beider Armeen in Folge von militärischen oder politischen Ereignissen nicht mehr rechtzeitig ausgeführt werden können, so werden, auf Grundlage des Punktes 3 der oben erwähnten militärischen Punctationen, weitere Massnahmen neuer Vereinbarung vorbehalten.

Der Generalstab der k. k. öslerr. Armee wird dem königl. bayrischen Armee-Commando die nöthige Anzahl von Exemplaren der Special- und Generalkarte des Königreichs Böhmen nach dem Massstabe, in welchem die Betheilung in der k. k. Armee üblich ist, beistellen. Olmütz, 14. Juni 1866. Freiherr von der Tann m. p., Baron Henikstein m. p.,

GL. und Chef des Generalstabes. FML. und Chef des Generalstabes.

Diese Vereinbarung, die einen der Hauptgedanken der österreichischen Kriegführung klar darlegte, halte offenbar die lauterste Loyalität auf Seite der Verbündeten zur Voraussetzung.

Am 18. Juni wusste man bereits in Wien, und ward FZM. Benedek verständigt, dass die königlich bayrische Regierung nicht gesonnen wäre, ihre Truppen nach Böhmen abrücken und vereint nüt der Nord-Armee agiren zu lassen.

Der in das bayrische Hauptquartier delegirte k. k. FML. Graf Huyn, welcher am 19. Juni nach München abreiste, versuchte zwar im Sinne der ihm ertheillen Weisungen, den Marsch der bayrischen Armee nach Böhmen oder wenigstens in nördlicher Richtung und in einer Weise, dass dadurch die NordArmee indirect unterstützt würde, zu befürworten, — doch diese Bestrebungen scheiterten an politischen Einflüssen, obgleich schon am Tage, nachdem die militärischen Vereinbarungen Österreich's und Bayern's concipirl worden waren, die preussische Regierung dem König von Hannover, dem Kurfürsten von Hessen und dem König von Sachsen den Krieg erklärt hatte. VI. Abschnitt.

Rüstungen und Aufmarsch des preussischen Heeres ')•

Die preussische Regierung halle am 29. März die ersten Anordnungen getroffen, welche die künftige Mobilmachung der Armee vorbereiten sollten.

Nachdem schon am 27. März die Ordre ergangen war, die Festungen Neisse, Glatz, Cosel, Torgau und Wittenberg gegen gewaltsamen Angriff zu armiren, wurde am 29. März angeordnet:

Die Augmentirung der 4 neuen Garde-Regimenter (in Dan'zig, Spandau, Breslau und Coblenz) und der Infanterie der 5., 7. und 9. Division, dann des VI. Armee-Corps und des 72. Regimenls in Torgau, zusammen 75 Bataillons, von dem gewöhnlichen Fricdensstando von 534 Mann auf den Stand von 686 Mann;

ferner die Versetzung der Batterien des Garde-, dann des 3., 4. und 6. Feld-Artillerie-Regiments (letzteres einschliesslich der in Holstein detachirlen Abtheilung) auf den vollen Kriegsstand8); von dem 5. Artillerie-Regimente halten sich die beiden in Schlesien garnisonirenden Abtheilungen — die reitende und die Fuss-Ablheilung— aul die Kriegsstärke zu setzen; weiters hatte zu erfolgen:

Die Aulstellung von allen 9 Munitions-Colonnen beim 3., und von 3Munitions-Colonnen beim 6. Keld-Artillerie-Regiment;

die Versetzung der Artillerie- und Pionnier-Besalzungen der obgenannlen Feslungen auf die zweite Augmentation (für eine Belagerung), und in Neisse, Glatz und Cosel auch die Bespannung der Ausfallgeschütze.

Endlich sollten:

In Glogau, Spandau und Magdeburg die Artillerie- und Pionnier - Besatzungen auf die erste Augmentation (Kriegsbesatzung für nicht bedrohte Festungen) gebracht werden.

Am 3. April wurde auch für die Festungen Küstrin, Erfurt und Minden die Aufstellung der Artillerie-Besatzungen der ersten Augmentation an

') Wir folgen in (liesein Abschnitte grosstentheils den im 4. Hefte der militärischen Blätter vom Jahre XSH7 enthaltenen Angaben.

*) Die Ersatzahtheilungeu dieser Regimenter sollten zunächst nur in den Cadrei von 1 Fuss- und '/, reitenden Batterie gebildet werden.

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