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Es fand zu dies* Zeit auf dem früheren Kriegsschauplatze eine besondere Feier statt, an der auch kaiserliche Officiere als Gäste theilnahmen.

Am 20. und 21. April 1865 wurden nämlich an den Düppler-Schanzen und auf der Insel Alsen die Grundsteine zu Denkmälern in Gegenwart preussischer Truppen gelegt.

„Der König habe befohlen", hiess es in der Stiflungs-Urkunde, „den tapferen Gefallenen auf dem Schauplatze ihres Ruhmes ein Denkmal zu errichten , um den Dank des Vaterlandes zu verkünden und das Andenken der Gefallenen zu ehren, deren Heldenmulh in den Erinnerungen unserer Krieger leben wird, wenn sie die Frucht jenes Sieges einst mit dem Schwerte zu schützen haben werden."

Die Sache war wirklich jetzt schon auf die Spitze des Schwertes gestellt, und nur die Langmulh und Nachgiebigkeil Österreichs, die auch nur bei dessen völliger Uheigennützigkeit möglich war, verhinderte, dass beide Staaten nicht jetzt schon das Schwert gegen einander zückten.

Preussen fuhr fort, sich immer unabhängiger und selbständiger auf • dem Boden zu bewegen, der ihm nicht allein gehörte.

Es drang mit Entschiedenheit auf die Entfernung des Erbprinzen von Augustenburg aus dem Lande. Die sogenannte „officielle Milregierung" dieses Prätendenten ward als eine unter der Ägide Österreichs stehende dauernde Bedrohung der preussischen Interessen dargestellt.

Da sich die Anschauungen der kaiserlichen Regierung der vollen Zustimmung der Bevölkerung erfreuten, — und alle Volksversammlungen davon Zeugniss ablegten, so wurden diese Versammlungen und die namhalteren Wortführer derselben zu Opfern preussischer Verfolgung.

Die willkürlichen Verfügungen von der einen Seite riefen Proteste und Gegenmassregeln auf der andern Seite hervor; — es konnte nicht fehlen, dass die Animosität hier und dort wuchs, so dass endlich ein grosser ernstlicher Schritt zur Verständigung nothwendig ward, wenn dem Umsichgreifen der feindlichen Stimmung und ihren Folgen Einhalt gethan werden sollte.

Das Resultat dieser Bemühungen war der sogenannte „Gasteiner Vertrag", dessen wesentlichste Bestimmung darin bestand, dass die beiden Herzogthümer nicht mehr gemeinschaftlich, sondern jedes für sich, und zwar Holstein — nicht ohne Beschränkungen — durch Österreich, und Schleswig durch Preussen bis zur endlichen Austragung der Sache besetzt und regiert werden sollten; eine Bestimmung, die auf das Deutlichste die eingetretene Unverträglichkeit der beiden Cabinele manifestirte.

Seines Mitbesitzrechtes auf Lauenburg begab sich Österreich in diesem Vertrage zu Gunsten Preussens gegen eine Geldenlschädigung von 2,500.000 dänischen Reichsthalern.

Der Vertrag ward am 14. August preussisehferseits durch Grai Bismarck, öslerreichischerseits durch Graf Blome abgeschlossen und von den beiden Souveränen, welche sich persönlich in Salzburg trafen, am 20. August ratificirt.')

In Ausführung des Gasteiner Vertrages ernannten beide Regierungen Stalthalter für die einzelnen Länder, — und zwar Preussen für Schleswig den Generallieutenant Freih. v. Man teuffei, und Österreich den Feldmarschall

l) Dieser Vertrag lautete:

Art. 1. Die Ausübung der von den hohen vertragschliessenden Theilen durch den Art. HI des Wiener Friedenstractates vom 30. Octöber 1864 gemeinsam erworbenen Rechte wird, unbeschadet der Fortdauer dieser Rechte beider Mächte an der Gesammtheit beider Herzogthümer, in Bezug auf das Herzogthum Holstein auf Se. Majestät den Kaiser von Österreich, in Bezug auf das Herzogthum Schleswig auf Se. Majestät den König von Preussen übergehen.

Art. 2. Die hohen Contrahenten wollen am Bunde die Herstellung einer deutschen Flotte in Antrag bringen und für dieselbe den Kieler Hafen als Bundeshafen bestimmen. Bis zur Ausführung der dessfallsigen Bundesbeschlüsse benutzen die Kriegsschiffe beider Mächte diesen Hafen, und wird das Commando und die Polizei über denselben von Preussen ausgeübt. Preussen ist berechtigt, sowohl zur Vertheidung* der Einfahrt Friederichsort gegenüber die nöthigen Befestigungen anzulegen, als auch auf dem holstein'schen Ufer der Bucht die dem Zwecke des Kriegshafens entsprechenden Marilleetablissements einzurichten. Diese Befestigungen und Etablissements stehen gleichfalls unter preussischem Commando, und die zu ihrer Besatzung und Bewachung erforderlichen preussischen Marinetruppen und Mannschaften können in Kiel und Umgebung einquartiert werden.

Art. 3. Die hohen contrahirenden Theile werden in Frankfurt beantragen, Rendsburg zur deutschen Bundesfestung zu erheben.

Bis zur bundesgemässen Regelung der Besatzungsverhältnisse dieser Festung wird deren Garnison aus kaiserlich österreichischen und königlich preussischen Truppen bestehen, mit jährlich am 1. Juli alternirendem Commando.

Art. 4. Während der Dauer der durch Art. I der gegenwärtigen Übereinkunft verabredeten Theilung wird die königlich preussische Regierung zwei Militärstrassen durch Holstein, die eine von Lübeck auf Kiel, die andere von Hamburg auf Rendsburg behalten.

Die näheren Bestimmungen über die Etappenplätze, so wie über den Transport und Unterhalt der Truppen werden ehestens durch eine besondere Convention geregelt werden. Bis dies geschehen, gelten die für die preussischen Etappenstrassen durch Hannover bestehenden Bestimmungen.

Art. 5. Die königlich preussische Regierung behält die Verfügung über einen Telegraphendraht zur Verbindung mit Kiel und Rendsburg und das Recht, preussische Postwagen mit ihren eigenen Beamten auf beiden Linien durch das Herzogthum Holstein gehen zu lassen.

Insoweit der Bau einer directen Eisenbahn von Lübeck über Kiel zur Schleswig'schen Grenze noch nicht gesichert ist, wird die Concession dazu auf Verlangen Preussens für das holstein'sche Gebiet unter den üblichen Bedingungen ertheilt, ohne dass ein Anspruch auf Hoheitsrechte in Betreff der Bahn von Preussen gemacht werden wird.

Art. 6. Es ist die übereinstimmende Absicht der hohen Contrahenten, dass die Herzogthümer dem Zollvereine beitreten werden. Bis zum Eintritt in den Zollverein, respective bis zu anderweiter Verabredung besteht das bisherige, beide Herzogthümer umfassende Zollsystem unter gleicher Theilung der Revenuen desselben fort. In dem lieutenant Freiherrn v. Gablenz für Holstein. — Die frühern Civil-Commissäre blieben denselben zur Seite.

Baron Halbhube r ward jedoch bald durch Herrn v. Ho ff mann ersetzt.

Die Einsetzung der neuen holsteinischen Landesregierung mit dem Sitze in Kiel erfolgte am 15. September.

„Den Befugnissen der entscheidenden Politik fernstehend", sagte FML. Freiherr v. Gahlen z in seiner Proclamation an die Holsteiner, „beseelt mich

Falle, dass es der königlich preussischen Regierung angezeigt erscheint, noch während der Dauer der in Art. I der gegenwärtigen Übereinkunft verabredeten Theilung Unterhandlungen behufs des Beitritts der Herzogthümer zum Zollvereine zu eröffnen, ist Se. Majestät der Kaiser von Österreich bereit, einen Vertreter des Herzogthums Holstein zur Theilnahme an solchen Verhandlungen zu bevollmächtigen.

Art. 7. Preussen ist berechtigt, den anzulegenden Nord-Ostsee-Canal je nach dem Ergebnisse der von der k. Regierung eingeleiteten technischen Ermittelungen durch das holstein'sche Gebiet zu führen. Insoweit dies der Fall sein wird, soll Preussen das Recht zustehen, die Richtung und die Dimensionen des Canals zu bestimmen, die zur Anlage erforderlichen Grundstücke im Wege der Expropriation gegen Ersatz des Wertb.es zu erwerben, den Bau zu leiten, die Aufsicht über den Canal und dessen Instandhaltung zu führen und das Zustimmungsrecht zu allen denselben betreffenden reglementarischen Bestimmungen zu üben.

Transitzölle oder Abgaben von Schiff und Ladung, ausser der für die Benützung des Canals zu entrichtenden, von Preussen für die Schiffe aller Nationen gleichmässig zu normirenden Schifffahrtsabgabe, dürfen auf der ganzen Ausdehnung des Canals nicht erhoben werden.

Art. 8. An den Bestimmungen des Wiener Friedensvertrages vom 30. October 1861 Uber die von den Herzogtümern sowohl gegenüber Dänemark, als gegenüber Österreich und Preussen zu übernehmenden finanziellen Leistungen wird durch die gegenwärtige Übereinkunft Nichts geändert; doch soll das Herzogthum Lauenburg von jeder Beitragsptiicht zu den Kriegskosten befreit werden.

Der Vertheilung dieser Leistungen zwischen deu Herzogthümern Holstein und Schleswig wird der Bevölkerungsmassstab zu Grunde gelegt werden.

Art. 9. Se. Majestät der Kaiser von Österreich ttberlässt die im mehrerwähnten Wiener Friedensvertrage erworbenen Rechte auf das Herzogthum Lauenburg Sr. Majestät dem Könige von Preusson, wogegen die königlich preussische Regierung sich verpflichtet, der kaiserlich österreichischen Regierung die Summe von zwei Millionen fünfmalhunderttausend dänische Reichsthaler zu entrichten, in Berlin zahlbar in preussischem Silbergeide vier Wochen nach Bestätigung gegenwärtiger Übereinkunft durch Ihre Majestäten den Kaiser von Österreich und den König von Preussen.

Art. 10. Die Ausführung der vorstehenden verabredeten Theilung des Condominiums wird baldmöglichst nach Genehmigung dieses Abkommens durch Dire Majestäten den Kaiser von Österreich und den König von Preussen beginnen und spätestens bis zum 15. September beendet sein.

Das bis jetzt bestehende gemeinschaftliche Obercommando wird nach vollendeter Räumung Holsteins durch die königlich preussischen, Schleswigs durch die kaiserlich österreichischen Truppen, spätestens am 15. September aufgelöst werden. So geschehen Gastein, am 14. August 1865. (L. S.) G. Blome m. p. (L. S.) v. Bismarck m. p. <

„allein der Gedanke, jedem Parteigetriebe fremd, unablässig nur die Entwicklung der Wohlfahrt dieses Landes anzustreben und, durch das Vertrauen der „Bevölkerung gestützt, den berechtigten Wünschen derselben entgegenzukommen."

Generallieutenanl v. Manteuffel's Proclamation lautete:
„Einwohner des Herzogthums Schleswig!

„Durch den Verlrag von Gastein seid Ihr demnächst einer besonderen „Verwaltung unter der Autorität Sr. Majestät des Königs von Preussen übei„wiesen worden.

„Das Wort „preussische Verwaltung" schliesst den Gedanken: Gerechtigkeit, öffentliche Ordnung, Beförderung der allgemeinen Wohlfahrt in „sich ein.

„Indem ich auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Preussen heute das „Gouvernement des Herzoglhums übernehme, verspreche ich Euch zugleich „volle Berücksichtigung Euerer eigenen Interessen. Ich erwarte von Euch „Gehorsam gegen die Befehle Sr. Majestät und Vertrauen."

Am gleichen Tage Hess König Wilhelm in Ratzeburg das Besitzergreifungspatent für Lauenburg veröffentlichen und den Act der Besitzergreifung durch den Staatsminister Grafen Armin-Boytzenburg vollziehen. Die Huldigung fand am 27. desselben Monats statt.

Die Regierungen von Bayern, Sachsen und Grossherzogthum Hessen, anknüpfend an ihre Erklärung vom 27. März, hatten den Wunsch ausgesprochen:

„1. Die Regierungen von Österreich und Preussen möchten dem Bunde „die Erfolge und weiteren Absichten ihrer Verhandlungen zur Lösung der „Elbeherzogthümerfrage, und weiters bekannt geben, ob dieselben gesonnen „wären, eine aus freien Wahlen hervorgehende Vertretung des Herzogthums „Holstein in Gemeinschaft mit einer gleichen Vertretung des Herzogthums „Schleswig zur Mitwirkung bei jener Lösung zu berufen, und für welchen „Zeitpunkt diese Einberufung, deren Beschleunigung sich aus den angeführten „Gründen als in hohem Grade wünschenswerth darstelle, in Aussicht genom„men werden könne;

weiters:

„dass dieselben die Aufnahme des Herzogthums Schleswig in den „deutschen Bund betreiben möchten, — und endlich, dass dieser dann die „Bereitwilligkeit zum Verzicht auf den Ersatz der Executionskosten bezüglich „Schleswigs erklären möge, sei es dass derselbe in seiner Gesammtheit für „die Kriegskosten einstehe, oder dass ein verhältnissmässiger Antheil von denjenigen Bundesstaaten, welche an der Kriegführung nicht betheiligt waren, „übernommen werde."

Als Antwort hierauf ward dem Bundeslage am 24. August der Vertrag von Gastein vorgelegt, mit der Erklärung, die Bundesversammlung möge die Überzeugung gewinnen, dass die Regierungen von Österreich und Preussen ernstlich bestrebt seien, die Herzogthümerfrage einer definitiven Lösung zuzuführen und — dass dieselben die Zuversicht liegten, die Verhandlungen zu einem allseitig befriedigenden Ergebnisse zu führen; die Bundesversammlung wolle diesem Ergebnisse mit Vertrauen entgegensehen.

Doch am Bunde stellte man sich mit diesen Erklärungen nicht zufrieden: die drei Regierungen, welche schon früher die Herzogthümerfrage angeregt hatten — nämlich Bayern, Sachsen und Hessen — fanden, dass das mittlerweile eingetretene Provisorium von dem Grundsatze der untheilbaren Zusammengehörigkeit beider Herzogtümer abgewichen, und dass von der Belheiligung der Bevölkerung und ihrer Vertreter an der endgiltigen Regelung weder in der Convention vom 20. August, noch in den Erklärungen vom 24. August die mindeste Erwähnung geschehen sei: sie stellten daher den Antrag, die Regierungen von Preussen und Österreich zu ersuchen:

1. „dass diese baldigst eine aus freien Wahlen hervorgehende allgemeine Vertretung des Herzoglhums Holsteins berufen und zur definitiven „Lösung der bezüglich der Elbeherzoglhümer noch schwebenden Fragen mit „wirken lassen;

2. „dass sie auf die Aufnahme des Herzogthums Schleswig in den „deutschen Bund hinwirken mögen."

Bei der geschäftsmässigen Behandlung dieses Antrages in der Sitzung vom 18. November gaben die Vertreter Österreichs und Preussens zusammen die Erklärung ab, dass „bereits früher die beiden Regierungen die Absicht, „ausgesprochen hätten, auf die Berufung der Stände-Versammlung des Her„zogthums Holstein Bedacht nehmen zu wollen.

„Es sei in diesen Intentionen auch jetzt eine Änderung nicht eingetreten, „nachdem die Ausübung der Souveränetätsrechte im Herzogthum Holstein an „Seine Majestät den Kaiser von Österreich übergegangen sei, jedoch müsse „die Wahl des Zeilpunktes für die Berufung der Stände noch weiterer Erwä„gung vorbehalten bleiben, und könne der gegenwärtige Augenblick nicht als „dazu geeignet erscheinen. Seiner Zeit würden die beiden Regierungen gerne „bereit sein, sobald die Sache so weit gediehen, weitere Mittheilung zukom„men zu lassen."

Auf die unter 2 gestellte Anfrage erklärten dieselben aus massgebenden Gründen derzeit nicht eingehen zu können.

Dies veranlasste die drei anlragstellenden Regierungen zu der Erklärung, dass sie den Beschluss der Mehrheil der Bundes-Versammlung, welche gewillt sei, — sich bei der Lösung der Herzogthümerfrage ohne Gellend

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