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Das Ober-Commando über die westdeutsche Armee (VII. und VIII. Bundes-Armee-Corps) übernahm Se. k. Hoheit FM. Prinz Carl von Bayern am 28. Juni, während Prinz Alexander von Hessen den Befehl über das VIII. Bundes-Armee-Corps nicht vor dem 18. Juni antreten konnte, da

der königl. württembergische GM. und General - Quartiermeister Eduard von Kale'e,

der grossherzgl. hessische Oberst Friedrich Becker des Generalstabes,
der königl. sächsische Oberstlieutenant und Commandant des Cadeten-Corps

Alban von Montbe\

Ferner beigegeben:

der königl. bayrische Oberstlieutenant Friedrich Weiss vom Generalquartiermeisterstabe,

und der grossherzgl. badische Major Eduard Krausa vom Generalstabe.

Nachdem der Vorsitzende der Commission, General-Lieutenant Freiherr v. d. Tann, Excellenz, der Commission den allgemeinen Zweck der heutigen Berathungen dargelegt hatte, und die zu erwägenden Verhältnisse besprochen, sowie nach den einzelnen Richtungen präcisirt waren, einigte sich die obenstehende Commission über nachstehende Anträge:

I.

Es stellt sich als dringendes Bedürfniss dar, dass die Contingente des VIII. Armee-Corps sofort einen gemeinsamen Befehlshaber erhalten, und dass das OberCommando über diese Contingente von Seite Bayerns alsdann in's Leben trete, wie • solches bereits von den betreffenden hohen Regierungen vereinbart wurde. So lange das IX. Armee-Corps nicht zusammengezogen ist, wird sich, nach noch zu erfolgenden näheren Vereinbarungen, das Contingent von Nassau dem VIII. Armee-Corps anschliessen.

Als äusserster Termin für den Vollzug dieser Massregeln wurde der 15. Juni 1. J. vorgeschlagen.

II.

Zu dem gleichen Zeitpunkte sollen sämmtliche Contingente der einzelnen Staaten entsprechend concentrirt und an günstig gelegenen, mit dem Eisenbahnnetze in unmittelbarer Verbindung stehenden Punkten marschbereit aufgestellt sein. Ebenso wird beantragt, Nachschübe und die Verstärkungen der einzelnen Contingente, als durch die Verhältnisse unbedingt geboten, möglichst zu beschleunigen.

In Bezug auf den Standpunkt der derzeitigen Kriegsbereitschaft wird erklärt;

1. Von Seite Bayerns. Ausser den Festungs- etc. Besatzungen ist die bayrische Armee schon im jetzigen Augenblicke in einer Stärke von circa 46,000 Mann vollständig marschbereit und theilweise schon zur Concentrirung auf dem Marsche begriffen.

Zum nächsten Nachweise wird angegeben: Eintheilung: 4 Infanterie-Divisionen zu je 2 Brigaden, die Brigade zu 4 Linien- und 1 Jäger-Bataillon, hiezu 1 Cavallerie-Regiment ä 4 Escadrons und 2 Batterien zu je 8 Geschützen.

Ausserdem 1 Cavallerie-Rcserve-Corps zu 7 Regimentern k 4 Escadrons mit 2 reitenden Batterien a 6 Geschützen.

Eine Artillerie-Reserve in 8 Batterien mit 60 Geschützen und die vollständigen Beigaben an Munitions-Reserven, Geniepark, Verpflegs- und SanUKtsanstaltcn.

Zur vollständigen Ausrüstung fehlen nur noch die Bespannungen der Hauptspitäler und Hauptverpflegs-Colonnen. ^

Diese Armee kann in nächster Zeit um 6, nach 3—4 Wochen um 10 Bataillons d. i. in Summe um 14,000 Mann verstärkt werden.

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er das bezügliche Decret erst am 16. desselben Monates vom Könige von Württemberg erhielt.

Bis Mitte Juni war die Mobilisirung der bayrischen Ajmee in der Hauptsache vollendet.

Was jedoch die Contingente des VIII. Bundes-Armee-Corps betrifft, so

Concentrirung: Je 1 Division bei Schweinfurt und Bamberg, 2 Brigaden am Lechfelde bei Augsburg, 1 Brigade in München und 1 Brigade in Ingolstadt. Cavallerie- und Artillerie-Keserve im Marsche nach den zwischen Bamberg, Wilrzburg und Nürnberg vorbereiteten Cantonnimngen.

2. Von Seite Württembergs.

In 14 Tagen können 20,000 Mann in einer Stellung zwischen Ludwigsburg und Heilbronn marschbereit sein.

Zum näheren Naohweise wird angegeben: 1 Division zu 3 Brigaden a 5 Bataillons (hierunter 1 Jäger-Bat.) 1 Reiterbrigade zu 3 Regimentern a 5 Escadrons, 6 Batterien zu 48 Geschützen, sowie die nöthigen Beigaben etc.

Nach 6 Wochen kann eine weitere Brigade zu 5 Bataillons, 1 Batterie zu 8 Geschützen (und unter Umständen 4 Escadrons Reiter) noch gestellt werden.

Für die Festungabesatzung von Ulm erübrigen dann noch 4 Bataillons und 1 Escadron.

3. Von Seite Badens.

In 14 Tagen können 11,000 Mann Infanterie in 13 Bataillons (hierunter 2 Füsilier- und 1 Jäger Bataillon), 1300 Mann Cavallerie in 8 Regimentern a 4 Escadrons und 24 gezogene Geschütze in 4 Batterien (hierunter reitende) mit den nöthigen Beigaben etc. zwischen Carlsruhe und Bruchsal vereinigt sein.

Nach 4—5 Wochen steht das volle Bundescontingent mit 14,700 Mann Infanterie, 1800 Mann Cavallerie und 38 Geschützen zur Disposition. Hierin ist jedoch die Besatzung Rastatts begriffen.

4. Von Seite Hessens.

In der Linie Worms, Darmstadt, Offenbach stehen zur Zeit 12,700 Mann in 9 Bataillons, 8 Escadrons und 4 Batterien ä 6 Geschützen marschbereit, worunter jedoch das Ersatzcontingent mit circa 2 Bataillons, 2 Escadrons und 1 Batterie = 2300 Mann zur Zeit noch begriffen ist.

5. Von Seite Sachsens.

Zur Zeit Stehen bereits 20 Bataillons, 16 Escadrons und 10 Batterien, in Summa 25,000 Mann mit 6600 Pferden und 58 Geschützen, um Dresden concentrirt.

Bei Sayda liegen die Depot«, welche in oirca 4 Wochen als eine Brigade ä 5000 Mann zur Verstärkung abrücken können.

6. Von Seite Nassau's.

In 14 Tagen kann die Brigade, formirt in 5 Bataillons (hierunter 1 JägerBataillon) mit circa 5400 Mann und 16 Geschützen und den nöthigen Beigaben abmarschiren, und es steht dieselbe zur Zeit bei Wiesbaden concentrirt.

In 6—8 Wochen können 1096 Mann Infanterie und 110 Mann Artillerie nachgestellt werden.

Von Seite der Vertreter des VIII. Armee-Corps wurde ferner erklärt: Dass in Folge der in Bruchsal gepflogenen Verhandlungen der Stab dieses Corps bis auf die Ernennung des Corps-Commandanten vollständig vereinbart sei.

, in.

In Betreff der Verpflegung wurde unter Bezug auf §. 54 des Bundes-VerpflegsReglement3 beantragt, dass jedes Contingont stets einen dreitägigen eisernen Bestand konnte Württemberg am 17. Juni blos eine Brigade, ein Reiter-Regiment und 2 Batterien nach Frankfurt rücken lassen, -während die 2. Brigade am 28. Juni, die letzte erst am 5. Juli zum Corps stiess.

In Baden ward erst am 17. Juni mit der Einberufung der Urlauber begonnen; am 20. Juni erschienen die Organisaüons - Bestimmungen für die badische Feld-Division.

Am 25. Juni ward die erste Brigade nach Darmstadt befördert, der dann die andern Colonnen in der Zeit vom 1. bis 8. Juli nachrückten, so dass etwa am 9. Juli die letzte badische Abtheilung in den Verband des VIII. Bundes-Corps trat.

Die grossherzoglich hessische Division war — im Grossen — Mitte Juni marschbereit.

Die kurhessischen Truppen — eigentlich, gleich den nassauischen, zum IX. Bundes-Corps gehörig — versammelten sich am 22. Juni bei Hanau, an

und ausserdem einen viertägigen Vorrath in den Proviant-Colonnen (diese mit militärischer Bespannung) zur Disposition haben solle.

IV.

Es wurde von sämmtlichen Commissions-Mitgliedern wünschenswerth erachtet, dass von Seite der Contingente des VIII. und IX. Armee-Corps in das von Bayern bereits gebildete Hauptquartier eine auf das unumgängliche Bedtirfhiss zu beschränkende Zahl von Officieren delegirt werde.

Demgemäss wurde vorläufig nur begutachtet, dass analog den Bestimmungen des §. 62 der Kriegsverfassung des deutschen Bundes von dem VIII. und IX. ArmeeCorps je ein Herr Officier in das Hauptquartier des Ober-Befehlshabers abgeordnet werde. Weitere Delegationen von Officieren oder Beamten sollen, je nach eintretendem Bedarfe, späteren Vereinbarungen vorbehalten bleiben.

V.

Bis das Ober-Commando Uber sämmtliche Contingente dienstgemäss eingerichtet ist, beantragt die Commission, dass von 5 zu 5 Tagen, daher am 5., 10. und 15. dieses, weitere Mittheilungen über den Stand der Kriegsbereitschaft, Concentrirung und Verpflegs-Massnahmen von Seite der einzelnen Contingente an das Commando der kCnigl. bayrischen mobilen Armee erfolge.

Auch wären hiemit Angaben über die Dispositionsverhältnisse und Transportfähigkeit der Eisenbahnen zu verbinden.

Nachdem von keiner Seite mehr eine Erinnerung zu machen war, wurden die Berathungen geschlossen, vorstehendes Protocoll vorgelesen und zur Beurkundung unterzeichnet.

Freiherr von der Tann m. p., General-Lieutenant. H. von Ziemiecki m. p., General-Adjutant. Kale"e m. p., Generalmajor. Becker m. p., Oberst. Mit dem Zusätze: Es ist selbstverständlich, dass den hier formulirten Anträgen von Seite Sachsens zur Zeit nur in modificirter Weise Rechnung getragen werden könnte.

Freiherr von Massenbach m. p., Major von Montbe m. p., Obstlt.

als Protokollführer.

welchem Tage sie auch mit Bundes-Beschluss dem Oberbefehl des Prinzen A lexander von Hessen unterstellt wurden.

Dieses Conüngent sliess mit circa 4600 Mann Infanterie, 10 Escadrons und 24 Geschützen zum VIII. Corps, wurde jedoch zur Beendigung seiner Mobilisirung, wie zur momentanen Verstärkung der Besatzung, mit Ausnahme von 2 Escadrons Huszaren, die beim VIII. Corps verblieben, am 29. Juni nach Mainz verlegt

Die nassauische Brigade konnte gleichfalls in der 2. Hälfte des Juni verwendet werden.

Die in Folge des Bundes-Beschlusses vom 9. Juni aus den BundesFestungen Mainz und Rastatt gezogenen österreichischen Besatzungen wurden in eine Brigade unter Commando des GM. Hahn förmirt und dem VIII. Bundes-Corps zugewiesen, wo sie im Vereine mit der nassauischen Brigade eine Division formirten, welche vom k. k. FML. Graf Neipperg befehligt wardj1).

Welche Rolle nun das VII. und VIII. Bundes-Armee-Corps im Laufe der nächsten Zeit zu übernehmen haben werde, war bis zum halben Juni noch wenig definirt, und als dies später endlich erfolgte, geschah es nicht so sehr in Folge der getroffenen Vereinbarungen, als der eingetretenen Ereignisse, deren unerbittliche Logik Entschlüsse und Thaten verlangte.

Am 9. Juni traf der bayrische Generalstabs-Chef GL. v. d. T a n n in Wien ein, um in Betreff der eventuellen gemeinschaftlichen Operationen der süd-deutschen Armee und der kaiserlichen Nord-Armee eine vorläufige Verständigung herbeizuführen.

Am 14. Juni wurden zu Olmütz zwischen diesem General und dem Österreichischen Generalstabs-Chef, FML. Baron Henikstein, für den Fall, dass aus der jetzigen politischen Lage ein Zusammenwirken der militärischen

') Diese Brigade ward nach Räumung der Bundes-Festungen nach Oberösterreich transportirt und hier feldmässig ausgerüstet.

Das Infanterie-Regiment Nr. 16 und das 3. Bat. Nr. 49 zogen hier auch ihre Ergänzungen an sich, während die Ergänzungen der 3. Bataillons Nr. 21, 74 und der Batterie 1/1 am 17. Juni in Pilsen marschbereit standen und von dort direet nach Dannstadt dirigirt wurden.

Statt den dieser Brigade entnommenen 3. Bataillons Nr. 35 und 72 wurden ihr, um sie wieder auf 7 Bataillons zu bringen, das 3. Bataillon des 16. InfanterieRegiments und das 35. Jäger-Bataillon (vorläufig blos mit 4 Compaguien), ferner noch 1 Sanitätszug zugewiesen.

Der Abmarsch der Brigade erfolgte vom 10. bis 22. Juni von Schärding aus über München, Augsburg, Würzburg, Aschaffenburg nach Darmstadt, wo sie vom 21. bis 23. ankam.

Im Juni wurde dieser Brigade noch die 8pfünd. Batterie 6/II zugewiesen.

Kräfte Österreichs und Bayerns Regen Preussen hervorginge, „Militärische Punctationen" abgeschlossen, welche im Entwürfe von dem 1. GeneralAdjutanten Sr. Majestät des Kaisers, FML. Graf Crenneville, dorn FML. Baron Henikstein zur weiteren Schlussfassung übergeben worden waren. Wir geben hier dieses Actenstück wörtlich:

Militärische Punctationen

für den Fall, dass ans der jetzigen politischen Lage ein Zusammenwirken der militärischen Kräfte Österreichs und Bayerns gegen Preussen hervorginge.

Nachdem Se. Majestät der Kaiser von Österreich wiederholt und feierlich hat erklären lassen, dass dem Gedanken Allerhöchst desselben Nichts ferner liege als ein Angriff auf Preussen, und dass die k. k. Regierung die Vorschriften des Artikels XI der Bundesacte strenge zu beobachten entschlossen sei, mithin die gemeinschaftliche Anwendung militärischer Kräfte gegen Preussen nur auf Grund eines legalen Bundesbeschlusses, oder im Falle eines gewaltsamen Angriffes Preussens auf einen Bundesgenossen platzgreifen kann, sind die Unterzeichneten, erhaltenem Auftrage ihrer höchsten Regierungen gemäss, für den bezeichneten Fall über nachstehende Punctationen übereingekommen.

1.

Die königlich bayrische Armee, in der Stärke von 40.000 bis 50.000 Mann, bleibt fortwährend selbständig unter ihrem eigenen Ober-Befehlshaber, dem Feldmarschall Prinzen Carl von Bayern, Königl. Hoheit.

2.

Unter dem bayrischen Ober-Befehlshaber stehen auch die Contingente des Königreiches Württemberg, der Grossherzogthümer Baden und Hessen und des Herzogthums Nassau in Gemässheit der von den Regierungen dieser Staaten mit der bayrischen Regierung getroffenen Vereinbarungen.

3.

Der bayrische Ober-Befehlshaber wird die Operationen der unter ihm stehenden vereinigten Armee nach dem gemeinschaftlichen und einheitlichen Operationsplane, über welchen die Unterzeichneten sich verständigt haben, sowie nach den Direcliven anordnen und leiten, welche ihm hiefür vom österreichischen Ober-Commando mitgetheilt werden.

Dabei wird jedoch ausdrücklich vorausgesetzt, dass diese Operationen stets im Einklänge mit den Landesinleressen der Staaten der vereinigten Armeen bleiben, und dass hiebei nöthigenfalls auf Deckung der eigenen Gebiete ihrer Kriegsherren jene Rücksicht genommen werde, welche nicht in direclein

Österreichs Rümpfe*««;. I. Band. 10

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