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mit einem 8tägigen Vorrathe für 2 Armee-Corps und 1 Cavallerie-Division versehen war.

Nach Dotirung der Colonnen-Magazine erfolgte die Ausrüstung und Beladung der Nachschubs-Magazine Nr. 1 zu Brünn, Nr. 2 zu Ungarisch-Hradisch, Nr. 3 zu Prerau, Nr. 4 zu Göding.

Jedes derselben hatte einen 8tägigen Vorrath an Verpflegsartikeln für 2 Armee-Corps und 1 Cavallerie-Division zu unterhalten, und es betrug dieser Vorrath bei einem jeden Magazine:

641,600 Portionen Brod, 310 Centner Kochmehl, 343 Centner Reis, 457 Centner Graupen, 457 Cenlner Hülsenfrüchte, 200 Centner Salz, 1500 Eimer Wein, 622 Eimer Branntwein, 134 Centner Cafe, 150 Centner Zucker, 358 Centner Tabak, 42.490 Metzen Hafer und 8.480 Centner Heu.

Die zur Fortschaffung dieser Vorräthe erforderlichen 2800 Stück 2spännige Landesfuhren wurden durch die politischen Behörden nach Massgabe des Einlangens der zu verladenden Artikel in Partien von 500 Wagen beigestellt.

Ferner wurden dem Nachschubs-Magazine Nr. I, sieben, Nr. 11, vier. Nr. III, zehn und Nr. IV, fünfzehn 4spännige Backöfen-Garnituren-Wagen zur Fortschaffung der zu diesen Magazinen gehörenden Feldbacköfen zugewiesen.

Als Bedeckung erhielten die Nachschubs-Magazine Nr. I und II je 2 Compagnien Infanterie und 4 Züge Cavallerie.

Die Nachschubs-Magazine Nr. III und IV je 2 Compagnien Infanterie und 5 Züge Cavallerie.

Die Verladung der Vorräthe wurde derart geregelt, dass sich aul je 500 Wagen von jedem Verpflegsartikel der aliquoteTheil des ganzen Quantums befand, und dass, im Falle als das Nachschubs-Magazin vor der gänzlich erfolgten Dotirung in Bewegung gesetzt werden sollte, an sämmtlichen Artikeln eine momentane Aushilfe geboten werden konnte.

Der Bedarf an Brot für die Nachschubs-Magazine wurde theils in den Feld-Backöfen dieser und der Vorralhs-Magazine, theils in Brünn. Olmütz, Troppau, dann in Prag, Josephsladt und Königgrätz, sowohl in den RegieVerpflegs-Magazinen, als auch bei Civil - Bäckern und Subarendatoren erzeugt. •

Wenige Tage vor Beginn des Marsches der Armee nach Böhmen wurde die vollständige Mobilisirung der Colonnen-Verpflegs-Magazine angeordnet, und auch die Verladung des Heues und der Getränke auf die hiezu bestimmten Landesfuhren bewirkt').

') Da die Beschaffung des Brotes durch die Subarendatoren auf einige Schwierigkeiten stiess, wurde die Dotation in diesem Artikel auf drei Tage herabgesetzt, und für den vierten Tag Zwieback verladen.

Für das L Armee-Corps und die I. leichte Cavallerie-Division waren schon am 5. Juni sämmlliche zur Dotirung der Colonnen-Magazine notwendigen Natural- und Etappen-Artikel im Vorraths-Magazine zu Prag beigeschafft. Da zur selben Zeit auch die für die Fortschaffung der Colonnen-Magazine bestimmten Kriegs-Transport-Escadrons aufgestellt waren, erfolgte sofort die Dotirung der Magazine, mit Ausnahme des Brotes, welches, so wie das Heu. erst bei der Mobilisirung der Magazine verladen wurde.

Beide letztgenannten Artikel wurden von Subarrendatoren anstandslos beigestellt

Für die vom Gros des I. Armee-Corps nach Teplitz detachirte Brigade Kingelsheim war gleich bei ihrer Absendung dahin ein Filial-Colonnen-Magazin aufgestellt worden, dessen früher nicht complete Vorräthe nunmehr an allen Artikeln für 6 Tage aus dem Vorraths-Magazine zu Prag ergänzt wurden.

Beim Aufbruche aus den Cantonnirungs-Stationen, resp. beim Beginne der Operationen, verpflegten sich alle Abtheilungen des I. Corps und der I. leichten Cavallerie-Division mit dem |6lägigen Bedarf an Brot und Fourage bei Subarrendatoren.

Weiters war auch in Prag für das I. und das königlich sächsische Corps, dann die I. leichte Cavallerie-Division ein 8tägiger Verpflegsbedarf beigeschafft worden, welcher, auf 3600 vom Lande beigestellten 2spännigen Fuhren verladen, als Nachschubs-Magazin Nr. V den Bewegungen dieser Armeekörper folgte1).

Ausserdem befand sich eine entsprechende Menge von Reserve-Vorräthen an Verpflegs-Artikeln in Pardubitz angesammelt, und wurden eben dahin 500 Stück Schlachtvieh durch das Landes-General-Commando in Prag, 624 Stück vom Einlieferungs-Depöt zu Ungarisch-Hradisch gesendet.

Für den currenten Verpflegsbedarf der königlich sächsischen Truppen bei ihrem Eintritte nach Böhmen ward endlich durch Subarrendirung: in Teplitz auf 2, in Theresienstadt auf 5, in Prag auf 14 Tage — vorgesorgt.

Hinsichtlich der weitern Verpflegung sollten diese Truppen gleichfalls an das Nachschubs-Magazin Nr. V angewiesen werden.

l) Am 1. Juli vereinigte sich'dieses Nachschubs-Magazin Uber Podiebrad, NeuKolin und Czaslau mit den übrigen Nachschubs-Magazinen.

I

V. Abschnitt

Die militärischen Verhältnisse bei den Verbündeten

Österreichs.

Aus den Phasen, welche der ganze in Rede stehende Conflict am deutschen Bundestage nach und nach angenommen hatte, ist leicht das Verhältniss zu entnehmen, in welchem Österreich zu den Regierungen der übrigen deutschen Staaten stand.

Bayern, Sachsen, Hannover, Württemberg, die beiden Hessen, Baden, Nassau hatten stets mit Österreich den Bundesstandpunkt gewahrt, und man durfte wohl vermuthen, dass dieselben auch in der Stunde der Prüfung, wenn der Streit in seinem ganzen Ernste zur Entscheidung heranreifte, Hand in Hand mit Österreich gehen würden.

Bezüglich Sachsens war hierüber fast kein Zweifel möglich.

Dieses kleine, aber thatkräftige Land hatte sich von jeher in den grossen Conflicten Österreichs und Preussens ohne vieles Zögern und Feilschen mit schlagfertiger Begeisterung als die Avantgarde Österreichs hingestellt.

Wenn auch die königlich sächsische Regierung durch politische Rücksichten genöthigt war, ihr Zusammengehen mit Österreich von gewissen Vorbehalten abhängig zu machen, so konnte doch letzteres auf die Bundes-Genossenschaft Sachsens mit ziemlicher Gewissheit zählen.

Um die letzten Bedenken zu beseitigen,- ward Oberstlieutenant Beck, von der General-Adjutantur Sr. Majestät des Kaisers, am 8. Juni nach Dresden entsandt, und das Resultat dieser letzten Verhandlung war, „dass sich die „königlich sächsische Regierung bestimmt zum Kriege gegen Preussen entschlossen erklärte, sobald ein directer Angriff oder auch nur eine Über„schreitung der sächsischen Grenze von Seite Preussens erfolgen, oder ein „diesbezüglicher Bundesbeschluss vorliegen würde."

Leider nicht so entschieden in ihren Entschlüssen waren die übrigen Regierungen, auf deren thatkräftige Allianz Österreich hoffen mussle.

Es machten sich Rücksichten und Strömungen geltend, die der gemeinsamen Sache wenig förderlich sein konnten und hemmend und lähmend in alle Verhältnisse eingriffen.

Dadurch ward das Bündniss, welches, — wenn zeitgerecht gepflegt und mit Energie zum Ausdrucke gebracht — mit entscheidendem Gewichte in die Wagschale hätte fallen müssen, zu einer -wenig willenskräftigen, und für alle Theile verhüngnissvollen Haltung verurtheilt.

Noch in den Sitzungen der bayrischen Kammer am 8. und 9. Juni erklärte der Staalsminister v. d. Pfordten: Bayern würde diejenige der beiden Grossmächte bekämpfen, welche zuerst zu den Waffen griffe.

Eine gedrückte, unentschiedene Stimmung beherrschte überhaupt die massgebenden Kreise Münchens.

Äusserungen, wie der Wunsch, dass es trotz Rüstungen und Kriegslärm zu Nichts komme, — dass Bayern, wenn nicht mit Österreich, so doch auch nicht gegen dasselbe sein werde, — waren aus dem Munde der einflussreichsten Personen zu hören.

Die Mobilisirung der bayrischen Armee ward indess doch am 10. Mai angeordnet

Es ward festgestellt, die bayrischen Truppen in Einem Armee-Corps zu 4 Divisionen unter Commando des FM Prinzen Carl aufzustellen. Bei Schweinfurt, Bamberg und Augsburg (bei letzterer Stadt für 2 Divisionen) sollten Lager errichtet werden.

Diese Aufstellung ward damit motivirt, dass sie die volle Ausnützung des bayrischen Eisenbahnnetzes für spätere Truppenbewegungen, sei es nach rechts gegen die obere oder mittlere Elbe, oder nach links gegen Westfalen und die Rheinlande, begünstige.

Württemberg, Hessen-Darmstadt, Baden u. s. w. folgten in ihren Kriegsvorbereilungen mehr oder minder dem tonangebenden Beispiele Bayerns.

Baden arbeitete nach Kräften, sich selbst möglichst von jedem Conflicte fern zu hallen, nachdem es in seinem Versuche, auf der Bamberger Conferenz den ganzen Süden und Westen Deutschlands zu neutralisiren, gescheitert war.

Um die einzelnen, so disparaten Theile, welche das 8. Bundes-ArmeeCorps formiren sollten, sobald als thunlich zu vereinigen, designirte Se. Majestät der Kaiser den k. k. FML. Prinzen Alexander von Hessen zur Übernahme des Commandos über dieselben.

Baden erhob nun selbst gegen diese Wahl Bedenken, und Prinz Alexander konnte die ihm zugedachte Stellung erst übernehmen, nachdem er seines österreichischen Fahneneides entbunden worden war.

Prinz Wilhelm von Baden und auch Prinz Friedrich von Württemberg traten nur ungerne von ihrer eigenen Bewerbung um diesen Commando-Posten zurück.

Die Haltung Badens ward erst nach einem Anfangs Juni vom Grossherzoge am sächsischen Hofe zu Pillnitz abgeslatteten Besuche eine decidirle. Der Grossherzog gab noch von Pillnitz die ersten Befehle zur Vorbereitung der Mobilisirung, und es schien nun, dass weder verwandtschaftliche noch anderweitige Rücksichten ihn mehr abhalten würden, sich gegen Preussen zu erklären.

Am 1. Juni vereinigten sich zu München Militär-Abgeordnete der südlichen und südwestlichen Staaten, unter dem Vorsitze des königlich bayrischen General-Lieutenants v. d. Tann, zu einer Conferenz, in welcher beschlossen ward, dass sämmtliche Streitkräfte der betheiligten Staaten bis 15. Juni marschbereit und entsprechend concentrirt zu sein hätten.

Die mobilen Streitkräfte (ausser den Festungs- und anderen Besatzungen) wurden wie folgt, angegeben:

Bayern: 40 Bataillons, 60 Escadrons, 200 Geschütze, mit ungefähr 46.000 Mann, die im Laufe einiger Wochen successive noch um 16 Bataillons = 14.000 Mann vermehrt werden konnten.

Württemberg (binnen 14 Tagen): 15 Bataillons, 15 Escadrons, 48 Geschütze, ungefähr 20.000 Mann, die binnen 6 Wochen noch durch 5 Bataillons, 4 Escadrons und 8 Geschütze vermehrt werden konnten.

Baden (binnen 14 Tagen): 13 Bataillons, 12 Escadrons, 24 Geschütze, ungefähr 12.000 Mann (bei Carlsruhe und Bruchsal).

Grossherzogthum Hessen: 9 Bataillons, 8Escadrons, 24 Geschütze, 12.700 Mann (standen bereits in der Linie Worms-Darmstadt-Ofienbach).

Nassau (binnen 14 Tagen): 5 Bataillons, 16 Geschütze, 5400 Mann.

Sachsen: 20 Bataillons, 16 Escadrons, 58 Geschütze, 31.600 Mann, bereits bei Dresden concentrirt.

Es wären somit von Seile der eben genannten Staaten binnen 14 Tagen, abgesehen von den später möglichen Verstärkungen, ungefähr 100.000 Mann (ohne die Kurhessen) als VII. und VIII. Bundes-Armee-Corps für Operationen verfügbar gewesen, während sich bei 32.000 Sachsen unmittelbar an die österreichische Nord-Armee anschliessen konnten').

') Protocoll über die Berathangen der von Seite der h. Regierungen des VIII. Armee-Corps, sowie von Sachsen und Nassau auf Einladung der bayrischen Regierung zusammengetretenen Officiere.

MUnchen, den 1. Juni 1866.

Gegenwärtig

Der königl. bayrische General - Lieutenant, General-Adjutant, General-Commandant und Chef des Generalstabes der mobilen Armee Ludwig Freiherr von der Tann,

der herzgl. nassauische GM. und General - Adjutant Hieronymus von Ziejmiecki,

der grossherzgl. badische GM. und Flügel-Adjutant Wilhelm von Neubronn,

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