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„Das verschanzte Lager von Olmiitz aber leistet in dieser Beziehung „ohne allen Zweifel mehr als eine gewöhnliche Festung.

„Durch eine Aufstellung der Armee bei Olmiitz wird gleichzeitig auch „Wien insolange gesichert, als der Verlheidiger nicht etwa in Folge einer „entscheidenden Niederlage jede Offensivfälligkeit eingebüsst hat. ^Endlich „behält die Armee in dieser Aufstellung auch den Rückzug nach Wien offen; „die einzige Bedingung dabei ist, dass sie den Entschluss zum Rückzüge „rechtzeitig fasse und ausführe.

„Mit dem Rückzüge nach Wien bleibt aber die Armee auch in Verbin„dung mit Comorn, ihrem nächsten und einzigen Replipunkte, insolange die „Reichshauptstadl selbst nicht befestigt ist."

Von Krakau, einem andern befestigten grösseren Platze an der Nordgrenze, sah das Memoire, als einem zu excentrisch liegenden Punkte, völlig ab.

Was die Dislocation der Armee bei Olmütz anbelangt, so verlegte der bezügliche Entwurf der Denkschrift je ein Armee-Corps in die Umgebung von Mährisch-Trübau, Hohenstadt, Müglitz, Mährisch-Neustadt, Littau, Sternberg, je eine schwere Cavallerie-Division in die Umgebung von Prossnitz, Wischau, Kremsier, die Armee-Geschütz-Reserve in die Umgebung von Tobilschau, den Munitionspark in jene von Brünn und Raigern, die technischen Truppen nach Brünn, das Armee-Hauptquartier nach Olmütz.

Für das in Böhmen stehende Armee-Corps war als Sammelpunkt die Gegend von Pardubitz und Chlumec ausersehen.

Die 1. leichte Cavallerie-Division sollte mit einer Brigade Grottau, Friedland, Reichenberg und Harrachsdorf, mit der zweiten Brigade Schalzlar, Trautenau, Braunau, Nachod, Giesshübel, endlich mit der dritten, Senflenberg, Wichstadtl und Grulich besetzen.

Die 2. leichte Cavallerie-Division mit einer Brigade Weisswasser, Jauernigg, Weidenau, Gr.-Kuzendorf, Freiwaldau, Friedberg, mit der andern Brigade Niklasdorf, Zuckmantel, Hotzenplotz, Olberndorf und Würbenthai.

Die Denkschrift berechnete, dass die gesammte in Mähren aufzustellende Armee aus dieser Dislocation längstens in 3 Tagen auf jedem Punkte der 6 Meilen langen Frontlinie Olmülz-Mährisch-Trübau versammelt sein könnte. Für die Heranziehung des 1. Corps mittelst der Eisenbahn wurden 5 Tage angenommen.

Da jedoch bei dieser Dislocation der einem Corps zugewiesene Flächenraum durchschnittlich nur 3'/, Quadratmeilen betrug, so sollte, wenn ein längeres Verweilen der Armee in dieser Aulstellung einträte, 1 Armee-Corps, u. z. das 8., welches meist in Fussmärschen nach Mähren zu rücken hatte, nach Weisskirchen verlegt werden, so dass sich 4 andere Armee-Corps mit den Corpsquartieren zu Mährisch-Trübau, Hohenstadt, Mährisch-Neustadt und Loschitz mehr ausbreiten konnten.

Die FronUinie Mährisch-Trübau-Weisskirchen betrug 11 Meilen, und das Memoire berechnete, dass in diesem Falle die Armee binnen 5 Tagen auf einem der Flügel, und in der halben Zeit nach der Mitte der Front concentrirt werden könnte.

Für den, wie das Memoire sagt, „möglichen, aber eben nicht wahrscheinlichen" Fall, dass die Armee günstige Verhältnisse benützen und aus der Stellung bei Olmütz die Offensive über Böhmen ergreifen könnte, dachte GM. Krismani6 1 Corps in Mähren bei Olmütz, die beiden leichten Cavallerie-Divisionen in ihren Beobachtungsstellungen längs der Grenze zu belassen;

1 Corps sollte bei Grulich sich aufstellen, das 1. Corps sich bei Josefstadt enge concentriren, um die Deboucheen aus dem Glatz'schen zu sperren; der Haupttheil der Armee sollte binnen 10—11 Tagen nach Böhmen versetzt werden, und zwar in den Raum Josephstadt-Ji6in-Pardubitz-Podiebrad, mit dem Schwerpunkte gegen Josephstadt und Königgrätz, wenn die Operationen auf den Strassen von Trautenau und Reichenberg weiter zu führen waren.

Nach dem dem Memoire beiliegenden Entwürfe hätte jedes Armee-Corps während des Marsches nach Böhmen 3 Rasttage zu halten gehabt, und die für die Armee-Corps vorausbeslimmten Aufstellungspunkte waren: Jiöin, Hofic, Königinhof, Josephstadtund Königgrätz; für die 3 schweren CavallerieDivisionen Pardubitz, Daschic und Holitz; für die Armee-Geschütz-Reserve und die Armee-Anstalten Pardubitz.

Der Marsch der Armee hatte aul 3 Routen zu erfolgen, nämlich von

2 Armee-Corps auf dem Landwege von Mährisch-Trübau über Wildenschwert, Hohenbruck, Josephstadt nach Königinhof; von 3 Armee-Corps auf der Chaussee von Zwiltau über Hohenmauth, Königgrätz nach [Hofic und Jicin; das zur Deckung des Marsches nördlich der Marschlinien aufzustellende Armee-Corps sollte über Gabel, Wamberg und Königgrätz der Armee folgen.

Die 3 schweren Cavallerie-Divisionen hatten aus ihren Aufstellungen zu Prossnitz, Kremsier und Wischau, dann die Armee-Geschütz-Reserve von Tobitschau, und die Armee-Anstalten von Brünn und Raigern auf den direct nach ihren neuen Aufstellungspunkten führenden, zum Theil nicht sehr guten Land-Communicationen den Marsch zu machen.

Alle Truppen sollten mit einer Verpflegung für 8 Tage ausmarschiren und dieselbe während des Marsches in einer der Eisenbahnstationen Hohenmauth, Zwittau, Wildenschwert, Boskowitz, Skalitz und Raitz ergänzen.

Die Eisenbahn über Olmütz und Brünn nach Pardubitz hatte nur zum Nachschübe der Verpflegung zu dienen, und es war berechnet, dass dieselbe im Stande sei, während der 11 Marschtage einen 18tägigen Verpflegsvorrath für 214.000 Mann und 47.600 Pferde nach dem neuen Aufstellungs-Rayon der Armee zu transportiren.'

Das Memoire, nahm weilers den Fall an, dass die Armee, ohne Aufenthalt bei Olmütz, in einem Zuge über Olmütz und Brünn in die Nähe der Iser zu schaffen wäre, und berechnete auch in dieser Beziehung die Details der Bewegung.

. Es hätten sich dann zu versammeln gehabt:
Das 1. Armee-Corps mittelst Fussmärschen bei Jungbunzlau und Mün-
chengrätz,

„ 2. „ mittelst Eisenbahn bis Briisau, dann mit 7 Fuss

märschen und 2 Rasttagen nach Jiöin, „ 6. „ mittelst Eisenbahn bis Königgrätz und Brüsau,

dann in Fussmärschen bis Hofic, '., 3. „ mittelst Eisenbahn über Olmütz bis Königgrätz

und über Brünn bis Zwittau, die letztere Colonne dann in 4 Märschen und 1 Rasttag nach Königgrätz,

„ 4. „ mit Eisenbahn über Olmütz bis Königinhof, dann

über Brünn bis Böhmisch-Trübau, die letztere Colonne dann in 5 Märschen und mit 1 Rasttage nach Königinhof,

,, 10. „ mittelst Eisenbahn über Olmütz nach Josephstadt

und über Brünn nach Böhmisch-Trübau, von hier in 6 Tagen nach Josephstadt, ,,8. „ verbliebe in Mähren.

Die 1. leichte Cavallerie-Division war wie früher nach Reichenberg und

Friedland,

,, 2. „ „ nach Trautenau und Nachod zu ver

legen,

,. I. schwere „ mittelst Eisenbahn bis Pardubitz, dann

in einem Marsch nach Chlumetz, ., 2. „ „ mit Eisenbahn theils bis Kolin, theils

bis Wischau, dann in 10 Märschen
und mit 3 Rasttagen nach Kolin,
3. „ .„ theils mit Eisenbahn, theils mit Fuss-

märschen nach Podiebrad.
Die Armee-Geschütz-Reserve nach Königgrätz.
Die Armee-Anstalten nach Pardubitz.

Die Verpflegung auf 10 Tage nach Pardubitz, Josephstadt und Königgrätz.

Österreichs Kampfe X866. I. Band. 8

Aus dieser Aufstellung hätte sich dann die Armee nach jener Seite hin zu concentriren gehabt, auf welcher der Anmarsch des Feindes erfolgte.

Über die eigentlichen Operationen erging sich nun das Memoire in den folgenden Betrachtungen:

Es erwähnte, dass fast parallel mit der österreichischen Eisenbahn Prerau-Prag auf preussischem Gebiete eine Eisenbahn liefe, auf welcher in der Strecke Görlitz-Kosel die einzelnen preussischen Armee-Theile gesammelt werden konnten.

Auf den Linien, die aus dem Innern der preussischen Monarchie in der Nähe von Görlitz und bei Breslau in die vorerwähnte Eisenbahn mündeten, konnten die einzelnen Armeetheile rasch in ihre Aufstellung gebracht werden.

Es waren aus ihr auch einzelne Zweige bis nahe an die österreichische Grenze vorgetrieben, so einer von Görlitz gegen Hirschberg, zwei andere Zweige von Liegnitz und Breslau gegen Königszelt und von hier einerseits in südöstlicher Richtung gegen FYankenstein und anderseits in südwestlicher Richtung gegen Waldenburg, endlich der Zweig von Brieg nach Weisse.

Die Denkschrift hielt den mittleren, zwischen Neisse und Herschberg gelegenen Theil der Grenze für den „weitaus wichtigsten, sowohl für die Offensive, welche, wenn man blos die kürzeste Linie im Auge behält, von Neisse „gegen Olmütz gehen müsste, als auch für die Defensive, bei welcher die „preussische, in diesem Räume versammelte Armee das Mittel behielte, jeder „offensiven Bewegung des Gegners sich rechtzeitig vorzulegen."

„Da aber," sagt die Denkschrift, „mit der Sammlung der Hauptkraft auf „einem Punkte gleichsam auch die weiteren Absichten enthüllt werden, so „darf man mit Recht voraussetzen, dass die preussische Heeresführung die , Armee nicht früher als einige Tage, bevor sie wirklich losschlägt, concentriren, „bis dahin aber versuchen wird, durch eine grössere Ausdehnung ihren Gegner „in Ungewissheit über ihre eigentlichen Absichten zu erhalten.

„Eine Offensive aus Ober-Schlesien nach Mähren ist, obschon sie die „kürzeste Richtung nach den wahrscheinlichen Angriffsobjecten Olmütz und „Wien bezeichnet, unleugbar mit grossen Schwierigkeiten verbunden, „welche zum Theile in der Natur des dortigen Terrains, zum Theile darin „liegen, dass die Offensive durch den grossen Waffenplalz Olmütz bald zum „Stillstande gelangen muss.

„Die Scheu vor diesen Schwierigkeiten kann demnach die preussische „Heeresführung bestimmen, die Offensive aus der Sammelstellung von Görlitz „zu beginnen, obgleich damit im Hinblick auf die genannten Operationsobjecte „ein nicht unbedeutender Umweg verbunden ist. Ein weiteres Motiv zur Wahl „des zuletzt genannten Ausgangspunktes kann auch die Betrachtung bieten, „dass die preussische Armee in dieser Richtung nicht so leicht Gefahr laufe. „im Falle eines Missgeschickes ihre Verbindung mit Berlin zu verlieren, als „dies nach einer Niederlage in Ober-Schlesien der Fall sein könnte."

Die Denkschrift ging nun auf die verschiedenen Angriffsfälle des Gegners näher ein und kam zu folgenden Schlüssen:

1. Im Falle, als die preussische Armee schon an der Grenze aufgestellt wäre, wenn die österreichische Armee ihre Stellung bei Olmütz noch nicht völlig bezogen hätte, würde die erslere sehr bald mit einem bedeutenden Theile auf Olmütz marschiren. v

In diesem Falle würde die Concentrirung der österreichischen Armee bei Olmütz problematisch, und es bliebe dieser nur die Sammlung hinter der March, etwa zwischen Ungarisch - Hradisch und Holics oder näher der Marchmündung, bei Pressburg, oder endlich hinter der Donau bei Wien möglich; — die Heranziehung des 1. Armee-Corps wäre hierbei mit grossen Schwierigkeiten verbunden.

Um in diesem ungünstigen Falle, der an Bedenklichkeit gewänne, je grösser der dem Gegner eingeräumte Zeitvorsprung wäre, das Möglichste zu thun, ist vor Allem Olmütz und die dahin führende Eisenbahn zu sichern, und sind alle im ersten Augenblicke disponiblen Truppen, nach Abschlag jener, welche die Bahndeckung zwischen Grulich und Oderberg zu übernehmen haben, ohne Rücksicht auf den Corps-Verband nach Olmütz zu werfen. „Gelingt „uns dies," sagt die Denkschrift, „und bleibt Olmütz sowie die dahin führende „Eisenbahn in unseren Händen, dann kann die Armee successive dort gesammelt werden, um entweder, sobald die Sammlung beendet, aus dem verschanzten Lager von Olmütz offensive vorzubrechen, oder aber den Angriff „des Gegners dort zu erwarten.

„Die preussische Armee aber muss ihrerseits trachten, Olmütz, wohin „sie von Neisse und Glatz nur 6—7 Märsche hat, sobald als möglich zu erreichen, um ihrem Gegner diesen für seine Sammlung so wichtigen Stützpunkt zu nehmen.

„Hat sie diesen Zweck erreicht, so wird sie wohl ohne Zögern mit der „Belagerung dieses festen Platzes beginnen und diese Operation durch eine „Aufstellung mit der Hauplarmee in der Nähe desselben decken, während ein „verstärktes Armee-Corps von circa 40.000 Mann, in einer Stellung bei Zwit„tau, Böhmen beobachten wird, um dieses Land nach dem Abzüge des 1. „k. k. Armee-Corps zu brandschatzen. Es ist ferner immerhin möglich, dass „die preussische Armee ihren Zug nach Süden noch weiter fortsetzt und endlich auf die österreichische Armee trifft, welche selbstverständlich unmittel„bar, nachdem sie gesammelt worden, sich in Bewegung gesetzt hat.

„Wo der Zusammenstoss der beiden Armeen stattfinden werde, dies „hängt von zu vielen Umständen ab, als dass es jetzt schon bestimmt werden

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