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Feldverschanzungen successive zu einem ganz entsprechenden Manövrirpunkte umgeschaffen. Anfangs ward nur die Sicherung der Stadt bezweckt; — als jedoch die Kriegs-Ereignisse die selbständige Vertheidigung Tirols erheischten, wurden die Befestigungen dem entsprechend ausgedehnt — Ausser dem bestehenden Caslell wurden 6 geschlossene Schanzen, 13 ErdBatterien, 2 Geschütz-Stellungen für Gebirgs-, 7 derlei Emplacements für Raketengeschütze erbaut, und ausserdem 7 grössere ausser der Stadl befindliche Gebäude, sowie die Stadt selbst zur Vertheidigung hergerichtet.

Die Armirung der oben angegebenen Werke erforderte im Ganzen 47 Geschütze.

Wir haben hiemit den mühsamen Gang der Rüstungen Österreichs zum Kriege geschildert — und gehen nun zu der Darstellung des Aufmarsches der k. k. Nord-Armee für den Krieg gegen Preussen über.

IV. Abschnitt.

Aufmarsch der k. k. Nord-Armee in Mähren und Böhmen.

Feldzeugmeister Ritter von B e n e d e k übernahm das Commando der Nord-Armee, noch bevor dieselbe ihre Massen-Bewegung nach dem Kriegsschauplatze antrat, mit dem folgenden Armee-Befehl:

ddlo. Wien, 12. Mai 1866.

„Seine Majestät, unser Allergnädigster Kaiser und Kriegsherr, haben „Allerhöchst zu befehlen geruht, dass ich das Commando der aufzustellenden „Nord-Armee zu übernehmen habe.

„Mein Hauptquartier wird mit 15. d. M. vorerst in Wien formirt sein, „und mit demselben Tage treten die zu dieser Armee gehörigen k. k. Herren „Generale, Truppen, Branchen und Anstalten unter mein Commando.

„Als treuer und ergebener Soldat bewährt, weiss ich jedem kaiserlichen „Befehle mit Freude zu gehorchen.

„Mein freudiges Pflichtgefühl wird aber diesmal auch durch das Be„wusstsein beseelt, dass jeder Einzelne der unter meinem Befehle sich vereinigenden Armee die grösste Hingebung mitbringt zur Abwehr und Bekämpfung jedes Feindes, der es wagt, ungerecht und muthwillig unseren angestammten Kaiser und Herrn, Sein durchlauchtigstes Herrscherhaus und Seine „Monarchie, unser theueres Vaterland, zu bedrohen.

„Die Armee wird in Kurzem versammelt sein, in Allem geordnet, mit „Allem ausgerüstet, schön, tüchtig und brav, getragen und gehoben von dem „allerbesten Geiste, von dem Geiste der Ordnung und Disciplin, der Ehre und „Treue, der Tapferkeit und unbedingten Hingebung.

„Des Kaisers Auge und sein edles Herz werden der Armee überallhin „folgen, und die Opferwilligkeit und der Enthusiasmus aller Völker Österreichs werden uns geleiten; die Theilnahme, die Erwartungen und HofFnun„gen unserer Landsleute und unserer Lieben werden mit uns sein, auch wenn „es zum Entscheidungskampfe kommen sollte für des Kaisers und des Vater, „landes heiliges Recht.

„Die k. k. Armee aber wird in jedem Kampfe mit Begeisterung und „alt-österreichischer Zähigkeit in Treue und Ehre zu siegen, in Treue und Ehre „zu sterben wissen für Kaiser und Vaterland.

„Soldaten! dazu bringe ich Euch mein ganzes warmes Soldatenherz, „bringe Euch meinen eisernen Willen, mein höchstes Vertrauen auf Euch, „mein demüthigstes Vertrauen auf unsern allmächtigen Herrgott und das „Vertrauen auf mein altes Soldatenglück.

„Mit Gott also begrüsse ich Euch, Soldaten, die des Kaisers Wille und „Befehl meiner Führung und meiner Fürsorge anvertraut hat, begrüsse Euch „mit der festen Überzeugung, dass unserer gerechten Sache, unserer Treue „und Tapferkeit, unserer Ausdauer und Standhaftigkeil Gottes Segen nicht „fehlen wird."

B e n e d e k m/p.

Gleichzeitig mit der Bestimmung des FZM. Benedek zum Commandanten der Nord-Armee war auch die Ernennung der Organe des Hauptquartiers dieser Armee erfolgt, und zwar waren designirt:

zum Chef des Generalstabes FML. Baron Henikstein (zugleich Chef des Generalstabes der gesammten Armee),

zum Chei der Operationskanzlei GM. von Krismanrc,

zum Chef der Delailkanzlei Oberst Krii£,

zum Feld-Artillerie-Director Seine kaiserliche Hoheit FML. Erzherzog Wilhelm,

zum Feld-Genie-Inspector Oberst Baron Pido 11,

zum Armee-Intendant FML. von Pokorny.

Lange vor dem eigentlichen Zusammentritte des Hauptquartiers war von dem schon im Monate März in Wien eingetroffenen, zum Chef der Operationskanzlei designirlen GM. von K r i s m a n i 6 eine Denkschrift verfasst worden, welche die Grundzüge des sich vorbereitenden Krieges behandelte.

Da das Anfangs April verfasste Schriftstück am meisten geeignet ist, über die späteren Schritte der Armeeleitung einiges Licht zu verbreiten, und dieselbe in der That so ziemlich der Leitfaden für die Operationsweise der Nord-Armee blieb, — so ist es nothwendig, hier auf dieses ,.Operationsplan der Nord-Armee" betitelte wichtige Document näher einzugehen.

GM. von Krismani6 berechnete in demselben vorerst die in Frage kommenden Streitkräfte folgendermassen:

Die österreichische Armee mit ihren 28 Infanterie- und 11 CavallerieBrigaden dann 93 Batterien, mit einem streitbaren Stande von circa 200.000 Mann Infanterie, 23.000 Reitern und 744 Geschützen.

Die preussische Armee, je nachdem sie ein oder zwei Armee-Corps zu andern Zwecken am Rhein u. dgl. stehen lassen musste, mit 8 oder 7 ArmeeCorps nebst den ihr natürlich anhängenden Hilfs-Contingenten anderer deutsehen Staaten, 211: 223.489 Mann, 28.125 Reitern und 788 Geschützen oder 197.691 Mann, 25.253 Reitern und 692 Geschützen

Der Vergleich der obigen Zahlen ergab nahezu gleiche Streitkräfte auf beiden Seiten.

Gleichwohl hielt der Verfasser des Kriegsplanes die österreichische Armee nicht für berechtigt, die Offensive zu ergreifen, sondern nahm die noch vor seiner Berufung an die Stelle eines Chefs der Operalionskanzlei beschlossene defensive Haltung der kaiserlichen Armee im bevorstehenden Kriege als eine „wenn auch bedauerliche, so doch feststehende Thatsache" hin.

Über diesen Punkt spricht sich das Memoire wörtlich, wie folgt, aus:

„Nachdem unsererseits aus politischen Gründen, um nämlich nicht als „der angreifende Theil zu erscheinen, die Initiative aufgegeben und der Grundsatz aufgestellt wurde, gegenüber von Preussen jede Herausforderung zu „unterlassen und mit den eigenen Rüstungen nur allmälig, nämlich nur nach „Massgabe der jenseitigen vorzuschreiten, so kann man darauf gefasst sein, „dass die preussische Armee, deren Organisation bekanntermassen eine „raschere Mobilisirung gestattet, schlagfertig an unseren Grenzen stehe, wählend die österreichische Armee ihren strategischen Aufmarsch vielleicht noch „nicht vollzogen, ja möglicherweise sogar ihre Kriegsorganisation noch nicht „vollständig beendigt hat.

„Diese Lage der k. k. Armee im Beginne des Feldzuges ist unstreitig „eine höchst ungünstige, allein sie muss als das Resultat eines freiwilligen „Entschlusses ohne jede Discussion hingenommen werden.

„Zur Fassung dieses Entschlusses mag wohl auch in zweiler Linie die „Rücksicht auf die eigenen Finanzen beigetragen haben, und erscheint derselbe— unter der Voraussetzung, dass die gegenwärtige Spannung zu keinem „Kriege führe — ohne jedes Bedenken.

„In diesem Falle werden die ersparten Millionen Zeugniss von der „Weisheit jenes Entschlusses ablegen.

„Wie anders aber, wenn diese Voraussetzung nicht zutrifft!

„Im Jahre 1850 hat nur die Thalsache, dass Preussen sich in den „Rüstungen von uns überholen liess, dessen Nachgibigkeit veranlasst und „den Krieg verhütet.

„Die jetzige Sachlage ist allerdings von jener im Jahre 1850 einiger„massen verschieden; doch mag man es immerhin bedauern, dass der österreichischen Armee die Möglichkeit benommen wurde, ihren Aufmarsch, sei

*) Die Hilfa-Contingente waren mit 12.766 Mann Infanterie, 672 Reitern und 24 Geschützen berechnet.

„es einige Wochen früher, oder im schlimmsten Falle wenigstens gleichzeitig „mit jenem der preussischen Armee zu bewirken ■).

„Wäre auch nur das Letztere der Fall, so könnte immerhin, selbst bei „der Annahme einer Überlegenheil auf Seite des Gegners, die Offensive mit „Aussicht auf Erfolg ergriffen werden, wenn Facloren, wie die grössere „Kriegstüchligkeil der österreichischen Armee, eine nicht am Kleinen klebende, methodisch furchtsame, sondern eine energische, das grosse Ziel un„verrückl im Auge behaltende Heeresführung, endlich das Allen inwohnende „Bewusstsein von der Notwendigkeit, die eigene Kraft bis zum Äussersten „anzuspannen, zu unseren Gunsten in Anschlag gebracht werden dürfen.

„Doch dem sei, wie ihm wolle: die oben geschilderte Sachlage ist ein„mal gegeben und muss demnach den nächsten Ausgangspunkt für alle weiteren Erörterungen bilden."

Von diesem gegebenen politisch- und militärisch-defensiven Standpunkte ausgehend, beschäftigte sich GM. von K r i sma n i 6 nun weiters kaum mehr mit dem Gedanken, den Krieg in das feindliche Land zu tragen, sondern beinahe ausschliesslich mit den Fragen, die mit der slriclesten Defensive im eigenen Lande zusammenhingen.

Es handelte sich hiebei vor Allem um die Frage, wo die Armee, um den Feind zu empfangen, versammelt werden sollte.

Auch in dieser Beziehung ging GM. von K r i s m a n i 6 auf den schon früher vom FML. Baron Henikstein gemachten Vorschlag, das Gros der Armee nordwestlich von Olmütz zu versammeln, vollständig beistimmend ein, sowie darauf, dass das in Böhmen stehende 1. Armee-Corps bei Pardubitz und Königgrätz sich concentriren, 2 leichte Cavallerie-Divisionen die Gebirgsdeboucheen zwischen Zittau und Jägerndorf (bei 35 deutsche Meilen), und eine Infanterie-Brigade aus Galizien die Deboucheen aus Preussen zwischen Jägerndorf und Oswiecim beobachten sollten.

„Unterzieht man," sagt das Memoire wörtlich, „alle hier einschlägigen „Verhältnisse einer reiflichen Erwägung, so kann man nicht anders als zu „dem Schlüsse gelangen, dass es bei den einmal obwaltenden Verhältnissen „eine zweckmässigem Sammelstellung nicht geben könne, als Olmütz; denn „eine solche muss sich in der Defensive, und diese ist ja die Voraussetzung, „in der Regel an eine Festung stützen.

l) Wie wir später sehen werden, trafen die Verhältnisse nicht so ein, wie sie hier, übrigens nicht ohne Grund, im Voraus angenommen wurden. — Die Armee war nämlich zur Zeit, als die Kriegserklärung von Seite Preussens erfolgte, nahezu vollständig und vollzählig versammelt; freilich nicht an der Landesgrenze, sondern bei Olmütz und Brünn.

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