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I. Abschnitt.

Einleitung.

Die politischen Vorgänge vor Ausbruch des Krieges. *

Es sind nur wenige Jahre verflossen, seit österreichische und preussische Truppen als Verbündete gemeinschaftlich in's Feld rückten, um einen deutschen Stamm von der demselben unerträglich gewordenen dänischen Fremdherrschaft zu befreien.

Eine grosse Zahl deutscher Regierungen hatte sich zwar damals, vielleicht im Vorgefühle seiner schweren Folgen, gegen den letzten Zweck dieses Kriegszuges ausgesprochen, und in Österreich hatte man im Allgemeinen, zum Theil aus instinctivem Widerwillen gegen eine, wenn auch vorübergehende Verbindung mit Preussen, blos geringe Sympathien für die Sache, zu deren Verfechtung ein obwohl nur kleiner Theil seines Heeres, zu Ende 1863, nach dem fernen Norden zog.

Doch die kaiserliche Regierung hatte ihre Gründe, trotz des Widerspruches der ihr näherstehenden deutschen Bundesregierungen, und trotz der Bedenken, die sich im eigenen Volke erhoben, Hand in Hand mit Preussen an's Werk zu gehen."

Es galt ja vor Allem ein deutsches und gerechtes Unternehmen, und Österreich war von jeher der erste und ausdauerndste Kämpfer für deutsche Ehre und deutsches Recht gewesen.

Die Wellgeschichte ist voll von den beharrlichen Kämpfen , die es zur Ausbreitung, nicht seines eigenen, sondern des deutschen Wesens, namentlich gegen seine westlichen und südlichen Nachbarn focht.

Die deutsche Ehre war zudem in dieser Angelegenheit schon zu sehr verpfändet, als dass die letztere nicht mit aller Kraft zum Austrage hätte kommen müssen.

Es war weiters zur Ehre Deutschlands nothwendig, dass in dieser rein deutschen Frage, die aber gleichwohl sehr leicht die Einrede des Auslandes herbeiführen konnte, wenigstens die beiden ersten Staaten des deutschen Bundes sich im Angesichte der Welt einig zeigten.

Österreichs Kämpfe 18B6. t. Band. 1

Endlich nahm Preussen, das schon in den Jahren 1848 und 1849 im Vereine mit anderen deutschen Bundestruppen einen nicht glücklichen Versuch zu demselben Zwecke gemacht, sich diesmal mit einer solchen Leidenschaftlichkeit des wieder erwachten Streites an, dass Österreich sich demselben geradezu feindselig hätte gegenüberstellen müssen, um es von der Ausführung seiner Plane gegen Dänemark abzuhalten. —

So zogen denn zu Ende des Jahres 1863 österreichische Truppen im Vereine mit preussischen aus, um Schleswig-Holstein von der dänischen Herrschaft zu befreien.

Richtig wäre es wohl von Seite Österreichs gewesen, sich vor dem Beginne dieses Krieges mit seinem Verbündelen hinreichend über die politische Stellung zu verständigen, die dem befreiten Lande nach dem Kriege zu geben sein würde; denn immerhin mussle man darauf gefassl sein, dassPreussen sich nach dem Kriege leicht versucht fühlen könnte, das ihm nahe, Österreich aber ferne gelegene Land seinen eigenen Zwecken in der einen oder anderen Weise dienstbar zu machen.

Doch diese Verständigung erfolgte nicht, und Österreich ging bedingungslos, im guten Glauben an die Rechtlichkeit seines Verbündeten, in den Kampf').

Der Kampf gegen die verhältnissmässig geringe dänische Kriegsmacht ward mit Glück und Ruhm begonnen und zu Ende geführt.

Noch sind den Zeilgenossen die Waffenthalen dieses Krieges in lebhaftester Erinnerung: die Tage von Ober-Selk, Översee, Veile, Helgoland, — an denen die österreichischen Regimenter unter ihrem kühnen Führer, dem FML. Freiherrn v. Gablenz, und die kaiserliche Marine unter ihrem Helden Tegetthoff, den Feind aus Schleswig und Jütland und aus der Nordsee vertrieben, — und die Tage von Düppel und Alsen, an denen das preussische Heer unter Prinz Friedrich Carl zwei der schwierigsten Angriffe auf das Glänzendste durchführte und damit den Krieg zum Abschluss brachte.

Dänemark trat im Wiener Frieden vom 30. October 1864 die HerzogUmmer Lauenburg, Holstein und Schleswig an die beiden siegreichen Mächte ab.

l) In dieser Beziehung enthält die Convention vom t6. Jänner 1864 im §. 5 nur den folgenden Passus, welcher die vertragsmässige Grundlage aller späteren Beziehungen zwischen Preussen und Österreich geblieben ist:

„Für den Fall, dass es zu Feindseligkeiten in Schleswig käme, und also die „zwischen den deutschen Mächten und Dänemark bestehenden Vertrags - Verhältnisse „hinfällig würden, behalten die Höfe von Preussen und Österreich sich vor, die künftigen Verhältnisse der Herzogthümer nur im gegenseitigen Einverständniss festzustellen.

„Zur Erzielung dieses Einverständnisses würden sie eintretenden Falles die „saehgemässen weiteren Abreden treffen."

Der Artikel III des Wiener Vertrages lautete wörtlich:

„Seine Majestät der König von Dänemark entsagt allen seinen Rechten „auf die Herzoglhümer Schleswig-Holstein und Lauenburg, zu Gunsten Ihrer „Majestäten des Kaisers von Österreich und des Königs von Preussen, und „verpflichtet sich, die Dispositionen anzuerkennen, welche die genannten „Majestäten in Bezug auf die Herzogthümer treffen werden."

Die Ratificationen dieses Vertrages wurden am 16. November in Wien ausgewechselt, und am 29. November ward der Vertrag in Frankfurt dem deutschen Bundeslage vorgelegt.

Hierauf, ungefähr Ein Jahr nachdem sie zum Kriege ausgezogen waren, kehrten die österreichischen und preussischen Truppen wieder in ihre Heimal zurüok, — jeder Mann geschmückt mit einer Erinnerungs-Medaille, die, aus erobertem dänischem Gesehützmaleriale gegossen, auf der e"inen Seite die Namenszüge der verbündeten Monarchen enthielt und an einem, die Landesfarben Österreichs und Preussens vereinenden Bande zu tragen war.

In den Herzogtümern blieben zurück: von Seite Österreichs die Brigade GM. Ritter v. Kalik, 7 Bataillons, 2 Escadrons und 1 Batterie; von Seite Preussens: 2 Infanterie-Brigaden, bestehend aus 18 Bataillons, 1 Cavallerie-Brigade zu 18 Escadrons und 3 Batterien.

Die königlich sächsischen und hannoverschen Bundes-Contingente, welche während des Krieges das Herzogthum Holstein als deutsches Bundesland besetzt gehalten hatten, verliessen gleichfalls, auf Andringen Österreichs und Preussens, in Folge eines Bundesbeschlusses vom 5. December, das Land.

Die Regierung der Herzogthümer sollte bis zur definitiven Regelung der politischen Stellung derselben eine gemeinschaftliche sein, mit dem Sitze zu Schleswig. Österreich delegirte hiezu als kaiserlichen Regierungs-Commissär den Freiherrn v. Lederer, dem jedoch bald Baron Halbhuber folgte, — Preussen als königlichen Regierungs-Commissär den Freiherrn v. Zedlitz.

Es hätte wohl mehr als menschlicher Voraussicht bedurft, um zu jener Zeit zu ahnen, dass schon nach kaum anderthalb Jahren diegesammtenStreitkräfleÖsterreichs und Preussens sich in einem Kampfe auf Todund'Leben begegnen würden, in einem Kampfe, in dem beide Mächte und mit ihnen alle übrigen Staaten Deutschlands, ohne Ausnahme, ihre ganze politische Existenz einzusetzen hätten.

Wohl war leicht vorherzusehen, dass der alte zwischen Österreich und Preussen herrschende Antagonismus endlich einmal zu einem über die ganze Zukunft dieser beiden Staaten entscheidenden Conflicle würde führen müssen; doch dass dieser Conflict so nahe bevorstehe, nachdem Österreich seinem Rivalen noch eben vor Kurzem zu einem echt nationalen Werke ehrlich und ohne Anspruch auf eigenen Vortheil die Hand gereicht, — und nur aus dem Grunde, weil Österreich in dieser verhältnissmässig kurzen Zeit sich nicht hatte entschliessen können, Preussen den Alleinbesitz der gemeinschaftlich erworbenen Länder zuzugestehen, — war wohl nur von Jenen anzunehmen, die in die geheimen Gedanken des preussischen Cabinels eingeweiht waren.

Wie die Dinge heute liegen, kann freilich kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass Graf Bismarck, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Preussens, der bald nach seinem Amtsantritte, zu nicht geringem Erstaunen der Welt, verkündet halte, der Leib Preussens sei zu schmal, und seine Politik werde eine Politik von Blut und Eisen sein, — den Krieg gegen Dänemark nur unternommen hat, um die Herzogthümer für Preussen zu gewinnen, und dass er Österreichs Mithilfe nur desshalb angestrebt, um es für den Krieg vor dem übrigen Europa mit verantwortlich zu machen und sich dabei gleichzeitig den Rücken gegen dasselbe zu decken.

Ja er mochte sogar die grosse Verwicklung, die aus dem Widerstreite der beiderseitigen Interessen nothwendig resultiren musste, vorausgesehen haben und entschlossen gewesen sein, dieselbe zum Ausgangspunkte für Ereignisse zu nehmen, die Preussen endlich Machtvergrösserung und eine weitaus prädominirende Stellung in Deutschland auf Kosten der ihm widerstrebenden kleineren deutschen Staaten und unter Hinausdrängung Österreichs aus den Angelegenheiten Deutschlands geben konnten.

Graf Rechberg, der als Minister des Auswärtigen in Österreich sich zu der mit Preussen gemeinschaftlichen Action gegen Dänemark entschlossen hatte, mag diesen Ausgang der Dinge nicht geahnt haben.

Derselbe trat, nachdem er den Friedensvertrag noch milunlerzeichnet, von dem Ministerposlen ab, den er seit 1859 innegehabt hatte, und übergab die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten dem FML. Alexander Grafen Mensdorf f-Pouilly.

Es fiel somit diesem Staatsmanne die verantwortungsvolle und keineswegs leichte Aufgabe zu, sich über die durch den Krieg geschaffene Situation, über die zukünftige Gestaltung der Herzogthümer mit Preussen zu verständigen.

Die Schwierigkeiten dieser Aufgabe sollten sich nur zu bald in ihrer ganzen Grösse lühlbar machen.

Österreich und Preussen hatten während des Krieges auf der Londoner Conferenz Angesichts der Vertreter der andern Mächte in der Sitzung vom 28. Mai gleichstimmig die vollständige Trennung der Herzogthümer von Dänemark und deren Vereinigung als selbstständigen Staat unter dem Erbprinzen von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg verlangt und erklärt, ttass der Letztere nicht nur in den Augen Deutschlands die meisten Erbrechte geltend machen könne und der Anerkennung durch den Bundestag gewiss sei, — sondern dass derselbe auch die unzweifelhafte Stimmenmehrheit der • Bevölkerung dieser Länder besitze.

Auch nach geschlossenem Frieden blieb Graf Mensdorff dieser Anschauung getreu; Graf Bismarck jedoch wies dieselbe entschieden von sich, verneinte jeden Anspruch des Prinzen Friedrich von Augustenburg auf die Regierung in den Herzogthümern, steuerte mit immer grösserer Bestimmtheit auf die Gewinnung dieser Länder für die preussische Krone los, und Hess sich in der Verfolgung dieses Zieles weder durch den Widerstand Österreichs, noch durch jenen des deutschen Bundes, der in der Mehrzahl seiner Vertreter den österreichischen Standpunkt einnahm, irre machen. *

In der Bundestagssilzung vom 5. December 1864 hatten Bayern, Sachsen, "Württemberg sich dahin ausgesprochen, dass die Regelung der Erbfolge in den Herzogthümern dem Bunde zustehe. Graf Bismarck äusserte sich hierauf am 13. desselben Monats nach Dresden und München, dass wenn dieser Ausspruch am Bunde angenommen worden wäre wozu nur zwei Stimmen gefehlt, „die politische Selbstständigkeit Preussens „gefährdet worden, und Preussen dadurch in die Lage gekommen sein „würde, dem zu Unrecht gefassten Beschlüsse gegenüber, „von der durch die Verletzung der Verträge erwachsenden „Freiheit des Handelns zur Wahrung seiner Rechte den „vollen Gebrauch zu machen."

Österreich gegenüber erklärte Graf Bismarck gleichfalls am 13. December: Preussen könne sich über die Successionsfrage in den Herzogthümern nicht äussern, bevor seine. Stellung zu dem künftigen Staate genau stipulirt wäre, — der Vorschlag in Betreff des Prinzen von Augustenburg könne nicht angenommen werden, da ein solcher Act den Ansprüchen anderer Prätendenten vorgreifen und von den Höfen von Hannover, Oldenburg und Russland übel aufgenommen werden würde; — ferner: dass die Annexion der Herzogthümer an Preussen, obgleich ohne Österreichs Zustimmung nicht ausführbar, den deutschen Interessen im hohen Grade förderlich, den österreichischen nicht entgegen wäre.

Auf diese Depesche konnte Graf Mensdorff am 21. December nur antworten: Österreich habe die Lösung der Frage im deutschen Interesse unternommen und wolle sie auch im deutschen Interesse zu Ende führen; Hannover mache keine Ansprüche, äussere nur Ansichten, —Oldenburgs Ansprüche werde auch das österreichische Cabinet prüfen, — Russland habe aber neuerdings erklärt, dass es die Entscheidung des Bundes als massgebend

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