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nüßlichen Unterricht Georgii Spalatini bei dem der Reformation früh zugewandten und um die Verbreitung reformatorischer Schriften sehr verdienten Buchdrucker Michael Blum in Leipzig druden. Johannes Gigas, der nach Beendigung seiner Studien seit 1537 in Leipzig verweilte (er wurde 1541 Rektor in Joachimsthal und 1543 Rektor der neuerrichteten Fürstenschule zu Pforta), begleitete das Spiel mit einem empfehlenden, aus drei lateinischen Distichen bestehenden Gedichte. Der 'nüßliche Untersicht Georgii Spalatini’ ist nun aber nichts anderes als der wörtliche Abdruck eines Teiles der Spalatinschen Widmung der Warbeckschen Ueberseßung, und es bleibt ungewiß, ob der= jelbe mit oder ohne Wissen Spalatins an dieser Stelle veröffentlicht worden ist. Er lautet: “Wiewohl in dieser Historie von der Mejje, Wallfahrten, Ablaß, Anrufung der lieben Heiligen steht, so will ich doch in keinen Zweifel stellen, ein jeder, der zu ziemlichem Verstand von Gottes Wort gekommen ist, werde sich darein wohl dermaßen richten, daß er seine Seligkeit in bemeldetem Stücke in keinem, sondern allein und einig in Gottes lauternt Gnade und Barmherzigkeit und im Glauben an Jesum Christum suche. Sonst ist es wahrlich wohl eine solche Schrift, die alle Frauen und Jungfrauen zu ehrlicher Kurzweil ohne all Aergernis mögen lesen und hören; zudem dienet dies Büchlein auch darzu, daß die Eltern auch ein fleißiges Aug und Achtung auf die Kinder, besonders auf die Töchter haben. Denn die Jugend, besonders ein Maidlein, ist fast fürwißig, und man erfährt täglich an vielen Orten viel Unrats, wann man übel zusiehet, wie denn diese Historia mit der schönen Magelona auch fein anzeigt. Denn wiewohl sie je rein und züchtig geht, so wird sie dennoch entführet und folget dem Ritter mit den silbernen Schlüsseln in Gottes und ihrer Eltern Ungehorsam wider das vierte Gebot Gottes, welches dann sehr fährlich ist, gerät auch selten wohl. Wo also zwei Leute zusammenkommen, so sind die Eltern auch nicht entschuldigt ihrer Unachtsamkeit, daß also billig beide, Eltern und Kinder, verwarnet sein sollen. Ueberdies so dienet diese Historia auch darzıl, daß man daraus lernen mag, daß feine Lust noch Freude auf Erden ewig ist, sondern leuchtlich 31 Trübjal und Unglück geraten kann?

Diese Komödie von der schönen Magelone fand so beifällige Aufnahme, daß sie schon im folgenden Jahre (1540) von Heinrich Stainer in Augsburg neu gedruckt wurde. Dieser Druck weist nur orthographische Verschiedenheiten auf. Hans Sachs und Sebastian Wild, die 1555 und 1566 die schöne Magelone dramatisierten, benugten ebenfalls Warbeds Uebersegung, obwohl nur der erstere von seiner Quelle mit folgenden Worten des Herolds Rechenschaft gab:

Ein Comedi zu recedieren,
Welchs Geschicht in Teutsch thet transferieren
Magister Veit Warböck, hoc, erfahren,

Aus französijder Sprach vor Jahren. Gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts wurde die Romanlitteratur mit des streitbaren Helden Amadis aus Frankreid) schöner Historia’, in der der Geist der Ritterdichtung nod) an! meisten fortlebte, in fast unnatürlicher Weise bereichert, denn es erschienen von 1569 bis 1595 nicht weniger als vierundzwanzig Bände. Auch dieser Roman fand eine dramatische Bearbeitung, die aber nicht mehr vorhanden zu sein scheint. Der Verfasser ist der uns befannte Andreas Hartmann, der den eben erst in Deutschland bekannt gewordenen französischen Stoff zu Dresden 1587 dramatisierte. Die Aufführung des ‘Amadis aus Frankreich fand 1613 vor dem Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen durch den Hofbalbier Melchior Meyer in Dresden statt und schon 1610 hatten die englischen Schauspieler zu Jägerndorf die Komödie aus dem Amadis gespielt.

Der Stettiner Prediger Daniel Cramer aus Reeß in der Neumark dramatisierte 1592 den der italienischen Novelle entlehnten romantischen Stoff von der Rettung des Ritters Aretinus und seiner Schwester Eugenia in einer lateinischen Komödie Areteugenia, welche 1602 Johann Sommer, Pfarrer in Osterweddingen, und 1603 Burfart Grofmann aus Römhild in deutsche Reime übertrugen.')

1) Sommers Drama erschien 1602 zu Magdeburg im Druck, Großmanns Drama ist handsdriftlich in Dresden erhalten (Sdınorr v. Carolsfeld, Katalog der Handschriften der königl. Bibliothek in Dresden 2, 506).

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Von historischen Stoffen des Mittelalters dramatisierte Petrus Nichthonius aus Weinsberg die Weinsbergische Belagerung' (Nürnb. 1604), um allen Eheleuten, wie auch jungen Gesellen und Jungfrauen ehelicher Weiber Treue als ein schönes Erempel vorzuführen.

Von historischen Stoffen der neueren Zeit wurde die befannte Geschichte des Prinzenraubes d. i. der Entführung der beiden Prinzen Albert und Ernst von Sachsen durch Kunz von Kaufungen dramatisch behandelt, zuerst von Nikolaus Roth aus Altenburg in einem 1589 zu Weimar im fürstlichen Saale vor dem Hofe aufgeführten Drama,1) dann in einem lateinischen Drama des eben genannten Mag. Daniel Cramer unter dem Titel Plagium, das mehrfach in deutscher Uebertragung bears beitet wurde, nämlich 1595 von dem Schulmeister in Bischofswerda Mag. Georg Henrici, 1597 von dem Pfarrer Bartholomäus Ringwaldt zu Langfeld in der Neumark, 1603 von dem Pfarrer Johann Sommer zu Dsterweddingen und 1627 von Johann Philipp Abele in Straßburg.

Der eben genannte Mag. Georg Henrici eignete seine Ueberfeßung den Herzögen zu Sachsen, den Nachkommen des Herzogs Ernst zul, von dem, wie er in der Widmung vom 8. Juli (am Tage Kiliani, an welchem vor 140 Jahren sich diese Geschichte zu Altenburg zugetragen) 1595 sagt, Kurfürst Friedrich, der Stifter der Universität Wittenberg, stammet, ‘darin unser deutscher · Prophet Lutherus aufgestanden und das Wort Gottes aus des Papstes Finsternis an den Tag gebracht, welches folgend der Nurfürst Johann mit Uebergabe der Augsburgischen Konfession und Kurfürst Johann Friedrich mit vintansekung Leibes und Lebens, Land und Leuten, nächst Gottes augenscheinlicher Gnade, Segen, Hilfe und Rettung fortgeseket und gepfleget und endlich unser deutscher Kurfürst Augustus, pater patriae, Mehrer und Vater des Vaterlandes, mit solchem christlichen Eifer, Ernste, Fürsorge, Unkosten, Treue und Fleiß dermaßen erhalten, daß S. Rurf. Gnaden allhier vor der ganzen Welt, wann sie auch schon noch viele tausend Jahre stehen sollte, Ruhm, Lob und

1) Aus der Handschrift gedruckt von B. Stübel. Leipz. 1981.

Ehre und folgend von Gott ewige Belohnung haben wird, daß wir also ferner durch derselben fürstliche Nachkommen und Geschlecht das göttliche Wort nun 78 Jahre rein und unverfälscht nicht allein in unserm Vaterland bis auf diese Stunde haben, sondern dasselbe auch in die benachbarten Länder daher fommen ist und fortgebracht. Henrici gesteht dann nach Anleitung des lateinischen Plagium die Geschichte in diese deutsche Komödie gebracht und vertiert zu haben, damit solche denkwürdige Þistoria in einer augenscheinlichen und gleich lebendigen Aktion fürgestellt und also zum ewigen Gedächtnis, Ruhm und Ehre des hochlöblichen þauses Sachsen wiederholt, dem gemeinen Mann und Nachkommen bekannt und wissend werden möchte.

Das der Bergstadt Joachimsthal gewidmete Spiel Bartholomäus Krügers von den bäurischen Richtern und dem Landsknechte (1580),') dessen Stoff aus Georg Lauterbecks (nicht, wie er selbst sagt, aus Johannes Sleidanus') Regentenbuch (Leipz. 1559) geschöpft ist, behandelt ein geschichtliches Ereignis des Jahres 1537. Ein Landsknecht, der gute Beute gemacht, kommt in ein Dorf und wird von den Bauern wegen eines Diebstahls, den ein anderer begangen, angeflagt und hingerichtet. Vor der Þinrichtung jedoch prophezeit er seinen ungerechten Richtern die ihnen gebührende Strafe. Nach Jahresfrist fommt die Rache Gottes über die Schuldigen: Der eine wird vom Bliß erschlagen, der andere beim fröhlichen Gelage erstochen, der dritte um der Diebereien willen gehenft, der vierte wird vom Fieber übel geplagt und vom Teufel geholt. Das Spiel steht zwar dem geistlichen Spiele Krügers nach, verdient aber doch wegen der treuen Beobachtung des Lebens, der volkstümlichen Sprache und der geschichten Darstellung einen ehrenvollen Plaß in der dramatischen Litteratur des sechzehnten Jahrhunderts. Am vorteilhaftesten hat sich der Trebbiner Stadtschreiber und Organist durch die Abfassung des Volfsbuches von Hans Clauert (Berlin 1587)2) bekannt gemacht.

1) Neudrud von J. Bolte. Leipz. 1884.
2) Neudrud von Th. Rähie. valle 1882.

Den Ansaß zu einem historischen Drama nach neuer Auffassung machte der Arzt Tobias Rober aus Görlitz in seiner Tragödie 'von dem rittermäßigen Helden Christoph von Zedlik? der sich bei der Belagerung Wiens durch die Türfen im Jahre 1529 durch persönliche Tapferkeit hervorthat. Das Stück, das erst lateinisch (Mars seu Zedlicius), dann in deutscher Uebersepung 1607 in Liegniß erschien, “vereinigt schlesischen Lokalpatriotismus und Liebe zum deutschen Gesamtvaterlande, glückliche Stoffwahl und geschickte Ausführung zu einem sehr angenehmen, frischen Ganzen, das man sogar mit einer gewissen Spannung verfolgt?. :)

In das lekte Jahrzehnt des sechzehnten Jahrhunderts fallen die vielen Dramen des Nürnberger Prokurators und Notars Jakob Ayrer, des dramatischen Nachfolgers von Hans Sachs, die fast alle der Novelle ihre Entstehung verdanken; von den Dramen des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig gehört hierher das beste seiner Lustspiele, die Komödie von Vincentius Ladislaus, Satrap von Mantua, ein 1594 in Proja erschienenes Stück, das 1601 von dem Stralsunder Organist Elias Ferlicius und 1605 von Johann Sommer in Reime gebracht wurde. Auch die Dramen der englischen Komödianten (1620) enthalten meist nur novellistische Stoffe, und wenn sich ein anderer findet, wie in der Komödie vom verlornen Sohn, so ist derselbe ins Rohe und Gemeine gezogen.

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Zehntes Kapitel.

Das didaktisch - satirische Drama. Waren die protestantischen Dramatifer der Reformationszeit bemüht, in den der Bibel entlehnten Dramen das von der reformatorischen Bewegung erfaßte Volk über die höchsten Wahr: heiten der Religion zu belehren, so dienten nicht wenige Dramen einzig der Lehre, der Satire und der Sittenmalerei. Hierher gehören zunächst diejenigen Dramen, in denen wie in einem Spiegel die Art und Natur der Welt und der Menschen abgebildet werden sollte. Die bekannte, schon im dreizehnten Jahr

1) Aug. deutiche Biographie 16, 359.

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