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Waffenglüd mit dem Hochmeister Werner von Drfeln in Thorn ein und stellte hier am 12. März 1329 dem Deutschen Drden zum Dank für seine Mithülfe einen urkundlichen Schenkungsbrief über Pommern (Pomerellen) aus.*) In seinem und seiner Gemalin der Königin Elisabeth Namen gab, schenkte und verlieh er als König von Böhmen und König von Polen „um Gott und ihrer beider Seligfeit willen" das Land Pommern den Drs dengbrüdern zum ewigen Befiße und vollem Eigenthum, entsagte auch für ulle Zeiten und für alle seine Nachfolger auf alle Rechte und Ansprüche in Beziehung auf Pommern. Durch diese Schenkung wurde der Drden im Besiße von Pomerellen mithin auch unserer Lande noch mehr fichergestellt, indem nunmehr die alten Anrechte der Könige von Böhmen, die unter Wenzel I. und II. von 1300 bis 1306 unsere lande beherrschten, gänzlich erloschen waren, und der Drden eine neue Stüße für sein Eigenthumsrecht auf Pomerellen gewonnen hatte.

Noch ehe der fiegreiche ruhmgefrönte Böhmen-König in seine Erblande zurücfehrte, gewann der Deutsche Drden eine günstige Gelegenheit zu neuen Erwerbungen in Pommern. Sein Bundesgenosse der Herzog Wratislaw IV. von Pommern-Wolgast war 1326 mit Tobe abgegangen. Seine unmündigen Söhne Bogislaw V., Barnim IV. und Wratislaw V., die unter der Vormundschaft der Hers zöge Otto I. und Barnim III. von Pommern-Stettin ftanden, wurs den von dem Markgrafen zu Brandenburg, welche ihre Lehno-Obers herrlichkeit über Pommern beim Thronwechsel zur Geltung und Anerkennung bringen wollten, ernstlich bedroht und hart bedrängt. Der Hochmeister Werner von Drseln zum Dbmann erforen, fonnte die streitenden Theile durch seine Entscheidung nicht zufrieden stellen. Der Krieg war die Losung, das Olüd der Waffen foute entscheiden. Die Vorinünder Otto I. und Barnim III. rüsteten zum Kampfe und erhielten dazu auf ihr Ansuchen vom Hochmeister Werner von Drseln eine Anleihe von 6000 Mark Silber. Dafür verpfändeten sie dem Deutschen Orden zu Marienburg laut Urkunde vom 27. Februar 1329**) die Burg und Stadt Stolp nebst ihrem ganzen Landgebiete mit allen Einkünften, Rechten, Vorzügen und Freiheiten auf die Dauer von 12 Jahren unter der Bedingung, daß dem Drden das Pfand verfallen und als ein völlig freies Eigenthum anheimfallen sollte, wenn nach Ablauf der Pfandjahre die Einlösung unterbleiben und der Drden zum Pfandschilling noch 4000 Marf als

*) Urt.-Sainml. I. Nro 19. **) Urt.-Samml. I. Nro. 16.

Raufschilling nachzahlen würde. Der Komthur zu Danzig, Albrecht von Drn, der bei diesen Unterhandlungen mitwirfte, überbrachte im Auftrage des Hochmeisters von dem Pfandichilling die Summe von 2000 Marf der verwitiweten Herzogin Elisabeth, der Mutter der unmündigen drei Herzöge, welche dieses Geld nicht zu Kriegsrüstungen, fondern zur Unterhaltung und Erziehung ihrer Kinder verwandte*).

Der Hochmeister Werner von Drseln hatte die Absicht, die gange Landidaft Stolp, die zu Pomerellen gehört hatte und wie wir gesehen haben, im Erbfolgefriege davon abgerissen wurde, seinem Ritterstaate Preußen einzuverleiben. Nach Vollziehung des Pfandbriefes ergriff er sogleich den Pfandbesiß und faum hatte er sich in seinem neuen Pfand: gebiete umgeschauet, als er bald eine günstige Gelegenheit zu dauernden Gebiets. Erweiterungen fand. Die Geldarmuth des Adels im neuen lande und der reichgefüllte Schaß im Tressel des Ordens famen ihm sehr wesentlich zu Statten. Zunächst erwarb er die beiden südlich belegenen fehr bedeutenden Besipungen Crampe und fubona.

Laut Urfunde vom 23. Juli 1329 **) nämlich verfaufte geslo, Graf von Schlawe mit Zustimmung seiner Miterben und seines Vaterbruders geslo, Erbherrn von Rügenwalde, eines Sohnes des Stadthalters Swenza, dem Hochmeister Werner von Drseln und dem Deutschen Orden die beiden genannten Güter zum rechtmäßigen Gebrauch, er verpfändete sie also für 300 Mark Preußischer Pfennige mit Vorbehalt der Wieder-Einlösung unter der Bedingung, daß der Deutsche Orden sie ihn gegen Erstattung des Kauf- (resp. Prand-) Sdillings zurückgeben oder zurücrerfausen sollte, wenn und sobald die Einlösung von Stolp erfolgen würde. Der Rüdfauf ist nicht erfolgt. Vielmehr überließ Graf Jesto, Herr von Rügenwalde, im Jahre 1347 dem Deutschen Drden beide Güter zum freien Eigenthume mit der Erlaubniß fie weiter zu verfaufen, jedoch mit der Beschränkung, beim Weiterverkauf dem Herzog von Stolp die schuldigen Dienste zu thun ***).

Sodann erwarb der Hochmeister die Herrschaft Bütow. Der tapfere Marschall Henning Beer, der sie 1321 zum Geschenk erhal

*) Urt.-Samml. I, Nr. 17. **) Urt.-Samml. I. Rr. 23. ***) Die frühern und spätern Schidsale der Güter Crampe und lubona were den wir am Solusse dieses Abschnittes erzählen.

ten, war gestorben. Seine Söhne Heinrich und Henning Beer, zwei Ritter und Lippold Beer ein Knappe reisten im Sommer 1329 nach Damm zum Herzog Dtto I. von Stettin, der die Vormundschaft über dic unmündigen Kinder des Herzoge Wratislaw IV. von Pommerns Wolgaft führte, und ließen fich am 16. Juli 1329 die Shenfung bestätigen. *) Darauf begaben fie sich in Begleitung vieler vornehmer slavischer Edelleute aus der Stolper Landschaft, des Ritters Kasimir aus Tuchen und anderer, die fich bei dieser Geles genheit als Bajallen ihrem neuen far.desherrn vorstellen und ihre Huldigungen darbringen wollten, an den Hochmeisterlichen Hof nach Marienburg und verfauften am Tage der heiligen Elisabeth 19. Novbr. 1329 -- dem Hochmeister und den Brüdern des Deuts Ichen Ordens ihre verfäuflichen Güter des Gebiets von Bütow, die Herrschaft und die Burg (dominium et Castrum), für 800 Marf Preußische Pfennige **).

Nachdem Werner von Drseln auf solche Weise das Gebiet seines Ritterstaates erweitert hatte, bestellte er zur Verwaltung der ihm verseßten Stolper Landschaft in Stolp den Bruder Ulrich von Huges wiß als Romthur. Auch dieser fand sehr bald Gelegenheit zur Ges bietderweiterung. Noch im Jahre 1329 am 6. December erwarb er von Lippold Beer, Erbverrn von Belgarb, dem jüngsten Sohne des Marschals Henning Beer, das füdlich von Stolp und nordöstlich von Crampe belegene Gut Gusiow für einen gepanzerten Streithengst und 50 Mart flavischer Pfennige ***). Doch besaß der Deutsche Ritterorden dieses Gut nicht lange, denn schon im Jahre 1357 wird Hensefin von Zißewiß als Befißer von Cussow und Vasad des Bifchofe von Cammin genannt t).

Während Werner von Drseln solchergestalt im äußersten Nords westen seine Macht und fein Gebiet erweiterte, ruhte im Süden das Spiel der Waffen nicht. Im Culmer und Dobriner lande sowie im Nebe-Gebiet bei Nafel wurde der Kampf mit Polen fortgefeßt bis ein Waffenstilstand dem verheerenden Kriege vorläufig ein Ziel feßte.

Werner von Drfeln war ein weiser fandesfürst und ein edler

*) Urt.-Samml. I. Nr. 20. **) Urt.-Samml. I. Nr. 21. ***) Urt.-Samml. I. Nr. 22.

+) Vergl. Quandt: Pommerns Oftgränzen. Baltische Studien, 15ter Jahr. gang, Stettin 1853, Heft I. S. 219.

Mann von bewundernswürdiger Sittenreinheit. Er verdiente ein besseres loos. Er, der keinen Fleden auf der Ehre seiner Brüder duldete, und allen Brüdern als Spiegel der vollendeten Ritterlichfeit vorleuchtete, fiel am 19. November 1330 durch die Hand eines Meuchelmörders, des Bruders Johann von Endorf aus Sachsen, der wes gen seines unsitilichen Wandels von dem Meister oft getadelt und gestraft war. Er wurde feierlich im Dome zu Marienwerder beerdigt.

Der neue Meister luther oder Luderus Herzog von Braunschweig, der am 17. Februar 1331 gewählt wurde, bisher Drdenstrapier und Komthur von Christburg, besaß viel Milde und Güte, war fromm und gerecht, ein Freund der Dichtfunst und Ges fånge und von untadelhaften Sitten. Von ihm aufgemuntert, überfebte der Ordenspriester Nicolaus Jerofcin die in lateinischer Sprache zur Zeit des vorigen Hochmeisters verfaßte Chronik des Drdenspriesters Peter von Dusburg in Deutsche Reime.

Mit dem Polenkönig konnte der Meister wegen Pommern nicht Friede halten. Nach Ablauf des Waffenstilstandes brach der Krieg wieder aus. Bei Plowje fam es am 27. September 1331 zu einer mörderischen Schlacht. Der König von Polen blieb Sieger. Er mißachtete die Gebote der Ehre, die Gefeße des Krieges und die Rechte der Völfer; in seinem Siegesrausche zeigte er sich grausam und blutdürftig; er ließ die gefangenen Ritter, unter denen sich unser Komthur zu Danzig Albert von Drn befand, auf dem Ramplaße erwürgen und niedermeßeln. Die Rache für diese abscheuliche That blieb nicht lange aus. Wladislaus hatte die Wahlstatt noch nicht verlassen, als ein neues Heer unter Anführung des Marschalls Dietrich von Altenburg anrücte, das polnische Heer in die Flucht schlug und so die Waffenehre der Deutschen Ritter glüdlich fühnte. ES begannen neue Friedensunterhandlungen unter Vermittelung der Könige von Böhmen und Ungarn; sie scheiterten an der Härtnädigfeit des Polentönige, der um feinen Preis das ihm angeblich entwendete Pommern dem Deutschen Orden vergönnen wollte.

Während der Waffenruhe am 2. März 1333 starb der König Mladislaw. Sein Tod befreite den Drden von einem erbitterten und unversöhnlichen Gegner. Ihm folgte sein Sohn Rasimir III., der als Gefeßgeber und Friedensfürst fich den Beinamen „der Große" erworben hat. Er verlängerte den Waffenstillftand mit dem Drden auf ein Jahr und da sich die Friedensunterhandlungen in die Länge

zogen, nochmals auf ein Jahr. Auch der Meister Luther von Braunschweig liebte den Frieden; er erlebte ihn aber nicht; er starb nach der Dfterfeier im April 1335 zu Königsberg.

Bei der neuen Wahl am 15. August 1353 im Haupthause zu Marienburg wurde der tapfere Drdensmarschal der Burggraf Dietrich von Altenburg, der Sieger von Plowcze, von den Gebietigern einstimmig erwählt. Der neue Meister, ein hochbetagter, in den Waffen ergrauter Held suchte Frieden mit Polen. Die beiden Könige von Böhmen und Ungarn wurden Schiedsrichter. Auf der Burg Wiflegrod in Ungarn famen die Vermittler und die Gesandten beider Theile zusammen und am 24. November 1335 wurde der Friedensspruch verkündet. Der Drden sollte Pommern (Pomerellen) nach seinen alten Grängen für immer im Befis behalten und der König Rasimir es ihm zu einem ewigen Almosen des Friedens überlassen und allen Ansprüchen darauf entsagen. Dieser Friedensspruch wurde von beiden Theilen genehmiget, von den Ständen des Königreichs Polen aber als schimpflict verworfen.

Im Jahre 1337 famen die Könige Johann von Böhmen, luds wig von Ungarn und Kasimir von Polen mit dem Hochmeister in Leslau abermals zu einem Fürstentage zusammen. Der König Johann von Böhmen bestätigte noch mals die Uebertragung Pommerns an den Drden durch eine neue urkundliche Zuficherung. Der König Rafimir leistete eidlich Verzicht auf Pommern für sich und alle feine Nachfommen auf ewige Zeiten; er versprach, den Drden im Besih von Pommern nie mehr zu stören nnd fich fortan auch des* Titels und Wappens eines Herzoge von Pommern zugleich zu entschlagen. Doch auch dieser Friede wurde von den Bischöfen und Großen des polnischen Reiches nicht bestätiget. Der Bischof Johannes von Krafau eilte an den päpstlichen Hof nach Avignon und erhob schwere Anflage gegen den Orden wegen Beraubung des polnischen Reiches. Er fand Gehör. Der Papst ordnete eine neue Untersuchung an und gab im Frühlinge des Jahres 1338 seinen Botschaftern den Auftrag, alle diejenigen, welche in Polen Kirchen verwüstet oder an den feindlichen Einfällen und Eroberungen in Polen Theil genommen, mit dem Banne zu beftrafen, die Frevler zum Wiederaufbau der Kirchen und zum Schadensersaß anzuhalten, den Hochmeister aber und die Drdensgebietiger, die der Entscheidung der päpstlichen Schiedsrichter sich nicht fügten, vor den päpstlichen Stuhl zu laden und zu bedeuerdichte der £. Lauenburg und Bütow.

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