Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

von Deutschem Adel rein, fich zur Bekämpfung der Ungläubigen, sowie zur Ausbreitung und Beschübung der Kirche Jesu Christi unses res Erlösers verpflichten und feierlichst das Gelübde der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Ihre Tracht war ein weißer Mantel mit einem schwarzem Kreuze, weshalb die Brüder des Drdens auch den Namen Kreuzritter*, oder Kreuzträger (cruciferi) führten. 3hre Macht und Bedeutung wuche wunderbar schnell. Auf Anrufen des Herzoge Conrad von Mafowien schichte der Hochmeister Hermann von Salza eine Kriegerschaar unter Anführung des tapfern landmeisters Hermann Balf nach Masowien und im Jahre 1230 begann das Werf der Eroberung des noch von Heiden bewohnten Preußenlandes. Bis zum Jahre 1283 durch dreiunds fünfzig Jahre dauerte der Eroberungs-, Befehrungs- und Bernichtungsfrieg. Die heidnischen Preußen vertheidigten ihre Götter und heimathlichen Fluren mit bewunderungswürdigem Heldenmuth, erlagen aber endlich der feindlichen Uebermacht. Das Ordensgebiet erweiterte fich nach Dsten und nach Westen und bildete fich zu einem selbstständigen Ritterstaate aus. Der bedeutende ländererwerb des Drdens in Preußen und Pommern bewog den Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen, seinen Siß und den Siß der Regierung in die Mitte des neuen Ritterstaates von Venedig nach Marienburg zu verlegen. An dem rechten Ufer der Nogat in einer Ebene und reich gesegneten Landschaft führte er seine fürstliche Burg und des Drdens Haupthaus auf, einen Prachtbau, der an Großartigkeit feines Glerchen sucht und der staunenden Nachwelt noch heute ein rebendes Zeugniß von des Deutschen Ordens Macht und Herrtichkeit gibt.

Nachdem Siegfried von Feuchtwangen zu Stolp mit dem Marf: grafen Waldemar von Brandenburg aus dem Hause Ascanien (An: haltiner Linie) am 12. Juni 1310 den Kauf über Pommern, nämlich den bedeutenden Rest der erblosen Verlassenschaft Mestwin's II. abschloß und die Städte, Burgen und Gebiete von Danzig, Dirs schau und Schw eß seinem Ritterstaate einverleibte, bot er alle Mittel auf, um fich im Befiß der neuen Länder zu befestigen. Die faiserliche Bestätigung, welche der Markgraf von Brandenburg am 27. Juli 1310 zu Frankfurt am Main auswirfte, genügte ihm nicht.

*) Den Titel „freuzherren" haben die Deutsden Ritter je weder verlangt nod viel weniger von sich gebraucht. Siehe Voigt. Bd. 5 S. 407. Not. 2.

den

Sein Nachfolger, Carl Beffart von Trier, der im Beginn des Jahres 1311 den hochmeisterlichen Stuhl bestieg, wandte sich selber an den Kaiser. Sein Gesandter, der Landfomthur von Franken, Konrad von Gundelfingen erschien im Königl. Hoflager vor Briren und wußte durch seine Beredjamfeit den Raiser fo fehr für den Deutschen Orden günstig zu stimmen und zu gewinnen, daß Heinrich VII. am 11. Juli 1311 den Deutschen Orden nicht nur im Besiße aller bereits erworbenen, sondern auch aller noch zu erwerbenden Güter und Gebiete im Lande Pommern bestätigte.

,,Wir bestätigen so lauten die faiserlichen Worte *) ,,Brüdern und ihrem Drden in Ewigkeit alle Güter, Rechte und „Besikthümer, mit welchem Namen sie auch belegt werden, mit allen „Nußbarkeiten und Würden im Lande Pommern, welche sie auf dem „gefeßmäßigen Wege des Kaufs oder unter irgend einem andern „rechtlichen Erwerbungstitel schon befißen oder in Zukunft erlangen „und besigen werden. Wir verleihen den Brüdern die volle Gerichts, ,,barkeit, die Landeshoheit, das Münzrecht in der bisher üblichen ,,Weise, die volle und freie Gewalt, das Land zu beherrschen und „ðu verwalten, sowie zur Ergößlichkeit und zur Bestreitung alles Auf„,wandes das Recht auf die edlen Metalle, die Gruben und Erze ,,Ades jedoch mit Vorbehalt Unserer faiserlichen Obergewalt und welt„lichen Oberherrlichkeit.“

Der Hochmeister Carl Beffart von Trier hatte inzwischen dem Markgrafen Waldemar das ganze Kaufgeld berichtiget. Nach dem Soldiner Vergleich waren zur Abfindung der Fürsten, welche auf die Mestwinsche erblose Verlassenschaft rechtliche Ansprüche verfolgten, be: reits 5000 Mark baar ausgezahlt. Am 23. März 1311 zahlte der Großfomthur 1960 Marf, worüber der Markgraf zu Stolp quittirte. Die Zahlung des Reftes mit 3040 Marf geschah bald darauf gleichs falls zu Stolp am 26. Juni 1311 und der Markgraf Waldemar quittirte hierüber zugleich als Vormund des jüngern Marfgrafen Johann. **)

Um sich den Besiß von Pommern noch mehr sicher zu stellen, ließ fich der Hochmeister Carl Beffart von Trier von den Brandenburgischen Rittern Bernhard von Plopt, Friedrich von Alvensleben

*) Vergl. den lateinischen Tert in der Urt.-Samml. I. Nro. 8 und 9. **) Von Lancizolle Bd. I. S. 562.

unb Drosfe am Tage vor der legten Zahlung am 25. Juni 1311 in Stolp urkundlich die Zuficherung geben, daß der junge Marfgraf Johann, fobald er die mündigen Jahre erreicht, ihm eine eben solche Verfauss - Urkunde ausstellen würde, wie sie Markgraf Waldemar gegeben. Darauf endlich fertigte der Markgraf Waldemar in seinem und seines Mündels Namen am 24. Juli 1311 einen neuen Kaufbrief aus, in welchem er das an den Deutschen Ritterorden verkaufte Ländergebiet in Pommern diesem förmlich und gänzlich zu ewigem Eigenthum überwies und für ewige Zeiten allen Rechten und Ansprüchen darauf entsagte.

Nun feste Carl Beffart zur Verwaltung der folchergestalt rechtlich erworbenen Mark Danzig in der Hauptstadt Danzig einen Komthur ein. Von der amtlichen Wirksamkeit des ersten Romthurs David von Cammerstein, der sein Amt von 1311 — 1321 vers. waltete, ist uns wenig bekannt. Namentlich wissen wir nicht, was er im äußersten, bis zur Mündung der Leba reichenden westlichen Hinterlande, aus dem sich, wie wir später sehen werden, die Voigtei Lauenburg als selbstständiges Amtsgebiet herausbildete, gethan hat. Wir wissen von ihm nur und müssen ihn luben, daß er sich der Ers hebung einer påpftlichen Abgabe des Peterpfenniges mit aller Macht widerseßt hat. Der Papst Johann XXII. hatte 1320 aus Avignon dem Bischof von Cujavien den Auftrag gegeben, innerhalb der alten Grängen des Herzogthums Polen, also nach der Meinung dieses polnischen Bischofs auch in Pommern, als rechtlich (?!) zu Polen gehörig, von jeglicher Person jeglichen Standes felbft noch von der Zeit an, wo die Entrichtung unterblieben war, einen Kopfzins unter dem Namen Peters pfennig für den päpstlichen Stuhl zum Zeichen der Unterwürfig feit unter die Botmäßigkeit des Statthalters Christi auf Erden erheben zu lassen und damit in Zufunft fortzufahren, ohne irgend eine Ausnahme zu gestatten, die Widerspenstigen aber mit Anwendung firchlicher Zuchtstrafen und mit Hülfe weltlicher Macht zur Abzahlung zu zwingen. Der Romthur zu Danzig, David von Cammerstein, feste fich mit den Aebten von Oliva und Pelplin in Verbindung und erhob im Verein mit ihnen bei dem Erzbischof von Gnesen gegen die Erhebung des Peterpfennigs in seinem Amtsgebiete einen ernstlichen und entschiedenen Widerspruch; er nannte die Fordes rung des cujavischen Bischofs eine Neuerung, da felbst die ältesten Leute in Pommern von dieser Abgabe feine Runde hätten und hielt

e8 für unglaublich, daß der Papst als frommer und gerechter Seelenhirt einen Zins da einführen würde, wo er bisher nie erhoben wor: den. Er troßte allen Drobungen mit Bannflüchen und sonstigen geistlichen Strafen und zeigte in seinem Widerstande eine solche Entschlossenheit, daß der Bischof von Cujavien von der Forderung und Erhebung des Peterpfenniges in Pommern abftehen mußte.

Der Hochmeister aber Carl Beffart von Trier bemühte fich, nach Erwerbung der Marken Danzig, Dirschau und Schweß, sein Ländergebiet abzurunden und seine Macht zu erweitern. Im Anfange des Jahres 1312 faufte er von der Fürstin Gertrud, einer Tochter Sambors II. von Pomerellen, für 300 Marf die Herrschaft Pirsna mit 22 Dörfern im Karthauser und Berenter Kreise oftwärts vom Radaunen - See. Der leßte Herzog von Pomerellen Mestwin II. hatte im Jahre 1284 laut einer in Slupst ausgestellten Urkunde diese Herrschaft der Fürstin Gertrud, die er seine Schwester nennt, geschenkt und ihr das Recht verliehen, nach seinem Tode mit der ges fchenften Herrschaft ganz nach ihrem Belieben zu verfügen. - Noch in demselben Jahre faufte der Hochmeister von dem Grafen Nicolaus von Poniß dessen Erbgüter Schlochau und Brode für 250 Marf und laut einer zu Polpelin ausgefertigten Urfunde von 1312 nahm er von dem Fürsten Primifo den sehr fischreichen See Malsche südlich von Preuß. Stargard für 30 Mart unter der Bedingung als Pfand an, daß ihin der See verfiel, wenn der Pfandschilling binnen Jahresfrist nicht eingelöst wurde. In der lateinisch verfaßten Urkunde heißt Primifo ,,ein edler Herr und erlauchter Fürst, der feinen berühmten Titel als Beherrscher eines Landes oder einer Provinz führt."

Wahrscheinlich ist Primifo derselbe, den wir am Schlusse des vorigen Abschnitts unter dem Namen Pribeko oder Pribislaw und als Gemahl der einzigen ehelichen Tochter Mestwin's II. der Fürstin Ratharina von Belgard an der leba fennen gelernt haben.

Vom Leben und Walten der Fürstin Katharina in der weißen Burg (Belgrad) ist nichts auf die Nachwelt gekommen. Von ihrem Gemahl Pribefo schreibt ein Zeitgenosse: ,,Synen vatir hoch er überwant an trägheit, torheit und unwipin, Was erbes machte der besipin." (Ernft von Kirchberg bei Barthold III. 42.)

Im folgenden Jahre 1313 ließ sich der Hochmeister Carl Beffardt von Trier vom Marfgrafen Waldemar von Brandenburg, der

damals zu Stolp fich aufhielt, die westliche Gränze feines neuen Gebiets von der Ditjee und Ausmündung der Reba bis zur Braa anweisen und durch Merkmale (Steine und Bäume, Eichen *) und Buchen) feftstellen. Schon im vorigen Abschnitt haben wir den Inhalt dieser Gränzbeschreibung fennen gelernt und mit Hülfe der Karte dargethan, daß die Landschaft, welche die Voigtei, das land, den landrathsfreis Lauenburg bildet, an den Orden mit: berfauft ift. Es ist daher unbegreiflich, wie fast alle einheimifchen (Pommerichen) Schriftsteller und selbst die berühmte Staats, schrift Friedrichs des Großen von 1772, sowie der gelehrte publigiftische Schriftsteller Friedricho des Großen, Gerden, in feiner bes fannten Staatsschrift von 1774 behaupten und annehmen fönnen, daß Lauenburg dem Deutschen Diden nicht mitverkauft, vielmehr vom Markgrafen zur Stolper Landichaft vorbehalten ist. Darin stimmen zwar alle Pommerschen Geschichtsschreiber überein, daß der Deutsche Ritterorden das Gebiet von Lauenburg beseffen hat; fie schweigen aber über die Zeit und Weise der Erwerbung; fie schweigen gänzlich über die Verwaltung und Rechtspflege, über die äußere und innere Geschichte Lauenburge zur Zeit der Herrschaft der Deutschen Ritter.

Nehmen wir die Gränzbeschreibung vom 19. Dktober 1313 zur Hand und vergleichen fte mit den Generalftaabsfarten der Kreise Stolp, Lauenburg, Rummelsburg und Bütow, so finden wir den Grányzug mit leichter Mühe heraus. Die Gränge begann an dem Drte, wo die Leba in das salzige Meer fich ergießt, stieg längs der leba hinauf bis zu dem Drte, wo die Leba aus dem Leba - See ausftrömt, ging durch den Leba - See hindurch bis zu dem Drte, wo die leba in den leba-See fich ergießt, ftieg von der Herzogs - Eiche bei bei Dambin länge der leba hinauf bis zum Lachswehr bei Zezenow (clausura Ragy), welches zur Hälfte nach Stolp zur Hälfte nach Danzig fiel, von da nach Malschüß, das dem Drden verblieb, von dort jüdwestlich nach Wunneschin, das dem Drden verblieb, sodann nach Mubfow, das bei Stolp blieb, dann nach Rollodzin, das dem Drden verblieb, von dort zwischen die Dörfer Zufowfen (im Karthauser Kreise) und Studionte (einem Vorwerfe von Pomeisfe im

*) 3. B. quercus ducis die Herzog8 - Eiche an der Ausmündung des Lebas Fluffes in den leba - See beim Orte Dambin. Bergl, den Kaufbrief zu Stolp bom 12. Suni 1310 in der Urt. Samml. I. Nro. 7.

« ZurückWeiter »