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verträge. So oft es sein Vortheil gebot, brachy er die feierlich beschworenen Friedensschlüffe und überzog den Drden mit Krieg. Der leßte Friede wurde durch Vermittelung des päpstlichen Legaten Gerhard 1253 geschlossen und nicht gebrochen.

Nicht blos mit den heidnischen Preußen und den Kreuzherren auch mit den Herzögen von Cujavien und Masovien sowie mit den Fürsten von Slavien und Cassubien führte Suantopolf Kriege, vers schaffte sich einen gefürchteten Namen und eine achtunggebietende Stellung und erweiterte seine Herrschaft, so daß unter seiner Regierung das von ihm beherrschte Weichselland Pommern den weitesten Umfang einnahm. Er starb am 11. Januar 1266 in hobem Alter von eis nigen neunzig Jahren und liegt in Oliva neben seinen Ahnherren begraben.

Er hinterließ zwei Brüder Sambor und Ratibor, eine verheis rathete Tochter, Elisabeth Euphemia, Gemalin des Fürsten Jaromac von Rügen und zwei Söhne Mistwin II. und Wratislaw II.

Nach einer alten Chronif fod Suantopolt auch eine Schwester oder eine Tochter Margaretha (Ingard), die an den dänischen Prinzen Christoph seit 1252 König Christoph I. oder Christoffer I. von Dänemark – verheirathet war. Nach den neuen Forschur.gen und Stammtafeln des Professor Hirsch und des Pastors Duundt war Margaretha eine Tochter Sambors II., alio feine Schwester, auch keine Tochter, sondern eine Nichte des großen Suantopolt. Diese Margaretha haufte auf der weißen Burg, dem Schlosse zu Belo gard an der Leba und in der Umgegend. Sie liebte leidenschaftlich die Jagd. Während Suantopolf mit den Herzögen von Cujavien und Masowien, mit den heidnischen Preußen und den Kreuzrittern heftige Kriege führte, und' den Feinden seines landes Furcht und Schreden einjagte, da iagten Margaretha und ihr Dheim Ratibor im Gebiete der weißen Burg -- so heißt verdeutscht Belgrod oder Belgard - die Hafen und Rehe; an dem Abhange der Höhenzüge der Leba nach dem lebabruch bei Crampe hatte fie ihr Jagdschloß, das noch heute an der Umwallung fennbar, und belustigte sich mit der Jagd in den Dünen. Wegen ihrer Lieblingsbeschäftigung hieß Margaretha nach dem Zeugniß der polnischen Schriftsteller „die schwarze Jägerin“ und nach den dänischen Berichten „die rossetummelnde Mars gareth“, auch „Margaretha Sprenghengst“. Nach einer alten Sage, die durch mündliche Ueberlieferung fortgepflangt ist, iagt noch bis auf

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diese Stunde in nächtlicher Weile auf Föhrens Haiden die „pomerellische schwarze Jägerin“ und ihr nach in den weißflüchtigen Dünen, den Wolfäden der Heimath ihr Gefolge, der wendische und Deutsche Adel im Gebiete der weißen Burg, die Enkel und Urenkel der ,,rossetummelnden Margareth". Unseren Dünen ist jedes Andenken an jene fühne Jägerin verschwunden; nur im Simelbach, der aus den Wällen von Margarethe Jagdschloß bei Grampe quillt und über geglättete Steine zum Lebaftrome riefelt und rollt, hört man in der Mitternachtsstunde des ihr geweihten Tages ein kläglich Wimmern

wo flagend fleht um Ruhe die ,,rossetummelnde Margareth!"

7. Mift wi oder M eftwin II. von 1266 - 1295. Noch zu Lebzeiten seines Vaters hatte er durch eine Urfunde vom 20. September 1264 sein land Schweß, das er eigenthümlich besaß, und alle Länder, die ihm nach seines Vaters und seines Bruders Tode noch zufallen würden, seinem Vetter Barnim I., Beherrscher von ganz Slavien zugesichert und ihn für den Fall seines finderlosen Ablebens zur Erbfolge berufen. Mit seinem Bruder Wartislaw, dem in der Theilung die Mark Danzig zufiel, gerieth er in Streit und Krieg. Bald wurde er gefangen, bald feßte er seinen Bruder gefangen; nach vielen Rämpfen blieb er Sieger; der besiegte Bruder floh nach Masovien und starb 1375 in der Verbannung. Von nun an herrschte Mestwin allein auch über unsere lande und nannte sich, wie sein Vater, Herzog von ganz Pommern*). Aus seiner Besißzeit find noch Verschreibungen über adlige Güter im Lande Lauenburg vorhanden **).

Als Meftwin noch mit seinem Bruder in Fehde lebte, rief er die Marfgrafen zu Brandenburg um Hülfe und begab fich 1269 mit feinen Erbländern in ihre Lehnshoheit. Im Jahre 1273 nahm er auch die landschaften Stolp und Schlawe von ihnen als Lehn an.

Die landschaft Schlawe mit Rügenwalde war einer Schwester Meftwins Elisabeth bei ihrer Verheirathung mit dem Fürsten Jaromar von Rügen 1270 als Brautschaf verliehen und 1277 von ihrem Sohne Miklaff II. an die Markgrafen zu Brandenburg für 3000 Marf Silber verfauft worden. Mestwin behielt jedoch bis an

*) Vergleiche die Verschreibung über Vitomin und Quarsna in der U.-S. II. F. Nr. 5.

***) Bergleiche die Bersdreibungen in der U.-S. II. F, Nr 1, 2, 3, 4 und 5.

seinen Tode die landschaft Schlawe als Landesherr im Befis und hatte deshalb vielen Hader mit dem Markgrafen.

Nach dem Tode seiner Vaterbrüder Sambor, Fürst zu Lübschau (+ 1278) und Ratibor Herzog zu Belgard an der Leba (+ 1275), die den Deutschen Ritterorden zu ihren Erben eingeseßt hatten, verglich fic Mestwin Il. 1283 mit den Kreuzherren und gab ihnen die Burg Mewe mit 15 Dörfern. Seit dieser Zeit faßte der Deutsche Orden festen Fuß in Pommern und erweiterte in der Folge seine Herrschaft bedeutend.

Mestwin II. hatte feine Söhne. Die Großen des Landes for: derten von ihm einen Nachfolger; sie verschmähten den ihnen vorges schlagenen Herzog Barnim II. von Slarien (Westpommern), weil dieser in seinem Lande die Deutschen bei Verleihung von Aemtern und Würden bevorzugt und die einheimischen Wenden unterdrüdt, weshalb die Besorgniß vorlag, daß er wenn er zur Herrschaft ges langte, in Pomerellen ebenfalls die eingeborenen Wenden zurüdseßen würde. Auf Anstiften des mächtigen Woiwoden von Danzig, Peter Suenza versammelten sich 1289 die Großen des Landes in Belgard, einer jeßt verfallenen Burg unweit Lauenburg, und beschlossen, nur einen solchen Fürsten als Nachfolger anzunehmen, der ihre alten Freiheiten und Gerechtsame, ihre Wendische Sprache, Sitte, Gewohnheit und lebensart achten und sich als ein Freund der Wenden bewähren würde. Als solcher wurde der Herzog Þrzimislaw von Polen vorgeschlagen und angenommen. Im Jahre 1290 noch zu Lebzeiten Mestwins erfolgte in Danzig die Huldigung. Fünf Jahre später 1293 am 1. Juli starb Mestwin 11. und mit ihm starb fein Geschlecht aus. Das von ihm beherrschte Herzogthum Pommern (Pomerellen) ging als ein felbftftändiges Land unter und wurde eine Beute der Nach: baren. Die Chronif von Dliva schreibt die Erblosigfeit des leßten Herzogs von Pomerellen der göttlichen Strafe zu, weil er eine Klofterjungfrau Folfa aus dem Kloster zu Stolpe entführt und ohne priesterlichen Segen geheirathet habe. Aus dieser wilden Che stammte eine Tochter Margarethe, welche sich mit dem Fürsten von Rügen Miklaw III. vermählte. Aus seiner ersten gesepmäßigen Ehe mit Eus phrofine hatte Meftwin II. eine Tochter Catharina, die sich mit dem wendischen Fürften Pribefo (oder Pribislaw, Primifo) aus Cafsubien zu Belgard an der Persante, einem Sohn des Medlenburgischen Für. sten Primislaw von Parchim vermählte, das Herzogthum Belgard

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an der Leba 1291 zum Brautschaß erhielt und 1215 ohne Nachfommen ftarb *).

Das Jahr 1295 war auch für das Herzogthum Slavien oder Weft-Pommern verhängnißvoll. Barnim Il. starb und sein Land wurde unter seine Söhne Dtto und Bogislaw getheilt. Otto I. erhielt das Herzogthum Stettin und Bogislaw IV, das Herzogthum Wolgaft. Das erstere dauerte bis 1464, wo Otto III. starb und mit ihm die Stettinische Linie erlosch. Das andere wurde 1372 getheilt in das fand diefseits und in das Land jenseits der Swine. Das land jenseits der Swine wurde nach dem Tode Erichs I. 1459 nochmals getheilt in das Herzogthum Pommern - Stargard von der Swine bis zum Gollenberg und das Herzogthum Pommern-Stolp vom Gollenberg bis zur Leba.

Das von Miftwin II. beherrschte Herzogthum Pommern-Dansig oder gemeinhin Pomerellen genannt, trug das Gepräge eines í lavischen Staates; die Sprache des Hofes, des Adels und der Landbevölkerung war die polnische (wendisch - cafsubische). Doch Reime Deutscher Bildung wurden durch die von Deutschen bewohnte Hauptstadt des Landes Danzig, sowie durch die von deutscher Geistlich feit gegründeten Abteien zu Dliva und Pelplin (Popelin) und die Riöfter zu Zudau, Zarnowiß und Budow gepflegt**).

In unsern Landen Lauenburg und Bütow waren dergleichen geistliche Stiftungen nicht vorhanden. Auch finden wir bereits Deutsche Einzüglinge zu dieser Zeit, die fich zwar vorzugsweise auf den Ländereien dieser geiftlichen Befißungen, mitunter aber auch auf weltlichem Boden ansiedelten und denen ihre Ländereien zu Deutschem Rechte (jure theutonicali) verliehen wurden ***). Doch bald follte es anders und besser werden. In dem angränzenden Preußen hatte der Deutsche

*) Vergleiche Quand, Dftpommern, seine Fürsten und fürstliche Landesthei. lungen. Baltische Studien. Jahrgang 16. Heft 1., Seite 110 unter Note 38., ferner Heft 2. (Stettin 1857) Seite 63, 64, 66, 67, Note 221. und Note 222.

**) Vergleiche Pomerellische Studien von Dr. Theodor Firsd zu Danzig. I. Das Kloster Zuđau im 13. und 14. Jahrhundert. Königsberg 1853.

***) In der Bestätigungs- und Schenkungs-Urkunde, die der Herzog Swantepolt im Jahre 1220 für das Nonnen-Kloster zu Sucow ausfertigte heißt es:

Nos Swantepolus, Dei gratia Dux terrae Pomeraniae etc. Concedimus in Sukow ad lumen ecclesiae liberum forum cum tabernis et aliis utili

Ritterorden einen nenen Staat gegründet und dort eine Stätte Deutscher Sitte, Sprache und Bildung mit dem Schwerte erkämpft; er war von der Vorsehung bestimmt, auch unsern Landen ein neuer Hort und Pfleger für Recht und Gefeß, für Handel und Wandel, für geistige Wohlfahrt und Landesfultur zu werden. Am Schlusse der Herrschaft der einheimischen Herzoge finden wir nicht, daß in unsern landen irs gend eine Kirche bestanden hat und bald sehen wir deren viele erstehen. Doch ehe es dazu fam, mußten unsere lande noch eine schwere Prüfungszeit bestehen; denn gar viele Fürften waren lüstern nach dem herrenlos gewordenen Gute und nur das Schwert fonnte über den Besiß entscheiden, wie wir in folgendem Abschnitt sehen werden.

Von der Landes-Verfassung und Rechtspflege des Herzogthums Pomerellen ist nur wenig befannt. Das Land war in gewisse Ber: waltungs- oder Amtsbezirke, die Castellaneien hießen, eingetheilt. Die vornehmsten Castellaneien waren Danzig, Dirson, (Dirschau) Lynbes fow, (Lübschau) Schweß, Tauchel, Nafel, Stargard, (Stargrod) Chmeln, (Ramellen, Mirchau) Belgard, Stolp und Schlawe. Bütow gehörte zur Castellanei Stolp. Dort herrschte als oberster Beamter ein Pala: tin oder Woiwobe, ihm folgte als zweiter Beamter im Range der Raftellan oder Burggraf, zugleich Landrichter. Dann famen der Schent (pincerna) der Unterschent (subpincerna); der Drost oder Truchfeß (dapifer), der Untertruchseß (subdapifer); der Kämmerer (camerarius), der Unterfämmerer (subcamerarius potcomor, putkumur, Putfamer), der Treßler (the saurarius), der Fenner (Fähndrich, Fahnenträger, signifer, vexillifer) u. a. m. In der Landschaft, welche zur Zeit der Kreuzherren das Gebiet von Lewinburg (Lauenburg) bils dete, lag die Caftellanei Belgard an der Leba, welche häufig zur Auss stattung der Prinzen und Prinzessinnen diente. Zuerst erfahren wir, daß nach Šubislaws I. Tod 1178 der zweite Sohn Mestwin I. das Schloß und Gebiet von Belgrad zum Unterhalt angewiesen erhielt. Nach Mestwing I. Tode 1220 fiel bei der väterlichen Erbtheilung

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tatibus, et civitatem si construere possunt, eam iure Teutonico et omnes villas locare eodem jure teutonico, quas claustrum possidet, et nullus judex noster, ut supra dictum est, iudicabit. Damus insuper iu eorum haereditatibus omnes utilitates, quas habere possunt in terra, et sub terra praeter aurum et argentum, de quo sine labore quartum partem accipient.

Vergl. Preuß. Lieferung Bb. I. S. 352.

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