Schleiermachers Reden über die Religion

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F.A. Perthes, 1888 - 333 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 109 - Ihn durchdrang der hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum seine einzige und ewige Liebe ; in heiliger Unschuld und tiefer Demuth spiegelte er sich in der ewigen Welt und sah zu, wie auch er ihr liebenswürdigster Spiegel war...
Seite 311 - Herrlicher, erhabener, der erwachsenen Menschheit würdiger, tiefer einbringend in den Geist der systematischen Religion, weiter sich verbreitend über das ganze Universum ist die ursprüngliche Anschauung deS Christenthums. Sie ist keine andere, als die des allgemeinen Entgegenstrebens alles Endlichen gegen die Einheit des Ganzen, und der Art, wie die Gottheit dieses Entgegenstreben behandelt...
Seite 311 - Iehova mit seinem Volk als beendigt angesehen. Die politische Verbindung, welche an sie geknüpft war, schleppte noch länger ein sieches Dasein, und ihr äußeres hat sich noch »«weit später erhalten; die unangenehme Erscheinung einer mechanischen Bewegung, nachdem Leben und Geist längst gewichen ist. Herrlicher, erhabener, der erwachsenen Menschheit würdiger, tiefer eindringend in den Geist der systematischen Religion, weiter sich verbreitend über das ganze Universum ist die ursprüngliche...
Seite 110 - Beispiel, das ihr alle kennen solltet . . . , auf den zu früh entschlafenen göttlichen Jüngling, dem alles Kunst ward, was sein Geist berührte, seine ganze Weltbetrachtung unmittelbar zu einem großen Gedicht, den ihr, wiewohl er kaum mehr als die ersten Laute wirklich ausgesprochen hat, den reichsten Dichtern beigesellen müßt, jenen seltenen, die ebenso tiefsinnig sind als klar und lebendig.
Seite 314 - Nirgends ist die Religion so vollkommen idealisiert als im Christentum und durch die ursprüngliche Voraussetzung desselben; und eben damit zugleich ist immerwährendes Polemisieren gegen alles Wirkliche in der Religion als eine Aufgabe hingestellt, der nie völlig Genüge geleistet werden kann.
Seite 268 - Je mehr sich jeder dem Universum nähert, je mehr sich jeder dem Andern mittheilt, desto vollkommener werden sie Eins, keiner hat ein Bewußtsein für sich, jeder hat zugleich das des Andern, sie sind nicht mehr nur Menschen, sondern auch Menschheit, und aus sich selbst herausgehend, über sich selbst triumphirend, sind sie auf dem Wege zur wahren Unsterblichkeit und Ewigkeit.
Seite 260 - Ratsspruch bis ans Ende, oder bis ich es erlebe, sie wirklich zertrümmert zu sehen — , hinweg mit Allem, was einer geschlossenen Verbindung der Laien und Priester unter sich oder miteinander auch nur ähnlich sieht!
Seite 103 - Wirkung ; fondern die Betrachtung des Frommen ist nur das unmittelbare Bewußtsein von dem allgemeinen Sein alles Endlichen im Unendlichen und durch das Unendliche, alles Zeitlichen im Ewigen und durch das Ewige.
Seite 72 - Religion war der mütterliche Leib, in dessen heiligem Dunkel mein junges Leben genährt und auf die ihm noch verschlossene Welt vorbereitet wurde, in ihr atmete mein Geist, ehe er noch seine äußeren Gegenstände, Erfahrung und Wissenschaft gefunden hatte.
Seite 152 - Umsonst ist alles für denjenigen da, der sich selbst allein stellt; denn, um die Welt anzuschauen und um Religion zu haben, muß der Mensch erst die Menschheit gefunden haben, und er findet sie nur in Liebe und durch Liebe.

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