Die ethischen deutschen sagen: aus dem munde des volks und der dichter hrsg

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F. A. Gall, 1857 - 236 Seiten
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Seite 190 - Er rafft sich auf durch Wald und Feld, Und flieht, laut heulend Weh und Ach. Doch durch die ganze weite Welt Rauscht bellend ihm die Hölle nach, Bei Tag tief durch der Erde Klüfte, Um Mitternacht hoch durch die Lüfte. Im Nacken bleibt sein Antlitz stchn, So rasch die Flucht ihn vorwärts reißt.
Seite 182 - Sein Hengst erhob sich wiehernd vorn ; Laut rasselnd stürzt' ihm nach der Troß; Laut klifft' und klafft' es, frei vom Koppel, Durch Korn und Dorn, durch Heid und Stoppel. Vom Strahl der Sonntagsfrühe war Des hohen Domes Kuppel blank. Zum Hochamt rufte dumpf und klar Der Glocken ernster Feierklang. Fern tönten lieblich die Gesänge Der andachtsvollen Christenmenge.
Seite 4 - Enkel, fest ist mein Vertrauen; Wenn's dem lieben Gott gefällt, Kann er uns die Mauer bauen; Was er will, ist wohl bestellt." Trommeln romdidom rings prasseln, Die Trompeten schmettern drein, Rosse wiehern, Wagen rasseln, Ach, nun bricht der Feind herein. „Eine Mauer um uns baue", Singt das fromme Mütterlein.
Seite 187 - Laß ab, laß ab von dieser Spur! Entweihe Gottes Freistatt nicht! Zum Himmel ächzt die Kreatur Und heischt von Gott dein Strafgericht. Zum letzten Male laß dich warnen, Sonst wird Verderben dich umgarnen!
Seite 232 - Er hört das Wort, es überläuft ihn kalt. Er nennet nun den Abt und nennt das Jahr: Man nimmt das alte Klosterbuch zur Hand; Da wird ein großes Gotteswunder klar: Er ist's, der drei Jahrhunderte verschwand.
Seite 188 - Verderben hin, Verderben her! Das", ruft er, „macht mir wenig Graus. Und wenn's im dritten Himmel wär', so acht' ich's keine Fledermaus. Mag's Gott und dich, du Narr, verdrießen, so will ich meine Lust doch büßen!
Seite 231 - Ha, welche Lösung ! Plötzlich graut sein Haar, Er sinkt dahin und ist dem Tod geweiht, Und sterbend mahnt er seiner Brüder Schar : » Gott ist erhaben über Ort und Zeit ! Was er verhüllt, macht nur ein Wunder klar ! Drum grübelt nicht, denkt meinem Schicksal nach ! Ich weilj : ihm ist ein Tag wie tausend Jahr', Und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag...
Seite 123 - Eins noch bitt ich,« - singt er, »lasset mich zur Heil'gen noch hinein!« Man gewährt ihm; vor dem Bilde geigt er abermals sein Leid und er rührt die Himmlischmilde: horch! melodisch rauscht ihr Kleid! Lächelnd bückt das Bild sich nieder aus der lebenlosen Ruh, wirft dem armen Sohn der Lieder hin den zweiten goldnen Schuh. Voll Erstaunen steht die Menge, und es sieht nun jeder Christ, wie der Mann der Volksgesänge selbst der Heil'gen teuer ist.
Seite vii - Nie wird die Sage das Laster beschönigen, die Tugend verhöhnen, nie den Gottesleugner und Gotteslästerer, den Dränger und Mörder der Unschuld, den Frevler am Heiligen straflos ausgehen lassen: sie übt ein unerbittlich strenges, obschon gerechtes Richteramt. Sie beschönigt nicht, sie vertuscht nicht, sie nennt nicht weiß, was schwarz ist.
Seite 187 - Dem Mordgewühl entrafft sich kaum Das Wild mit immer schwächerm Lauf. Mit Blut besprengt, bedeckt mit Schaum Nimmt jetzt des Waldes Nacht es auf. Tief birgt sich's in des Waldes Mitte, In eines Klausners Gotteshütte.

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