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Der Salvator antwurt Simon und spricht. Simon, dn solt diner bit geweret sin von mir und ouch den' jungern min, ich will dir das nit schlachen ab,

ein wolgefallen ich dar an hab.

35

Simon gat wider heim zebereiten den tisch und spricht zû sinem knecht
Matusalem und git im da mit gelt.

Matusalem, beit nit lange wil,
louf hin uss mit schneller ÿl,
bring uns brot und braten visch.

40

lig das bereitet werd der tisch,

wan2 Jhesus kümpt nach miner begir
zenåmen das nachtmal hie mit mir.

dar umb soltu nach spisse keren,

das im geschech nach allen eren.

45.

(I., 3.) Nu gat Matusalem und reicht an eim geordneten end brot und visch und am wider umb her gan gat er für Maria Magdalena; so sy in ersicht, so ruft sy in und spricht.

Matusalem, kům in her und trind mit mir,

wan ich hab etwas zereden mit dir.

ich muss dich allerley hie fragen,

wiltu mir anders die warheit sagen.

50

1 'der.

wa will din her spacieren hin?
das sag mir lieber jungling min,
het er gest, die frölich find?
das sag mir hie und bis geschwind,
so will ich ouch nit lenger beliben,
sunder kurgwil mit in triben.

Dar uff antwurt Matusalem und spricht.
Frów, die warheit ich ich verkünd
der man, der aller menschen sünd
hin nimpt und spricht, er sye gott,
wil mit im essen [an 3] allen spott.

2 wann, kommt mit und ohne Verdoppelung vor.

55

60

3 Fehlt.

der selb ist nit für uch ein man,
wan er nit schimpflichs triben kan,
dar umb ich ich in truwen raten wil,
ir tribent hie der fråden spil,1
úch fåchti den insünders an, 2

das ir gern sehend den selben man,
ob ir ouch guttes von im lertent

und ich von üwern fünden kertent.

65

(I., 4.) Mit dissem gat Matusalem enweg und stost Magdalena das spil von ir und ficzt also erschrockenlich stil, als ob sy ir förcht. und stat aber Simon uff und gat zû dem Salvator und spricht.

3

Herr, das mal ist ganz bereit,

kům, nim das von mir an leit,
wan dir zü eren ist es geschehen,

das darf ich uff min truwe jehen.

70

(I., 5.) Nu stat der Salvator uff mit finen jungern und mit Simon und seht sich zu tisch. und koment zû dissem mal all pharisei und so sy also siczent, stost Maria Magdalena daz spil fråvenlich von ir und wüst uff und spricht.

Tünd dannen alle fråd und spil,

die welt mir gang erleiden wil.

gand hin ir jüngling bald von mir, Fol. 5. 75

nach dem propheten stat min begir.

das darf ich reden by miner trum,
in mir ist ieg ein grosse růw.

mag er den menschen ir sind vergeben,
so wil ich nit lenger der welte leben
und suchen den brunnen aller gnad,
ob ich kem uff den rechten pfad
und miner krankhait möcht genessen,
wan ich bin lang ein sünderin gewessen.

3 mall. ann.

1

2 spill.

3

4

80

4genåsen. 5 sünder. Das Feminin ergibt

sich aus 186. 242. aber 316 steht das Masculin, und kann nicht geän

dert werden.

möcht ich dan hie uff disser erden
zu einer såligen ruwerin werden,
so wer es ein kleini sach getan1
der welte fröd und wollust lan.
woluff ir megt und gand mit mir,
aromata wellent foufen wir,
damit ich in geeren mag.

min grosse sünd ich trüwlich flag.

85

90

Nu stat Vesse uff mit finen gesellen und gat hin weg. demnach stat Maria Magdalena uff und gat mit iren junckfrowen zu der appenteck, und

so sy der appentecker ersicht, spricht er zu ir.

Frów Magdalen, was bietent ir,
das ir so trurig foment zu mir?

ir sind nit frölich als ander zit,
was ich 2 joch an dem hergen lit,
sagend mir das durch ûwer er,
ich gib úch dar zů rat und ler,
ob ich ich anders gehelfen mag.

in truwen ich das tún und sag.

Daruff antwurt Magdalena dem appentecker und spricht.

3

Mir ist verzog uff disser stund

ein argat, der macht all siechen gesund,

den will ich suchen an argen list,

wan mir hie zů gevallen ist

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95

200

5

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1

2 getann. ich. 3 wol für erzögt, siehe 374. 4 Das alte z ist in dieser Mundart schon reines s.

5 nitt.

Uff das antwurt der appentecker Magdalenen und spricht.
Frow, mir ist uwer kranckheit leit,

das sy ich hie in truwen geseit.

1

ich frów mich ouch von ganzem hergen,
das ir von uwerm we und schmergen
von einem argat uff disfer erden
genglich mögent enbunden werden.
und wil ich geben kostlich salben,
man findt die nit besser allenthalben
in tütschem oder in wälschem land
vier pfund drú hundert guldin gestand.
ob ir die salben haben wend,

so gib ich úch si vast behend.

es ist dar in 2 vil balsams gut,

der stercket dem argat sinen müt.

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15

20

!

25

Dar uff antwurt Maria Magdalena und wirft da mit das gelt und spricht

zù im.

Ja ich wil die falbe han.

und da nit under wegen lan.

gib mir ein pfund und se das gelt,

wie ich das vor hin han bestelt,

30

wan ich mag lenger nit hie sin,

ee das der argat var da hin.

Nu tüt der appentecker salb ira in die büchsen, bút ir die und spricht.

Nú send, das úwer gott müff pflegen,

sid das ir ich des hand verwegen,

so hand ir hie ein völligs pfund.

das sy ich in der warhait kund,

35

ein tropf schmeckt durch ein ganzes hus. Fol. 6.
hiemit sy úwer truren uss.

1 enpfunden. 2 dar umb, corrigirt ymb. Mone, Schauspiele. II.

3 hann.

13

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?

(I., 6.) Hie mit kert sich Maria Magdalena von dem appentecker und

gat allein mit der falb in Symons hus und seßt sich hinder den
Salvator, weint im uber fine füß, trucknet die mit dem har, küft die
und falbet die uff der büchsen. So daz Simon ersicht, tût er in im
selbs sålezam und spricht, als ob er mit im selber rette.

Wåre diser ein rechter prophet,
als man von im saget het,
so wüste er billich zu disser frist,
das dise from ein sünderin ist,
die im sin füsse råret an.1

sy hat fast vil der sund getan.

uff söllichs winckt der Salvator Simon und spricht zu im.
Simon, gang bald har zu mir,

wan ich han etwas zereden mit dir.

Simon gat hie mit gegen dem Salvator und spricht.
So sag an lieber meister min,

es sol on alles übel fin.

40

45

Dar uff antwurt aber der Salvator und fraget Simon und spricht.

Es warent zwen schuldig einem man,

der inen dan hat früntlich getan,

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50

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2

3

1 ann, so auch 259. gut. wiser, fiehe 1173·

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