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scultetis, ministris, advocatis et a consulibus et a talibus, qui pro tunc et nunc regnant et dominantur in hac misera peregrinatione hujus miserrimi seculi, et aestimant, se ipsos fore sapientes, sed sunt insipientes, quia non intelligunt, quod ipsi taliter incidunt perpetuam damnationem. sed ipsi potentes excusant se ipsos coram subditis eorum, dicendo, quia nocent ipsi nobis hic transeuntes tanquam canes et vinculati: ecce ipsi dant nobis in tanto tempore centum vel ducentos aureos, et eo melius possumus aedificare et construere oppidum et civitatem nostram«, et hujusmodi necessitates et consilia. Tunc tales volunt adulare divitibus et potentibus, ut praesenti anno etiam intrent consilium et etiam fiant membra potentium seu regnantium. et respondent illi: »vere domine, bene dicitis.« et vult eum ita placare verbis. Sed ipsi divites et potentes minime curant, quod vicini eorum, scilicet communitas, oppidani vel villani hoc tantum dant scilicet usuram et rapinam, et timendum est de talibus, qui talia faciunt, quod nunquam fiant salvati, quia ipsi ignorare volunt deum et fidem Christi et sustentant tales inimicos nostrae fidei insidiantes, sed libentius accipiunt propinas schmochales, hellküchlin, et hujusmodi ab iniquissimis scilicet Judaeis, et suppeditant (1. supplantant) fidem Christi Ihesu et damnationis sententiam incurrere volunt, scilicet horribilem vocem justi judicis, cum eis dicitur: ite maledicti in ignem aeternum etc.

Nicht nur bezieht sich diese Stelle auf den jüngsten Tag, sondern auch die propinae schmochales, d. i. die Schmustrinkgelder, die Höllenkuchen genannt werden, auf des Teufels Gastmal, das in obigem Schauspiele vorkommt (S. 26). Die Predigt war also in diesen Zügen den Gedanken des Schauspieles nicht fremd, und dennoch konnte dieses, seiner Anlage wegen, den Zweck der Prediger nicht aufnehmen.

In dem Frankfurter Stücke kommen die meisten Judennamen aus dem Mittelalter vor. Ich halte dieses für örtliche Zusäge, da es in Frankfurt wie in den Rheinstädten verhält

nißmäßig viele Juden gab. Die Juden am Oberrhein haben die Ueberlieferung, welche geschichtlich wahr ist, daß sie in Teutschland zuerst in den Städten Schum sich niedergelassen, d. i. Sch- Speier, U-Worms, M-Mainz, womit auch ihre Denkmäler überein stimmen, denn in Speier ist ein Judengrabstein aus dem eilsten Jahrhundert. Die Namen der Juden in dem Frankfurter Spiele sind: Bandir (bei Jubinal 2, 196 heißt er Baudin), Lieberman, Syzefynt (Süßkind), Kalman, Mannes, Salman, Kyrsan, Lauwendin, Gumbrah, Joselin, Machan, Sander (Alexander), Selegman, Sanuwel (Samuel), Michilman, Seckli (Isak). Einige derselben dauern noch als Geschlechtsnamen fort, woraus man sieht, daß sie nicht erfunden, sondern aus der Wirklichkeit genommen find. Das bestätigen auch Urkunden von Speier aus den Jahren 1341 und 1344, worin die Judennamen Meier, Johelin, Jekelin (Deminutiv von Jakob), Lewe und Gumpreht vorkommen, die zum Theil mit obigen übereinstimmen und nebenbei anzeigen, daß Schauspiele mit solchen Namen in den Anfang des vierzehnten Jahrhunderts zurückgehen fönnen.

Hier folgt nun der Tert des Beichtspiegels.

Ich gib mich schuldik unserm herren und meiner frauwen sent Marien und allen gotes heiligen und eu priester an gotis stat, daz ich gesundet han mit willen, mit gedanken, mit worten und mit werken, mit neid und mit hazs, mit uber essen, mit uber trinken, mit liegen und mit trigen, mit hoffart, mit geitikhait. an den zehen boten unsers herren, an meiner veir, an meiner vasten. daz ich got nie liep gewan, az ich zereht solt, und meinen ebencristen nie az liep han gehabt, az mich selber.

Ich gib mich schuldik, daz ich vater und muter nie han liep gehabt und nie geert han, az ich zereht solt, ir nie gedaht han gen got und hinz got, und aller der, die mir empfolhen sein von der heiligen cristenhait, und aller der, di

mir oder meinem orden ie kain gut haben getan mit worten oder mit werken, si sein lebendik oder tot. der hon ich nie gedoht ein meiner andaht mit vasten, mit gebet, und mit allen guten dingen, az ich zereht solt.

Ich gib mich schuldik, daz ich daz almusen nit verbet, az ich zereht solt. Ich gib mich schuldik, daz ich gesundet hon an den aht heilikhait, daz ich mich dor an niht behalten hon und niht vol broht hon, az ich zereht solt. Ich gib mich schuldik, daz ich gesundet hon an den siben goben dez heiligen gaistes, daz ich mich dor an niht geubet hon und behalten, und di niht enphangen hon, und der got niht gedanket hon, az ich zereht solt.

Ich gib mich sculdik, daz ich gesundet hon an den schs werken der parmherzikhait, daz ich mich dor an niht geubet hon, az ich zereht solt, daz ich mich nie erbarmet hon uber arme leut. Ich gib mich sculdik, daz ich di durstigen und di hungerigen nie getrenket und geeft hon, az ich zereht solt. Ich gib mich schuldik, daz ich di nakkenden nie geclaidet hon, az ich zereht solt. Ich gib mich schuldik, daz ich die gevangen nie gesehen und geletiget hon, az ich ze reht solt. Ich gib mich schuldik, daz ich die ellenden nie beherwergt. hon, az ich zereht solt. Ich gib mich sculdik, daz ich di toten niht begraben hon, az ich zereht solt. Ich gib mich schuldik, daz ich di sichen und di armen und di betrubeten nie getrost hon mit worten und mit werken und mit ainem guten willen, und ir leiden und ir ungemach nie ze herzen ist gegangen, az ich zereht solt haben geton. Ich gib mich schuldik, daß ich gesundet hon mit meinen funf sinnen: mit meinen augen dikke und ofht mit gelust und mit begirde hon gesehen schoneu dink diser werlt, nu den sconen, wolgestalten menschen, nu sein geberd, nu seineu wort, nu sein wandel, nu die schonen claider, nu daz silber, nu daz golt, nu di gezird und alle ordenunge diser werlt. und als daz schones auf erden ist, daz hon ich gesehen und begert mit gelust meiner leipleichen sinne

und niht noch den sinnen gaistleichen meiner sel. wan an der schon und an der gezird und bei der edelkait der creatur wolt ich nie bekennen got meinen scheppher, sunder nur daz bekant ich, daz do mir wol tet ein den augen und zergenklich was unt nit ebik. 20.

Ich gib mich schuldik, daz ich gesundet hon mit meinen oren. ich hon gerne gehort und mit gelust fingen und sagen von mangerhand, daz diseu valsche werlt treibet, daz do zergenclich ist, daz upikk ist, daz verlozen ist, daz wider got ist, daz mich und ander menschen raizet und bringet und naiget zen untugenden, zesunden; do von ergerung kunt und boseu bildunge, do von zerstort und zeniht wirt heiliges, gotliches leben und gaistlichen zuht 2.

Ich hon gesundet mit meiner nasen und mit meinem munde, daz ich ofht und dikk mit gelust uber di notdurfht hon gesmekt und kort gut edeleu speis, suses edeles trinken, suseu speis, edeleu speis von edelen wrzen, von effen, von trinken. wild und zam daz hon ich als genuzt und enphangen mit geluft und mit begird uber leipleich notdurfht, niht got zelob und ze eren genuzt hon, az ich zereht solt. 2.

Ich gib mich schuldik, daz ich gesundet hon mit meinen henden, mit meinen fuzen und mit allem meinem leib. ich bin dikke mit meinen fuzen do hin gegangen, do ich west kurzeweil vinden, verlosenlichen singen und sagen, daz wider got waz, daz mich und ander menschen naigoht und broht. und do waz zit verlisen, do man der werlt dint und niht got. œ. die sicut scis.

Ich hon dikk und ofht mit meinen henden gesundet, daz ich genummen hon, daz mein niht enwaz. c. dic. mit geitikhait und mit unreht ein genumen und behalten und aus geben, daz wider got was und mit schaden meins nehsten. c. dic ut scis.

Ich hon dikk mein hend do hin erboten und gegriffen, daz niht gut waz, daz wider di notdurfht waz. zc. dic sicut scis. Ich gib mich schuldik, daz ich gesundet hon an unsers

Mone, Schauspiele. II.

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herren dinst. ich hon mein zit difk verzert unnuzlichen mit der werlt und mit den menschen. ich hon got und meiner sel ofht und diff ab gebrochen durch des menschen willen, mit vasten, mit gebet, mit corsam, mit andaht, und hon meinem leib und den menschen mer zu geleit und meiner zeit und stund und weil mer geben, danne deu notdurfht waz, und daz wider got waz.

Ich gib mich schuldik, daz ich der heiligen cristenhait und meinem orden, meiner maisterschafht nie korsam bin gewensen an gotes stat, az ich zereht solt: wo ich si versmeht hon, ubellichen an gevarn hon, in noch gereit hon, unert hon, ungehorsam gewesen bin. des gib ich mich schuldik. zc, dit sicut scis.

Ich hon gesundet mit ungedult, daz ich armut, sichtum, leiden, korsam, ubel effen, ubel trinken, wirs geligen niht gedultikcleichen und frolichen und gerne leid. x. dic. daz ich meinen willen ein gotes willen nie gab, az ich zereht tun solt, daz ich mir und meinen freunden alle zit mer beger und wnsche leipleicher dinge, zergenklicher dinge, den sei di notdurfht. daz ich got seins todes und seiner marter und seins leidens nie gedanket hon, nie betraht hon, az ich zereht solt; mich noch got und noch seinem himelreich, daz er selber ist, nie gesent hon, nie getraht hon, got nie gedint hon mit erst, mit fleis, mit andaht, mit einer lautern gewissen, mit ainem rainen, keusem, tugentleichem herzen nie gedint hon. œ. die sicut scis. unsers herren leichnam nie enphangen hon, dor zu niht beraitet hon, dor an niht behalten hon, weder vor noch noch, mit worer rue, mit lauter peiht, mit andaht, az ich zereht solt. mein pues nie gelaistet hon, woreu reuwe und herzenleiches lait uber mein sund nie gewan, az ich zereht solt. daz mir lait und ungemach und brest aller menschen, der do an leit der heiligen cristenhait, niht zeherzen get, und got niht enclag, az daz pilleichen wer, und selten oder nimmer bin in ainem mit leiden aller menschen. 2. dic sicut scis.

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