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VI

16. Neujahrspiel.

A. Wesen der Neujahrspiele.
B. Ursprung derselben.
C. Fastnacht- und Osterspiel.
D. Sprache des Stückes.

E. Tert des Neujahrspiels.
17. Verzeichniß handschriftlicher Schauspiele.

A. Des sechzehnten Jahrhunderts.

B. Des fiebenzehnten Fahrhunderts.
18. Beitrag zur Literatur der alten Schauspiele.

Nachträge.
Register.

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12. Christi Auferstehung.

A. Uebersicht und Heimat des Schauspiels.

am

Erfte Handlung.

Die G r a b w a ch e.
Prolog. Vers 1

18.
Erster Auftritt. Berathung zur Grabwache. Vers 19 · 40.
Zweiter Auftritt. Ansuchen derselben bei Pilatus. Vers 41 — 70.
Dritter Auftritt. Anordnung der Grabwache. Vers 71 — 194.
Vierter Auftritt. Schlaf der Wächter. Vers 195 — 226.

Bweite Handlung.

Die N a dh t G r a be. Erster Auftritt. Die Engel am Grabe. Vers 227 248. Zweiter Auftritt. Die Auferstehung. Vers 249 — 258.

Dritte Handlung.

Die V o r hö Il é.
Erster Auftritt. Die Erwartung der Altväter. Vers 259 — 370.
Zweiter Auftritt. Die Befürchtung der Teufel. Vers 371 — 484.
Dritter Auftritt. Ankunft Jesu bei der Vorhölle. Vers 485 — 578.
Vierter Auftritt. Zerstörung der Vorhölle. Vers 579 — 666.
Fünfter Auftritt. Das Paradies. Vers 667 - 752.

Vierte Handlung.

Tag ber Auferstehung. Erster Auftritt. Erweckung der Grabwädster. 753 -803. Zweiter Auftritt. Die Wächter vor dem Hohenpriester. Vers 804-887. Mone, Schauspiele. II.

1

Dritter Auftritt. Vorlabung derselben zum Pilatus. Vers 888 – 905.
Vierter Auftritt. Pilatus und die Wächter. Vers 906 - 975.
Fünfter Auftritt. Cayphas und die Wächter. Vers 976 — 993.
Sechster Auftritt. Begnadigung derselben. 994 -- 1041.

fünfte Handlung.

Da 8 Teufelspiel.
Erster Auftritt. Lucifers Klage. Vers 1042 — 1145.
Zweiter Auftritt. Ausflug der Teufel. Vers 1146 — 1245.
Dritter Auftritt. Rückfunft der Teufel mit ihrer Beute. V. 1246—1689.
Vierter Auftritt. Satans Rückfunft. Vers 1690 – 1983.

Schlußrede. Vers 1984 - 2023.
Sdlußgesang. Ber8 2024 - 2051.

Die Handschrift des folgenden Schauspiels befindet sich in der Hofbibliothef zu Karlsruhe unter der Sammlung Autographa A. in Quart, auf Papier, 12 Blätter. Die Schrift ist klein und gedrängt, zwei Verse stehen jedesmal in einer Zeile und sind durch rothe Zwischenstriche abgetheilt. Die Namen der sprechenden Personen stehen am Ende der langzeilen auf dem Rande.

Nach seiner Endanzeige wurde das Stück 1464 geschrieben zu Redentym. Das ist Nedentin bei Wismar an der Ditree in Medlenburg. Hiermit stimmt auch die Anspielung auf die Inseln Hiddens De auf der Westfüfte von Rügen und Moen bei Seeland überein, die im Gedichte V. 206 Hiddensee und Mone genannt werden, wie sie auch in Urkunden vorfommen (Jacobus de Mone im Urkundenbuch von Lübec S. 57); ferner wird die Insel Pöl (Pole 212) im Meerbusen von Wismar und die Stadt Lübec (1295) angeführt, und auf die Wenden angespielt (1119).

Nicht nur seiner niederteutschen Heimat und Abfassung, sondern auch seiner Vollständigkeit wegen ist dieses Schauspiel besonderer Beachtung werth. Denn in Hinsicht auf Heimat und Sprache ist es eine Seltenheit, und seine Vollständigkeit hat uns Züge aufbewahrt, welche für die Geschichte der dramatischen Dichtkunst neue Aufschlüsse geben. Die Untersuchung muß aber von der Sprache ausgeben, weil die Heimat der Handschrift nicht genügt, um den Ursprung und Zusammens hang des Tertes richtig zu beurtheilen.

B. Sprache des Stüde 8. Die erste Frage ist, befolgt das Schauspiel die Mundart seiner Heimat ? Die Antwort lautet: nicht durchgängig, sondern zum größten Theil. Wird dies erwiesen, so ist das Stüd nicht in Mecklenburg entstanden, sondern dahin vers pflanzt worden. Jede Sprache hat Ausnahmen von ihren Regeln; von diesen Abweichungen ist hier nicht die Rede, sondern von Lauten und Formen, die eine Sprachmischung anzeigen, was beim leberseßen aus einer Mundart in die andere um so häufiger vorkommt, je verwandter die Munds arten sind. Reime, die einer Mundart eigenthümlich anges hören, lassen sich nicht in die andere übertragen, ohne ihren Ursprung zu verrathen. Aber auch außer dem Reime bleiben manche Spuren zurück, die auf ein fremdes Original zurüdweisen. Die medlenburgische Mundart ist sächsisch, ihre nächste Verwandte ist die fränkische, sowohl die niederrheinische als die niederländische. Ich muß voraus bemerken, daß in diesem Stüđe Formen erscheinen, welche zunächst auf den Niederrhein weisen, also ist vorzüglich diese Mundart zu vergleichen.

Neime, die dahin gehören, sind alweldid) : mich 677, sif: mif 938, hir: tir (tibi) 734, alleweldich: dich 344, affen: claffen 835, denn sonst überall hat die Mundart im dat. und acc. mi, di in beweisenden Reimen, by: my (me) 336, my (mei): dy (te) 340, wy (nos): dy (tibi) 240, dy (tibi): Ty (sit) 1315, dy (tibi): wi (weh) 1640, dy: my (mihi) 405, my (me): dy (tibi) 826 u. v. a. Dieselben Formen gelten noch jest in der medlenburgischen Mundart (f. Ritter Gramm. der medl. Mundart. Rostoc 1832. S. 79). Wenn

*

das Schauspiel wafen: slapen reimt 765, so bleibt es halb
fächrijd, in schapen: lapen 650, knapen: slapen 770, papen:
fnapen 1091, papen: slapen 1657 u. a. folgt es ganz seiner .
Mundart, wenn es mit für mir braucht 926, die für dir 1907,
so beweist es, daß ihm diese Form nicht angehört. Jene
hochteutschen Formen sind aber am Niederrhein zu Hause und
gehen bis Köln hinab, wie in G. Hagens Reimdhronik von
Röln vorkommt broderschaffen: affen 3349, paffen: schaffen
3825, dir: myr 492 u. dgl. Ferner ist niederrheinisch der
Neim su (Sau): to (zu) 1552, denn der Niederrheiner sagt
zu. Die Interjektion wafen 1930 ist nicht sächsisch.

Ist diese Wahrnehmung richtig, so müssen sich noch mehr
Spuren zeigen, was allerdings der Fall ist. Ich stelle einige
Hülføzeitwörter voran, weil sich bei ihnen die Mundarten
leicht verrathen. Das Schauspiel sagt wie die Mundart
(Ritter 100) bun für bin, braucht es aber in Reimen, wo
es nicht angeht, bun: ichen 1688, was nur niederländisch
und niederrheinisd reimt ben: schen, und aus den Reimen
lift: bist 1468, Crist: bist 1720 ersieht man, daß die Form
bust nicht ursprünglich zum Terte gehört, obgleich fie barin
vorkommt, aber nicht im Reim 715. Die 2 pers. pl. fint
646, 684, 946 hat die medlenburgische Mundart auch nicht.
Das Zeitwort don 40, 622 hat im Imperativ und Conjunktiv
do 165, 494, 591, und zwar im Reim. Dagegen dut: mut
511, 564, 1199 im Indic. und 2 p. pl. imperat. in und
außer dem Reime. Hagen hat dafür regelmäßig do 440,
doit 465, 771, doin 2229 und den Reim doit: goit 2350.

In den Formen anderer Zeitwörter zeigt sich dasselbe. Die Form faghe: daghe 26, 780, 953, 1209 beweist der Reim, außer demselben steht aber häufig seggbe, zegge 177, 212, 431, 682, 848, auch im Reim 1570, während sagen am Niederrhein regelmäßig vorkommt. Hagen 189, 268, 435 ebenfalls im Rein. Für wuften: listen 1259 muß wisten stehen. Der fächsischen Mundart ist auch die 2 pers. pl. præs.

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