Lokale Gesundheitszentren mit Fokus auf geburtshilflicher Versorgung in Baden-Württemberg: Projektübergreifende Bewertung der Umsetzung und HandlungsempfehlungenHeidelberger Institut für Global Health, 08.04.2024 - 54 Seiten Hintergrund: Das Land Baden-Württemberg fördert lokale Gesundheitszentren mit Fokus auf geburtshilflicher Versorgung. In drei Förderaufrufen in den Jahren 2019, 2020 und 2022 wurden 13 Projekte von 12 Projektträgern gefördert. Diese Projekte haben wir in unterschiedlichen Phasen der Förderung mit einer Studie begleitet. Die Projekte der ersten beiden Förderrunden, welche teilweise unter COVID-19-Bedingungen arbeiteten, haben wir 23–35 Monate nach Förderbeginn und teilweise nach Förderende untersucht. Die Projekte der dritten Förderrunde, die an der vorliegenden Studie teilnahmen, haben wir 12–13 Monate nach Förderbeginn untersucht. Wir haben die geförderten Projekte im Hinblick auf Reichweite, Wirksamkeit, Annahme, Umsetzung und Nachhaltigkeit betrachtet. Dazu haben wir leitfadengestützte Gespräche mit Projektträgerinnen/-trägern, Mitwirkenden und Nutzerinnen der lokalen Gesundheitszentren geführt. Ergänzend haben wir mit Vertreterinnen des Fördergebers über das Förderprogramm und mit Teilnehmenden des Runden Tisches Geburtshilfe über die erhobenen projektübergreifenden Erfahrungen und die von uns abgeleiteten Handlungsempfehlungen gesprochen. Im vorliegenden Bericht stellen wir die geförderten lokalen Gesundheitszentren, projektübergreifend zusammengeführte Erfahrungen und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen für Projektträger und Fördergeber dar. Ein ergänzender Bericht enthält weiterführende Informationen zu den geförderten Projekten. Projektverläufe — was umgesetzt wurde: Alle Projekte konnten einen Großteil der möglichen Partner ansprechen und diesen ihr Vorhaben vorstellen. Knapp die Hälfte der Projekte konnte Frauen und Familien im geplanten Umfang erreichen. Die Mehrheit der Projekte verzeichnete einen langsamen, aber fortlaufenden Anstieg der Nachfrage. Die Projekte konnten bei zahlreichen Förderkriterien positive Veränderungen feststellen und oftmals ihre selbst gesetzten Ziele erreichen, besonders im Bereich der verbesserten Zusammenarbeit von lokalen Akteuren. Der Großteil der Projekte wurde von wichtigen Mitwirkenden, insbesondere Hebammen und den Frühen Hilfen, angenommen und unterstützt. Die Projekte konnten einen Großteil der geplanten Maßnahmen umsetzen, jedoch aufgrund von Verzögerungen oftmals nicht im geplanten Zeitraum. In vielen Projekten waren auch Aktivitäten geplant, die nicht oder nur teilweise umgesetzt werden konnten. Der Großteil der Projektträger setzte sich bereits zu Projektbeginn für eine nachhaltige Umsetzung, insbesondere eine Weiterfinanzierung durch die Kommune oder den Landkreis, ein. Nur einige Projektträger erwarteten, zeitnah finanziell unabhängig werden zu können. Zum Berichtszeitpunkt konnten mehrere Projekte ihre Arbeit in vollem oder kleinerem Umfang über kommunale und/oder eigene Mittel nach Förderende fortführen. In einigen Projekten konnte das Angebot im Rahmen der Weiterfinanzierung weiter ausgebaut werden. Projektübergreifende Bewertung: Eine persönliche Ansprache, Vertrautheit mit den angebotenen Leistungen und die Attraktivität der Angebote oder des Projekts erleichterten den lokalen Gesundheitszentren, Mitwirkende und Nutzende zu erreichen. Regelmäßige und vertrauensvolle Kommunikation, ein Interesse lokaler Akteure, Bereitschaft zur Zusammenarbeit und die Attraktivität der Mitarbeit waren Erfolgsfaktoren für die Annahme der Projekte durch Netzwerkpartner und Mitarbeitende. Die Verfügbarkeit von Räumlichkeiten, hohe Motivation und gute Zusammenarbeit unter Mitarbeitenden und Netzwerkpartnern, geeignete Rahmenbedingungen und Förderbedingungen sowie lokale Unterstützung erleichterten die Umsetzung der geplanten Konzepte. Das Erreichen einer Weiterfinanzierung, die Verfügbarkeit von personellen und räumlichen Ressourcen, die Aufrechterhaltung der Netzwerkarbeit und politische Unterstützung begünstigten eine Fortführung der geförderten lokalen Gesundheitszentren nach Förderende. Ein Übertragen der geförderten Konzepte auf andere Orte mit ähnlichen geburtshilflichen Bedarfen und Versorgungsstrukturen wurde grundsätzlich als möglich erachtet. Handlungsempfehlungen: Die projektübergreifende Bewertung weist auf Möglichkeiten hin, gemeinsame Erfolgsfaktoren zu stärken, aufgetretene Herausforderungen zu verringern und bewährte Vorgehensweisen fortzuführen. Projektträger sollten zu Projektbeginn beziehungsweise in Vorbereitung eines Projekts den aktuellen Stand vorhandener Strukturen erheben, um in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren einen gemeinsamen Überblick über die Versorgungssituation zu erhalten. Darauf aufbauend sollten unter Einbezug der Netzwerkpartner Versorgungslücken bestimmt und ein bedarfsgerechtes Versorgungskonzept entwickelt werden. Um die Konzeptentwicklung zu fördern, könnte eine Startfinanzierung angeboten werden, die beispielsweise eine Finanzierung der Planungsphase ermöglicht. Eine fortlaufende Teamentwicklung kann dazu beitragen, Mitwirkende zu motivieren und deren Einbindung zu erhalten. Möglichkeiten zum Austausch sollten genutzt und gestärkt werden, insbesondere zwischen ähnlichen Projekten. Schulungsangebote durch den Fördergeber und fachliche Unterstützung von außen können die Projektumsetzung unterstützen. Des Weiteren kann ein gemeinsames Verständnis über die Einbettung der geförderten Vorhaben in gesundheitspolitische Entwicklungen auf Landes- und Bundesebene die Umsetzbarkeit und Nachhaltigkeit der Projekte fördern. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch und die Dokumentation von Abläufen und Erfahrungen in den Projekten können deren Verstetigung und eine Übertragung der pilotierten Konzepte auf andere Regionen erleichtern. |
