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und mit einem wilden Fluche rief er: „Blut für Blat soll jezt mein Wahlspruch fein!"

Indem er ihnen Lebewohl sagte, stürzte er fort in den dunfeln dichten Urwald, um ein Indianerjäger zu werden. Seine Heimath war der Wald; seine Decke der blaue Himmel; seine Nahrung das Fleisch der wilden Thiere. Er lagerte sich in Hinterhalte und Verstecke, und jeder umherstreifende Indianer, welcher in seine Schußweite fam, ward getödtet. Gegen Beendigung des Krieges von 1812-13, als er eines Tages auf einen hohen Felsen saß, sah er in einer engen Schlucht, tief unter sich, die hohe, kräftige Gestalt eines Indianers. Er spannte den Hahn seiner Büchse, legte an, zielte, schoß und der Wilde fiel, in den Schädel getroffen, todt zu Boden. Er stieg hinab in die Schlucht und ging nach dem Plaße wo der Indianer fag. Als er ihn näher betrachtete fand er, daß es Kanotchen war, der Mörder seiner Schwester. Unter einem langgezogenen Seufzer sprach er: „Jest bin ich gerächt!“ Daun kehrte er zurück nach seiner ehemaligen Heimath an den Mohiccan-Bach. (Fortsehung folgt.)

Veränderung deutscher Namen.

Die lächerliche Sucht mancher Deutschen hier zu Lande, ihren ehrlichen deutschen Namen zu verändern, ist schon oft gerügt worden. Neulich ist im Commou Pleas Gericht in New York von dem geachteten Oberrichter Daly eine für die Bewohner des Staates New York wichtige und auch für andere Leute nicht uninteressante Entscheidung über Namensveränderungen abgegeben worden.

Ein Herr Caspar Florschuß (ohne Zweifel Flurschuß) hatte gebeten, die Umänderung seines ehrlichen deutschen Namens in den Namen „Florence“ gerichtlich zu genehmigen. Oberrichter Daly verweigerte jedoch die Genehmigung und begründete diese Weigerung so:

„Es liegt kein stichhaltiger Grund dafür vor, daß der Antragsteller seinen Namen Florschuß in Florenz umwandle. Des Vaters Name, bei dem Jemand genannt wird, sollte aus verschiedenen, gewichtigen Gründen beibehalten werden, ausgenommen, die betreffende Person kaun nachweisen, daß ihr aus einem Wechsel gewisse Vortheile erwachsen würden, oder daß der Name für einen Amerikaner schwer auszusprechen ist, oder endlich, daß er eine widerwärtige Bedeutung hat. Florschuß ist ein zusammengesettes deutsches Wort, dessen genaue Bedeutung ich nicht fenne, da die beiden Worte Flor“ und „Schuß," aus denen es besteht, mannigfache Auslegungen zulaffen. So viel ich jedoch weiß, ist gegen den Namen. oder die Bedeutung der Worte, welche ihn bilden, nichts einzuwenden und auch in der Petition ift davon nichts erwähnt. In der letteren ist nur gesagt, daß die Geschäftskunden des Bittstellers den Namen nicht leicht aussprechen könnten und daß er denselben bereits vor fünf Jahren in Florence" umgewandelt habe. Meiner Ansicht nach ist der Name Florschuß“ gerade so leicht auszusprechen als „Florence;" er flingt etwas härter, da er mehr Consonanten enthält, bietet aber der Aussprache

nicht mehr Schwierigkeiten, als viele, allgemein bekannte englische Wörter. Der Bittsteller ist unter diesem Namen Bürger geworden und muß also länger als fünf Jahre unter demselben bekannt sein, und ich bin daher nicht der Ansicht, daß man ihm den Gefallen thun soll, denselben zu ändern, wenn er keine besseren Gründe vorgiebt, als die in seiner Bittschrift erwähnten.

„Ungewöhnliche Namen, wie russische, polnische oder chinesische, passen aller dings nicht für unsere Sprache, die hier einmal die Landessprache ist, weil sie zu schwer auszusprechen sind. Der Name des Bittstellers gehört jedoch nicht in diese Klasse und wenn wir sein Gesuch gewähren wollten, so wäre dies nichts Anderes, als das Schaffen eines Präcedenzfalles, dem zu Folge wir jeden deutschen Namen in einen englischen umändern müßten, sobald darum gebeten wird. Viele Deutsche und andere Ausländer übersehen ihre Namen, wenn sie hierher kommen, in gleichbeden:ende fremde Wörter und ich sehe keinen Grund, weshalb sie dies nicht thun sollten. Ein Deutscher, Namens Schöneberg, könnte sich auf französisch „Belmont“ und auf englisch Fairmount" nennen, denn dies würde keine Aenderung, sondern einfach eine Uebersehung seines Namens sein, den seine Bekannten doch erkennen würden. In diesem Falle aber liegt die Sache ganz anders. Der Bittsteller hat feinen Namen nicht übersezt, sondern einfach vor 5 Jahren den Namen „Florence" angenommen, welcher (nach der englischen Aussprache) der Name einer italienischen Stadt und ein verbreiteter Vorname für Frauen ist, bisweilen auch, wie ich höre, seines melodischen Klanges wegen von gewissen Personen als Familienname angenommen wird, selbstverständlich in Ländern, in denen keine Gefeße gegen den Wechsel von Namen bestehen. Im vorliegenden Falle aber ist kein triftiger Grund dafür vorhanden, daß der Name des Bittstellers geändert werden sollte, und das Gesuch ist daher abgewiesen.“

Uebrigens finden wir die von Richter Daly nicht beanstandete förmliche Uebersezung deutscher Namen in's Englische ebenso tadelnswerth wie andere Namens. änderungen; denn auch sie ist eine schmähliche Impietät gegen Vater und Mutter und gegen die deutsche Nationalität. (Westbote.)

Eine Unabhängigkeits-Erklärung Deutschlands.

Bei Gelegenheit der am 16. August stattgefundenen feierlichen Enthüllung des Hermann Denfmals bei Grothenburg im Teutoburger Walde, geziemt es uns Deut schen wohl zurückzublicken auf die Urgeschichte unseres Voltes, besonders da diese Urgeschichte auf die Gestaltung der allgemeinen Weltgeschichte von unendlicher Bedeutung ist.

Wie die Urgeschichte aller Völker in ein tiefes mystisches Dunkel gehüllt ist, zu folge deffen die Entstehung des Menschengeschlechtes stets mehr oder minder Hypothese sein wird, nach welcher die Einen die Lehren der Genesis absolut als buchstäbliches Dogma anerkennen, die Andern sie als figürlich behandeln und wieder Andere sie als Dichtung total verwerfen, so ist auch die Urgeschichte des kräftigen Natur

volles, welches die dichten Eichen- und Buchenwälder Mittel-Europa's bewohnte, mit einem undurchdringlichen Schleier bedeckt. Zwar gaben phönizische Reisende bereits sechshundert Jahre vor Christus Kunde von einem großen kräftigen Men= schenschlage, welcher an den Küsten der Ostsee und der Nordsee wohnte, wohin sie, die Phönizier, um Bernstein zu holen alljährlich mit ihren primitiven Schiffen segelten, allein ihre Mittheilungen trugen so sehr das Gepräge des Fabelhaften, daß sie weiter feine Beachtung verdienten und erhielten. Sie mochten auch wohl deshalb ihre Beschreibung des Landes und seiner Einwohner mit einem märchenhaften Gewande umgeber, worin Riesen und Ungeheuer neben Seeungethümen und Schluchten und Höllenschlünde in Hülle und Fülle erscheinen, um andere Völker, die ihrer handeltreibenden Nation hätten Concurrenz machen können, von Seefahrten dorthin abzuhalten.

Die erste Bekanntschaft mit den Germanen machten die Römer in den Gebirgen von Steiermark zu ihrem Schrecken und Verderben. Im Jahre 640 der Stadt Rom, 113 vor Christus, erschien plöglich eine gewaltige Horde, die sich Cimbern oder auch Kämpfer nannten, im damaligen Noricum, zwischen der Donau und der Drau, Man sagte, daß sie aus Dänemark oder dem heutigen Schleswig-Holstein herfämen, weshalb man Jütland auch die Cimbrische Halbinsel nannte. Auch aus den sächsischen und mehreren andern Ländern hatten sich die vielfältigen Tribes zusammengerottet, um sich im Süden fruchtbarere Wohnpläße zu erobern. Sie schlugen zwar das römische Heer des Consuls Papirus Carbus, allein statt nach dem Süden zu ziehen, wohin ihnen der Weg offen gestanden hätte, wandten sie sich gen Westen und verbanden sich mit den Helvetiern, worauf sie dann in das Gebiet der Allobroger, in der heutigen Dauphine in Frankreich, einfielen. Sie suchten anfänglich keinen Krieg, sondern begehrten nur von den Römern, welche hier bereits herrschten, Ländereien zum Ackerbau und Wohnsiz. Erst nach Verweigerung griffen fie den Consul Silanus in der Nähe von Massilia, das heutige Marseille, an und schlugen ihn in die Flucht.

Da dieser Erfolg über die römischen Waffen einen demoralisirenden Eindruc auf die unterjochten Gallier ausübte, welche bereits drohten abzufallen und mit den germanischen Völferstämmen gemeinsame Sache zu machen, so bot der römische Senat Alles auf, um die Provinz zu erhalten. Allein die ausgesandten Consuln Cassius Longinus und Scaurus wurden beide, der erstere in der Nähe des heutigen Villeneuve, der lettere an der Rhone geschlagen. Nunmehr gesellten sich zu den Siegern noch die Teutonen und Ambronen, zwei germanische Tribes, und in Gemeinschaft wurden von ihnen abermals zwei römische Kriegsheere, unter Manlius und Capio besiegt, wobei achtzigtausend römische Krieger erschlagen wurden.

Darauf erst beschlossen die barbarischen Horden, in Italien einzufallen, und zwar in zwei Heerzügen. Die Teutonen und Ambronen sollten von Gallien her einbrechen und die Cimbern in die Donauländer zurückkehren und von dort über die Alpen nach Italien ziehen. Rom gerieth in Angst. Der Schreden, den ehemals Hannibal eingeflößt hatte, erneuerte sich auf die Nachricht von dem Anzuge der wilden Germanen. Voller Besorgniß wandte sich Rom in seiner Noth an einen großen Mann, dem es volle diktarorische Gewalt anvertraute, um das Land aus seiner Bedrängniß zu befreien. Dieser Mann war Marius. Gleichwie einst Fabius,

flug und glücklich durch Zandern sich gegen Hannibal schüßte, so sah auch Marius flar, daß nur Vorsicht und Zögern hier helfen fonnte. Er hielt seine Krieger so lange in dem verschanzten Lager zurück, bis sie sich an den Anblick der hochgestalteten Teutonen gewöhnt hatten. Diese verhöhnten sie zwar und riefen ihnen spöttisch zu, ob sie nicht etwas an ihre Weiber in Rom zu bestellen hätten, was aber den Feldherrn durchaus nicht irre machte. Endlich im Jahre 102 vor Christus kam es bei Aig in der Provence zur Schlacht. Marius zog mit den Seinigen aus dem Lager nach der Ebene hinab, die Teutonen kamen ihnen entgegen. Da gebot Marius Halt und ließ die Feinde bis auf Speerwurf-Weite herankommen. Dann warfen sich die Römer plöglich mit aller Gewalt auf die feindlichen Schaaren und trieben diese in die Ebene zurück. Hier fiel ihnen aus bestelltem Hinterhalte Marcellus mit einer Schaar Schwerbewaffneter in den Rücken, worauf sie nach kurzem Widerstande die Flucht ergiffen. Die Römer verfolgten sie und es wird gesagt, daß über hunderttausend Teutonen erschlagen oder gefangen genommen wurden. Rom war gerettet.

Hierauf zog Marius nach Italien zurück und eilte mit seinem Heer dem Conful Catulus zu Hülfe. Dieser stand an der Etsch den Cimbern gegenüber. Eine von Schanzen gedeckte Brücke, die beide Ufer verband, zerschmetterten die Cimbern durch Flöße, die sie, mit Steinen belastet, den Fluß hinabschwimmen ließen. Dadurch wurde der eine Theil des Heeres welcher am linken Ufer lag, abgeschnitten. Diese wehrten sich den Feinden gegenüber jedoch so tapfer, daß dieselben, voll Bewunderung, ihnen freien Abzug zu Theil werden ließen. Nun glaubten die Cimbern schon Herren des Landes zu sein und erwarteten nur noch die Ankunft der Teutonen, von deren Niederlage sie natürlich feine Ahnung hatten, als Marius erschien und sie in einer großen Schlacht bei Verona schlug, welches den Cimbrischen Krieg beendigte.

Zwar hatten die Römer nun vierzig Jahre lang Ruhe von den Völkern im Norden, allein im Jahre 58 vor Christus zog eine Schaar Boier und Helvetier, auf Anrathen des Orgetorig, aus den rauhen Wäldern ihrer Heimath gen Westen um in Gallien mildere Wohnsiße zu erhalten. Sie wurden von dem greifen Helden Divico geführt, weicher vor mehr als fünfzig Jahren den Cassius Longinus am Lemanischen See geschlagen hatte. Ihnen gegenüber stand der große Julius Cäsar, welcher in einem Tage das ganze Unternehmen bei Bibracte*) zerstörte. Nach langem und hartnäckigem Kampfe errang römische Kriegskunst und Cäsars umfassender Scharfblick über die wilde Tapferkeit der deutschen Stämme den vollkommensten Sieg. Dem wuthvollen Stoße dieser Schaar, welche kein anderes Vaterland hatte, als diese Wahlstatt, auf der sie vor den Augen der Jhrigen, für Alles, was den Menschen lieb und theuer ist und für den alten Ruhm des Namens der Helvetier mit äußerstem Heldenmuth stritt, einem solchen Feind stellte Cäsar die beiden vorderen Treffen entgegen; dem hintersten gebot er durch eine schnelle Wendung wider die Boier Fronte zu machen. Lang und hart war der Kampf; die Helvetier in dieser äußerten Gefahr blieben ihrer Vorältern würdig; den ganzen Tag hatte kein Römer einem aus ihnen den Rücken gesehen. Auf der anderen Seite stritt Julius Cäsar mit jenem Gemüth, welchem die Eroberung des ganzen römischen

"

*) Das jezige Autun, im Departement Loire et Saone, Frankreich.

Reiches nicht allzugroß war, und mit jenem Blicke, der ihn in keiner Noth über den besten Entschluß ungewiß ließ, als an dem ersten Tage, der ihn den großen FeldHerren an die Seite sezen sollte. Seine Soldaten wurden durch den Widerstand, aber am allermeisten durch das Beispiel ihres Cäsars und ihrer Liebe zu ihm begeistert. Spät am Abend wichen die Helvetier nach großem Verlust in guter Ordnung, theils auf den Berg, theils, zum Schuß der Ihrigen, in die Wagenburg zurüð.“*) Cäsar, um den Sieg zu vollenden, führte einen Theil seines Heeres gegen die Wagenburg, erwartend, daß der Feind sich ergeben würde; allein Greise und Weiber stritten bis in die Nacht. Als nach dieser Nederlage die Helvetier um Frieden und Mitleid baten, schickte sie Cäsar zurück in ihre Heimath um die verlassenen Dörfer wieder aufzubauen, versah sie mit Lebensmitteln und machte sie zu Bundesgenossen der Römer.

Dieses war der erste Schritt zur Knechtung der deutschen Stämme. Was Gewalt nicht ausführen konnte, das vollbrachte die Milde und diplomatische Schlauheit Cäsars. Zwar wurden noch die Römer in mannigfaltige Kriege mit den germanischen Volksstämmen und Tribes verwickelt, allein Cäsars scharfer Feldherrnblid half für ein ganzes Heer. Als Ariovist mit seinen deutschen Horden über den Rhein in Gallien einfiel, da wollte zwar des Cäsar's Kriegern zuerst der Muth entfallen, bei der Beschreibung von der furchtbaren Riesengröße und Stärke der wilden Schaaren, wie sie von den bedrängten Galliern geschildert wurden, so daß Viele im Lager weinten, Andere ihr Testament auffeßten und noch Andere um Entlassung baten. Cäsar aber groß in Rede wie in That, rief die Legionen zusammen und sprach zu ihnen von den Siegen der Römer über die Cimbern und Teutonen durch Marius, über die Helvetier und Boier durch ihn selber. Wollten sie jedoch seige zurücktreten, so werde er mit seiner zehnten Legion allein angreifen. Das wirkte. Die gerühmte Legion dankte, die übrigen wollten nicht nachstehen. Die Schlacht begann, Cäsar siegte und die Deutschen flohen über den Rhein zurück.

Die fortgefeßten Kriege der Römer in Gallien indessen gaben ihnen Veranlassung zum Einfall in Germanien, weil von dort aus die Gallier häufig Hülfsvölker erhielten. Cäsar baute deshalb bei dem heutigen Andernach, zwischen Köln und Bonn, eine Brücke und führte sein Heer über den Rhein. Da vernahm er, die Sueven hätten Weiber, Kinder und Habe in die Wälder weggeschafft und erwarteten im Mittelpunkte ihres Landes der Römer Ankunft. Er erwog nun seine Lage, ging wieder über den Rhein zurück und ließ die Brücke abbrechen. Cäsar handelte unzweifelhaft mit Vorbedacht, denn eine Niederlage in Feindes Land hätte den Besiz Gallien's, der Preis langer und heftiger Kämpfe, Roms Rettung und Ehre und den mühsam erworbenen Weltruhm seines Namens mit einem Schlage zernichten fönnen. Eine verlorene Schlacht gegen die Germanern hätte die Völker dieses Landes sowie die gallischen Völker leicht aufwecken können; darum handelte er flug, da er das gewagte Spiel vermied. Sein eiliger Rückzug jedoch ist eine glänzende Anerkennung Germanischer Tapferkeit. Ein zweiter Zug Cäfars in das Innere Deutschlands blieb eben so erfolglos, und als sich die Germanen nach dem Thüringerwald zurückzogen, da versuchte Cäsar nicht zu folgen, sondern

**) Johannes von Müller, „Geschichte der Schweiz,“ Th. I. S. 31.

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