Ueber die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluss auf die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts, Band 2

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Seite 73 - in sich aufzunehmen und zu bearbeiten. Diese Ausdrücke überschreiten auf keine» Weise das Maass der einfachen Wahrheit. Der Mensch lebt mit den Gegenständen hauptsächlich, ja, da Empfinden und Handeln in ihm von seinen Vorstellungen abhängen, sogar ausschliesslich so, wie die Sprache sie ihm zuführt. Durch denselben Act, vermöge dessen er die Sprache aus sich
Seite 55 - zu versinnlichen sucht. Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine Thätigkeit (Energeia). Ihre wahre Definition kann daher nur eine genetische sein. Sie ist nämlich die sich ewig wiederholende Arbeit des Geistes, den articnlirten Laut zum Ausdruck des
Seite 55 - auf der andren des Dialektes, und was unter Einer da zu verstehen ist, wo die nämliche in ihrem Verlaufe wesentliche Veränderungen erfährt. Die Sprache, in ihrem wirklichen Wesen aufgefasst, ist etwas beständig und in jedem Augenblicke Vorübergehendes. Selbst ihre Erhaltung durch die Schrift ist immer nur eine unvollständige, mumienartige Aufbewahrung, die es doch erst wieder bedarf, dass man dabei den
Seite 64 - einzugehen; das Denken kann sonst nicht zur Deutlichkeit gelangen, die Vorstellung nicht zum Begriff werden. Die unzertrennliche Verbindung des Gedanken, der StimmWerkzeugeund des Gehörs zur Sprache liegt unabänderlich in der ursprünglichen, nicht weiter zu erklärenden Einrichtung der menschlichen Natur. Die
Seite 77 - Die Sprache ist gerade insofern objectiv einwirkend und selbstständig, als sie subjectiv gewirkt und abhängig ist. Denn sie hat nirgends, auch in der Schrift nicht, eine bleibende Stätte, ihr gleichsam todter Theil muss immer im Denken aufs neue erzeugt werden, lebendig in Eede oder Verständniss, und muss folglich ganz in das Subject übergehen. Es liegt aber in dem
Seite 58 - Gesammtheit seines Strebens, sondern nur in seinen jedesmal einzelnen Wirkungen zu sehen, so bleibt uns auch bloss übrig, die Gleichartigkeit seines Wirkens in einen todten allgemeinen Begriff zusammenzufassen. In sich ist jener Drang Eins und lebendig. Die Schwierigkeit gerade der wichtigsten und feinsten Sprachuntersuchungen liegt sehr häufig darin, dass etwas ans dem Gesammteindruck der Sprache
Seite 20 - schon lange in den Wogen des Gesanges hin und her gegangen sein, schon Zeitalter hindurch, von denen uns keine Kunde geblieben ist. Noch deutlicher zeigt sich dies an der ursprünglichen Form der Sprachen selbst. Die Sprache ist tief in die geistige Entwickelung der Menschheit verschlungen, sie begleitet dieselbe auf jeder Stufe ihres localen Vor- oder
Seite 209 - der Seele hervorspringt, steht in Einklang mit allem, •was das einzelne Glied, bis auf die weiteste Entfernung umgiebt. Die von dem Worte in Verschiedenen geweckte Vorstellung trägt das Gepräge der Eigentümlichkeit eines jeden, 'wird aber von allen mit demselben Laute bezeichnet. Die sich innerhalb derselben Nation befindenden
Seite 47 - Form haben, Nationen, als solche, eigentlich und unmittelbar schöpferisch. Doch muss man sich wohl hüten, diese Ansicht ohne die ihr gebührende Beschränkung aufzufassen. Da die Sprachen unzertrennlich mit der innersten Natur des Menschen verwachsen sind und weit mehr selbstthätig aus ihr hervorbrechen, als willkührlich von ihr erzeugt werden, so könnte man die
Seite 122 - auch ohne ausschliesslich der beständigen Bildung neuer Wörter und Wortformen zu gedenken, so lange die Sprache im Munde des Volks lebt, ein fortgehendes Erzeugniss und Wiedererzeugniss des wortbildenden Vermögens, zuerst in dem Stamme, dem die Sprache ihre Form verdankt, dann in der kindischen Erlernung des Sprechens, und endlich im täglichen Gebrauche der

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