Goethe und seine Widersacher: oder, Der neue deutsche kritische Parnass, mit Einleitung und einigen Seitenfugen

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B.F. Voigt, 1837 - 204 Seiten
 

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Seite 188 - Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen, Er liebt sich bald die unbedingte Ruh'; Drum geb' ich gern ihm den Gesellen zu, Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.
Seite 143 - Ich will mich kurz fassen: es ist eine Literatur der Verzweiflung. Um augenblicklich zu wirken — und das wollen sie doch, weil eine Ausgabe auf die andere folgen soll — müssen sie das Entgegengesetzte von allem, was man dem Menschen zu einigem Heil vortragen sollte, dem Leser aufdringen, der sich zuletzt nicht mehr zu retten weiß. Das Häßliche, das Abscheuliche, das Grausame, das Nichtswürdige, mit der ganzen Sippschaft des Verworfenen, ins Unmögliche zu überbieten, ist ihr satanisches...
Seite 143 - Unmögliche zu überbieten, ist ihr satanisches Geschäft. Man darf und muß wohl sagen Geschäft: denn es liegt ein gründliches Studium alter Zeiten, vergangener Zustände, merkwürdiger Verwicklungen und unglaublicher Wirklichkeiten zum Grunde, so daß man ein solches Werk weder leer, noch schlecht nennen darf. Auch entschiedene Talente sind's, die dergleichen unternehmen, geistreiche vorzügliche Männer, von mittleren Jahren, die sich durch eine Lebensfolge verdammt fühlen, sich mit diesen...
Seite 143 - Gliedermänner und -weiber, nach ganz geschickten Proportionen aufgebaut, aber außer dem hölzernen und stählernen Knochengerüste durchaus nur ausgestopfte Puppen, mit welchen der Verfasser auf das unbarmherzigste umgeht, sie in die seltsamsten Posituren renkt und verrenkt, sie foltert und durchpeitscht, geistig und leiblich zerfleischt, freilich ein Nichtfleisch ohne Barmherzigkeit zerfetzt und in Lappen zerreißt; doch das alles geschieht mit dem entschiedenen historisch-rhetorischen...
Seite 143 - Kreise will ich nur so viel sagen : es ist eine Literatur der Verzweiflung, woraus nach und nach alles W.ahre, Ästhetische sich von selbst verbannt.
Seite 122 - Jeder Naturforscher wußte außerdem, daß Tieck, geistreich, witzig, weich, sanft und glatt, aber ohne Masse, der Natur ganz unkundig und selbst abhold, ein Kind einseitiger Studien und einseitiger geselliger Verhältnisse, des Theaters und des Theetisches, gleichsam aus Lindenholze leichtfertig geblasen, Goethe dagegen aus Eichenholze fest und zähe gewachsen sey, daß jener aus Spinnwebe, dieser aus Draht seine Kunstwerke flechte.
Seite 142 - Nun aber bin ich veranlaßt Dich in entgegengesetzte Regionen zu führen, indem ich kürzlich refemen möchte: daß ich, durch das Strudeltagsgelese, in die gränzenlosen Schrecknisse der neusten Französischen Romanliteratur bin hineingeschleppt worden. Ich will mich kurz fassen: es ist eine Literatur der Verzweiflung. Um augenblicklich zu wirken — und das wollen sie doch, weil eine Ausgabe...
Seite 101 - Material zusammengestoppelten und in fremdes buntscheckiges Pergament eingebundenen Bibliothek, als einer organisch von innen heraus nach, dem .Principe der Einheit des Lebens hervor gewachsenen und in die Farben der Volkseigenthümlichkeit eingekleideten National -Literatur.
Seite 89 - Pole; in der Vorzeit die Literatur des Mittelalters in aller ihrer befangenen Kraft und glanzvollen Trübe; in der jetzigen die neue classische Literatur seit der Mitte des vorigen Iahrhunderts in ihrer ungeheuer« Ausbreitung den Amerikanischen Strömen ohne festes Ufer nicht unähnlich, mit überragender aber meistens farbloser Helligkeit.
Seite 111 - Zustand der jugendlichen Geister in Deutschland, welche keinen festen Anhalt und Ausgang für die Zukunft zu haben glaubten, und die Nachahmungssucht der betreffenden Französischen Literatur.

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