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auch die Ausdehnung des Krieges auf das Gebiet des eigentlichen Königreichs Dänemark rechtfertigen.

Zugleich beschlossen die verbündeten Regierungen, gleichzeitig mit dem Vorrücken ihrer Truppen in Jütland den Kabinetten von Paris, London, Petersburg und Stockholm die Erklärung abzugeben, daß die Einbeziehung Jütlands in die Operationen durch militärische Rücksichten, sowie durch die dänische Kaperei motiviert sei, daher an den früheren Erklärungen der beiden Mächte nichts ändere, und daß sie nicht besser beweisen könnten, wie aufrichtig sie an ihren versöhnlichen Absichten festhielten, als indem sie sich bereit erklärten, einen Waffenstillstand, sei es auf der Basis der Räumung Düppels und Alsens durch die dänischen und Jütlands durch die östreichisch-preußischen Streitkräfte, sei es auf der Basis des militärischen Besitzstandes — in beiden Fällen unter der gleichzeitigen Bedingung der Einstellung aller Feindseligkeiten zur See, der Rückgabe der gekaperten Schiffe und der Aufhebung der Beschlagnahme der in einem Hafen befindlichen Schiffe — anzunehmen und in eine behufs der Herstellung des Friedens abzuhaltende Konferenz der beteiligten Mächte einzutreten. Auch wurde in der „Punktation" der gemeinsame Entschluß der Kabinette von Wien und Berlin angekündigt, die künftigen Friedensbedingungen unabhängig von den Stipulationen von 1851/52, welche durch den Ausbruch der Feindseligkeiten ihre bindende Kraft verloren hätten, aufzustellen und sowohl in Bezug auf die Zufammengehörigkeit der Herzogtümer Holstein und Schleswig als in Bezug auf deren versassungsmäßige, durch die nötigen Garantieen zu sichernde Stellung in der dänischen Monarchie andere, die Rechte und Jnteressen Deutschlands gewährleistende Grundlagen auf den Konferenzen in Vorschlag zu bringen.

Die gleichlautenden Noten an die oben genannten vier Mächte gingen am 7. März von Wien und Berlin ab. König Wilhelm richtete am 6. März folgendes Telegramm an den Feldmarschall v. Wrangel: „Mein Verbot, die jütische Grenze zu überschreiten, wird hiermit aufgehoben. Sobald Sie den Vormarsch nach Jütland beginnen, haben Sie dies Mir und Seiner Majestät dem Kaiser von ^streich direkt und telegraphisch anzuzeigen."

Jnzwischen wurde England nicht müde, Waffenstillstands- und Konferenzvorschläge zu machen. Das bereits erwähnte, an England, Frankreich und Rußland gerichtete Hilsegesuch Dänemarks vom 11. Februar, welches sich auf einen im Jahre 1720 abgeschlossenen, letzterem den dauernden Besitz von Schleswig gewährleistenden Vertrag berief, fand nicht die gehoffte Aufnahme. Jn Paris ließ man sich Zeit, die Frage einer so alten Garantie und die Zweckmäßigkeit einer Konferenz vorerst zu „studieren". Der rufsische Reichskanzler, Fürst Gortschakow, wollte von materieller Hilse nichts wissen und nur moralischen Beistand zur Wiederherstellung des Friedens gewähren. Der einzig richtige Weg fei eine Konferenz. Jnzwischen müsse man die diplomatischen Bestrebungen dahin richten, daß das Band, welches die Kabinette von Wien und Berlin noch an die Verträge binde, nicht zerrissen werde; dasselbe fei in Wien ziemlich fest, in Berlin loser; man müsse an beiden Stellen dahin wirken, daß das Band bis zur Konferenz vorhalte. Bei solchen Vorgängen lehnte England am 19. Februar das Hilsegesuch Dänemarks ab, da es nur in Gemeinschaft mit Frankreich und Rußland handeln wollte. Bismarck, mit welchem der englische Gesandte am 13. Februar sprach, sagte demselben, von Waffenstillstand könne nach Ansicht der militärischen Autoritäten nicht die Rede sein, so lange dänische Truppen auf der Jnsel Alsen ständen.

Am 23. Februar machte England einen neuen Versuch. Es sandte an die Mächte die Einladung zu einer Konferenz, ohne daß daran die Bedingung eines gleichzeitigen Waffenstillstandes geknüpft war. Bismarck erklärte, im Einverständnis mit dem Wiener Kabinett, die Bereitwilligkeit der verbündeten Mächte zur Beschickung solch einer freien Konferenz. Dänemark dagegen wollte eine Konferenz, welche nicht auf bestimmter Grundlage beriet, gar nicht annehmen. Man wollte dort den Krieg hinausziehen, da man auf die Behauptung der Stellungen von Düppel und Fredericia vertraute und auf die schließliche Einmischung Englands, Schwedens und sogar Frankreichs mit mehr Sicherheit als Berechnung hoffte. Der eben damals eröffnete dänische Neichsrat verlangte in der an den König gerichteten Adresse die Aufrechthaltung der Verbindung mit Schleswig nnd die nachdrückliche Fortführung des Krieges, worauf der König, welcher nebst dem Ministerium unter dem Druck der eiderdänischen Partei stand, erwiderte, daß er eine Lösung der bestehenden politischen Verbindung zwischen dem Königreich und Schleswig nicht zulassen werde. Frankreich, welches die Zeit zur Berufung einer Konferenz noch nicht gekommen glaubte, lehnte die Einladung ab.

Jm März tauchte der Konferenzvorschlag aufs neue auf. Dänemark sprach sich am 17. März für die Teilnahme an einer Konferenz aus, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß die Unterhandlungen von 1851 und 1852 in unzweideutiger Weise die Grundlage der Verhandlungen bilden würden. Diese Forderung wurde von Preußen und Ostreich abgelehnt. Bismarck erklärte dem englischen Gesandten am 19. März, Dänemark habe sich zwöls Jahre lang geweigert, die Verpflichtungen von 1851/52 zu erfüllen, unter dem Vorgeben, daß es unmöglich sei, und jetzt, da die englische Regierung eine freie Konferenz vorschlage und söstreich und Preußen bereit seien, dieselbe zu beschicken, erhebe die dänische Regierung den Anspruch, die Bedingungen für den Zusammentritt der Konferenz vorzufchreiben, und schlage als Grundlage für ihre Beratungen Abmachungen vor, auf Grund deren eine Schlichtung der Zwistigkeiten zwischen Deutschland und Dänemark herbeizuführen sich zwöls Jahre lang als unmöglich erwiesen habe. Die Abmachungen von 1851/52 feien durch den Krieg hinfällig geworden, und Dänemark dürse nicht erwarten, im Jahre 1864 dieselben Friedensbedingungen zu erlangen, die ihm bei Beendigung des Krieges von 1848 bewilligt worden seien.

Frankreich schlug, für den Fall des Zuftandekommens der Konferenz, dem Londoner Kabinett vor, die dänische Streitfrage durch eine Abstimmung der Bevölkerungen zu erledigen. „Der Gegenstand und der wirkliche Charakter dieses Streites ist offenbar die Rivalität der Völkerstämme, welche die dänische Monarchie bilden. Es tritt bei jedem derselben fein Nationalgefühl an den Tag, dessen Stärke nicht in Zweisel gezogen werden kann. Was kann deshalb natürlicher erscheinen, als daß man den Wunsch der Bevölkerungen zur Grundlage nimmt? Jndem wir die Anwendung eines Grundprinzips unseres öffentlichen Rechtes verlangen, und indem wir sowohl für Dänemark als für Deutschland den Vorteil dieses Prinzips in Anspruch nehmen, glauben wir die gerechteste und leichteste Lösung dieser Frage vorzufchlagen, welche in ganz Europa eine so lebhafte Unruhe hervorruft."

Die dänische Thronrede vom 21. März (am Schluß des Reichstags) gab eine sehr kriegerische Stimmung kund. „Noch stehen wir allein! Wir wissen nicht, wie lange Europa ein müßiger Zufchauer der Gewaltthat, die man gegen Uns und Unser Volk übt, sein will. Das müssen Unsere Feinde wissen, daß die Zeit noch sehr fern liegt, wo Wir oder Unser Volk dazu genötigt werden könnten, Uns einem für Dänemark demütigenden Frieden zu unterwersen. Eures Königs letztes Wort an Euch und an die, welche Euch gewählt haben, sei: Ausdauer!" Wollte England eine Konferenz zuftande bringen, so durste es die von Dänemark vorgeschlagene Grundlage nicht annehmen. Es kündigte daher am 23. März Konferenzen an, welche keine andere Grundlage haben sollten als die, „daß Mittel gesucht würden, um dem Norden Europas die Segnungen des Friedens wiederzugeben." Preußen und Ostreich nahmen diesen Vorschlag an, und Bismarck sprach sich in seinem an die Vertreter Preußens bei den deutschen Höfen gerichteten Schreiben vom 29. März mit aller Entschiedenheit über die Sachlage aus: „Wir können es weder mit den Pflichten gegen das eigene Land, noch mit denen gegen Deutschland vereinbar erachten, einen Zuftand herzuftellen, der sich als unhaltbar erwiesen hat, und dessen Aufrechthaltung uns jeden Augenblick von neuem in die Lage versetzen könnte, dieselben und schwerere Opfer zu bringen, ohne für dieselben irgend eine Kompensation zu erhalten. Es liegt im Jnteresse des europäischen Friedens selbst, an die Stelle eines solchen unhaltbaren Zuftandes, an welchen wir uns früher gebunden erachten mußten, von welchem aber Dänemark selbst uns jetzt entbunden hat, einen anderen, haltbaren und naturgemäßen zu setzen, welcher die Bürgschaften seines Bestehens in sich selber trägt. Die Mittel und Wege zu einem solchen politischen System zu finden und dadurch einen dauerhaften Frieden zu begründen, kann allein die Aufgabe der von England vorgeschlagenen Konserenz sein, und nur zu diesem Zweck und mit dieser Absicht können wir dieselbe annehmen." Es dauerte übrigens noch lange, bis die europäischen Diplomaten zu einer Konferenz in London zufammenkamen. Ob dieselbe zu einem Ergebnis führte, war bei dem insularen Trotz des kleinen, von England verhätschelten Dänemarks sehr fraglich. Die militärischen Ersolge der Verbündeten mußten noch weit bedeutender sein, wenn Dänemark zur Erkenntnis seiner selbstverschuldeten Notlage kommen sollte.

Über den Einmarsch in Jütland hatten sich Preußen und Ostreich verständigt. Die Einschließung der Düppeler Stellung nahm bei der Energie der preußischen Kriegsleitung einen immer bedrohlicheren Charakter an. Der Festung Fredericia stand gleichfalls eine Einschließung bevor, um Ausfälle und Vorstöße in die Flanke der in Jütland vorrückenden Truppen zu verhindern. Mit Ausnahme der Jnseln und der Düppeler Schanzen war ganz Schleswig in der Gewalt der Verbündeten.

Die Ausdehnung des Kriegsschauplatzes und die Sicherung der rückwärtigen Verbindungen veranlaßte die Verbündeten, für Herbeiziehung weiterer Truppenteile zu sorgen. Preußen schickte zu Anfang Februar eine Jnfanteriebrigade unter General v. Raven und zu Ende des Monats eine zweite Brigade nach den Herzog

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