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nach Flensburg führenden Straßen. Um 12 Uhr nachts begann der Abmarsch der vordersten Truppen. Am Abend des 6. Februar befanden sich jämtliche Truppen in oder bei Flensburg, einige noch etwas nördlicher. General de Meza brach am 5. Februar nachts 11 Uhr von Schleswig auf, langte am 6. in Flensburg an und eilte sofort nach Gravenstein, in der Richtung nach Düppel.

In der Frühe des 6. Februar erhielt General v. Gablenz durch einen Offizier die Nachricht, daß die Stadt Schleswig von den Dänen geräumt sei, und bald darauf meldete ihm eine Abordnung Schleswigicher Bürger, daß auch jämtliche Schanzen verlassen seien. Er begab sich sofort in die Stadt, welche bereits von einem östreichischen Regiment beseft war, ordnete die Verfolgung des Feindes an und übernahm persönlich die Leitung der jelben. Der dänischen Nachhut wurden kleine Gefechte geliefert, Kanonen und Wagen wurden erbeutet, mehrere Gefangene gemacht. Bei Översee stand eine dänische Brigade, welche den Befehl hatte, dort einige Zeit auszuharren und dadurch den vorderen Truppen einen Vorsprung zu verschaffen. Daraus entwickelte sich am 6. Februar das größere Gefecht bei Översee.. Die dänische Brigade hatte eine sehr günstige Stellung auf dem Höhenzug, welcher sich nördlich von Oversee der Straße entlang hinzog und westlich an den Sankelmarker See sich anlehnte. Zwei Geschüße waren auf dem Höhenzug aufgestellt. Sechs östreichische Geschüße richteten ihr Feuer auf diese Stellung, und die Liechtenstein-Husaren stürmten gegen das Fußvolk an, konnten aber nichts ausrichten. Da kamen gegen 31, Ihr die vordersten Truppen der Brigade Nostig bei Översee an. General v. Gablenz, welcher soeben vom Oberkommando den Befehl erhalten hatte, den Engweg von Översee 311 beseßen und seine Reiter gegen Flensburg rekognoszieren zu lassen, beschloß, von einer Umgehung der feindlichen Stellung abzusehen und dieselbe in der Front anzugreifen, um noch vor Einbruch der Nacht eine Entscheidung herbeizuführen. Die östreichische Artillerie nötigte bald die zwei dänischen Geschüße, nadh Bilschau zurückzu

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gehen; die Bataillone gingen gegen den Höhenzug vor und beseşten den Waldrand. Ein Vorstoß der Dänen wurde zurück geschlagen; der Angriff wurde erneuert und wieder zurückgewiesen, die rückwärts liegenden Orte Bilschau und Munkwolstrup von den Östreichern beseßt, die Dänen gegen Flensburg zurückgedrängt, von wo aus ihnen Truppen zur Unterstüßung entgegengeschickt wurden. Sie hatten an diesem Tage ziemliche Verluste: 14 Tote, 192 Verwundete, 676 Gefangene und Vermißte. General Steinmann war von einem Granatsplitter getroffen, blieb aber beständig im Gefecht. Die Östreicher hatten einen Verlust von 30 Offizieren und 403 Mann. Das ganze II. Korps folgte dem Gegner nach Norden. Auch das III. Korps, bei welchem die Nachricht von dem Abzug des Feindes erst nach 8 Uhr morgens eingetroffen war, hatte sich sogleich in Marsch gesekt, seine Vortruppen bis Wanderup (westlich von Oversee) vorgeschoben und mehrere Geschüße erbeutet.

Beim I. Korps hatte man den Abzug des Feindes schon vor Mitternacht erfahren, worauf die 12. Brigade von Ellenberg aus auf Booten nach Cappeln überseşte, um von dort einige Abteilungen auf Wagen rasch gegen Flensburg weiterzuschaffen. Leteres konnte nicht ausgeführt werden, da die Dänen sämtliche Wagen mitgenommen hatten. Unter dem Schuß von drei Batterieen wurde der Brückenschlag bei Arnis begonnen; bald nach 10 Uhr vormittags war die Brücke hergestellt, worauf das ganze übrige Korps dieselbe überschritt. Die Zieten Husaren eilten voraus bis Sterup, obgleich die Straßen so glatt waren, daß die Reiter mehrmals ihre Pferde führen mußten, und die übrigen Abteilungen des Korps folgten.

Feldmarschall v. Wrangel hielt mit dem Kronprinzen am Vormittag des 6. Februar unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug in Schleswig und erließ den Befehl, daß am 7. Februar die drei Korps gegen Flensburg vorrücken und einen Angriff auf die Stadt und auf die dänische Nachhut machen sollten. Aber dazu kam es nicht; denn die Dänen verließen Flensburg schon in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar, und die Verbündeten betrieben die Verfolgung nicht sonderlich schneidig. Das I. Korps, dessen Vorhut - Reiterei am 7. Februar morgens zuerst unter den verbündeten Truppen in Flensburg eingezogen war, bezog, nachdem es die Landspiße von Hollnis beseft hatte, auf Befehl des Oberkommandos südöstlich von Flensburg, das II. Korps südlich davon Quartiere, in welchen sie bis zum 10. Februar blieben. Die Verfolgung und Rekognoszierung des Feindes wurde vom Feldmarschall v. Wrangel, der am 7. Februar sein Hauptquartier nach Flensburg verlegte, dem III. Korps übertragen. Die Vorhut desselben war am 7. über Flensburg hinaus vorgedrungen und sollte erkunden, ob der größere Teil der dänischen Rückzugsarmee von Flensburg aus rechts nach Düppel oder geradeaus nach Apenrade abmarschiert sei. Das erstere war der Fall. Von den vier dänischen Divisionen besepte am 8. Februar eine die Düppeler Schanzen und die in der Nähe gelegenen Ortschaften, zwei andere gingen von dort nach der Insel Aljen über, die vierte schlug den Weg nach Apenrade ein.

Um sich Gewißheit zu verschaffen, schickte General v. d. Mülbe am 9. Februar Infanterie und Reiterei gegen Düppel vor. Erstere kam bis Gravenstein und besefte diesen Ort, legtere drang bis Nübel vor, hatte dort ein Dorfgefecht zu bestehen und trat den Rückzug an. Auf die Angabe der dänischen Gefangenen, daß die Düppeler Schanzen geräumt seien und daß die dänische Nachhut im Begriffe stehe, gleichfalls nach Alfen überzugehen, gab General v. 0. Mülbe der Vorhut den Befehl, gegen Düppel vorzurücken und die dortigen Schanzen, falls sie geräumt seien, zu beseßen. Aber die vorausgeschickten Husaren fanden die Straße bei Nübel von den Dänen beseßt und erfuhren von den Landleuten, daß dieselben noch in den Düppeler Schanzen ständen. Daher ließ der General die Vorhut Quartiere bei Gravenstein beziehen. Doch schickte er am 10. Februar aufs neue Rekognoszierungstruppen ab, teils gegen Rackebüll, teils nach Nübel. Dieselben stießen dort auf überlegene Streitkräfte und zogen sich nach kurzem Gefecht zurück. Sicher war nun, daß das Vorterrain der Düppeler Stellung von den Dänen stark beseft war. Die in der Richtung nach Apenrade abgeschickten Truppen erfuhren, daß die Stadt von den Dänen geräumt sei, und besepten am 11. Februar dieselbe.

Die im Sundewitt bei Düppel aufgestellten dänischen Truppen beeilten sich, ihre Stellung zu verstärken und drei hintereinander liegende Verteidigungslinien einzurichten: die vorderste erstreckte sich vom Wenningbund bis Ravenskoppel am Alsensund, die mittlere vom Spißberg über Düppel und Rackebüll nach Batrup am Sund, die hinterste und stärkste Linie bildeten die Düppeler Schanzen selbst. In dieser Flankenstellung erwartete das dänische Heer den Angriff des Gegners und konnte, da es dort einen Rück halt an der Insel Alsen hatte und diese Stellung nicht zu umgehen war, seine ganze Ausdauer und Tapferkeit zeigen.

In Kopenhagen war man mit dem eigenmächtigen Vorgehen des Oberbefehlshabers de Meza sehr unzufrieden. Am 7. Februar wurde Ministerrat gehalten. Der Kriegsminister Lundbye beschwerte sich sehr darüber, daß der General in betreff der Räumung der Dannewerkstellung nicht rechtzeitig angefragt habe. Der Ministerpräsident, Bischof Monrad, verteidigte den General, der durch sein Verfahren die dänische Armee gerettet habe, erklärte sich jedoch damit einverstanden, daß General de Meza und sein Generalstabschef, Oberst Kauffmann, nach Kopenhagen berufen würden, um über ihre Handlungsweise sich zu rechtfertigen. Beide reisten, nachdein ihnen am 8. Februar das Telegramm des Kriegsministeriums zugekommen war, sofort nach Kopenhagen ab. Die Leitung des Oberkommandos und des Generalstabs übernahmen vorläufig General Lüttichau und Major Stjernholm. Der Bes richt, welchen General de Meza dem Kriegsministerium vorlegte, konnte ihn nicht davor bewahren, daß er seiner Stelle entseßt und an die Spiße des ersten Generalfommandos in Seeland gestellt wurde. Zum Oberbefehlshaber der Feldarmee wurde am 1. März General Gerlach ernannt und der ebengenannte Major Stjernholm als Generalstabschef ihm beigegeben, während Oberst Kauffmann das Kommando einer Brigade erhielt.

2) Von Flensburg nach Düppel und nach Jütland.

Im Lager der Verbündeten wurde in Anwesenheit des Generals von Moltke, der am 12. Februar dort eintraf, ein neuer Operationsplan entworfen. Das I. Korps, welches seine Quartiere in der Nähe von Glücksburg hatte, sollte von dort nach dem Sundewitt aufbrechen und das dort stehende III. Korps ablöjen, jedoch die feindliche Stellung bei Düppel nicht sofort angreifen, sondern dieselbe zunächst eingeschlossen halten. Dieser Befehl wurde in den nächsten Tagen ausgeführt und die Vorposten des I. Korps bis zur Linie Nübel-Ballegaard vorgeschoben, während die dänischen Vorposten die Linie Wenning-Sandberg einnahmen.

Das III. Korps sollte von Sundewitt nach Apenrade abmarschieren, von dort nach Norden bis Christiansfeld ziehen und seine Vortruppen bis zur jütischen Grenze vorschieben; das II. Korps, welches noch bei Flensburg stand, sollte die nämliche Richtung einschlagen. Am 12. Februar wurde vom III. Korps Hadersleben, am 17. Christiansfeld, vom II. Korps in jenen Tagen das westliche Tondern beseßt. Die preußischen Vortruppen standen hart an der jütischen Grenze. Kolding, die jütische Grenzstadt, wurde am 18. Februar von den Dänen geräumt, worauf die Preußen sie beseßten und den Feind bis Nörre-Vjert verfolgten.

So sehr auch dieser Erfolg in militärischer Beziehung willkommen war, jo fühlte sich doch die preußische Diplomatie in einiger Verlegenheit, da die östreichische Regierung mit einer Ausdehnung der Feindseligkeiten auf Jütland durchaus nicht einverstanden war. In der zwischen dem preußischen Ministerpräsidenten v. Bismarck und dem östreichischen Gesandten in Berlin,

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