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sollte das I. Korps gegen die stark befestigte Stellung bei Missunde vorrücken, den Feind über die Schlei zurückwersen und selbst seinen Übergang dort bewerkstelligen, während das II. Korps das Dannewerk erstürmte und das III. von Rendsburg bis zur Sorge vorging. Nach Wegnahme des Dannewerks sollten alle drei Korps den nach Flensburg und Düppel abziehenden Feind mit aller Energie versolgen; das I. und III. Korps, jenes rechts, dieses links vom Feind, sollten beständig dessen Flanken bedrohen, in der Nähe von Flensburg ihm auf dem Marsch nach Düppel zuvorkommen und selbst die dortige Stellung besetzen. Dieser Plan war ausführbar, wenn der Feind es auf einen Sturm ankommen ließ und in seinen Schanzen einen geringeren Widerstand leistete, als man erwartete.

Prinz Friedrich Karl hielt bei seinem Vormarsch die 13. Division links, die 6. rechts, ließ jene nebst der Avantgarde bei Cluvensiek, diese bei Levensau die Eider überschreiten und rückte am Morgen des 1. Februar in der Richtung nach Eckernförde vor. Der Feind hatte seine an der Eider aufgestellten Truppenabteilungen bereits zurückgezogen, leistete bei Holtsen und Lehmsiek einigen Widerstand, eröffnete von der Eckernförder Bucht aus mit zwei Kriegsschiffen einen Geschützkampf gegen die am Sandkrug und beim Mövenberg aufgestellten preußischen Batterieen, mußte aber bald die Schiffe, von denen eines sehr beschädigt war, aus der Bucht zurückziehen. Er räumte die Stadt Eckernförde und zog sich gegen Abend nach Missunde zurück. Prinz Friedrich Karl hielt die Straße von Eckernförde bis Groß - Wittensen fest und ließ hinter dieser Linie die beiden Divisionen Quartiere beziehen.

Das II. Korps unter Feldmarschall-Leutnant v. Gablenz ging in der Frühe des 1. Februar bei Rendsburg, wo, dem Befehl zuwider, die Eisenbahnbrücke nicht gesprengt worden war, über die Eider, während die dort von den Dänen zurückgelassene Hufarenabteilung über die Sorge zurückging und die Brücken zerstörte. Die Lichtenstein-Hufaren fanden bei Sorgbrück eine Furt, über

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schritten die Sorge imd vertrieben die dänischen Truppen; die Brigade Gondreconrt folgte ans Notbrücken und stellte die abgebrochenen Brücken wieder her. Die östreichischen Vorposten hatten abends die Linie Sorgbrück—Wittensee inne und schlossen sich bei letzterem Orte an die Vorposten des I. Korps an. Somit war das Ergebnis dieses ersten Tages, daß das I. Korps noch 1 Meile von der dänischen Stellung bei Missunde, das II. Korps noch zwei Meilen von den Befestigungen bei Schleswig stand, und daß die vorgeschobenen Truppen der Däuen sich nach der Dannewerk linie zurückgezogen hatten.

Es ließ sich also für die folgenden Tage ein heftigerer Widerstand erwarten. Dies hatte Prinz Friedrich Karl bei der Fortsetzung seines Marsches auf Missunde zu empfinden. Der fast widerstandslose Rückzug der Dänen am 1. Februar konnte die Vermutung aufkommen lassen, daß die Dänen sich noch weiter zurückziehen, die in dem schmalen Zugang vor Missunde befindlichen zwei Schanzen gegen ein kräftiges Artilleriefeuer nicht länger halten und die Stellung bei Missunde preisgeben würden. Der Prinz meldete daher dem Oberkommando, „er wolle den Versuch machen, in den Besitz des dortigen Vorterrains oder vielleicht des Brückenkopfes zu gelangen". Dies führte zum Gefecht bei Missunde am 2, Februar.

Die Dänen hatten nicht im Sinne, eilsertig eine Stellung aufzugeben, von welcher aus, wenn sie in den Händen der Preußen war, das eigentliche Dannewerk im Rücken und in der linken Flanke bedroht war, während gegen die Front die Ostreicher anrückten. Als daher die preußische Vorhut unter dem Befehl des Generals Manstein den Versuch niachte, „durch eine kräftige Beschießung der Schanzen den Gegner zur Räumung derselben und zum Aufgeben des füd lichen Schleiufers zu veranlassen," entspann sich ein heftiges Gefecht, das bei dem starken Nebel etwas Unsicheres hatte. Um sich über die Stärke imd Absichten der Preußen Aufklärung u> verschaffen,

Müiier, Eimgungsknege. 4

machte der dänische General Gerlach einen Ausfall. Die Truppen stießen auf die vorgehenden preußischen Bataillone, griffen dieselben an, wurden aber bald nach den Schanzen zurückgeworsen. Einige Abteilungen gerieten angesichts der Verheerungen des Zündnadelgewehrs in solche Bestürzung, daß sie nach dem Dors Missunde und von da bis nach dem Brückenkopf zurückeilten. Jn diesem Kampfe wurde der preußische Oberstleutnant v. Francis schwer verwundet. Die Bataillone folgten den Zurückweichenden bis in die Nähe der Schanzen und beschossen die Bedienungsmannschaften. Jnzwischen war eine preußische Jnfanteriebrigade und die Reserveartillerie auf dem Kampfplatz eingetrosfen, worauf ein heftiger Geschützkampf eröffnet wurde. Auch die Dänen erhielten Verstärkung an Artillerie und Jnfanterie. Da aber der Nebel jedes Urteil über die Wirkungen des Geschützfeuers hinderte, so wurde nach längerer Beschießung der Schanzen nnd nach Jnbrandsteckung des Dorses Missunde und des Fährhaufes an der füdlichen Brücke von dem preußischen Kommando das Gefecht abgebrochen. Die Mannschaften bezogen wieder ihre früheren Stellungen, wobei sie von den dänischen Schanzen ein lebhaftes Feuer auszuhalten hatten. Die Verluste der Preußen in diesem Gefecht betrugen an Toten 3 Offiziere und 30 Mann, an Verwundeten 9 Offiziere und 152 Mann, an Vermißten 5 Mann; die der Dänen 8 Offiziere und 132 Mann. Prinz Friedrich Karl gewann durch die Beobachtung dieses Gefechts die Überzeugung, daß bei Missunde der Übergang nicht zu bewerkstelligen fei, richtete daher sein Augenmerk nach der nordöstlichen Linie, der unteren Schlei, und schickte Rekognoszierungstruppen in dieser Richtung ab. Das dänische Oberkommando suchte den preußischen Absichten dadurch zu begegnen, daß es nach der unteren Schlei schwere Geschütze abschickte und den Übergang bei Nis befestigte. Ein gleichzeitig von Schleswig aus unternommener Vorstoß traf bei Torffchuppen eine östreichische Reiterabteilung, wurde von dieser zurückgeworsen, erhielt aber Verstärkung und zwang die Ostreicher zum Rückzug.

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