Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

sudlich von der Saar aufgestellt. Den rechten Flügel auf den vor dem Dorse Spicheren gelegenen Höhen bildete die 3. Division unter General Laveaucouvet, den linken bei Stiring, hart an der Straße Saarbrücken-Forbach, die 1. Division unter General Vergö, die Reserve füdlich von Spicheren die 2. Division unter General Bataille. Zur Unterstützung dieses Korps standen, zwei Meilen füdlich von demselben, zwischen St. Avold und Saargemünd das 3. Korps unter General Bazaine, bei Bouzonville an der Nied, nördlich von St. Avold, das 4. Korps unter General Ladmirault, bei Courcelles, zwischen St. Avold und Metz, das Gardekorps unter General Bourbaki. Bei solchen Reserven konnte General Frossard von seiner „uneinnehmbaren" Stellung aus einem Angriff ruhig entgegensehen. Aber auf das richtige Eintreffen der benachbarten Korps war, wie schon General Failly gezeigt hat, nicht sicher zu rechnen, und was den Franzosen uneinnehmbar erschien, galt in den Augen der preußischen Soldaten nur für schwer einnehmbar.

Nach dem Plane des Generals Moltke sollte das Frossardsche Korps nicht auf den Höhen von Spicheren angegriffen werden, jedenfalls nicht mit ungenügenden Streitkräften, sondern dadurch, daß die Erste Armee die Stellungen desselben bei Forbach, die Zweite Armee die bei Saargemünd gleichzeitig umgingen, sollte das französische Korps entweder zu schleunigem Rückzug genötigt oder, falls es seinen Posten nicht verließ, durch die Übermacht vernichtet werden. General Frossard, eine solche Katastrophe befürchtend, erklärte schon am 5. .Auguft seine Stellung für gefährdet und sprach den Wunsch aus, gegen Saargemünd oder St. Avold abziehen zu dürsen, und das französische Oberkommando war damit einverstanden. Es ist daher unzweiselhaft, „daß er, wenn auch nicht schon auf die Nachricht von dem Anmarsch der Ersten und Zweiten Armee, so doch jedenfalls auf die Kunde von der Niederlage bei Wörth feine Stellung freiwillig geräumt und sich nach der Mosel zurückgezogen hätte."

Müiier. Einigungskriege. L6

Nach den Anordnungen des Generals v. Steinmetz, dem Oberbefehlshaber der Ersten Armee, sollte das 7. Korps unter General v. Zastrow am 6. Auguft bis zur Saar vorrücken, aber an diesem Tage dieselbe nicht überschreiten. Das Korps bestand aus der 13. (General v. Glümer) und 14. (General Kameke) Division, von welchen jene rechts über Püttlingen nach Völklingen, diese links über Luisenthal gegen Saarbrücken vorgehen sollte. Von der Zweiten Armee, welche durch die Rheinpfalz marschierte, war das 3., bei Neunkirchen stehende Korps, dem linken Flügel der Ersten Armee am nächsten. Die zur Zweiten Armee gehörige 5. Kavalleriedivision unter General v. Rheinbaben hatte bereits einige Reiterabteilungen bis an die Saar vorgeschoben. Das Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl war am 6. August in Homburg. Ein Zufammenwirken dieser beiden Armeen ergab sich somit von selbst. Aber das Zufammenwirken beruhte nur auf zufälligem Zufammentreffen, nicht auf berechneter Strategie. Die auf falschen Meldungen rekognoszierender Offiziere beruhende Ansicht, daß das Frossardsche Korps sich schon auf dem Rückzug befinde, daß größere Abteilungen desselben auf der Eisenbahn bei Forbach eingestiegen und zwei Bataillone und eine Batterie zur Sicherung des Rückzugs zurückgelassen seien, veranlaßte die Generale Kameke und Rheinbaben zu dem Entschluß, in diesen Rückzug störend einzugreisen und dem abziehenden Feinde möglichst viel Schaden zuzufügen. Zuerst ging Rheinbaben mit seinen Reitern um 11 Uhr vormittags bei Saarbrücken über die Saar und schickte zwei Schwadronen zur Rekognoszierung voraus. Sobald diese auf dem Exerzierplatz anlangten, erhielten sie von den Spicherer Höhen aus heftiges Geschützfeuer und fanden alle Höhen und Abhänge vom Feinde besetzt, daher sie sich zurückziehen mußten. Eine Stunde später überschritt die Division Kameke de n Fluß, zog gleichfalls nach dem Exerzierplatz, drängte die noch im Thale befindlichen französischen Truppenteile zurück und versolgte sie bis zu den steilen, bewaldeten Höhen. Aber hier fand sie einen Widerstand, welchen sie allein nicht zu brechen vermochte. General Kameke erkannte jetzt seinen Jrrtum; aber die militärische Ehre erlaubte ihm nicht, den Rückzug über die Saar anzutreten. Er ließ mit der einen Brigade den Feind in der Front, mit der anderen in der linken Flanke, bei Stiring, angreisen, fand aber überall eine feindliche Übermacht, namentlich an Artillerie. Trotzdem hielt die Division zwei Stunden lang, von 1 bis 3 Uhr den mörderischen Kampf aus.

Erst gegen 3 Uhr trafen Verstärkungen auf dem Schlachtfelde ein, zuerst die Vorhut der zum 8. Korps gehörigen und von General v. Barnekow befehligten 17. Jnfanteriedivision, dann mehrere Bataillone der 5. Jnfanteriedivision (General v. Stülpnagel), welche zum 3. Korps gehörte. Der Kanonendonner von Spicheren hatte die Kameraden an die Saar geführt. Die Verstärkung betrug 15 Bataillone, 7 Schwadronen und 12 Batterieen. Gegen 5 Uhr gelang es, den rechten Flügel der Feinde zu umgehen, von St. Arnual aus die vorspringenden Berge zu ersteigen und die Höhe von Spicheren zu erreichen. General v. Francis und der Hauptmann v. Oppen, welche in der vordersten Reihe der Stürmenden waren, starben hier den Heldentod. Das brandenburgische Grenadierregiment Nr. 12 erkletterte, ohne einen Schuß zu thun, die steile Bergwand, dem Feuer des Feindes beständig ausgesetzt, erreichte fast atemlos und erschöpft die Höhe, brachte dort noch ein kräftiges Hurra aus und zwang den bestürzten Feind zum Zurückweichen nach einer Waldschlucht. Dieses Regiment hatte binnen einer Stunde einen Verluft von 35 Offizieren und 771 Mann. Doch konnten diese Truppen ihre Stellung auf der Höhe ohne Artillerie nicht behaupten. Es schien unmöglich zu sein, den steilen Bergpfad hinauf Geschütze zu schaffen, und doch wurde die Aufgabe glücklich, wenn auch mit ungeheurer Anstrengung, gelöst. 12 Geschütze wurden auf der Höhe aufgestellt und eröffneten sosort ein sehr wirksames Feuer. Gegen 5 Uhr kam der kommandierende General v. Zastrow auf dem Schlachtfeld an und übernahm das Kommando, das bisher je der im Rang am höchsten stehende General geführt hatte, zuerst Kameke, dann Stülpagel und Göben, was wohl für die Gefechtsleitung nicht günstig war. Zugleich mit dem General v. Alvensleben, dem Kommandierenden des 3. Korps, langten einige frische Bataillone an, welche sosort gegen den rechten Flügel des Feindes abgeschickt wurden. Auf dem linken Flügel desselben wurde der bei Stiring ansteigende Wald den Franzosen entrissen.

Das Gefecht war zwischen 5 und 6 Uhr auf allen Punkten zum Stehen gebracht. Die deutschen Truppen hatten sowohl in der Front als auf den beiden Flügeln den Feind aus seinen vordersten Stellungen zurückgedrängt; aber dieser hatte noch sehr starke Stellungen inne, besonders auf dem füdwestlich von Spicheren gelegenen waldigen Kreuzberg. Von dort aus machte General Frossard starke Vorstöße gegen die Flügel des Gegners, um das verlorene Terrain wiederzugewinnen; aber an der festen Haltung der preußischen Jnfanterie und an dem heftigen Artilleriefeuer scheiterten alle seine Angriffe. Erst gegen 7 Uhr kam auf dem linken Flügel des Feindes die Entscheidung. Das Dors Stiring wurde genommen und die dort aufgestellte Division Vergv gegen Spicheren und Etzling zurückgeworsen. Die 13. Jnfanteriedivision unter General v. Glümer, erst 5 Uhr abends vom Beginn des Kampfes benachrichtigt, trat von Ludweiler aus den Marsch gegen Forbach an, drang durch den Forbacher Wald vor, erstürmte den vom Feinde befestigten und besetzten Kaninchenberg und wars noch vor Einbruch der Dunkelheit Granaten nach Forbach hinein und in die dort aufgestellten oder flüchtigen Massen der Franzosen.

Die Widerstandskraft des Feindes, welcher für die Sicherheit seiner Rückzugslinie fürchtete, war gebrochen. Um 9 Uhr abends trat das ganze Frossardsche Korps den Rückzug an, welcher zuletzt in eine förmliche Flucht ausartete. Der linke Flügel der Franzosen floh von Forbach nach St. Avold; was in der Front und auf dem rechten Flügel stand, wandte sich über Großblittersdors nach, Saargemünd, wo sie am 7. August vormittags 10 Uhr ankamen. Sie vereinigten sich mit dem Korps Bazaine und zogen mit diesem nach Metz zurück. Letzteres hatte nur anderthalb Meilen vom Schlachtfeld entfernt gestanden, aber keine Hilse geleistet.

Bei den angegebenen Terrainverhältnissen und bei dem Charakter des Kampfes ist es begreislich, daß die Sieger größere Verluste hatten als die Besiegten. Die Deutschen hatten an Toten und Verwundeten 223 Offiziere und 4648 (darunter 372 Vermißte) Mann; die Franzosen nach den Angaben des Generals Frossard einen Verlust von 249 Offizieren und 3S29 Mann, worunter etwa 1500 unverwundete Gefangene waren. Der Aufopferungssinn der Bewohner von Saarbrücken und St. Johann verdient die höchste Anerkennung: bis in das feindliche Granatfeuer gingen Männer, Frauen und Mädchen vor, um den deutschen Truppen Ersrischungen zu bringen und den Verwundeten Beistand zu leisten.

Die Sieger nahmen am Morgen des 7. Auguft die Verfolgung wieder auf, bemächtigten sich Forbachs, wo sie Vorräte aller Art erbeuteten, besetzten am 9. Auguft St. Avold und schickten ihre Rekognoszierungstruppen bis auf zwei Meilen vor Metz. Die Zweite Armee rückte teils über Saarbrücken, teils über Saargemünd vor. Mit dem Gesang: „Heil unserm König, Heil!" begrüßten diese Truppen den ersten französischen Grenzpfahl und zogen in der Nacht auf den 8. Auguft unter patriotischen Gesängen in Saargemünd ein, wo viel Proviant aufgehäuft war. Auch das königliche Hauptquartier rückte vor. Auf die Nachricht von den Siegen bei Wörth und bei Spicheren verließ König Wilhelm am 7. August Mainz, fuhr über Homburg nach Saarbrücken, von da am 11. Auguft über Forbach nach St. Avold und nahm hier sein erstes Nachtquartier auf französischem Boden. Am nämlichen Tage erließ er eine Proklamation an das französische Volk, worin er erklärte: „Jch führe Krieg mit den franzö

« ZurückWeiter »