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zelnen Truppenteil ausgearbeiteten Marsch- und Fahrtableaux einzufügen und so de n Transport beginnen zu lassen."

Das Territorium des Norddeutschen Bundes wurde in fünf Generalgouvernements eingeteilt. Von den fünf Generalgouverneuren hatte General Vogel v. Falckenstein seinen Sitz in Hannover, General v. Henvarth in Koblenz, General v. Bonin in Berlin, General v. Löwenfeld in Posen, General v. Fabrice in Dresden; für Württemberg wurde im Auguft der Kriegsminister v. Suckow zum Generalgouverneur ernannt.

Die militärischen Verhältnisse in Frankreich waren weit ungünstiger als die in Deutschland. Die Stärke des französischen Heeres betrug in der Mitte Juli 1870 im ganzen 567000 Mann; davon waren 230500 Mann nicht für die Feldarmee bestimmt, so daß für diese nur 336000 Mann übrig blieben. Die französische Flotte aber war der deutschen weit überlegen: in den Häfen befanden sich 33 Panzerschiffe, 100 hölzerne Schlachtdampfer und 96 Transportschiffe. „Eine imposante Macht, wenn sie versammelt und zur Verwendung bereit war; aber gerade daran fehlte viel." Die Marine-Jnfanterie bestand aus 9600 Mann. Das Marine-Artillerieregiment bestand aus 28 Batterieen; aber von diesen waren 20 mit 120 Geschützen in der Heimat. Man wollte etwa 6000 Mann mit 8 Batterieen und 2 Kavallerieregimentern nach den Küsten der Nordsee und Ostsee einschiffen; aber sobald die Nachrichten von den ersten unglücklichen Gefechten einliefen, wurden 3000 Mann von Cherbourg nach Paris befohlen und wenige Wochen darauf der größte Teil der Marinetruppen zur Verteidigung der Hauptstadt und anderer Festungen verwendet, infolgedessen von Landungen an der deutschen Küste keine Rede sein konnte und die Leistungen der Flotte auf Wegnahme von Handelsschiffen und Blockierung von Hafenstädten sich beschränkten.

Der französische Feldzugsplan, dessen Autorschaft dem Kaiser Napoleon selbst zugeschrieben wird, berechnete die auf dem Schlachtfelde verwendbaren deutschen Streitkräfte auf 550000 Mann, die eigenen auf 300 000. Diese numerische Überlegenheit der deutschen Armee glaubte Napoleon durch ein rasches Bordringen in Feindesland ausgleichen zu können. Sein Plan war, 150000 Mann bei Metz, 100000 Mann bei Straßburg und 50000 Mann bei Chalons als Reserve aufzustellen, die beiden ersten Armeen zu vereinigen und mit 250000 Mann den Rhein bei Maxau zu überschreiten. Baden, Württemberg und Bayern sollten in raschem Anprall zur Neutralität gezwungen und dann das preußische Heer, das er auf 350000 Mann schätzte, aufgesucht und bekämpft werden. Der Rücken der französischen Armee und die Nordostgrenze des Landes sollte durch die Reservearmee, die von Chalons nach Metz vorzurücken hatte, gedeckt, ein Teil der preußischen Streitkräfte durch das Einlaufen der französischen Flotte in der Nordsee und Ostsee festgehalten werden. Nach den ersten Ersolgen glaubte Napoleon den Anschluß Ostreichs und Jtaliens sicher erwarten zu dürsen. Dieser Plan konnte nur dann auf ein Gelingen hoffen, wenn Napoleon gleichzeitig mit der Kriegserklärung den Krieg begann und mit 250000 Mann den Rhein überschritt und wenn diese Armee in durchaus kriegsfähigem Zuftande war. Aber die Ausrüstung der französischen Truppen ließ beim Ausbruch des Krieges viel zu wünschen übrig. „Die schwächste Seite der französischen Heeresorganisation war der langsame und schwerfällige Übergang der Armee von den Friedensverhältnissen auf den Kriegsfuß." Die Kriegsvorräte waren teilweise an Orten angehäuft, wo man sie nicht brauchte, und fehlten da, wo sie dringend nötig waren. Die Eisenbahnen, welche nach Osten führten, waren nicht zahlreich genug; die Verwaltungen konnten die Massen von Menschen und Waren nicht bewältigen. Jnfolgedessen entstand eine ungeheure Verwirrung; von der Möglichkeit der Ergreifung der Offensive war gar keine Rede. Die französische Diplomatie hatte den großen Fehler begangen, daß sie den Krieg erklärte, bevor das Heer zum Kriege gerüstet war; sie stützte sich dabei auf die Aussage des Kriegsministers Leboeuf, welcher auf Befragen erklärte, er sei „überbereit". So konnte es nicht ausbleiben, „daß die Streitkräfte Frankreichs, noch ehe sie völlig versammelt und zu Offensivoperationen bereit waren, von den deutschen Armeen auf eigenem Gebiete angegriffen wurden."

Für die Aufstellung der französischen Feldarmee war folgendes bestimmt: das l. Korps sollte unter Marschall Mac Mahon bei Straßburg stehen, das 2. unter Divisionsgeneral Frossard bei St. Avold, das 3. unter Marschall Bazaine bei Metz, das 4. unter Divisionsgeneral Ladmirault bei Diedenhosen, das 5. unter Divisionsgeneral Failly bei Bitsch, das 6. unter Marschall Canrobert im Lager von Chalons, das 7. unter Divisionsgeneral Felix Douay bei Belsort, die kaiserliche Garde unter Divisionsgeneral Bourbaki bei Nancy. Das 1. und das 7. Korps, welche unter dem Befehl des Marschalls Mac Mahon standen, bildeten somit den rechten Flügel der französischen Aufstellung und hatten das Elsaß zu verteidigen: das 2., 3. und 4. Korps bildeten die Hauptmacht, und zwar das 2. bei St. Avold die Vorhut, das 3. bei Metz das Zentrum, das 4. bei Diedenhosen den linken Flügel; das 6. im Lager von Chalons und die Garde bei Nancy, welche für die Reserve bestimmt waren, wurden beim Anmarsch der überlegenen deutschen Streitkräfte nach Metz gezogen; das 5. Korps bei Bitsch unterhielt die Verbindung zwischen der Metzer und Straßburger Armee und sollte, je nachdem die Umstände es erforderten, bald dieser, bald jener eine Verstärkung zuführen, war aber auch der Gefahr ausgesetzt, daß es, wenn es dem kommandierenden General an Einsicht und Energie fehlte, zwischen zwei Schlachtfeldern stehen blieb. Kaiser Napoleon behielt sich den Oberbefehl über die „Rheinarmee", welcher Name den acht Korps beigelegt wurde, vor und ernannte den Kriegsminister Leboeuf zum Chef des Generalstabes dieser Armee; letzterer hatte zum Nachfolger im Kriegsministerium den General Dejean. Bis zur Ankunft des Kaisers in Metz führte Marschall Bazaine den Oberbefehl über sämtliche acht Armeekorps.

2) Die Kämpfe im August.

Bevor Kaiser Napoleon zur Armee abging, übertrug er für die Dauer seiner Abwesenheit der Kaiserin Eugenie die Regentschaft. Diese begab sich am 24. Juli nach Cherbourg, um die von dem Vizeadmiral Grafen Bouet-Villaumez befehligte Flotte, welche im Begriff war, in die Nordsee und die Ostsee abzufegeln, zu besichtigen. Am 28. Juli reiste der Kaiser mit seinem Sohne von St. Cloud nach Metz und übernahm den Oberbefehl über die Rheinarmee. Jn der an dieselbe gerichteten Proklamation stellte er einen „langen und mühevollen" Krieg in Aussicht, zweiselte aber nicht an der Besiegung „einer der besten Armeen Europas". „Das Weltall hat seine Augen auf euch gerichtet. Von unserem Ersolge hängt das Schicksal der Freiheit und der Zivilisation ab." Napoleon fand aber die Rheinarmee in einem so unfertigen Zustande, daß an eine Ergreisung der Offensive, an eine Überschreitung des Rheins bei Maxau nicht zu denken war.

Vorposten- und Rekognoszierungsgesechte hatten schon seit dem 19. Juli stattgefunden. Das bedeutendste war das bei Saarbrücken am 2. August, welchem Kaiser Napoleon und sein Sohn beiwohnten. Dasselbe scheint mehr auf die Befriedigung der Pariser Bevölkerung, welche Siegesnachrichten erwartete, als auf Erreichung militärischer Zwecke berechnet gewesen zu sein. Von der Ersten Armee, welche von General Steinmetz befehligt wurde, hatte die 16. Division einige Abteilungen gegen die Saar vorgeschoben, welche sämtlich unter dem Befehl des Generals Grafen Gneisenau standen. Von dem Füsilierregiment Nr. 40 stand ein Bataillon bei Saarbrücken, die zwei anderen, zu dessen Aufnahme bestimmt, eine Stunde nordwestlich davon bei Raschpfuhl. Die Stadt Saarbrücken liegt auf dem linken Ufer der Saar, der Bahnhos und die Stadt St. Johann auf dem rechten. Das bei Saarbrücken aufgestellte Bataillon unter Oberstleutnant v. Pestel stand schon etwa 14 Tage den Truppen des französischen Generals Frossard gegenüber und hatte am 2. Auguft den Exerzierplatz, den Nußberg und Winterberg, die füdöstlich gelegenen Orte Arnual und Brebach und das nördlich gelegene St. Johann besetzt. Es waren etwa 1000 Mann mit drei Schwadronen Reiterei und einigen Geschützen.

Jm französischen Hauptquartier war ausgemacht, daß das Korps Frossard den Angriff auf Saarbrücken unternehmen, zur Unterstützung desselben eine Division des Korps Bazaine gegen Völklingen vorrücken, eine Division des Korps Failly bei Saargemünd auf das rechte Ufer der Saar übergehen sollte. Man wollte sich der Höhen des linken Ufers der Saar, welche von den Preußen besetzt waren, bemächtigen und dadurch den Feind nötigen, seine Kräfte zu entwickeln und seinen Plan zu enthüllen. Gegen 10 Uhr vormittags wurde der Anmarsch des Frossardschen Korps gemeldet, das von den Höhen von Spicheren herabstieg und auf der von Forbach nach Saarbrücken führenden Straße, fowie rechts und links von derselben vorrückte. Das preußische Bataillon empfing den Feind mit lebhaftem Gewehr- und Geschützfeuer, machte Bajonettangriffe und brachte eine Zeitlang das Gefecht zum Stillstand. Aber es war nicht möglich, daß 1000 Mann einem französischen Armeekorps von 30000 Mann lange Widerstand leisteten. General Gneisenau, welcher die Weisung erhalten hatte, vor überlegenen Kräften sich zurückzuziehen, gab gegen 2 Uhr nachmittags den Befehl zum Rückzug. Dieser ersolgte unter dem Feuer der französischen Artillerie, welche sich auf den geräumten Höhen aufgestellt hatte. Saarbrücken und St. Johann wurden geräumt und nördlich davon bei Hilschbach ein Biwak bezogen. Die nachrückenden Franzosen beschossen die unverteidigte Stadt Saarbrücken und den Bahnhos. Eine Versolgung wagten sie nicht; vielmehr zogen sie sich, in dem Wahn, ein Korps von wenigstens 20000 Mann zum Rückzug genötigt zu haben, nach den Höhen zurück. Die Preußen hatten einen Verlust von 4 Offizieren und 79 Mann, die Franzosen einen solchen von 6 Offizieren

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