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enthielten die Ersolge des letzten Krieges eine ernste Lehre für Frankreich: „sie zeigen uns die Notwendigkeit, unsere militärische Organisation unverzüglich zur Verteidigung unseres Gebietes zu vervollkommnen." Napoleon sah ein, daß über die Rheingrenze mit Preußen nicht zu verhandeln sei, und richtete seine begehrlichen Blicke auf Luxemburg und auf Belgien, was neue Verwicklungen veranlaßte. Unter allen Umständen glaubte Bismarck, wie er dem König gesagt haben soll, gut daran zu thun, wenn er Preußen die Allianz einer großen Macht verschaffte. Diesem Zwecke diente die Sendung des Generals v. Manteuffel, Generaladjutanten des Königs, welche in den ersten Tagen des Auguft ersolgte. Derselbe hatte den Auftrag, dem rufsischen Hos, welcher vermöge seiner politischen und verwandtschaftlichen Beziehungen lebhaften Anteil an den Veränderungen in Deutschland nahm, nähere vertrauliche Mitteilungen über die notwendigen Gesichtspunkte und Schritte Preußens zu machen, und er ersüllte, bei dem Entgegenkommen der rufsischen Regierung, seine Aufgabe zur vollen Zufriedenheit des Königs. Graf Benedetti, welcher von dieser Sendung ersuhr und Preußen bewegen follte, mit Frankreich einen Allianzvertrag zu schließen, schrieb hierüber am 29. Auguft, die Vergeblichkeit seiner Bemühungen ahnend: „Wenn man die Allianz Frankreichs ablehnt, so geschieht es deshalb, weil man sich schon anderweitig gesichert hat, oder weil man auf dem Punkt steht, es zu thun."

2) Ver Feldzug in Italien.

Preußens Bundesgenosse, der König von Jtalien, erlitt am 20. Juli eine zweite Niederlage. Seine Flotte, welche unter dem Admiral Persans sich der Jnsel Lissa bemächtigen wollte, wurde von dem östreichischen Contreadmiral Tegetthosf angegriffen, zwei Panzerschiffe vernichtet und Perso.no zum Rückzug nach Ankona genötigt. Zu Land hatte der König iwch dem Abzug der zwei östreichischen Armeekorps leichtes Spiel. Das in Venetien zurückgelassene Armeekorps räumte das ebene Land und hielt sich im Festungsviereck, welches Lamarmora mit mehreren Divisionen beobachtete. General Cialdini, welcher mit dem übrigen Teil des Heeres vom unteren Po aus über die Etsch, Brenta und Tagliamento ging, fand nirgends Widerstand als bei Borgosorte, wo er die Besatzung des Brückenkopfes am Po durch das Feuer seiner Artillerie zum Rückzug nach Mantua zwang. Garibaldi, welcher mit seinen Freiwilligen in das Judicarienthal in Tirol eingedrungen war, richtete gegen die tiroler Schützen nichts aus. Der Plan der Italiener, sich des füdlichen Tirols zu bemächtigen, schien sich zu verwirklichen, als Cialdini eine Division unter General Medici gegen Trient abschickte und dieser am 24. Juli noch zwei Meilen davon entfernt stand. Am weiteren Vorrücken wurde er dadurch verhindert, daß die in Molsburg beschlossene Waffenruhe am 25. Juli auch in Jtalien verkündigt wurde. Die Erklärung Viktor Emanuels, daß er außer Venetien auch das italienisch redende Südtirol beanspruche, schuf eine neue, für Jtalien sehr ungünstige Lage; denn Preußen und Frankreich waren in ihren diplomatischen Abmachungen nur für Venetien eingetreten, nicht für weitere Eroberungen, Ostreich aber erklärte, daß es von Südtirol kein Dors abtrete, und schickte nach dem Abschluß der Präliminarien von Nikolsburg große Truppenmassen von der Donau nach Jtalien. Eine starke Armee wurde am Jsonzo, eine Reserve bei Villach versammelt. Wollte Viktor Emanuel das füdliche Tirol erobern und behalten, so war er auf feine eigenen Truppen angewiesen, und was dies Ostreich gegenüber zu bedeuten habe, hatte er bei Custozza kennen gelernt. Den Ratschlägen Preußens und Frankreichs folgend, verzichtete er daher auf seine Ansprüche auf Südtirol, schloß am 11. Auguft mit Ostreich einen vierwöchigen Waffenstillstand und räumte ganz Südtirol. Am 3. Oktober wurde in Wien der Friede zwischen Ostreich und Italien unterzeichnet. Es folgte die Auslieferung der Eisernen Krone der Lombardei an diel italienische Regierung, der Abzug der östreichischen Truppen vom Festungsviereck und von Venedig, die Übergabe der Stadt an eine Kommission des Gemeinderats durch den von Napoleon abgesandten General Leboeuf und der Einzug der italienischen Truppen. Eine venetianische Abordnung meldete dem König in Turin, daß bei der Volksabstimmung 651 758 Stimmen für die Vereinigung Venetiens mit dem Königreich Jtalien sich ausgesprochen, nur 69 sich dagegen erklärt hätten. Der König unterzeichnete das Annexionsdekret und hielt am 7. November unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug in Venedig. „Jtalien ist gemacht, aber noch nicht vollendet," hatte Viktor Emanuel in Turin gesagt. Rom und der Rest des Kirchenstaates fehlten noch. Die Jtaliener hofften, auch diese Gebiete mit dem Königreich Jtalien vereinigen zu können.

5) Der ZNainfeldzug.

Der Feldzug am Main gegen die beiden füddeutschen Armeekorps begann am 1. Juli, zwei Tage vor der Schlacht bei Königgrätz. Was dort bisher geschehen war, waren nichts weiter als Hinund Hermärsche, welche zu keinem Ergebnis führten. Bei Bamberg stand das bayrische Korps mit den vier Divisionen Stephan, Feder, Zoller, Hartmann und der Reiterei unter dem Fürsten von Thurn und Taxis. Oberbefehlshaber war der Prinz Karl von Bayern, Generalstabschef Generalleutnant von der Tann, letzterer wider seinen Willen. Das 8. Bundeskorps war bei Frankfurt aufgestellt und bestand aus vier Divisionen. Die 1. Division bildeten die Württemberger unter Generalleutnant v. Hardegg, die 2. die Badener unter dem Prinzen Wilhelm von Baden, die ö. die Hessen-Darmstädter unter Generalleutnant v. Perglas, die 4. Ostreiche?, Nassauer, Kurhessen unter dem östreichischen Feldmarschallleutnant Grafen v. Neipperg. Den Oberbefehl führte Prinz Alexander von Hessen; Chef des Generalstabes war der württembergische General v. Baur. Das bayrische Armeekorps

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