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Begebenheiten ab. Nach allen hier vorhandenen Nachrichten ist es durchaus unwahrscheinlich, daß die Hauptmacht der Ostreicher in den allernächsten Tagen schon im nördlichen Böhmen konzentriert stehen könnte. Die von uns ergriffene Jnitiative dürste leicht Gelegenheit geben, den Gegner in geteiltem Zuftand mit überlegenen Kräften anzugreisen und den Sieg in anderer Richtung zu verfolgen. Dennoch bleibt die Vereinigung aller Streitkräfte für die Hauptentscheidung stetig im Auge zu behalten. Die Armeekommandos haben von dem Augenblicke an, wo sie dem Feinde gegenübertreten, nach eigenem Ermessen und nach Ersordernis zu handeln, dabei aber stets die Verhältnisse der Nebenarmee zu berücksichtigen. Durch fortgesetztes Vernehmen untereinander wird die gegenseitige Unterstützung ermöglicht sein." Das an den Prinzen Friedrich Karl gerichtete Schreiben enthielt noch den Zufatz: da der Zweiten Armee die schwierige Aufgabe des Hervorbrechens aus dem Gebirge zufalle, so werde der Ersten Armee, nach ihrer Vereinigung mit der Elbarmee, um so mehr obliegen, durch ihr rasches Vorgehen die Krisis abzukürzen. Nach de n Berechnungen des Generalstabs sollte der Vormarsch der drei Armeen gegen Gitschin und ihre dortige Vereinigung am 28. Juni beendigt sein.

Der östreichische Feldherr Benedek war in der Lage, diesen Plan in sehr unangenehmer Weise zu stören und gegen die Vereinigung der drei Armeen ein sehr gewichtiges Veto einzulegen. Er konnte eines der feindlichen Heere während des ersten Aufmarsches derselben mit dem größten Teile seiner Streitkräfte angreifen und zu erdrücken suchen, um sich dann gegen das andere zu wenden, und durste nicht warten, bis dieser Aufmarsch beendigt war, und durste nicht mit ungenügender Streitmacht angreisen. Das Generalstabswerk sagt hierüber: „Das östreichische Heer, welches seine Hauptmacht am rechten Ufer der oberen Elbe, in der Gegend von Josephstadt und Königinhos, versammelt hatte, konnte mit verhältnismäßig geringen Kräften den starken Abschnitt der Jser oder den der Elbe verteidigen, je nachdem es mit überlegenen Kräften sich gegen den Prinzen Friedrich Karl oder gegen den Kronprinzen wenden wollte. Es scheint nun, daß der Feldzeugmeister diesen an sich gewiß richtigen Gedanken mit der unerschütterlichen Festigkeit im Auge behielt, die eine der schönsten Eigenschaften für den tüchtigen Kriegsführer ausmacht. Fraglich aber bleibt, ob jener Gedanke auch da noch richtig war, als er zur Ausführung gelangen sollte, als die preußischen Heere bereits in vollem Anmarsch waren. Ließ man die Preußen bis an Elbe und Jser vordringen, fielen einzelne Desileen dieser Abschnitte in ihre Hände, so war es offenbar sehr bedenklich, sich zwischen beide Heere hineinzufchieben. Vian lief dann Gefahr, indem man die eine angriff, selbst von der anderen im Rücken angefallen zu werden." Wollte Benedek dasjenige thun, was den Gegner am empfindlichsten traf, so mußte er von Josephstadt aus mit seinem ganzen Heere der zweiten Armee, solange sie sich noch in den Pässen des Riesengebirges befand, sich entgegenstellen. Es war ein eigentümliches Verhängnis für ihn, daß er der Armee des Kronprinzen zu wenig Beachtung schenkte, daß er über ihre Stellungen, über ihre Märsche zu wenig unterrichtet war und daß er erst dann von ihrer Existenz und von ihrer Gefährlichkeit sich überzeugte, als dieselbe im Begriffe war, sein eigenes Heer in der Flanke zu fassen. So war es bei dem Marsch über das Riesengebirge, so war es in der Schlacht bei Königgrätz. Von preußischer Seite wurde alles gethan, um den Feind über den Abmarsch der Zweiten Armee in Ungewißheit zu lassen. Das 6. Armeekorps blieb zunächst bei Neiße stehen und schob seine Vortruppen bis Freywalda vor. Dort kam es zu einem kleinen Gefecht, in welchem die östreichischen Hufaren zurückgeschlagen wurden. Es wnrde das Gerücht ausgesprengt, daß in Oberschlesien für 100000 Mann der kronprinzlichen Armee Quartiere bestellt werden müßten. Aber sobald dieselbe sich in Marsch setzte, erhielt das 6. Armeekorps Befehl, von Neiße nach Glatz zu marschieren und auf der nach Reinerz, Nachod und Skalitz führenden Straße dem 5. Armeekorps zu folgen. Zur Verdeckung des preußischen Abmarsches und zum Schutze Oberschlesiens wurden dort zwei Streiskorps zurückgelassen, welche die Grenze bewachen, einen feindlichen Einfall abwehren, Streiszüge über die Grenze unternehmen und Eisenbahnen zerstören sollten. Beide Streiskorps hatten mehrere Bataillone Jnfanterie, I bis 2 Regimenter Kavallerie und je 1 Batterie. Das eine war 3844 Mann stark und wurde von dem General v. Knobelsdorfs befehligt, das andere hatte eine Stärke von 5358 Mann und stand unter dem Befehl des Generals Grafen v. Stolberg. Sie ersüllten ihre Aufgabe mit dem besten Ersolg.

Die Truppen der Elbarmee und der Ersten Armee überschritten in der Frühe des 23. Juni unter lautem Jubel die sächsisch-böhmische Grenze. Eine förmliche Kriegserklärung war nicht ersolgt, sondern den feindlichen Vorposten durch Parlamentäre die Mitteilung gemacht, „daß durch das Versahren Ostreichs in Frankfurt am 14. Juni der Kriegszuftand faktisch ausgebrochen sei, die preußischen Truppen daher die Weisung erhalten hätten, demgemäß zu handeln." Die Armee des Prinzen Friedrich Karl marschierte in der Richtung nach Reichenberg, welche Stadt am 24. besetzt wurde, die des Generals Herwarth auf der Straße nach Rumburg. Der kommandierende General des 1. östreichischen Armeekorps, Graf Clam-Gallas, hatte den Befehl erhalten, bei Münchengrätz und Jungbunzlau Stellung zu nehmen. Die Sachsen sollten sich dort an die Ostreicher anschließen. Am 25. Juni war diese Aufstellung beendigt. Es waren über 60000 Mann, welche einer Armee von 139000 Mann den Vormarsch in Böhmen verwehren sollte.

Auf dem Vormarsch von Reichenberg aus stieß am 26. Juni die Division Horn, welche die Vorhut der Ersten Armee bildete, bei Liebenau auf einige östreichische Reiterabteilungen und zwei Batterien, welche zur Brigade Poschacher gehörten. Dieselbe wurde wegen ihrer tapferen Erstürmung des Königsberges in Schleswig die „Eiserne Brigade" genannt. Nach einem mehrstündigem Kampf, in welchem die preußische Artillerie gegenüber den 18 östreichischen Geschützen Großes leistete, zog sich die Brigade Poschacher auf der nach Münchengrätz führenden Straße über Tnrnau nach Podol zurück. Die Division Horn folgte, besetzte Turnau und griff noch am Abend das wohl verbarrikadierte Dors Podol an. Als die Ostreicher Verstärkung erhielten, zogen sich nachts N Uhr die wenigen preußischen Kompanien aus dem Dorse zurück. Aber General v. Bose, welcher die Wichtigkeit dieser Stellung erkannte, griff in der mondhellen Nacht das Dors aufs neue an, drang trotz des heftigen Feuers, das von der Straße und von den Häufern auf seine Bataillone gerichtet wurde, im Dorse vor und drängte, als er durch zwei weitere Bataillone verstärkt wurde, den Feind aus dem Dorse und über die Jserbrücke zurück. Jm kritischen Augenblicke, als ein von zwei Seiten beschossenes Bataillon stockte, ergriff er selbst ein Gewehr und führte dasselbe über die Brücke. Auch die Chausseebrücke und die Eisenbahnbrücke, welche über die Jser führten, gingen für die Ostreicher verloren. Graf ClamGallas, welcher selbst auf dem Kampfplatz war, oersuchte mit frischer Mannschast das Verlorene wieder zu gewinnen, hatte aber keinen Ersolg. Erst um 1 Uhr nachts hatte das Gefecht ein Ende, Die Ostreicher zogen sich nach Münchengrätz zurück; die Preußen blieben in der Stellung Turnau-Podol. Am 26. Juni früh stieß auch die Vorhut der Elbarmee, welche bis Hühnerw asser, nordwestlich von Münchengrätz, vorgerückt war, auf feindliche Kavallerie und Jnfanterie und wars dieselben nach Münchengrätz zurück. Von dort wurden die preußischen Vorposten abends aufs neue angegriffen; aber die Ostreicher wurden unter ziemlichen Verluften zurückgedrängt. General Clam-Gallas gab das rechte Jserufer dem Feinde preis; die Erste Armee und die Elbarmee vollzogen ihre Vereinigung und machten am 28. Juni einen gemeinschaftlichen Angriff auf die feindliche Stellung bei Münchengrätz. Das vorliegende Dors Kloster wurde von den Preußen genommen, an Stelle der zerstörten Jserbrücken Pontonbrücken hergestellt und gegen die Stadt selbst vorgegangen, welche von den Ostreichern geräumt wurde. Die Verdrängung der auf dem Muskyberge aufgestellten Geschütze und Jnfanterie konnte nur durch Umgehung ausgeführt werden; das am Fuße des Berges gelegene Dors Bossin wurde von preußischer Artillerie in Brand gesteckt. Erst in der Nacht wurde der Paß von Podkost, welcher den Abzug der östreichisch'sächsischen Truppen sicherte, von den Preußen erstürmt. Der Rückzug der ersteren ersolgte über Fürstenbruck, Podkost, Sobotka nach Gitschin, wo sie am 29. Juni mittags eintrafen. Münchengrätz und die ganze Jserlinie wurden von den Preußen besetzt.

General Slam-Gallas besetzte die nordwestlich von Gitschin gelegenen Höhen, die sich von Eisenstädl bis Lochuw hinzogen, mit zahlreicher Artillerie und Jnfanterie. Prinz Friedrich Karl ließ diese Stellungen durch die zwei Divisionen Werder und Tümpling angreisen. Die Ostreicher wurden nach hartnäckigem Kampfe nach Gitschin zurückgedrängt, welche Stadt von den Sachsen besetzt wurde. Die beiden preußischen Divisionen rückten nach. Gegen 11 Uhr nachts drang ein preußisches Bataillon bis auf den Marktplatz vor, zog sich aber, da es von einem sächsischen Bataillon und von den Häufern aus Feuer erhielt, nach dem Eingang der Stadt zurück. Beim zweiten Vorrücken wurde das Feuer der Verteidiger noch stärker, daher das Bataillon noch einmal zurückgezogen wurde. Erst als die Umgehung der Stadt gelang und ein Bajonettangriff den Feind in Verwirrung brachte, trat die sächsische Leibbrigade den Rückzug an und räumte die Stadt. Es war gegen 1 Uhr nachts. Die Preußen besetzten die Ausgänge der Stadt und stellten eine Reserve auf dem Marktplatze auf. Der Verlust dieses Gefechts vor und in Gitschin betrug auf preußischer Seite 7! Offiziere und 1482 Mann, auf Seite der Ostreicher und Sachsen gegen 7000, darunter mehr als 3000 Gefangene. Die Preußen hatten mit 26000 Mann gegen 42000 Mann zu kämpfen. General Clam-Gallas führte seine Truppen

Müiier, EinigungsKiege. IS

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