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1.März zurückführen würden, daß sie der Berufung des deutschen Parlaments zuftimmten und die Wahlen dazu ausschrieben, sobald es von Preußen geschehe, und daß Preußen ihnen ihr Gebiet und ihre Souveränitätsrechte nach Maßgabe der Reformvorschläge vom 14. Juni gewährleiste. Sollten die Regierungen sich nicht entschließen können, ein solches Bündnis zu schließen, so würde der König von Preußen zu seinem lebhaften Bedauern sich in die Notwendigkeit versetzt finden, ihre Länder als im Kriegszustand gegen Preußen befindlich zu betrachten und diesem Verhältnis entsprechend zu handeln. Eine Verzögerung der Antwort, länger als bis zum Abend dieses Tages, oder eine ausweichende Antwort würden als eine Ablehnung angesehen werden. Da alle drei Staaten die Sommation ablehnend beantworteten, so sah König Wilhelm darin eine Kriegserklärung und gab feinen Truppen den Befehl zum Einmarsch. Die auswärtigen Mächte wurden durch Bismarcks Depesche vom 16. Juni von diesen Verhältnissen und der Notwendigkeit dieser defensiven Maßregel in Kenntnis gesetzt.

Mit dem 16. Juni 1866 begann der Krieg der Bundesgenossen von 1864. Der Ausgang desselben entschied über die Zukunft Preußens und Deutschlands. Es war eine ernste Zeit. Der preujZisch-öflreichische Krieg.

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(1866.)

I.) Besetzung Aurhessens und Hannovers.

s war ein kühner Schritt, wenn Preußen, um die zwei so verwickelten Fragen, die schleswig-holsteinische und die deutsche, mit einem Schlag zu lösen, nach dem gefährlichen Mittel des Schwertes griff. Es hatte nicht bloß Ostreich gegen sich, fondern zugleich fast alle Mittelstaaten Deutschlands, die, wenn es galt, den ihnen unbequemen Dränger in die Schranken zu weisen, mit Vergnügen ihre Heere ins Feld marschieren ließen. Sie alle dachten sich unter dem bevorstehenden Feldzug nichts anderes als einen militärischen Spaziergang nach Berlin. Der nämliche Übermut, der nämliche Mangel an Selbstkenntnis und an richtiger Beurteilung des Gegners, wie er sich vier Jahre später in den Straßen von Paris so lächerlich gemacht hatte, zeigte sich in Ostreich. Die Schlagwörter, welche von der dortigen hohen Aristokratie und von den kirchlichen Würdenträgern ausgegeben wurden, fanden ein Echo in den Hauptstädten der deutschen Mittelstaaten. Allgemein war, wie ein höherer östreichischer Offizier sagte, der Wahn, „daß der Triumphzug nach Berlin einer lustigen Jagdpartie an Ernst und Anstrengung nicht zu vergleichen sein würde." Diese Worte erinnern an den unseligen Geist, welcher 1806 in der preußischen Armee herrschte und einen preußischen Generalstabsossizier, der mehreren Hufarenosfizieren die Strategie des Feldzugs erläuterte, wenige Tage vor der Schlacht bei Jena sagen ließ: «Bis jetzt hat der Feind keinen Schritt gethan, den wir ihm nicht vorgeschrieben; unsere Operationen sind so kombiniert, unsere Korps so aufgestellt, daß der Feind überall abgeschnitten und in das strategische Netz getrieben ist. Napoleon ist so gewiß unser, als wenn wir ihn schon in diesem Hute hätten." Mehrere seiner gläubigen Zuhörer sollen sich auf den Zehen erhoben und in den Hut hineingesehen haben, in welchen jener Redner mit dem Finger deutete. Wenn ein Offizierkorps sich von solch trügerischen Dämonen beherrschen läßt, da kann dem Heere, dem ganzen Staate das Eintreten einer Katastrophe nicht erspart werden.

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Eine Operationslinie, welche sich von der Nordsee bis zu den Karpaten erstreckte, bot jeder Kriegsleitung, mochte sie angreisend oder verteidigend auftreten, große Schwierigkeiten. Der preußische Generalstabschef v. Moltke, welcher in dem Feldzug von 1864 einen so weiten Blick gezeigt, so viel Kühnheit und zugleich so viel Besonnenheit und Berechnung kundgegeben hatte, verstand es trefflich, die Schwierigkeiten nach ihrem Wert zu schätzen, die einen aus dem Weg zu räumen, bevor sie sich zu einer wirklichen Gefahr zu erheben vermochten, die anderen mit einer Energie anzufassen, gegen welche jeder Widerstand in kurzer Zeit erlahmen mußte. Der Feldzugsplan, welchen Moltke seinem königlichen Herrn vorlegte, ließ den groß angelegten Strategen erkennen. Moltke dachte an alles, und Moltke dachte richtig. Jn dem Generalstabswerk von 1866 äußerte er sich mit folgenden Worten über die damalige militärische Lage: „Preußen mußte sich darauf gefaßt machen, in dem drohenden Krieg ganz allein und auf sich selbst angewiesen zu stehen und außer Ostreich auch noch fast alle übrigen Bundesstaaten gegen sich zu haben." Die Streit

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kräfte der norddeutschen Gegner schätzte er auf 36 000, die der süddeutschen auf 100 000, die der Ostreicher und Sachsen auf 204 000 Mann. Aber diese drei feindlichen Gruppen hatten für Preußen eine sehr verschiedene Bedeutung: „Hannover und Kur hessen konnten in hohem Grad unbequem werden, wenn man sie unbeachtet im Rücken ließ, da sie alle Verbindungen nach dem Rhein und nach den Elbherzogtümern unterbrachen. Zunächst blieb freilich noch fraglich, ob sie sich auf das Wagnis wirklicher Feindseligkeiten einlassen würden, jedenfalls aber war man sicher genug, diese Gegner vor ihrer möglichen Versammlung auseinander zu sprengen." Die zweite Gruppe, die Süddeutschen, bezeichnete Moltke „trotz aller in Württemberg, Bayern und Hessen-Darmstadt vorangegangenen Rüstungen" als einen erst entstehenden Feind. „Man wußte, wie wenig dort im Frieden für den Krieg vorbereitet war. Der Mangel an einheitlicher Führung und Organisation versprach diesen an sich guten Truppen keine großen Ersolge, und es stand zu erwarten, daß sie spät und vereinzelt zur Wirksamkeit gelangen würden. Das sicherste Mittel war hier eine Offensive, die sie im eigenen Lande beschäftigte."

Nur die dritte Gruppe, Ostreich <nnd Sachsen), hatte eine starke, wohlorganisierte Armee, die bereits schlagfertig dastand. „Dort lag der Schwerpunkt der ganzen Frage. Ein Sieg über die östreichische Armee mußte lähmend auf alle übrigen Feinde wirken; aber um die hiersür nötige Streitmacht zu versammeln, reichten die sieben Armeekorps im Osten der Monarchie nicht aus. Zog man auch die beiven westlichen noch zur Haupteutschcidung heran, so blieb die Nheinprovinz anscheinend schutzlos, und man konnte den Süddeutschen nur sehr untergeordnete Kräfte entgegenstellen. Nichtsdestoweniger faßte Seine Majestät der König diesen schweren, aber folgenreichen Entschluß, durch welchen allein es möglich wurde, nachmals in den Gefechten der Hauptarmee, bei der Entscheidungsschlacht und endlich noch vor der feindlichen Hauptstadt in genügender Macht zu erscheinen. Die starken, durch Landwehren ausreichend besetzten Rheinfestungen konnten zwar nicht eine Jnvasion des Landes verhindern, wohl aber, daß der Gegner sich dort festsetzte. Gelang es, im Osten die Oberhand zu gewinnen, so war es leicht, zurückzufordern, was im Westen etwa verloren gegangen. Um indes auch hier den Nachteil eines feindlichen Ein bruchs überhaupt vom eigenen Lande fernzuhalten, wurde noch eine besondere Armee formiert aus einem Teil der Truppen in Schleswig Holstein und aus sonst für Festungsbesatzung bestimmten Regimentern, der die 13, Jnfanteriedivision als fester Kern diente. Letztere konnte aus den Kantonnements um Blinden binnen kürzester Frist und in unmittelbarer Nähe der hannoverschen Hauptstadt versammelt werden. Man dursle darauf rechnen, Hannover und Kurhessen entwaffnen, dann sich gegen Bayern wenden zu können. Allerdings hatte dieses gleichsam improvisierte Heer eine dreisache Überlegenheit gegen sich und mußte durch Energie und Schnelligkeit ersetzen, was ihm an Stärke fehlte."

Diese improvisierte Armee, welche die Aufgabe hatte, Hannover und Knrhessen in der kürzesten Frist unschädlich zu machen, dann gegen den Main vorzugehen, um zuerst die Bayern, darauf das bei Frankfurt sich sammelnde achte Bundesarmeekorps, das aus Württembergern, Badenern und Hessen-Darmstädtern bestand, zu schlagen, wurde vom General Vogel v. Falckenstein befehligt. Zu dieser gehörten die beiden Divisionen Göben und Beyer, von denen die eine in Minden, die andere in Wetzlar stand, und die in nnd um Altona stehende Division Manteuffel. Die Division Göben war von dem 7. Armeekorps, zu dem sie gehörte, allein auf dem westlichen Kriegsschauplatz, in Westfalen und in der Rheinprovinz, zurückgeblieben und hatte 14300 Mann. Unter dem Divisionsgeneral v. Göben kommandierten die Generale v. Kummer und v. Wrangel die beiden Jnfanteriebrigaden. Die Division Beyer, 19600 Mann stark, war aus den ehemaligen Bundesgarnisonen und einigen anderen Truppenteilen gebildet und hatte als Brigadeführer den General v. Glümer und den Oberst

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