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denn bald nach ihrem Erscheinen öffneten sich da und dort zwar spärlich fließende, aber dennoch höchst willkommene Mellen, deren Existenz mir entweder gar nicht bekannt war, oder die ich für versiegt gehalten hatte. So sah ich mich denn durch Mittheilungen verschiedener Art, welche theils Neues, theils Berichtigungen tatsächlicher Irrthümer enthielten, sowie durch eigene Bemühung allmSlig in dem Besitz eines verhöltnißmäßig reichhaltigen Materiales, welches zu benutzen und «uss neue zu verarbeiten ich mich durch mehrsache Gründe bestimmen ließ. Auch konnte ich mir nicht verhehlen, daß mein innigeres Vertrautmerden mit der Schubertschen Muse und die mir über seine äußeren Verhältnisse mittlerweile gewordenen Ausklärungen aus so manche in der „Skizze" ausgesprochene Ansicht modisicirend eingewirkt hatten. Die Schwierigkeiten, mit welchen eine Darstellung von Schubert's Leben zu kämpsen hat, sind sreitich in Wesenheit diesetben geblieben. Sic gipseln in der Unmöglichkeit, ein Leben, „in welchem es nicht Berg nicht Thal, sondern nur gebahnte Fläche gab, aus der sich unser Tondichter in gteichmößigem Rhythmus sortbewegte", — als interessant und bedeutend hinzustellen, ohne dem Leser an Stelle der Wahrheit Phantasiestücke zu bieten, die wohl sür den Augenblick Anregung und Erheiterung gewähren mögen, der Sache selbst aber in keiner Weise sörderlich sind*). Eben aus dieser Ursache haben auch Personen, in deren Macht es gestanden, über Schubert's

*) Derlei poetisch und gemüthlich gefärbte „Phantasien" über Schubert sind auch im Druck erschienen. Ihr Inhalt gehört zum bei weiten gröszten Theil in das Neich der Fabel, und ist nur geeignet, den Tondichter in einem ganz anderen Licht erscheinen zu lasten, als dieß in Wirklichkeit der Fall mar.

Leben viele und zuverlässige Ausschlüsse zu geben, nach wiederHilten Anläusen zu größeren Arbriten in dieser Richtung, sich schließlich aus die Erklärung zurückgezogen, daß eine Biograsie Ichubert's ein geradezu unaussührbares Unternehmen sei, «eil sich dieser Tondichter, dessen äußere Existenz so ganz »in alle dem losgelöst war, was geistig in ihm lebte und medte, nur aus seinen musikatischen Inspirationen darstellen und begreisen lasse*). Es liegt in der Thut ein Körnchen Wahrheit in dieser Behauptung; — jede Biograsie Schubert's wird wegen des Mangcls an innigen Wechselbeziehungen zwischen innerem und äußerem Leben mehr oder weniger das Gepräge des Ikizzenhasten an sich tragen, und die AusZählung und Würdigung seiner künstterischen Leistungen immerdar einen unverhältnißmößig großen Raum in Anspruch nehmen. Dennoch konnte mich diese Ansicht, da sie eben zu viel behauptet, in keiner Weise abhalten, den verpönten Versuch abermals mit verstärkter Krast zu wagen und die Lösung der mir gestellten Ausgabe nach Thunlichkeit anzustreben. Es ist meine aus Ersahrung gestützte Reberzeugung, daß in nicht serner Zeit bei dem allmöligen Heimgänge der noch lebenden Zeugen von Schubert's äußerer Existenz eine Biograsie dieses

*) Schon im Jahre 1842 begann Herr Philipp Neumann in Wien Materialien zu einer Biograsie Schubert'» zu sammeln; Anselm Hüttendrenner übermittelte, mie mir sein Drnber Josef mittheilte, dem Dr. Franz Lifjt Auszeichnungen über Schubert; die Herren Franz Floh unb Ferbinanb Luid in Wien waren längere Zeit hindurch mit biograsifchcn Studien nach dieser Seile hin beschäftigt. Die beiden Freunde Schubert«: Bauernseld und ». Schober erKlärten sich gegen jeden Versuch, eine Kiograsie dieses Tondichters zu verfassen.

Tondichters schlechterdings zu deu Unmöglichkeiten gehören mird^und daß fürder, ungeachtet so mancher unvermeidlicher Lücken, im Wesentlichen kaum ein Mchreres geboten werden dürste, als in dieser Darstellung enthalten ist, es müßte denn Jemand, aus rein musikalischen Boden sich stellend, Lust und Muße finden, die an die Zahl von Eintausend hinanreichenden Compositionen Schubert's kritisch zu zergliedern.

Für dieses Mal erkannte ich es als eine dringende Ausgabe, von dem allerorts zerstreuten trümmerhasten Materiate, das mir von vielen, in dieser Darstellung namhaft gemachten, Personen mit dankenswerther Bereitwilligkeit zur Verfügung gestellt wurde, zu retten, was zu retten war, und das Gesammelte, in chronologischer Reihenfolge geordnet, nach Möglichkeit zu einem Ganzen zusammenzufassen.

Indem ich das Crgebniß meiner Forschungen der Seffentlichkeit übergebe, darf ich moht dem Wunsche Ausdruck verleihen, daß es mir gctungen sein möge, zu der Wiederbelebung von Schubert's Andenken, metche man gerade jetzt thcils durch liebevolles Eingehen in seine künstlerische GesammtWirksamkeit, theils aus monumentalem Wege zu erzielen bestrebt ist, nach meiner Weise erfolgreich mitgewirkt zu haben.

Wien, am Engelbertslag 1864

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Seit«

stimmige Gesänge. — Lieder. — Tagebuchssragmente. — Schu-

bert bewirbt sich um eine Musiklehrersstelle in Laibach. — Franz

von Schober. 79—111

V.

(1817.)

Johann Michael Vogl, — Anselm und Joses Hüttenbrenner. —

Joses Gahy, — Ouverturen im italienischen Styl. — Lieder. —

Mehrstimmige Gesänge. — Claviersonaten. 112—132

VI.

(1818.)

Schubert als Musiklehrer. — Die Familie des Grasen Karl Ester,

hazy, — Ausenthalt in Zelöcz. — Freiherr Karl von Schön-

stem. — Schubert und die Gräsin Caroline Esterhazy. — Das

Quartett: „Gebet vor der Schlacht". — Das Divertissement

KIs Soogroise. — Die Fantasie in ? !«oU, — Das Lied: „Die

Forelle". — „Erste Walzer". — Die sechste Sinsonie (in «).

Ein Bries des Schullehrers Jgnaz Schubert an seinen Bruder

Franz. 133—149

VII.

(1819.)

Der Rossini-Cultus in Wien. — Schubert und die italienische Oper.

— Ein Schreiben Franzens an Anselm Hüttenbrenner. — Schu-
bert in Oberösterreich. — Die Familien Pavmgartner, Dörn-
seld, Koller und Schellmann in Steyr. — Ein Bries Schubert's
an seinen Bruder und an Mayrhoser. — Das Clavierquintett. —
Eine Cantate zu Ehren Vogl's. — Kirchen- und Gcsangscom-
positionen. — Franz Schubert und Wolsgang von Goethe. —
Ein Schubert'sches Lied zum ersten Mal öffentlich vorgetragen.

— Letzte Aufführung des „Prometheus" bei Dr. v. Sonnleithner.

150—166

VIII.

(1820.)

Das Singspiel: „Die Zwillingsbrüder". — Das Melodram: „Die
Zauberharse". — Die Ostercantate „Lazarus". — Die Oper:
„Sacuntala". — Antisonen zur Palmenweihe. — Der 23. Psalm.

— Lieder und Canzonen. — Die Fantasie sür Clavier in l?.

167-197

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