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Witwen und Waisen (^llegro maestoso O-Onr ^) zum Lob und Preis Spendou's, und endlich ein kurzes Baßsolo gio cov rooto O-Our welches in den Schlußchor leitet, der mit einem Quartett (Gattin, Waise, Tenor und Baß) beginnend, den Sologesang des Soprans (Gattin) bis zu Ende begleitet.

Die Recitative sind in dieser Cantate schön und ausdrucksvoll behandelt; die übrigen Gesangsstücke — ohne Zweifel auf den Vortrag durch die Waisenkinder berechnet — bewegen sich in schön dahinfließenden Melodien. Der hausbackene Gesangstext war nicht geeignet, den Tondichter zu schwungvoller musikalischer Darstellung einzuladen; der Zweck aber, den Wohlthäter der Witwen und Waisen durch angemessenen Gesang zu ehren, dürfte bei Aufführung der Cantate vollständig erreicht worden fein.

Die Kirchenmusik ist durch die Messe in (^), ein verhältnismäßig weniger hervorragendes Werk, durch das große Magnificat") in 0, eine sogenannte Duett-Arie^) für

') Es ist dies Schuberts vierte Messe (auf dem Titelblatt als dritte bezeichnet). Sie ist für vier Singstimmen mit Orchesterbegleitung geschrieben, Herrn Holzer „zur freundlichen Erinnerung" gewidmet und als op. 48 bei Diabelli im Stich erschienen.

2) Das Magnisicat ist für Solo und gemischten Chor mit Jnstrumentalbegleitung (Violine, Viola, Oboe, Fagott, TrompetePauke) und Orgel componirt. Es beginnt mit einem Chor (^Ilegro m»estoso Z) ü»Anitie»t »nüv» me» Dominum etc., auf diesen folgt ein Soloquartett (^nösute H) Oevosuit potevte8 Se sede ete, und auf dasselbe als Schluß ein Chor gemischter Stimmen mit Soloquartett (^Ile^r« vivsee H) (Zloris pktri et Llio et spiritui o»neto ^men. Das Autograf mit dem Datum 25. Sept. 1816 besitzt Herr Spina.

2) Dieser umfangreiche Doppelgesang (>loäer»to <ZOur j) ist von Bioline, Viola, Oboe, Fagott, Cello und Contrabaß begleitet. Die Sopran und Tenor, das Fragment eines Requiems^) und das 3to.bst rnster — nach der deutschen Nachbildung von Klopstock — endlich durch ein Paar kleinere Einlagen ^) reichlich vertreten.

Unter diesen Kirchencompositionen ist das Ltsdat ruater für Soli, Chor und Orchester ^) die umfangreichste und unstreitig auch bedeutendste. Es besteht aus vier Arien (je eine für Sopran und Baß und zwei für Tenor), einem Duett für Sopran und Tenor, zwei Terzetten für Sopran, Tenor und Baß, wovon das eine mit Chorbegleitung und aus fünf Chören für gemischte Stimmen. Diese letzteren bilden auch die gelungensten Theile des ganzen Werkes, und ist namentlich der Doppelchor (Nr 5), ein Wechselgesang von Frauen- und Männerstimmen — von schönem Ausdruck. Auch das Sopranfolo (Nr. 2) und das Terzett (Nr. 10) sind in edlem, echt kirchlichem Styl gehalten, und das ersterc von ergreifender Wirkung. Die Baßarie könnte auch von Mozart sein, so sehr ist sie dem Styl dieses Meisters nachgebildet.

Tertworte lauten: ^u^uste ^»m eoelestiuiu Divis reeepte seäibus äigv»re te colestinm piis »äesse inentibus. Omuem'uer ordern glo, ri»e tu»e eriguntur simbolk. ?er to impetr»tko glori»e ubique st»nt iusiAvis. — Das Autograf besitzt Herr Spina.

>) Das Requiem reicht bis (einschließlich) zur Fuge des Xvrie,

') Klopstocks Halleluja (dreistimmig) in Lief. 41 enthalten, und ein Sslve regln».

') Das Swbat m»ter trügt das Datum Februar 1816. Die Jnstrumentalbegleitung besteht aus Violinen, Viola. Oboe, Pofaunen und Contrabaß, — Jm Jahre 1841 wurde es in Wien im Musikvereinssaal aufgeführt, wobei Staudigl, Lutz und Frl. Tuczek die Solo san

Den im vorausgegangenen Iahre entstandenen zwei Sinfonien (in L und O) folgten in diesem Iahre abermals zwei sinfonische Werke: die Sinfonie in OHloll^) (die sogenannte tragische) und eine zweite in L-Our. Von den zwei Sinfonien in L ist die eine bekannt als „Sinfonie ohne Trompeten und Pauken", was vielleicht darin seinen Grund hatte, daß in jener Gesellschaft von Dilettanten, für welche damals Schubert seine Kammer-- und Orchestermusik zu componiren pflegte, sich damals weder ein Trompeter noch ein Paukenschläger vorfand.

Der kleine Kreis von Freunden und Bekannten, welche sich nach und nach den schon erwähnten, bei Vater Schubert abgehaltenen Streichquartett - Uebungen angeschlossen hatten, erweiterte sich nämlich allmälig derart, daß Haydn's Sinfonien in Quartettauszügen mit doppelter Besetzung aufgeführt werden konnten. Zu den Theilnehmern zählten Hr. Iosef Doppler (Geschäftsführer der Hosmusikalienhandlung C. A. Spina), welcher mit Franz schon von den Kinderjahren her

gen. Jm Jahre 185S brachte die Wiener Singakademie das Terzett mit Chor zu Gehör; am 3, April 1863 kam es in der Altlerchenfelderkirche in Wien vollständig zur Aufführung.

') Die O-Aloll-Sinfonie, componirt im April, besteht aus vier Sätzen: einer Einleitung ^S»^io molto H mit daran sich schließendem ^Uegro, einem ^nS»ate (^s-Dur j), einem Menuett mit Trio (^He^ro viv»oe Ls-Vor und dem Finale (^Ile^ro O->loll j); jene in S hat ebenfalls vier Sätze: ein I^»rM und ^Ilegro, ein H,uSsnte, Menuett und Finale. — Der zweite Satz der O->loU Sinfonie kam am 2. Dec. 1860 in einem Gesellschaftsconcert in Wien als sinfonisches Fragment zur Aufführung. — Eine Copie der L-Sinsonie besitzt der Wiener Mustkverein, eine Abschrift von jener in O-Kloll Dr. Schneider. bekannt war, die Violoncellisten Kamauf und Witt mann und der Contrabaßspieler Redlpacher.

Als Vater Schubert's Wohnung für diese Zusammenkünfte nicht mehr ausreichte, nahm der Handelsmann Franz Frischling die Musiker in seiner Wohnung (Dorotheergasse Nr. 1105) bereitwilligst auf. Der Beitritt mehrerer neuer Mitglieder bewirkte, daß im Herbst 1815 schon kleinere Sinfonien (von Pleyel, Rosetti, Haydn, Mozart) aufgeführt werden konnten, und einige Zuhörer sich einfanden.

Der Raum wurde abermals zu enge, und so übersiedelte die Gesellschaft zu Ende des Iahres 1815 in die Wohnung des Otto Hatwig (vordem Mitglied des Burgtheater-Orchesters) im Schottenhos, und im Frühjahr 1818 in desselben neue Behausung im Gundelhos. Fortwährende regelmäßige Uebungen und das Hinzutreten tüchtiger Musiker ermöglichten die Aufführung der größeren Sinfonien von Haydn, Mozart, Krommer, Romberg und der beiden ersten von Beethoven, sowie der Ouverturen von Cherubini, Spontini, Sittel, Mehul, Boildieu, Weigl, Winter u. s. w. Für diese Gesellschaft nun schrieb Schubert die beiden erwähnten Sinfonien und im Iahre 1818 die Sinfonie in O, sowie auch 1817 die Ouverturen im italienischen Stil, von welch letzteren noch die Rede sein wird, und eine Ouverture in L ') (comp, im September 1816). Die Uebungen währten bis in den Herbst 1820, wo sie wegen Mangels einer geeigneten Localität eingestellt und nicht wieder aufgenommen wurden

') Das Autograf der L-Ouverture besitzt Or, Schneider in Wien.

2) Von Hatwig übersiedelte die Gesellschaft noch in die Wohnung des Spediteurs Anton Pettenkoffer (am Bauernmarkt), Als dieser Wien verließ und kein geeignetes Locale unentgeltlich zur Verfügung Auch zur Composition einer dreiactigen Oper: Die Bürgschaft') nahm Schubert einen ernsten Anlauf, ohne aber damit zu Ende zu kommen. Diese Oper, mit dem Datum 2. Mai auf der Original-Partitur, enthält zwei vollständig ausgearbeitete Acte, und von dem dritten eine Arie mit Chor, im Ganzen 15 Musikstücke. Der Verfasser des Textbuches ist nicht angegeben, und das I^ibretto aufzufinden ist mir bis jetzt nicht gelungen. Einer mündlichen Mittheilung zufolge soll es von einem Studiosus herrühren 2). Die Verse und die in denselben enthaltenen Ausdrücke entziehen sich stellenweise jeder Kritik und bilden den schlagendsten Beweis für die Unbefangenheit, mit welcher Schubert an die Composition von Operntexten ging. Gesiel ihm nur die Idee des Ganzen und fand er darin einige Anhaltspunkte für dramatische Entfaltung der Musik, so setzte er sich über andere Gebrechen mit unglaublicher Leichtigkeit hinweg. Was ihn von der Vollendung der Oper abgehalten (vielleicht doch auch des Dichters Machwerk), ist mir nicht bekannt geworden. Die Hand

gestellt wurde, löste sich der Verein auf. — Zu den ständigen Mitglie dern zählten in den Jahren 1815 — 1818 auch Ferdinand und Franz Schubert (letzterer als Altviolaspieler) und Jofef Doppler (Fagott); Ferd. Bogner (Flöte) wirkte hie und da mit, desgleichen betheiligten sich als Gesangssolisten: v, Gymnich, Goetz, Tieze und Frl. Josefine und Babette Fröhlich. — S. Aufsätze über das musikalische Altwien von Dr. L. v. Sonnleithner in den „Recensionen" Jahrgang 1862.

') Das Autograf besitzt 0r. Schneider,

') Jn demselben Jahre (1816) erschienen: Die Freunde zu Syrakus, neues Schauspiel in Jamben und 5 Acten, von Elise Bürger (geb. Hahn), von welchem Proben in der Wiener Theaterzeitung (Sept. I8Iö) abgedruckt sind.

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