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Schubert fand sich zu dieser Feier, wie bereits erwähnt, mit einer von ihm gedichteten und in Musik gesetzten Cantate ein, die er als „Beiträge zur fünfzigjährigen Iubelfeier des k. k. ersten Hoskapellmeisters Anton Salieri von seinem Schiller Franz Schubert" — bezeichnete.

Die Composition besteht aus einem Vocalquartett für vier Männerstimmen (^äagio L-äur auf die Worte:

Gütigster, Bester!

Weisester, Größter!

So lange ich Thränen habe

Und an der Kunst mich labe,

Sei beides Dir gebracht, (geweiht?)

Der beides mir verleiht.

An dieses schließt sich eine Arie mit Clavierbegleitung

So Gut als Weisheit ströme mild
Von Dir, o Gottes Ebenbild.
Engel bist Du mir auf Erden,
Gern' möcht' ich Dir dankbar werden,

worauf ein dreistimmiger Canon (^oäorato H)

Unser aller Großpapa
Bleibe noch recht lange da!

die Cantate') abschließt, welche mehr durch die Gelegenheit, der sie ihre Entstehung verdankte, als durch ihren musikalischen Werth Interesse zu erregen geeignet ist.

') Die Composition sindet sich in Abschrift bei Jof. von Spann, bei dem Musikalienhändler Hrn. Witzendorf und bei Frau Dr. Lnmpe in Wien. Letztere besitzt auch ein Terzett mit Clavierbegleitung auf dieselben Worte, und ebenfalls componirt im Juni 1816, das von dem obigen Quartett zwar nicht wesentlich, aber doch in Einigem abweicht.

Ungleich bedeutender als diese war eine kurz darauf entstandene, bei Schubert bestellte Composition, welche von den noch lebenden Zeugen ihrer Aufführung einstimmig als ein schönes Werk gepriesen wird, und auch dem bescheidenen Tondichter, der ihr den Empfang des ersten Honorars zu danken hatte '), solche Befriedigung gewährte, daß er sie, mehrere Iahre später, zu öffentlicher Aufführung bringen wollte.

Es ist dies die Eingangs erwähnte Cantate: „Prometheus" für Solostimmen, Chor und Orchester. Mehrere Hörer der Rechte, unter diesen Graf Constantin Wickenburg (österr. Handelsminister a. D.) und als Hauptveranstalter Herr v. Managetta") beschlossen, den Prosessor der politischen Wissenschaften, Heinrich Watteroth °), an seinem Namenstag (12. Iuli) mit einer musikalischen Feier zu überraschen, welche in dem zu seinem Wohnhaus in der Vorstadt Erdberg gehörigen Garten stattsinden sollte. Der Studirende Filipp Drärler von Cari« (derzeit Hosrath und Kanzlei Director des k. !. Obersthosmeisteramtes) dichtete auf Ersuchen mehrerer Collegen während eines Spazierganges durch die Gebirgsthäler von Baden die Cantate „Prometheus", welche sosort dem ihm persönlich ganz unbekannten Schubert zur Composition übergeben wurde. Die Proben für die Aufführung fanden in dem Consistorial-Saal der Universität statt

') Franz «hielt dafür 40 fl. C. M. (S. Tagebuch.)

') Bermuthlich der vor Kurzem verstorbene Hofrath Filipp v, Managetta.

2) Watteroth war der Schwiegervater des bekannten Schubertfreundes v, Witteczek.

und wurden daselbst eisrig betrieben. Die Aufführung, des ungünstigen Wetters wegen zu wiederholten Malen verschoben, konnte endlich am 24. Juli vor sich gehen.

Frl., Maria Lagusius (später verehelichte Griesinger, gest. 1861) und Joses Goetz hatten die Solopartien der „Gea" und des „Prometheus" übernommen; Studirende wirkten im Chor und Orchester mit. Die Anrede an den Geseierten hielt Gras Wickenburg; aus diese solgte die Cantate und noch andere Musikstücke. Die Aufführung scheint eine gelungene gewesen zu sein, und der Eindruck, welchen das originelle, schön instrumentirte Werk zurückließ, war ein entschieden günstiger'). Der bedeutenden Musik wegen schlug es Dr.

") Jn der Theaterzeitung erschien wenige Tage daraus solgendes Gedicht von Herrn F. v. Schlechta (derzeit jubil. Sectionsches des k. k. Finanzministeriums):

An Franz Schubert, als seine Cantate „Prometheus" gegeben wurde.
Jn der Töne tiesem Leben,
Wie die Saiten jubelnd klangen,
Jst ein unbekanntes Leben
Jn der Brust mir ausgegangen.

Jn dem Sturmeston der Lieder
Klagt die Menschheit jammernd Ach.
Kämpsend steigt Prometheus nieder,
Und das schwere Dunkel brach.

Mich hat's wunderbar erhoben,

Und der Wehmuth neue Lust

Wie ein schimmernd Licht von oben

Kam in die bewegte Brust. ^ ,

Und in Thränen und Entzücken
Fühlte ich mein Herz zerstücken,
Jauchzend hätte ich mein Leben
Wie Prometheus hingegeben.

Leop, v. Sonnleithner für die Concerte des Musikvereins vor, drang aber mit seinem Antrag nicht durch, da man „von einem so jungen, noch nicht anerkannten Tonsetzer" nichts wissen wollte. In Schubert's letzten Lebensjahren wurde es mehrfach verlangt, so auch von dem Stift Gött«eih, wohin auch die Partitur und die von Schubert selbst herausgeschriebenen Stimmen gesendet wurden. Von dort auf Schubert's Verlangen zurückgestellt, da man es anderswo denöthigte, wurde die Cantate in seine Wohnung (damals auf der Wieden Nr. 694) gebracht, aus welcher sie um die Zeit von Schubert's Tod verschwand und bis jetzt nicht wieder zum Vorschein gekommen ist').

') Buch das Gedicht ist nicht mehr aufzusinden. — Jm Jahre 1842 erließ Herr Alois Fuchs in der Wiener Musikzeitung einen Aufruf um Nachricht über die verloren gegangene Composition, der aber resultatlos blieb. Jn der „Neue Zeitschrift für Musik" Nr. 8 aus dem Jahre 1842 wurde dieser Aufruf bezogen und daran die Bemerkung geknüpft: „Wenn doch die wirklich vorhandenen, noch ungedruckten Compositionen Schubert's erst an's Tageslicht gebracht würden! So liegt in der Bibliothek in Berlin eine große Oper (Alfons» und Estrella) von ihm und in Wien über 50 größere Werke. Es geschieht nichts von selbst; die es angeht sollten sich damm bekümmern, daß die Welt endlich zur vollen Würdigung Schubert's gelange." — Die Zurückstellung des „Prometheus" von Göttweih vermittelte Herr Frühwald, und Dr. Leop, », Sonnleithner (welchem ich diese Notiz verdanke) schickte die Partitur an Schubert, der ihn in einem Zettel, den Frühwald überbrachte, darum ersucht hatte. Leider wurde die Cantate, von welcher Schubert selbst die Stimmen herausgeschrieben hatte, nicht copirt. Auch oach Jnnsbruck war sie gesendet und daselbst vom Capellmeister Gänsbacher zur Aufführung gebracht worden. Jm J. 1819 wurde der „Prometheus" im Sonnleithner'schen Hause gegeben, wobei Dr. Jgnaz v. Sonnleithner den Prometheus sang. Schubert war im Jahre 1816

Eine dritte Composition gleicher Gattung ist die zu Ehren des Schuloberaussehers Joses Spendou') aus Tertworte von Hocheisel sür Soli, gemischten Chor und Orchester componirte, unter der Ausschrist: Empsindungsäußerungen des Witwen-Jnstitutes der Schullehrer Wiens sür den Stister und Vorsteher desselben (Joses Spendou) verössentlichte Cantate ^).

Die Composition besteht aus Recitativen (sür Baß), einer Arie, einem Duett und mehreren Chören.

Das erste Baßrecitativ (Srave „Da liegt

er starr vom Tode hingestreckt" schildert, aus den todten Vater hindeutend, in kurzen krästigen Sätzen die traurige Lage der verwaisten Kinder. An dasselbe reiht sich der Klagegesang der Witwe und der diesen begleitende Chor der sie tröstenden Kinder (^neismte H). Ein zweites

Baßrecitativ zeigt aus den Retter hin, welchen das nun solgende Duett der Witwe und Einer Waisen (^Ilegro L-Our D als solchen begrüßt. Folgt abermals eine Recitativstelle (Anäante ruolto H); aus dieses ein Chor der

und auch diesmal bei der Aufführung anwesend, und die Zeugen jener Productionen, Dr, Leopold v. S., Albert Stadler, der nachherige Obersinanzrath Ant. Mullner, v. Schlechta und Herr Jos. Hüttenbrenner wirkten (letzterer im J. 1819) im Chor mit. Jm J. ISA) wollte Schubert die Cantate im Augarten aufführen, kam aber davon zurück, da die Probe nicht gut zusammenging. Die Aufführung der Cantate währte beiläusig Z Einer Stunde.

') Spendou war Domscolasticus, Dr, der Theologie, Regierungsrath, Mitglied der Studien-Hoscommission in Angelegenheiten der deutschen Schule, insulirter Prälat und Schuloberausseher.

') Die Cantate ist als op. 128 in dem von Ferd. Schubert versaßten Clavierauszug im Stich erschienen.

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