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Arie ^ des Prinzen, eine Arie des Zauberers mit Chor und ein Fragment der Arie des Prinzen.

Ueber die Entstehung und das Schicksal dieser Oper ist nichts weiter bekannt geworden.

Alle diese in rascher Auseinandersolge entstandenen Singspiele sind in erster Linie als Versuche Schubert's anzusehen, sich die dramatisch-musikalischen Formen in kleinerem Rahmen durch Selbstschaffen eigen zu machen. Nebstdem unterliegt es keinem Zweisel, daß der Drang, Opernmusik zu schreiben, welchen wir bei so vielen großen Meistern schon in srühester Zeit erwachen sehen, auch bei Schubert unwiderstehlich zum Durchbruch gekommen ist, der sreilich einem derartigen Verlangen nach seiner Weise durch Massenproduction Genüge zu leisten wußte. Der musikalische Gehalt dieser Operetten reiht sich wohl nicht dem Bedeutenderen an, was Schubert überhaupt geschaffen, auch würden dieselben, als Theaterstücke gesehen, von der Bühne herab der jetzigen Geschmacksweise wahrscheinlich nicht mehr zusagen, zumal wenn man die Naivetät einiger der benützten Textbücher in Betracht zieht andererseits aber wäre es ein Jrrthum, wollte man glauben, daß in diesen Erstlingen der dramatischen Muse Schuberts nur die Schülerhastigkeit eines — allerdings hochbegabten — Ansängers zu Tage trete; denn der in Melo

') Schweigt, haltet graues Haar in Ehren, u. s. w.

') So nimm, du junger Held,
Den Spiegel im blauen Feld.

') An läppischen Operntexten sehlt es zwar auch jetzt nicht; aber die Methode, nach welcher in Unsinn gemacht wird, ist eine andere, — zeitgemäße geworden.

dien unerschöpfliche, mit den Gesetzen der Harmonie und der Kunst der Instrumentirung vollkommen vertraute Tondichter, welcher um jene Zeit schon mehrere seiner schönsten Lieder geschrieben und das Zeug in sich hatte, ein Werk, wie es die 6 Messe ist, zu schaffen, bewegt sich auch in diesen dramatisch-musikalischen Arbeiten mit einer Leichtigkeit und Sicherheit in der Behandlung des vocalen und instrumentalen Tyeiles, daß da von schülerhaften Versuchen nicht die Rede sein kann '). Eine Aufführung des musikalischen Theiles der Operetten im kleinen Concertraum würde manch' reizendes Stück zu Tage fördern.

Die Lust Opern zu schreiben hat übrigens Schubert nie verlassen. Es trat wohl hie und da eine längere Pause ein, im Ganzen genommen ist aber seine Thätigkeit auf diesem Felde eine überraschend fruchtbare, und trotzdem, daß in spaterer Zeit die Ungunst der Theaterverhältnisse seinen zwei größeren Bühnenwerken die ihnen gewissermaßen schon zugesicherte Aufnahme in das Repertoir verwehrte, sehen wir doch den Unermüdlichen noch am Ende feiner Tage abermals mit dem Gedanken an eine neue Oper beschäftigt.

Was von Schubert's dramatisch-musikalischen Arbeiten während seiner Lebzeiten auf der Bühne zur Aufführung gelangte, gehört ausschließlich dem Melodram und der musikalischen Posse an.

') Aus einigen Bruchstücken, welche mir bekannt geworden sind, läßt sich — bei Schubert — wohl aus das Ganze schlichen.

IV.

(1316.)

Äuch das Iahr 1816 repräsentirt in Franz Schubert's kurzem Erdenwallen eine Zeit rastlosen, durch keinen wichlizen Zwischenfall unterbrochenenen Schaffens, nur daß hier oeben der immer mehr anschwellenden Liedermasse an Stelle der Oper (welche nur durch ein Bruchstück vertreten ist) die Cantate, und zwar in der Gestalt dreier „Gelegenheitscompositionen", in den Vordergrund tritt, von welchen der auf einen poetischen Tert in Musik gesetzte „Prometheus" über die beiden anderen wenig bedeutenden entschieden hinausragt.

Der Zeitfolge nach ist unter den Cantaten jene als die erste vorzuführen, welche Schubert anläßlich des Iubiläumsfestes des Hoscapellmeisters Salieri selbstdichtend in hannlose Reime brachte und ebenso anspruchslos mit Tönen umkleidete.

Am 16. Iuni 1816 beging Antonio Salieri den fünfzigsten Iahrestag seines Eintrittes in den kaiserlichen Dienst. Dem bevorstehenden Iubelfest hatten er und seine Familie schon lange mit Freuden entgegengesehen und beschlossen, es mit einer angemessenen Feier zu begehen; diese jedoch auf eine den Verdiensten des Iubilars entsprechende Weise zu erhöhen, war sein Monarch selbst bedacht

Am frühen Morgen des 16. Iuni, desselben Tages, an welchem Kaiser Franz von seiner Reise nach Italien (zunächst von dem Schloß Bösenbeug) nach Schönbrunn zurückkehrt,', begab sich Salieri, eingedenk des ersten Ganges, welchen er am 16. Iuni 1766 mit seinem (mittlerweile verstorbenen) Meister Gaßmann durch die Straßen der Residenz gemacht hatte, begleitet von feinen vier Töchtern, zu einem Dankgebet in die italienische Kirche. Um 10 Uhr Vormittags fand sich vor seinem Haus (in der Spicgelgasse Nr. 1154) ein Hoswagen ein, der ihn in das Hotel des Obersthosmeisters Fürsten zu Trauttmannsdorf-Wcinsberg führte. Dieser erschien mit dem Hosmusikgrafeu von Kuefstein im Vorsaal und führte Salieri in ein zur Feierlichkeit bestimmtes Gemach, wo ihm nach kurzer Ansprache in Gegenwart des im Kreise aufgestellten Hosmusik-Personales die große goldene CivilEhren-Medaille mit Kette umgehängt wurde. Salieri dankte für die ihm zu Theil gewordene Auszeichnung und den versammelten Künstlern für ihren Eifer, und nachdem er huldvoll entlassen worden, fuhr er, da eben Sonntag war, in die Hoscapclle, um dort seinen gewöhnlichen Dienst zu verschen und die Musik des Hochamtes (diesmal eine seiner Messen) zu leiten.

Die Mittagsstunden füllte ein fröhliches Mahl im Kreise seiner Kinder und einiger vertrauten Freunde aus. Gegen 6 Uhr Abends versammelten sich, einer vorläusig an sie ergcmgenen Einladung zufolge, seine sämmtlichen ehemaligen

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und wirklichen Schüler und Schulerinnen in seiner Wohnung. Gras Kuesstein beehrte die Gesellschaft mit seiner Gegenwart. Sobald Alles versammelt war, begann die musikalische Feier. Salieri, von seinen vier gleichgekleideten Töchtern umgeben, nahm am Clavier Platz. Zur Rechten in einem Halbkreise saßen vierzehn theils ehemalige theils noch wirkliche Schülerinnen,nämlich die Damen: Rosenbaum und Fux (beide geborne Gaßmann), Correga, Flamm, Klüber, Schütz, Milani, Hähnel, Canzi, Franchetti, Teyber, Fery, Weiß und Mathes; zur Linken zwöls ebensalls theils schon absolvirte theils noch wirkliche Schüler, und zwar Schüler in der Composition'): Carl Freiherr von Doblhoss, Joses Weigl, Stunz, Aßmayr und Franz Schubert. Hummel und Mosch eles, eben aus Kunstreisen abwesend, beschränkten sich daraus, ihre Compositionen einzusenden. Als Schüler im Gesang erschienen: Mozatti, Fröhlich, Platzer und Salzmann. Dem Jubelgreise gegenüber waren zwei ausgezeichnete Plätze sür die beiden oben erwähnten Vorgesetzten bereitet, in Mitte derselben aber die Büste Kaiser Joses II., seines ersten „Gebieters und Wohlthäters", ausgestellt. Als Jedermann seinen Platz eingenommen, sprach Salieri den Anwesenden seinen Dank aus, woraus ein die Gesühle gegen Gott, Kaiser, Vaterland, Familie und Freunde ausdrückender Chor (Test und Musik von Salieri) gesungen wurde. Sosort begannen seine Schüler in der Composition, von dem Jüngsten angesangen, einer nach dem andern, die von ihnen sür diese Gelegenheit componirten Gesangsstücke vorzutragen, nach welchen die Compositionen von Hummel und Moscheles an die Reihe kamen.

Auch ein Lißt sindet sich unter den Schülern ausgesührt, Franz Lißt stand damals im sechsten Lebensjahr.

r. Kreißte, Franz Schubert, 6

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